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Auswertungsergebnisse: Herz- und Kreislauf-Krankheiten

Verbreitung von Herz-Kreislauf-Risikofaktoren in der erwachsenen deutschen Bevölkerung

Die Daten des Bundes-Gesundheitssurveys 1998 (BGS98) erlauben Aussagen über die Verbreitung (Prävalenz) von Herz-Kreislauf-Risikofaktoren in der erwachsenen deutschen Wohnbevölkerung im Alter von 18 bis 79 Jahren für den Beobachtungszeitraum (1997/98). Die Ergebnisse zeigen eine hohe Prävalenz von Risikofaktoren. So haben etwa ein Drittel der Männer und Frauen einen Cholesterinwert > 250 mg/100 ml. Adipös (Body-Mass-Index > 30 kg/m²) ist fast jede/jeder Fünfte. 18 % der Männer und Frauen haben eine (nach Kriterien der Weltgesundheitsorganisation) "mittelschwere" bis "schwere" Hypertonie. Mehr als 20 % der 20- bis 49-jährigen Männer sind starke Raucher (Zigarettenkonsum ≥ 20 Zigaretten pro Tag). Nur etwa ein Drittel aller 18- bis 79-Jährigen haben keinen der oben genannten Risikofaktoren; ca. 40 % weisen einen, ca. 20 % zwei Risikofaktoren auf. Die Verbreitung der Risikofaktoren zeigt eine starke Abhängigkeit von der sozialen Schicht. Verglichen mit den Daten des bundesweiten Gesundheitssurveys 1990/92 zeichnet sich bei Frauen - anders als bei Männern, bei denen keine quantitativen Veränderungen erkennbar sind - eine Zunahme von Risikofaktoren ab.

Zum Herzinfarktgeschehen in der Bundesrepublik Deutschland

Prävalenz, Inzidenz, Trend, Ost-West-Vergleich

Der Bundes-Gesundheitssurvey 98 (BGS98) als deskriptive Querschnittsstudie erlaubt die Erfassung des Krankenbestandes an Personen, die berichten, jemals im Laufe ihres Lebens einen Herzinfarkt erlitten zu haben (Lebenszeit-Prävalenz). Auf dieser Datengrundlage wird für die deutsche Wohnbevölkerung im Alter von 18 bis 79 Jahren eine Lebenszeit-Prävalenz überlebter oder nicht-letaler Myokardinfarkte von 3,3 % bei Männern und 1,7 % bei Frauen beobachtet.  Dabei bestehen keine signifikanten Unterschiede zwischen neuen und alten Bundesländern. Auf die Altersgruppe der 30- bis 79-jährigen deutschen Wohnbevölkerung beschränkte Hochrechnungen zur absoluten Anzahl von Personen nach Herzinfarkt im Beobachtungszeitraum 1997/98 ergeben 1.452.988 Fälle nach Herzinfarkt. Innerhalb einer 12-monatigen Beobachtungsperiode des BGS 98 sind insgesamt 190.000 Fälle neu aufgetreten (Erst- und Reinfarkte nicht unterschieden).

Vorausberechnungen des Herzinfarktgeschehens in Deutschland

Auf der Grundlage des Bundes-Gesundheitssurveys 1998, des Augsburger Herz-infarktregisters und der 9. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung (Bevölkerungsentwicklung in Deutschland bis zum Jahre 2050, CD-ROM. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2000) erfolgte eine Vorausberechnung des Herzinfarktgeschehens in der Bundesrepublik Deutschland bis zum Jahre 2050. Unter der theoretischen Voraussetzung eines gleich bleibenden Erkrankungsrisikos bzw. einer gleich bleibenden Häufigkeit des Krankseins steigt insgesamt im Projektionszeitraum die Zahl der inzidenten bzw. prävalenten Herzinfarktfälle im Alter von 25 bis < 90 Jahre, während der Bevölkerungsbestand eine rückläufige Entwicklung zeigt. Zur Vermeidung von Fehlinterpretationen sollten in Morbiditätsvorhersagen neben standardisierten Inzidenz- und/oder Prävalenzraten auch stets Berechnungen zur weiteren Entwicklung der absoluten Zahl inzidenter und/oder prävalenter Fälle aufgenommen werden.

Schlaganfall

Prävalenz, Inzidenz, Trend, Ost-West-Vergleich

Der Krankenbestand an Personen nach Schlaganfall (Menge prävalenter Fälle in der Bevölkerung) ist abhängig von der Neuerkrankungsrate (Inzidenzrate) an Schlaganfällen und der Fatalität (an Schlaganfall Gestorbene in Beziehung zu neuen Erkrankungsfällen im Beobachtungszeitraum). Im Rahmen von bevölkerungsbezogenen Querschnittsuntersuchungen (Surveys) werden in der Regel nur die Schlaganfälle erfasst, die milder oder günstiger verlaufen sind. Trotz dieser eingeschränkten Erfassung liegt die aus den Daten des Bundesgesundheitssurveys 1998 (BGS98) für die deutsche Wohnbevölkerung im Alter von 30 bis 80 Jahren hochgerechnete absolute Anzahl von Personen nach Schlaganfall mit etwa 945.000 weit über den vorherigen Gesamtschätzungen für Deutschland. Davon entfallen 58.000 Schlaganfall-Fälle auf die Altersgruppe zwischen 30 und 50 Jahren. Innerhalb einer 12-monatigen Beobachtungsperiode des BGS98 (1997/98) sind insgesamt 230.000 Fälle neu aufgetreten (erste und wiederholte Schlaganfälle nicht unterschieden). Die Lebenszeit-Prävalenz (Krankenstand an Personen, die jemals im Laufe ihres Lebens einen Schlaganfall erlitten haben) in der Bevölkerung von 18 bis 79 Jahren beträgt insgesamt 1,55 % bei Männern und 1,73 % bei Frauen. Altersspezifische Prävalenzraten steigen bei Frauen jenseits des 60. und bei Männern bereits jenseits des 50. Lebensjahres sprunghaft an. Zwischen den alten und neuen Bundesländern sind für den Untersuchungszeitraum des BGS98 (1997/98) keine signifkanten Unterschiede in der Gesamtprävalenz zu beobachten.

Literatur

  1. Thefeld W. Verbreitung der Herz-Kreislauf-Risikofaktoren Hypecholesterinämie, Übergewicht, Hypertonie und Rauchen in der Bevölkerung.
    Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesunddheitsschutz 2000; 43: 415-423.
  2. Wiesner G, Grimm J, Bittner E. Vorausberechnungen des Herzinfarktgeschehens in Deutschland. Zur Entwicklung von Inzidenz und Prävalenz bis zum Jahre 2050. Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesunddheitsschutz 2002, 45:438-445
  3. Wiesner G, Grimm J, Bittner E. Zum Herzinfarktgeschehen in der Bundesrepublik Deutschland: Prävalenz, Inzidenz, Trend, Ost-West-Vergleich. Das Gesundheitswesen 1999; 61(Sonderheft 2): S72-S78.
  4. Wiesner G, Grimm J, Bittner E. Schlaganfall: Prävalenz, Inzidenz, Trend, Ost-West-Vergleich. Erste Ergebnisse aus dem Bundesgesundheitssurvey 1998. Das Gesundheitswesen 1999; 61(Sonderheft 2): S79-S84.
Stand: 28.02.2005

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