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Informationen zum Schmallenberg-Virus

Im November 2011 wurde vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, das Auftreten eines bislang unbekannten Virus des Genus Orthobunyavirus bei Rindern, Schafen und Ziegen festgestellt. Das Virus zeigt genetische Verwandtschaft zu Orthobunyaviren der Simbu-Serogruppe (Shamonda-Virus, Aino-Virus und Akabane-Virus) und wird aufgrund des Herkunftsortes der ersten Proben vorläufig Schmallenberg-Virus genannt. Das Schmallenberg-Virus wird wahrscheinlich durch Gnitzen und Stechmücken auf Tiere übertragen. Die Infektion der Tiere in einem bestimmten Stadium der Trächtigkeit kann zu schweren Missbildungen beim Feten führen. Am FLI wurden Verfahren zur Diagnostik entwickelt, die sowohl den Nachweis des Virusgenoms, als auch den Nachweis von Antikörpern bei Tieren erlauben. Die Zahl der betroffenen Tierbestände nimmt bis jetzt ständig zu. Aktuelle Fallzahlen können auf der Homepage des FLI abgerufen werden. Auch aus anderen EU-Mitgliedstaaten wurden Fälle von Infektionen mit dem Schmallenberg-Virus bei Tieren gemeldet.

Aus den virologischen Untersuchungen bei Tieren wird berichtet, dass bei einzelnen Tieren die Viruskonzentrationen in den untersuchten Geweben relativ hoch waren. Das Virus wurde auch in Plazenta und Geburtsprodukten der Tiere nachgewiesen. Es ist deshalb davon auszugehen, dass Personen bei der Tiergeburtshilfe in stärkerem Maße mit dem neuen Virus in Kontakt kommen können.

Das neue Virus besitzt Ähnlichkeit mit anderen Viren aus der Gruppe der Orthobunyaviren. Die vom Rind zuvor bekannten, nahe verwandten Viren der Simbu-Serogruppe sind keine Zoonose-Erreger und stellen somit für den Menschen keine Gefahr dar. Daher ist auch nach Kontakt zu Tieren mit Schmallenberg-Virus-Infektionen für den Menschen nicht von einem Risiko auszugehen. Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind bisher keine Personen bekannt die positiv auf das das neue Virus getestet wurden.

Auch wenn es bisher keine Anhaltspunkte für eine Gefährdung des Menschen durch das Schmallenberg-Virus gibt, führte das Robert Koch-Institut als Vorsichtsmaßnahme eine Untersuchung bei besonders exponierten Personen durch, um zu klären, ob es in Einzelfällen zu Infektionen kommen kann oder nicht. Am 29.02.2012 wurden am Rande einer Informationsveranstaltung für betroffene Schäfer in Nordrhein-Westfalen Befragungen durchgeführt und Blutproben abgenommen. Für diese Studie hat das RKI Labortests zum Nachweis des Virus bzw. der entsprechenden humanen Antikörper entwickelt. Die anwesenden Schäfer unterstützen das wissenschaftliche Anliegen des RKI. Die Teilnahme war sehr hoch und 60 betroffene Schäfer haben sich dazu bereit erklärt. Es gab bei den Befragungen vor Ort keine Verdachtsmomente, dass dieses Virus bei den Schäfern zu Erkrankungen geführt hätte.

Bei den Blutuntersuchungen fanden die RKI-Forscher keine Antikörper gegen das Schmallenberg-Virus im Blut. Solche Antikörper wären ein Beleg für eine Infektion mit dem Virus gewesen. Bei einigen Tierhaltern mit unspezifischen Symptomen wie Fieber oder Kopfschmerzen war auch ein sogenannter PCR-Test negativ, mit dem man Viren direkt nachweisen kann. In der Studie ist eine vergleichsweise hohe Zahl von Menschen mit viel Kontakt zu dem Erreger untersucht worden. Sehr seltene Infektionsereignisse können aber mit einer solchen Studie nicht erfasst werden. Auf der Basis der Studienergebnisse und der genetischen Eigenschaften des neuen Virus kann das Risiko von Infektionen beim Menschen als äußerst gering eingeschätzt werden.

Stand: 04.06.2012

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