Navigation und Service

Zielgruppeneinstiege

Hintergrundinformation

Diabetes-Surveillance legt bundesweite Daten zur Sterblichkeit von Menschen mit Typ-2-Diabetes in Deutschland vor

Typ-2-Diabetes ist die häufigste Form der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), von der in Deutschland schätzungsweise derzeit rund 8 Millionen Menschen betroffen sind. Zu den wesentlichen bekannten Risikofaktoren für das Auftreten eines Typ-2-Diabetes zählen neben genetischen Faktoren und höherem Lebensalter insbesondere beeinflussbare Lebensstilfaktoren, die auch für die Entstehung anderer wichtiger chronischer Krankheiten von zentraler Bedeutung sind: Adipositas, Bewegungsmangel, ungünstige Ernährung und Rauchen. Trotz verbesserter Früherkennung und Behandlung ist der Typ-2-Diabetes nach wie vor mit hohen gesundheitlichen Risiken verbunden. Über Schädigungen der Gefäße und Nerven erhöht die Erkrankung das Risiko für schwerwiegende Folgeerkrankungen mit Einschränkung der Lebensqualität und der Lebenserwartung.

Für Deutschland fehlten bislang bundesweit bevölkerungsrepräsentative Angaben zum Ausmaß der geschlechts- und altersspezifischen Übersterblichkeit bei Menschen mit bekanntem oder unerkanntem Typ-2-Diabetes im Vergleich zu Menschen ohne die Erkrankung, insbesondere auch bei unerkanntem Typ-2-Diabetes. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Robert Koch-Institut und am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) in Düsseldorf haben nun dazu Ergebnisse einer Studie vorgelegt, die aktuell in der ‚online‘-Zeitschrift „BMJ Open Diabetes Research and Care“ veröffentlicht wurden.

Für die Studie wurden Daten von 6.550 Personen ausgewertet, die am Bundes-Gesundheitssurvey 1998 (BGS98) teilgenommen hatten und im Hinblick auf ihre Überlebenszeit durchschnittlich 12 Jahre weiter beobachtet wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass die Sterblichkeit bei Erwachsenen in Deutschland mit Typ-2-Diabetes im Zeitraum zwischen 1998 und 2010 nach wie vor insgesamt fast doppelt so hoch lag (Faktor 1,8) wie bei Erwachsenen ohne die Erkrankung. Ferner wurden deutliche Unterschiede nach Alter und Geschlecht deutlich, wobei sich – übereinstimmend mit Beobachtungen in anderen Ländern – das Sterbe­risiko bei Personen mit Typ-2-Diabetes mit zunehmendem Alter dem Sterbe­risiko von Personen ohne Diabetes angleicht. Besonders ungünstig ist das Verhältnis bei Männern in der Altersgruppe 45-55 Jahren, insbesondere wenn der Diabetes zum Zeitpunkt des BGS98 erstmals auf der Grundlage von Labordaten auffiel, also noch nicht ärztlich diagnostiziert war.

Die Ergebnisse der Studie weisen darauf hin, dass auch in Deutschland noch viel Bedarf zur Verbesserung der Versorgung von Menschen mit Typ-2-Diabetes vorhanden ist. Eine Annäherung des Sterberisikos für Menschen mit Typ-2-Diabetes an das Risiko von Menschen ohne die Erkrankung zählt zu den wichtigsten Zielkriterien für die Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung für Menschen mit Typ-2-Diabetes. Männer im jüngeren und mittleren Lebensalter stellen aufgrund ihrer relativ hohen Übersterblichkeit eine besonders wichtige Zielgruppe für Früherkennungsmaßnahmen dar, weil sie möglicherweise existierende relevante Angebote (z. B. Check-up 35) weniger nutzen als gleichaltrige Frauen bzw. bestimmte Angebote sich nur an Frauen richten (Screening auf Schwangerschaftsdiabetes).

Darüber hinaus weisen die Ergebnisse auf die Notwendigkeit einer fortgesetzten Beobachtung der Entwicklung der Sterblichkeit im Zusammenhang mit Diabetes in Deutschland hin. Die amtliche Todesursachenstatistik erlaubt keine zuver­lässige Einschätzung der Sterblichkeit im Zusammenhang mit Diabetes, da auf den Todesbescheinigungen häufig nicht der Diabetes, sondern die Folge­krank­heiten als zum Tode führendes Grundleiden dokumentiert werden. Für den Aufbau von Zeitreihen muss daher unbedingt auf die bevölkerungsbezogenen Daten des bundesweiten Gesundheitsmonitorings am Robert Koch-Institut zurückgegriffen werden.

Eine zusätzliche und zur Absicherung der Analysen unerlässliche Daten­grund­lage bilden Daten der gesetzlichen Kranken­versicherung, die seit 2014 auf der Grundlage der Datentransparenzverordnung (DaTraV) regelmäßig für Analysen zur Verfügung stehen. Fortgesetzte Analysen im Rahmen der am Robert Koch-Institut derzeit aufgebauten Diabetes Surveillance werden zeigen, ob die Übersterblichkeit im Zusammenhang mit Typ-2-Diabetes zurückgeht, wie dies bereits in anderen Ländern, darunter USA, Kanada, Schottland, Dänemark, Schweden und Großbritannien, gezeigt werden konnte.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig, dass eine umfassende Einschätzung von Krankheitslast im Zusammenhang mit Typ-2-Diabetes nicht nur die Erfassung der durch Sterblichkeit verlorenen Lebensjahre, sondern auch die Erfassung der in gesundheitlicher Einschränkung verbrachten Lebensjahre erfordert. Auch hierzu sind Daten des bundesweiten Gesundheitsmonitorings am Robert Koch-Institut verfügbar und liefern eine wichtige weitere Datengrundlage für die Diabetes-Surveillance in Deutschland.

Stand: 18.12.2017

Gesundheitsmonitoring

In­fek­ti­ons­schutz

Forschung

Kom­mis­sio­nen

Ser­vice

Das Robert Koch-Institut ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit

© Robert Koch-Institut

Alle Rechte vorbehalten, soweit nicht ausdrücklich anders vermerkt.