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Konsiliarlaboratorium für Noroviren

Leitung: Marina Höhne

Gastroenteritiden (Magen/Darm-Infektionen) sind nach Angaben der WHO weltweit eine der häufigsten Erkrankungen. Etwa 5 Millionen Kinder sterben jährlich an einer Magen-Darm-Infektion. In den letzten Jahren wurden unter den nicht-bakteriell bedingten Infektionen die humanen Noroviren als häufigste Ursache für epidemische Gastroenteritisausbrüche identifiziert. Die Viren werden von infizierten Personen sowohl über den Stuhl, als auch beim Erbrechen ausgeschieden. Eine Übertragung kann durch Schmierinfektion (von Mensch zu Mensch oder über kontaminierte Oberflächen), durch orale Aufnahme virushaltiger Aerosole nach Erbrechen oder durch den Verzehr kontaminierter Speisen oder Getränke erfolgen. Die Viren sind hochinfektiös und zeichnen sich durch eine hohe Umweltresistenz aus. Norovirusinfektionen betreffen alle Altersgruppen und treten häufig als Gruppenerkrankung in Gemeinschaftseinrichtungen auf. Erkrankungen werden ganzjährig beobachtet wobei es in den Wintermonaten zu einem deutlichen Anstieg von Norovirusausbrüchen kommt. Seit dem 1.1.2001 sind Norovirusinfektionen nach IfSG meldepflichtig (§§ 6, 7). Die Therapie erfolgt symptomatisch (Ausgleich des Flüssigkeits- und Elektrolytverlustes), da bisher keine kausale antivirale Therapie zur Verfügung steht.

Im Konsiliarlabor für Noroviren werden molekularbiologische Methoden zum Nachweis und zur Charakterisierung (u.a. Erregervariabilität, Genotypdifferenzierung, Nachweis der Infektkette) eingesetzt und ständig an die aktuellen Sequenzdaten angepasst. Mittels Sequenzierung und phylogenetischer Analysen in verschiedenen Genomregionen können Aussagen zur Genomveränderung (antigenic drift bzw. shift/ intertypische Rekombination) getroffen werden. Diese Daten werden in enger Zusammenarbeit auf europäischer Ebene ausgetauscht, um schnell Informationen über die aktuelle Zirkulation von Norovirusvarianten in Europa und der Welt zu erhalten.

In Studien zur Pathogenese der Norovirusinfektion soll untersucht werden, wie Virulenzfaktoren bzw. Pathogenitätsmerkmale mit Erkrankungshäufungen korrelieren. Weiterhin soll die Rolle der hohen genetischen bzw. antigenen Variabilität auf das Unterlaufen einer protektiven Immunität (escape) untersucht werden. Hierzu sind auch Studien zur Etablierung eines Zellkultursystems erforderlich. Bis heute können humane Noroviren nicht in vitro kultiviert werden. Als einziges experimentelles Modell stehen seit kurzer Zeit murine Noroviren (MNV) zur Verfügung, die in Zellkultur und im Tiermodell replizieren. Im Fachgebiet werden Untersuchungen zu Vorkommen, Variabilität und Rekombination von MNV in verschiedenen Kolonien von Labormäusen (immundefiziente, transgene Mäuse) und in Wildtyp-Mäusen vorgenommen. In vitro Replikationsstudien zur Neutralisation und zur Pathogenese sollen klären, inwieweit in diesem Zellkultur-Modell Aussagen zur Virus-Wirts-Interaktion auch für humane Noroviren zu treffen sind.

Leistungsangebot des Konsiliarlabors:

  • Nachweis von Norovirus-RNA - mittels Nukleinsäureamplifikationstechniken
  • Aufbau und Optimierung von Methoden zur Norovirusdiagnostik
  • Molekulare Feincharakterisierung im Rahmen von Ausbrüchen (Genotypdifferenzierung)
  • Beratung und Unterstützung zum Norovirusnachweis
  • Beratung von Gesundheitseinrichtungen der Länder

Bei Einsendung von Untersuchungsmaterial wird um vorherige telefonische Absprache mit dem Labor gebeten.

Ausgewählte Publikationen

Stand: 19.01.2009

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