Internationaler Affenpocken-Ausbruch: Fallzahlen und Einschätzung der Situation in Deutschland
In Deutschland sind im Mai 2022 erstmals Fälle von Affenpocken identifiziert worden. Mit Stand 17.8.2022 sind 3213 Affenpockenfälle aus allen 16 Bundesländern ans RKI übermittelt worden. Dabei ist die Zahl der wöchentlich ans RKI übermittelten Fälle seit Anfang August 2022 leicht rückläufig. Dieser Gesamttrend ergibt sich aber aus einzelnen lokalen Trends, die durchaus noch unterschiedlich verlaufen. Daher muss abgewartet werden, ob sich der Rückgang der Fallzahlen weiter fortsetzt.
Fallzahlen nach Meldewoche, Ländern, Kreisen, Altersgruppen und Geschlecht sind über SurvStat https://survstat.rki.de abrufbar. Die Übertragungen erfolgen in diesem Ausbruch nach derzeitigen Erkenntnissen in erster Linie im Rahmen von sexuellen Aktivitäten, aktuell insbesondere bei Männern, die sexuelle Kontakte mit anderen Männern haben. Bislang sind nur 11 weibliche Fälle und drei Fälle bei männlichen Jugendlichen in Deutschland übermittelt worden. Der in der vergangenen Woche ans RKI übermittelte Fall bei einem Kind wurde vom zuständigen Gesundheitsamt zurückgezogen. Wie das baden-württembergische Ministerium für Gesundheit mitteilte, wurde nach einer erneuten Probenuntersuchung eine Infektion mit Affenpocken ausgeschlossen. Der Fall wurde im Meldesystem gelöscht. Es ist damit weiterhin bislang keine Infektion bei einem Kind in Deutschland bekannt geworden.
Die Affenpocken-Fälle in Deutschland stehen im Zusammenhang mit einem Ausbruchsgeschehen, das seit Mai 2022 viele Länder weltweit, insbesondere Europa, betrifft. Das Ausbruchsgeschehen wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 23.7.2022 zur "Gesundheitlichen Notlage mit internationaler Tragweite" (Public Health Emergency of International Concern, PHEIC) erklärt. Aktuelle internationale Fallzahlen können dem Dashboard der WHO entnommen werden. Auch in Deutschland sind weitere Fälle zu erwarten. Soweit bekannt, erkranken die meisten Betroffenen nicht schwer.
Nach derzeitigem Wissen ist für eine Übertragung des Erregers ein enger Kontakt erforderlich. Es scheint weiterhin möglich, den aktuellen Ausbruch in Deutschland zu begrenzen, wenn Infektionen rechtzeitig erkannt und Vorsichtsmaßnahmen umgesetzt werden. Informationen zu Symptomen, Übertragungswegen und Schutzmöglichkeiten, u.a. auch die Möglichkeit einer Impfung, sind daher essentiell. Ärztinnen und Ärzte sollten Affenpocken auch bei Personen ohne bekannte Reiseanamnese in Endemiegebiete (West- und Zentralafrika) mit unklaren pockenähnlichen Hauteffloreszenzen (in Abgrenzung von Windpocken etc.) oder Läsionen in die erweiterten differenzialdiagnostischen Überlegungen mit einbeziehen.
Eine Gefährdung für die Gesundheit der breiten Bevölkerung in Deutschland schätzt das RKI nach derzeitigen Erkenntnissen als gering ein. Das RKI beobachtet die Situation weiter sehr genau und passt seine Einschätzung dem aktuellen Kenntnisstand an.
Unter www.rki.de/affenpocken stellt das RKI FAQ zu Affenpocken und verschiedene Empfehlungen und Hinweise u.a. zu Hygienemaßnahmen, Vorgehen bei Großveranstaltungen, Diagnostik und Therapie zur Verfügung. Ein Flyer von RKI und BZgA u.a. mit Hinweisen zu Übertragungswegen und Präventionsmöglichkeiten ist unter www.rki-de/affenpocken-flyer abrufbar.
Informationen zur Impfung gegen Affenpocken, darunter die Impfempfehlung der STIKO und Impf-FAQ, sind unter www.rki.de/affenpocken-impfung zu finden.
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