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Versuchstierhaltung

Versuchstierhaltung im Robert Koch-Institut

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Robert Koch-Instituts erforschen unter anderem, wie Infektionskrankheiten entstehen, wie sie verlaufen und auf welche Weise sich Erreger wirkungsvoll bekämpfen lassen. Bei einigen Fragestellungen müssen sie dazu auch auf Tierversuche zurückgreifen.

Derzeit befinden sich im RKI etwa 500 Versuchstiere in den nach §11 TierSchG i. V. m. § 11 TierSchVersV für die Zucht und Haltung von Versuchstieren behördlich genehmigten Räumlichkeiten. Es handelt sich dabei vorwiegend um kleine Nagetiere. Sie werden nach tierschutzrechtlichen Vorgaben und aktuellen versuchstierkundlichen Empfehlungen gehalten. Die Tierräume verfügen über ein spezielles Raumklima und Lichtregime, die Haltungssysteme und -ausstattungen sind auf die spezifische Tierart abgestimmt. Speziell ausgebildetes Tierpflegepersonal kümmert sich täglich um die spezifischen Belange der Versuchstiere. Zudem überwachen zwei Tierschutzbeauftragte bzw. Tierärztinnen die Umsetzung der versuchstierrechtlichen Vorgaben und das Wohlergehen der Tiere.

Hygienische Barrieren verhindern, dass Krankheitserreger in die Tierhaltung eingebracht werden oder austreten können. Die Tiere werden zudem regelmäßig mikrobiologisch untersucht, um möglicherweise eingetragene Krankheitserreger frühzeitig erkennen zu können. Dies dient einerseits der Tiergesundheit, ist aber zugleich auch eine Voraussetzung dafür, dass tierexperimentelle Forschung ohne mikrobiologische Beeinträchtigungen (Bias) durchgeführt werden kann.

Stand: 29.07.2021

    Rechtsgrundlagen

    Den rechtlichen Rahmen für einen Tierversuch in Deutschland bilden das Tierschutzgesetz (TierSchG) und die Tierschutz-Versuchstierverordnung (TierSchVersV). Dieser sieht vor, dass Tierversuche nur dann durchgeführt werden dürfen, wenn keine tierversuchsfreien Alternativen zur Beantwortung der konkreten wissenschaftlichen Fragestellung zur Verfügung stehen (§ 7a Abs. 2 Nr. 2 TierSchG). Zudem muss jeder Tierversuch bei der jeweils zuständigen Behörde des Bundeslandes beantragt werden und durchläuft einen umfangreichen Genehmigungsprozess. In Berlin ist die zuständige Behörde das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo).

    Stand: 29.07.2021

      Tierschutzbeauftrage und Tierschutzausschuss

      Jede Einrichtung, in der Versuchstiere gehalten und Tierversuche durchgeführt werden, muss eine/n oder mehrere Tierschutzbeauftragte/n bestellen und einen Tierschutzausschuss einrichten, die unter anderem die Einrichtung und ihre Mitarbeitenden zum Wohlergehen der Versuchstiere beraten (§ 10 TierSchG i. V. m. §§ 5 bzw. 6 TierSchVersV).

      Die Tierschutzbeauftragten des Robert Koch-Instituts achten darauf, dass die gesetzlichen Vorschriften im Interesse des Tierschutzes eingehalten werden (§ 5 TierSchVersV). Sie beraten und unterstützen die Mitarbeitenden, die die Versuchstiere pflegen oder Tierversuche durchführen, in allen tierschutzrelevanten und versuchstierkundlichen Belangen. Die Tierschutzbeauftragten werden bereits in die Planungsphase von Tierversuchen einbezogen und haben jederzeit Zugang zur Tierhaltung und zu den Aufzeichnungen der Forschenden. Alle Personen, die sich mit Tierversuchen und Versuchstieren befassen, sind gegenüber den Tierschutzbeauftragten auskunftspflichtig. Die Tierschutzbeauftragten wirken zudem darauf hin, dass Ersatz- und Ergänzungsmethoden zu Tierversuchen im RKI entwickelt und eingeführt werden. Darüber hinaus fördern die sie die versuchstierkundliche Aus-, Fort- und Weiterbildung von allen beteiligten Mitarbeitenden.

      Der Tierschutzausschuss besteht aus den Tierschutzbeauftragten und den für die Tierhaltung und -pflege Verantwortlichen des RKI sowie aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die Tierversuche durchführen (§ 6 TierSchVersV). Der Ausschuss legt unter anderem interne Arbeitsabläufe oder Maßnahmen fest, mit denen das Wohlergehen der Tiere überwacht oder verbessert wird und überprüft die Einhaltung dieser. Die Mitglieder des Ausschusses verfolgen zudem den Verlauf von Tierversuchen, besonders im Hinblick auf die Auswirkungen auf das Tierwohl.

      Stand: 29.07.2021

        Forschung zum 3R-Prinzip (Replace, Reduce, Refine)

        Seit 2013 ist in der Tierschutz-Versuchstierverordnung die konsequente Umsetzung des 3R-Prinzps zur Vermeidung (Replacement), Verminderung (Reduction) und Verbesserung (Refinement) der Verwendung von Versuchstieren vorgeschrieben. Alternativmethoden können bereits eine Vielzahl an Tierversuchen vollständig ersetzen oder tragen dazu bei, die Anzahl der für Tierversuche benötigten Tiere zu verringern. Für bestimmte Fragestellungen sind jedoch auch weiterhin keine Alternativen verfügbar, beispielsweise bei der Untersuchung des Zusammenspiels verschiedener Organfunktionen im Laufe einer Infektion.

        Auch um dem 3R-Prinzip Rechnung zu tragen, werden am RKI verschiedene Alternativmethoden entwickelt und angewandt:
        Ein 3R-Schwerpunkt liegt in der Erforschung von Botulinum Neurotoxinen (BoNT). Einem Team des RKI ist es gelungen, ein in vitro-Verfahren zum funktionellen Nachweis klinisch relevanter BoNTs zu entwickeln. Die Methode wurde 2019 im Fachmagazin Scientific Reports publiziert und 2021 mit dem 3. Hamburger Forschungspreis für Alternativen zum Tierversuch ausgezeichnet

        Alternativ- und Ergänzungsverfahren werden zudem auch in der Prionenforschung entwickelt und eingesetzt. Hier dienen humane Gehirn-Organoid-Assays in Kombination mit zellfreien Assays wie der Protein Misfolding Cyclic Amplification (PMCA, biochemische Technik zur Vervielfältigung fehlgefalteter aggregierter Prionproteine) oder der Real-Time Quaking Induced Conversion (RT-QuIC, hochempfindlicher Test zum Nachweis der Fehlfaltungs- und Aggregationsaktivität krankheitsassoziierter Proteine z.B. von Prionkrankheiten oder der Parkinson-Krankheit) dem Ersatz oder der Reduktion von Tierversuchen zur Quantifizierung von Prion-assoziierter Seeding-Aktivität und Infektiosität.

        Auch in der Erforschung respiratorischer Viren finden Stammzell-basierte Zellkulturen Anwendung. Hier dienen Organoide des Respirationstraktes der Forschung an Influenzaviren oder der Identifizierung von Replikationsnischen neu auftretender Viren

        Zur Untersuchung von Erreger-Wirts-Interaktionen bei Darmparasiten des Menschen sind, vor allem hinsichtlich Feldisolaten oder neuartigen Erregern, derzeit keine geeigneten Zellkultursysteme verfügbar. Ein RKI-Team entwickelt daher Darm-Organoide zur Untersuchung dieser intestinalen Infektionskrankheiten. Zudem wurde eine Biobank mit Geweben des Menschen und verschiedener Tierspezies (z.B. Schwein, Wildnager, Huhn) etabliert, die zur Untersuchung von Wirt-Pathogen-Interaktionen genutzt werden

        Da Tierversuche auch im Hinblick auf die artspezifische Fähigkeit der Tiere, unter den Versuchseinwirkungen zu leiden, auf das unerlässliche Maß zu beschränken sind (§ 7 Abs. 1, 1c TierSchG), werden am RKI für bestimmte Fragestellungen Larven von Wachsmotten (Galleria melonella) anstelle von Wirbeltieren verwendet.

        Das Fachgebiet MF3 Tierexperimentelle Forschung und 3R ist über eine Kooperation mit dem Institut für Tierschutz, Tierverhalten und Versuchstierkunde der Freien Universität Berlin an der Auswertung des Bf3R-geförderten Projektes "SimulRATor" beteiligt, das der systematischen Evaluierung von Simulatoren der Ratte und der Maus als Alternativ- und Ergänzungsmethode zum Tierversuch in Ausbildung und Lehre dient. Ein weiteres Kooperationsprojekt zielt auf die Etablierung einer 3D-Zellkultur des Endometriums der Maus mit dem Ziel des Replacements bspw. bei toxikologischen Fragestellungen ab.

        In der Tierhaltung wird nicht nur auf die Implementierung, sondern auch auf die Erforschung von Refinementmaßnahmen geachtet. Hier wurde bspw. der Frage nachgegangen, wie die Zucht- und Haltungsbedingungen sowie das Handling von Rötelmäusen verbessert werden kann, um einerseits das Wohlbefinden der Tiere zu verbessen und andererseits eine für die Tiere stressfreiere Umgangsweise bei Eingriffen wie bspw. beim Wiegen zu ermöglichen (Paul et al. 2018, Practical approaches for refinement and reduction of animal experiments with bank voles in prion research, Berliner und Münchener Tierärztliche Wochenschrift).

        Darüber hinaus ist das RKI beim Einstein-Zentrum 3R vertreten, einer Kooperation verschiedener Berliner Forschungseinrichtungen mit dem Ziel, vornehmlich mit Hilfe von Organoiden Ersatzmethoden für Tierversuche zu etablieren.


        Das 3R-Prinzip in der Ausbildung und Lehre

        Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des RKI beteiligen sich mit ihrer 3R-Expertise an einer institutsübergreifenden Aus-, Fort- und Weiterbildungsveranstaltung im Rahmen der mit dem Preis des Landes Berlin für Alternativmethoden in der Lehre und Ausbildung prämierten Seminarreihe "Alternatives to animal use in research and education - Refine, Reduce & Replace". Diese bietet Studierenden und Forschenden einen Überblick über ethische und rechtliche Aspekte von Tierversuchen und Alternativmethoden, sowie über die Anforderungen an die Entwicklung und Zulassung von Alternativverfahren

        In der Ausbildung von tierexperimentell tätigen Mitarbeitenden des RKI werden zudem neben Eigenkreationen auch kommerziell erhältliche Kunststoff-Modelle von Ratten oder Kaninchenohren eingesetzt, die durch ein verbessertes Training der Mitarbeitenden vor der Übung am Tier dem Refinement Rechung tragen.

        Stand: 29.07.2021

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