Wie viele Menschen werden bei der Pandemie erkranken oder sterben?
Wie schwer die Pandemie mit dem neuen H1N1-Virus verlaufen wird, lässt sich nicht vorhersagen. Auch eine allgemeine Abschätzung der Auswirkungen einer Pandemie ist nur unter Vorbehalt möglich. Hinzu kommt, dass unterschiedliche Länder auch unterschiedlich schwer betroffen sein können, etwa wenn es kein funktionierendes Gesundheitssystem oder keine ausreichende Ernährungssituation gibt. Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation handelt es sich bislang um eine moderate Pandemie.
Staaten, die eine erste Welle durchgemacht haben, berichten, dass die erhobenen Raten an influenzatypischen Erkrankungen sich im Allgemeinen in einem Bereich bewegen, der auch in stärkeren Influenzasaisons in den letzten Jahren beobachtet wurde. Die zweite pandemische Welle ist in den USA und in England bislang stärker als die erste. Die Zahl der geschätzten Influenzaerkrankungen in Deutschland (siehe auch Frage „Wie wird die Grippeaktivität in Deutschland erfasst?“) kann je nach Schwere der Welle stark schwanken. Während der saisonalen Grippewellen werden schätzungsweise 5 bis 20 Prozent der Bevölkerung infiziert (nicht jeder Infizierte erkrankt und nicht jeder Erkrankte geht zum Arzt). Bei der schwersten saisonalen Grippewelle dieses Jahrzehnts, 2004/2005, gab es geschätzte 4,7 bis 6,2 Millionen Arztbesuche aufgrund einer Influenza, in der Saison 2003/04 waren es 0,5 bis 1,8 Millionen Arztbesuche. Eine saisonale Grippewelle dauert etwa 8-12 Wochen.
Die zu erwartende Zahl der Todesfälle an pandemischer Influenza lässt sich nicht vorhersagen, weil man die Entwicklung der Eigenschaften eines Erregers und seiner Verbreitung in der Bevölkerung nicht vorhersagen kann. Hinzu kommt, dass unterschiedliche Länder auch unterschiedlich schwer betroffen sein können, etwa wenn es kein funktionierendes Gesundheitssystem oder keine ausreichende Ernährungssituation gibt oder die Impfquoten unterschiedlich sind. Nach den Erfahrungen aus der Südhalbkugel und den am stärksten betroffenen Ländern der Nordhalbkugel wurden im Sommer 2009 die Zahl der Todesfälle pro Bevölkerung (Mortalität) zwischen 1 pro 1 Million (Vereinigtes Königreich) bis zu etwa 5 pro 1 Million Einwohner (Australien) angegeben. Unter den Todesfällen waren (anders als in saisonalen Grippewellen) seltener alte Menschen, sondern eher Jüngere. Auch in den USA ist in der Herbstwelle die Zahl der Todesfälle bei Kindern und Erwachsenen bis zum mittleren Lebensalter durch die Neue Influenza deutlich höher als in vergangenen saisonalen Grippewellen (siehe www.cdc.gov/flu/weekly). Auch in Deutschland traten die bisher gemeldeten Todesfälle vorwiegend in den jüngeren Altersgruppen, vorwiegend bei Menschen mit Grunderkrankungen, auf (siehe Influenza-Wochenbericht). Daher hält es das Europäische Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention (ECDC) für möglich, dass die Zahl der verlorenen Lebensjahre höher sein könnte als in saisonalen Wellen (ECDC Risk Assessment vom 6.11.2009). Zum Vergleich: die - geschätzte - mit saisonaler Influenza in Zusammenhang stehende Mortalität beträgt in Ländern wie den USA oder Deutschland im Durchschnitt etwa 120 pro 1 Million Einwohner, kann aber von Saison zu Saison sehr stark schwanken. Schwache Wellen führen zu einer sehr geringen Anzahl von Todesfällen (geschätzte 0 bis 80 in der Welle 2000/2001), starke Wellen hingegen, wie z.B. 2004/2005, gab es in Deutschland geschätzte 12.000 bis 15.000 Todesfälle. Eine Übersicht über die geschätzten Todesfälle seit Mitte der Achtzigerjahre enthält der Saisonbericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza (Kapitel 6.4.).
