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Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2008

Infektionsepidemiologisches Jahrbuch 2008

An dieser Stelle sollen einige herausragende infektionsepidemiologische Ereignisse des Jahres 2008 exemplarisch zusammengefasst werden. Weiterführende Details und andere interessante Beobachtungen sind den jeweiligen Kapiteln zu entnehmen. Vertiefende Analysen sowie ausführliche Darstellungen wichtiger Ausbrüche werden zusätzlich im Epidemiologischen Bulletin des RKI und in verschiedenen Fachzeitschriften publiziert.

Erstmals seit Einführung der Meldepflicht im Jahr 2001 kam es in 3 aufeinander folgenden Jahren zu einer sehr hohen Norovirus-Aktivität. In der Wintersaison 2007/2008 wurden die höchsten Erkrankungsraten seit Einführung des IfSG erreicht. Gegenüber dem Vorjahr nahmen die Norovirus-Erkrankungen um 6% zu. An allen übermittlungspflichtigen Krankheiten hatte Norovirus-Gastroenteritiden den größten Anteil (43%). Mehr als die Hälfte der übermittelten Erkrankungen (59%) traten im Rahmen von Häufungen auf.

Beim Q-Fieber ist im Vergleich zum Vorjahr die Anzahl der übermittelten Fälle (n=370 Erkrankungen) auf mehr als das Vierfache angestiegen. Wie bereits in den Jahren 2003 und 2005 waren die hohen Zahlen auf große Q-Fieber-Ausbrüche zurückzuführen. Die größten Häufungen ereigneten sich in Hessen (Lahn-Dill-Kreis, 50 Erkrankungsfälle), Bayern (Region Aschaffenburg, 43 Erkrankungsfälle) und Baden-Württemberg (LK Freudenstadt, 37 Erkrankungsfälle). Alle standen im Zusammenhang mit infizierten Schafherden. Eine weitere Häufung betraf Mitarbeiter einer veterinärmedizinischen Laboreinrichtung, wo 7 übermittelte Fälle die Erkrankung vermutlich im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit erwarben.

Die Epidemiologie der Salmonellose war geprägt durch eine signifikante Abnahme (23% gegenüber 2007) der Erkrankungen, die vor allem durch sinkende S.-Enteritidis-Infektionszahlen erklärt wird. Es wurden auch weniger Häufungen mit weniger großen Fallzahlen übermittelt als 2007. Im Rahmen einer Häufung von S. Tennessee bei Kleinkindern unter 3 Jahren konnte in einer Fall-Kontroll-Studie ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen den Erkrankungen und dem Kontakt zu Reptilien (insbesondere Bartagamen) hergestellt werden.

Die Hantavirus-Inzidenz ist nach dem epidemieartigen Auftreten im Jahr 2007 (n=1.688 Erkrankungen) auf ein durchschnittliches Niveau (n = 243) zurückgegangen.

Nach einer Phase kontinuierlich steigender HIV-Meldezahlen zwischen 2001 und 2007 hat sich der beobachtete Anstieg im Jahr 2008 verlangsamt. Es bleibt abzuwarten, ob sich daraus eine Trendwende entwickelt.

Die Zahl der gemeldeten Syphilis-Fälle ist gegenüber dem Vorjahr leicht rückläufig. Der Trend blieb regional uneinheitlich: In den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen sowie in Brandenburg stieg die Zahl der gemeldeten Fälle weiter oder wieder an, während in den übrigen Bundesländern zum Teil deutliche Rückgänge der gemeldeten Fallzahlen zu verzeichnen waren.

Regionale Ausbrüche von Masern führten im Jahr 2008 zu einem Anstieg der Zahl der Masernerkrankungen im Vergleich zum Vorjahr. Ursache war die immer noch unzureichende Impfquote. Aus Bayern stammt die größte Häufung mit 88 Fällen. Mehrere oberbayerische Landkreise waren zwischen Mitte März und Mitte Juli 2008 von einem Masernausbruch erfasst. Er nahm seinen Anfang mit dem Auftreten erster Masernerkrankungen in einer Schule in Österreich, die unter anderem auch von Schülern mit deutschem Wohnsitz besucht wurde. In der Folge breitete sich die Maserninfektion zunächst in den Schülerfamilien und dann auch in der Allgemeinbevölkerung aus. Auch größere Häufungen in Baden-Württemberg gingen zum Teil von Gemeinschaftseinrichtungen aus und verbreiteten sich in weiteren Landkreisen.

In der Influenzasaison 2007/08 zirkulierten bei einer insgesamt eher schwachen Grippewelle hauptsächlich Influenza A/H1N1-Viren und – zeitlich nachfolgend – Influenza B-Viren. Erstmalig traten gehäuft Infl uenza A/H1N1-Viren auf, die resistent gegen das antivirale Arzneimittel Oseltamivir waren. Nach Auswertung der Daten in Deutschland und anderen europäischen Ländern konnten keine Unterschiede im Krankheitsverlauf oder bei Risikofaktoren von Oseltamivir-empfindlichen und -resistenten A/H1N1-Viren gefunden werden. Der Anteil resistenter Viren bei den A/H1N1-Viren betrug insgesamt 13%, A/H3N2- und B-Viren blieben gegen Oseltamivir empfindlich.

Meldepflichtige Infektionskrankheiten 2008

Erratum: Im Kapitel 6.17 Hepatitis A wurde der letzte Satz des Abschnitts 'Impfstatus' korrigiert. Bitte die Seite 94 austauschen

Anhang:

Stand: 14.10.2009

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