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Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2007

Infektionsepidemiologisches Jahrbuch 2007

An dieser Stelle sollen einige herausragende infektionsepidemiologische Ereignisse des Jahres 2007 exemplarisch zusammengefasst werden. Weiterführende Details und andere interessante Beobachtungen sind den jeweiligen Kapiteln zu entnehmen. Vertiefende Analysen sowie ausführliche Darstellungen wichtiger Ausbrüche werden zusätzlich im Epidemiologischen Bulletin des RKI und in verschiedenen Fachzeitschriften publiziert.

Erstmals seit Einführung der Meldepflicht im Jahr 2001 kam es in 2 aufeinander folgenden Jahren zu einer sehr hohen Norovirus-Aktivität. Im Jahr 2007 stieg die Anzahl der Norovirus-Erkrankungen mit mehr als 200.000 Fällen auf das Zweieinhalbfache gegenüber dem Vorjahr. Norovirus-Gastroenteritiden hatten an allen übermittlungspflichtigen Krankheiten den größten Anteil (42%). Auch die Anzahl der übermittelten Häufungen ist im Vergleich zum Vorjahr fast auf das Dreifache angestiegen. Ähnlich wie im Jahr 2006 wurde die Mehrzahl der Häufungen aus Krankenhäusern (39%) sowie Pflege- und Altenheimen (38 %) gemeldet.

Beim größten überregionalen Salmonellose-Ausbruch erkrankten mehr als 50 Personen an S. Panama – nahezu alle Betroffenen waren Kinder und Jugendliche. Im Rahmen einer Ausbruchsuntersuchung wurden Minisalami-Produkte als wahrscheinliches Lebensmittelvehikel identifiziert. Achtzehn der insgesamt 19 gemeldeten lokalen Häufungen von Salmonellosen mit 40 oder mehr Fällen wurden durch S. Enteritidis verursacht. Die größte dieser Häufungen mit über 300 Erkrankungen betraf verschiedene Kindertagesstätten und Schulen in Sachsen-Anhalt, die alle von der gleichen Großküche versorgt wurden.Aufsehen erregten Ausbrüche in 3 großen Krankenhäusern mit 248, 86 bzw. 56 betroffenen Personen.

Für das Jahr 2007 wurden insgesamt 567 Masernerkrankungen übermittelt. Das war weniger als ein Viertel der im Vorjahr übermittelten Fälle und damit die zweitniedrigste Zahl seit Beginn der Meldepflicht im Jahr 2001. In den 5 neuen Bundesländern sowie im Saarland war die Inzidenz kleiner als 0,1 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner, was von der WHO als Schwellenwert für das Erreichen der Maserneliminierung angesehen wird, wobei aus Thüringen und dem Saarland gar keine Masernfälle übermittelt wurden. Insgesamt 359 Erkrankungen wurden im Rahmen von 65 Häufungen übermittelt, die meisten hiervon aus Nordrhein-Westfalen und Bayern. Aus Bayern stammt auch der größte Herd, der einen Ausbruch mit 85 Fällen in Niederbayern erfasst. Er hatte in einer Schule begonnen, die von Schülern aus 2 Landkreisen (Rottal-Inn und Passau) besucht wird, in denen dann weitere Masernerkrankungen auftraten. Auch die zweitgrößte Häufung mit 57 Fällen, die
in Nordrhein-Westfalen auftrat, ging von einer Gemeinschaftseinrichtung aus und verbreitete sich in 2 Kreisen (Stadtkreis Düsseldorf und Landkreis Mettmann).

Dem RKI wurden 2.752 HIV-Infektionen gemeldet, die im Jahr 2007 neu diagnostiziert wurden. Dies bedeutet gegenüber dem Jahr 2006 einen Anstieg von 4 %. Die höchste Inzidenz der HIV-Erstdiagnosen fand sich in den Stadtstaaten Berlin und Hamburg, wobei einige Großstädte innerhalb der alten Bundesländer ähnlich hohe Inzidenzen aufwiesen. Schließt man die Großstädte mit besonders hohen Inzidenzwerten vom Vergleich aus, nähern sich die Inzidenzen in den alten und neuen Bundesländern deutlich an. Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), sind die am häufigsten betroffene Gruppe, bei der sich ein kontinuierlicher sowohl prozentualer als auch absoluter Anstieg der Meldungen zeigte. Die zweitgrößte Betroffenengruppe waren mit 17% Personen, die ihre HIV-Infektion durch heterosexuelle Kontakte erworben haben.

Auch die Zahl der insgesamt gemeldeten Syphilis-Fälle lag 2007 mit 3.258 etwas über der Vorjahreszahl. Jedoch stieg der Anteil der Fälle, die vermutlich über sexuelle Kontakte zwischen Männern übertragen wurden, auf 80% an. Der Ausbruch in der Region Aachen, der bereits im Jahr 2004 begonnen hatte, setzte sich auch im Jahr 2007 mit abgeschwächter Intensität fort. Im Jahr 2007 wurden lediglich noch 3 Fälle einer konnatalen Syphilis berichtet.

Die Influenza-Meldungen in der Grippewelle der Saison 2006/2007 fielen fast vollständig in das Jahr 2007. Die Zahl der übermittelten Meldungen stellt den zeitlichen Verlauf der Grippewelle sehr gut dar. Bundesweit erreichten die übermittelten Meldungen in der 9. und 10. Meldewoche 2007 ihren Höhepunkt. Insgesamt überwogen übermittelte Fälle mit Influenza vom Typ A. Von den 1.392 Influenza A-Erkrankungen mit bekanntem Subtyp dominierte der Subtyp A/H3N2 mit 90% vor A/H1N1 mit 10%. Auch im Jahr 2007 wurden in Deutschland keine humanen Fälle mit dem Erreger der aviären Influenza A/H5N1 übermittelt.

Mit 1.687 Erkrankungen an Hantaviren wurde die höchste ermittelte Erkrankungsinzidenz seit Einführung des IfSG erreicht (2,1 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner). Die monatliche Fallzahl nahm von Jahresbeginn an kontinuierlich zu, erreichte im Juni das Maximum. Im Jahr 2007 kam es wie im Herbst und Winter 2004/2005 zu einer Massenvermehrung der Wühlmausarten, zu denen auch die Rötelmaus als Überträger der für Deutschland relevanten Hantavirus-Spezies Puumala gehört, was maßgeblich für den massiven Anstieg der Hantavirus-Erkrankungen im Jahr 2007 verantwortlich gewesen zu sein scheint.

Im Berichtsjahr wurden insgesamt 165 Erkrankungen an Leptospirose übermittelt, dies entspricht dem höchsten Stand seit 1961. Im Rahmen von 2 Häufungen wurden insgesamt 33 Erkrankungen übermittelt. Bei einem Feldfieber-Ausbruch im Landkreis Düren (Nordrhein-Westfalen) waren 31 Erdbeerpflücker an einer Leptospirose erkrankt. Als Quelle des Ausbruchs konnten Feldmäuse (Microtus arvalis) identifiziert werden, die zu einem hohen Anteil mit Leptospira kirschneri serovar Grippotyphosa infiziert waren. Bei einer weiteren Häufung waren 2 Familienmitglieder nach dem Kontakt zu einer infizierten Ratte (die als Haustier gehalten wurde) erkrankt.

Im Jahr 2007 wurden dem RKI 20 Erkrankungen an Tularämie übermittelt. Diese kamen aus 6 Bundesländern, die meisten aus Baden-Württemberg. Für 18 Fälle wurde als mögliches Infektionsland Deutschland angegeben, für je einen Fall Frankreich und Spanien.

Die Anzahl der gemeldeten FSME-Erkrankungen (insgesamt 238 übermittelte Fälle) ging 2007 um 56% gegenüber dem Vorjahr zurück. Wie in den Vorjahren lagen die Inzidenzen der übermittelten FSME-Erkrankungen in Baden-Württemberg und Bayern deutlich höher als in den anderen Bundesländern.

In Deutschland wurden insgesamt 32 nach Deutschland importierte Chikungunya-Fieber-Erkrankungen gemeldet. Hierunter waren jedoch keine Fälle, die im norditalienischen Epidemiegebiet erworben wurde, wo es von Juli bis Oktober 2007 in der Provinz Ravenna (Region Emilia-Romagna) zu einem regional begrenzten Ausbruch von Chikungunya-Fieber mit fast 200 Fällen gekommen war. Vermutlich wurde das Virus durch einen mit Chikungunya infizierten Reiserückkehrer aus Südindien (Kerala) nach Italien eingeschleppt. Die Mehrzahl (78%) der in Deutschland gemeldeten Infektionen wurde aus Asien importiert.

Im Jahr 2007 hat das RKI Kriterien zur standardisierten Erfassung schwerer Verläufe von Clostridium-difficile-Infektionen veröffentlicht. Auf der Basis von § 6 Abs. 1, Nr. 5a IfSG werden schwer verlaufende Infektionen als bedrohliche Krankheit mit Hinweis auf eine schwerwiegende Gefahr für die Allgemeinheit gesehen, die zu melden sind. Im Jahr 2007 wurden 60 Fälle mit einer Letalität von 50% übermittelt. Der Einführung des Meldetatbestandes vorausgegangen war ein Ausbruch durch C. difficile Subtyp 027 im Raum Trier und eine nachgewiesene Zunahme von C.-difficile-Infektionen in Deutschland insgesamt.

Stand: 10.06.2008

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