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Was war bei der Pandemischen Grippe 2009 anders als bei den jährlichen Grippewellen?

Bei der jährlichen Grippewelle kennt man die zirkulierenden Viren gut, die Viren verändern sich stetig in geringem Maße, der Impfstoff wird jährlich angepasst und steht rechtzeitig vor Beginn der Welle zur Verfügung, und es gibt in der Bevölkerung einen gewissen Immunschutz, weil in den Jahren und Jahrzehnten vorher ähnliche Viren zirkuliert sind. Bei der pandemischen Grippe 2009 gab es dagegen einige Unterschiede:

  • Es handelte sich um ein neues Influenzavirus, dessen weitere Entwicklung noch nicht absehbar war.
  • Schwere Verläufe und Todesfälle traten vor allem bei jüngeren Menschen auf (in einer saisonalen Welle kommen tödliche Verläufe vorwiegend bei der älteren Bevölkerung über 60 Jahre vor). Rund ein Fünftel der Todesfälle trat bei vorher gesunden Menschen auf, bei einer saisonalen Welle treten die Todesfälle fast immer bei (älteren) Menschen mit Grunderkrankungen auf.
  • Die Todesfälle durch das pandemische Virus sind vergleichsweise häufig durch virale Lungenentzündungen verursacht worden, anders als bei den saisonalen Influenzaviren, wo die meisten Lungenentzündungen durch bakterielle Folgeinfektionen verursacht wurden (WHO briefing note 21). Bei Frettchen, dem am besten untersuchten Tiermodell für Influenza, konnte gezeigt werden, dass das pandemische Virus besser an Lungenzellen in den tiefen Lungenabschnitten bindet als saisonale Influenzaviren; das könnte eine Erklärung für die häufigeren primär-viralen Lungenentzündungen sein.
  • Das Virus hat sich anfangs außerhalb der üblichen Grippesaison verbreitet.
  • Es existierte keine oder nur eine beschränkte Immunität in der Bevölkerung.
  • Es stand zu Beginn der Welle kein Impfstoff zur Verfügung.
  • Das neue Virus war ansteckender als die saisonalen Influenzaviren und hat daher vermutlich eine größere Zahl von Menschen als in einer saisonalen Welle infiziert. Studien in England zum Beispiel zeigten, dass mehr als ein Drittel aller Schulkinder in den Regionen London und West-Midlands eine Infektion durchgemacht haben (allerdings nicht alle mit Symptomen). Während der saisonalen Grippewellen werden in Deutschland schätzungsweise 5 bis 20 Prozent der Bevölkerung infiziert (nicht jeder Infizierte erkrankt und nicht jeder Erkrankte geht zum Arzt).

Stand: 26.07.2010

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