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Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Neuen Grippe


Stand 21.12.2009

Was ist bei der Neuen Grippe anders als bei den jährlichen Grippewellen?
Wie viele Menschen werden bei der Pandemie erkranken oder sterben?
Wer ist besonders gefährdet bei der Pandemie?
Wieso beginnt eine Influenza-Pandemie nicht im Winter?
Wie ist die aktuelle Situation?
Muss man mit einer weiteren Influenzawelle rechnen?
Wie ist das Krankheitsbild der Neuen Influenza?
Wie steckt man sich an?
Wie lange dauert es, bis Symptome auftreten?
Wie kann die Neue Grippe A/H1N1 diagnostiziert werden?
Wie wird die Grippe-Aktivität in Deutschland erfasst?
Wie werden Todesfälle durch Influenza erfasst?
Was sollte man tun, wenn man befürchtet, an der Neuen Grippe erkrankt zu sein?
Was sollten Erkrankte beachten?
Was sollte man tun, wenn man Kontakt zu Erkrankten hatte?
Was sollte man übers Impfen wissen?
Welche Medikamente stehen zur Verfügung?
Kann man sich schützen, etwa durch eine Hygienemaske?
Was sollte der Einzelne tun?
Welche Maßnahmen empfehlen die Behörden? Muss man mit einschränkenden Maßnahmen wie z.B. Quarantäne rechnen?
Ist die Schließung von Schulen und Kindergärten zu erwarten?
Was ist eine Pandemie?
Wie ist das Pandemievirus H1N1/2009 entstanden?
Was bedeuten Mutationen bei Influenzaviren?
Wie hat sich Deutschland auf die Pandemie vorbereitet?
Wo kann man sich weiter informieren?

Was ist bei der Neuen Grippe anders als bei den jährlichen Grippewellen?

Bei der jährlichen Grippewelle kennt man die zirkulierenden Viren gut, die Viren verändern sich stetig in geringem Maße, der Impfstoff wird jährlich angepasst und steht rechtzeitig vor Beginn der Welle zur Verfügung , und es gibt in der Bevölkerung einen gewissen Immunschutz, weil in den Jahren und Jahrzehnten vorher ähnliche Viren zirkuliert sind. Bei der Neuen Grippe gibt es dagegen einige Unterschiede:

  • Es handelt sich um ein neues Influenzavirus, dessen weitere Entwicklung noch nicht absehbar ist.
  • Schwere Verläufe und Todesfälle treten vor allem bei jüngeren Menschen auf (in einer saisonalen Welle kommen tödliche Verläufe vorwiegend bei der älteren Bevölkerung über 60 Jahre vor), siehe auch die Frage „Wie viele Menschen werden bei der Pandemie erkranken oder sterben?“). Rund ein Fünftel der Todesfälle trat bei vorher gesunden Menschen auf, bei einer saisonalen Welle treten die Todesfälle fast immer bei (älteren) Menschen mit Grunderkrankungen auf.
  • Das Virus hat sich anfangs außerhalb der üblichen Grippesaison verbreitet.
  • Es existiert keine oder nur eine beschränkte Immunität in der Bevölkerung.
  • Es stand zu Beginn der Welle kein Impfstoff zur Verfügung.
  • Das neue Virus ist vermutlich ansteckender als die saisonalen Influenzaviren, und es könnte daher eine größere Zahl von Menschen als in einer saisonalen Welle betreffen. So könnten sich auch vergleichsweise geringe Anteile schwerer Erkrankungen in einer größeren Gesamtzahl an Erkrankungen zu einer großen Zahl schwerer Erkrankungen summieren.
Stand: 09.12.2009

Wie viele Menschen werden bei der Pandemie erkranken oder sterben?

Wie schwer die Pandemie mit dem neuen H1N1-Virus verlaufen wird, lässt sich nicht vorhersagen. Auch eine allgemeine Abschätzung der Auswirkungen einer Pandemie ist nur unter Vorbehalt möglich. Hinzu kommt, dass unterschiedliche Länder auch unterschiedlich schwer betroffen sein können, etwa wenn es kein funktionierendes Gesundheitssystem oder keine ausreichende Ernährungssituation gibt. Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation handelt es sich bislang um eine moderate Pandemie.

Staaten, die eine erste Welle durchgemacht haben, berichten, dass die erhobenen Raten an influenzatypischen Erkrankungen sich im Allgemeinen in einem Bereich bewegen, der auch in stärkeren Influenzasaisons in den letzten Jahren beobachtet wurde. Die zweite pandemische Welle ist in den USA und in England bislang stärker als die erste. Die Zahl der geschätzten Influenzaerkrankungen in Deutschland (siehe auch Frage „Wie wird die Grippeaktivität in Deutschland erfasst?“) kann je nach Schwere der Welle stark schwanken. Während der saisonalen Grippewellen werden schätzungsweise 5 bis 20 Prozent der Bevölkerung infiziert (nicht jeder Infizierte erkrankt und nicht jeder Erkrankte geht zum Arzt). Bei der schwersten saisonalen Grippewelle dieses Jahrzehnts, 2004/2005, gab es geschätzte 4,7 bis 6,2 Millionen Arztbesuche aufgrund einer Influenza, in der Saison 2003/04 waren es 0,5 bis 1,8 Millionen Arztbesuche. Eine saisonale Grippewelle dauert etwa 8-12 Wochen.

Die zu erwartende Zahl der Todesfälle an pandemischer Influenza lässt sich nicht vorhersagen, weil man die Entwicklung der Eigenschaften eines Erregers und seiner Verbreitung in der Bevölkerung nicht vorhersagen kann. Hinzu kommt, dass unterschiedliche Länder auch unterschiedlich schwer betroffen sein können, etwa wenn es kein funktionierendes Gesundheitssystem oder keine ausreichende Ernährungssituation gibt oder die Impfquoten unterschiedlich sind. Nach den Erfahrungen aus der Südhalbkugel und den am stärksten betroffenen Ländern der Nordhalbkugel wurden im Sommer 2009 die Zahl der Todesfälle pro Bevölkerung (Mortalität) zwischen 1 pro 1 Million (Vereinigtes Königreich) bis zu etwa 5 pro 1 Million Einwohner (Australien) angegeben. Unter den Todesfällen waren (anders als in saisonalen Grippewellen) seltener alte Menschen, sondern eher Jüngere. Auch in den USA ist in der Herbstwelle die Zahl der Todesfälle bei Kindern und Erwachsenen bis zum mittleren Lebensalter durch die Neue Influenza deutlich höher als in vergangenen saisonalen Grippewellen (siehe www.cdc.gov/flu/weekly). Auch in Deutschland traten die bisher gemeldeten Todesfälle vorwiegend in den jüngeren Altersgruppen, vorwiegend bei Menschen mit Grunderkrankungen, auf (siehe Influenza-Wochenbericht). Daher hält es das Europäische Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention (ECDC) für möglich, dass die Zahl der verlorenen Lebensjahre höher sein könnte als in saisonalen Wellen (ECDC Risk Assessment vom 6.11.2009). Zum Vergleich: die - geschätzte - mit saisonaler Influenza in Zusammenhang stehende Mortalität beträgt in Ländern wie den USA oder Deutschland im Durchschnitt etwa 120 pro 1 Million Einwohner, kann aber von Saison zu Saison sehr stark schwanken. Schwache Wellen führen zu einer sehr geringen Anzahl von Todesfällen (geschätzte 0 bis 80 in der Welle 2000/2001), starke Wellen hingegen, wie z.B. 2004/2005, gab es in Deutschland geschätzte 12.000 bis 15.000 Todesfälle. Eine Übersicht über die geschätzten Todesfälle seit Mitte der Achtzigerjahre enthält der Saisonbericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza (Kapitel 6.4.).

Stand: 07.12.2009

Wer ist besonders gefährdet bei der Pandemie?

Bei den jährlichen, saisonalen Grippewellen sind ältere Menschen und solche mit Grunderkrankungen am meisten gefährdet, weil es bei ihnen häufiger zu Komplikationen (vor allem zu bakteriellen Lungenentzündungen) und, vor allem bei älteren Menschen, zu Todesfällen kommt. Auch bei der Neuen Influenza sind ältere Menschen für schwere Verläufe gefährdet, sofern sie erkranken. Im Gesamtgeschehen ist aber der größte Anteil der schwer und sehr schwer erkrankten Menschen jünger als 60 Jahre alt. Unter diesen wiederum sind drei Personengruppen besonders zu nennen, die ein erhöhtes Risiko für eine Krankenhauseinweisung oder Tod aufweisen: (1) Personen mit chronischen Grunderkrankungen (der Lunge, des Herzens, Diabetiker und Immungeschwächte), (2) Schwangere, insbesondere hochschwangere, und (3) Kleinkinder und Babies. Zu beachten ist aber auch, dass bei Kindern und jungen Erwachsenen etwa ein Viertel der Todesfälle bei Personen ohne bekannte Vorerkrankungen auftreten.

Stand: 07.12.2009

Wieso beginnt eine Influenza-Pandemie nicht im Winter?

Die jährlichen Influenzawellen haben in Deutschland in den vergangenen Jahren meist im Januar/Februar begonnen. Bei früheren Pandemien zeigte sich aber, dass Erkrankungswellen einer Pandemie auch außerhalb der typischen Influenzasaison auftreten können. So lag zum Beispiel die erste Welle der Pandemie 1918 in den USA im Frühjahr, während sich die zweite Welle nach einer Ruhezeit im Sommer ab September aufbaute. Die ersten Fälle von Neuer Influenza wurden im April 2009 registriert. Möglicherweise geht die Verbreitung im Sommer darauf zurück, dass in der Bevölkerung keine oder keine nennenswerte Immunität gegen das neue Virus existiert und ein solches Virus sich leichter als die saisonalen Viren verbreitet.

Stand: 16.11.2009

Wie ist die aktuelle Situation?

Für Deutschland veröffentlicht das Robert Koch-Institut wöchentlich auf seinen Internetseiten einen Bericht und bei Bedarf aktuelle Situationseinschätzungen (www.rki.de/influenza). Über die europäische und weltweite Situation berichtet das Europäische Zentrum für Infektionsschutz und Prävention (ECDC; http://ecdc.europa.eu/en/healthtopics/Pages/Influenza_A(H1N1)_Outbreak.aspx) regelmäßig. Die Startseite der Weltgesundheitsorganisation zu Informationen über die Neue Influenza ist www.who.int/csr/disease/swineflu/en/index.html.

Stand: 16.11.2009

Muss man mit einer weiteren Influenzawelle rechnen?

Die momentane (erste) Welle ist noch nicht zu Ende. In der Vergangenheit sind Influenzapandemien oft in mehreren Wellen aufgetreten, wobei die Zahl der Wellen, der Zeitpunkt, die besonders betroffenen Bevölkerungsgruppen sowie die geografische Ausbreitung auch innerhalb einer Pandemie durchaus unterschiedlich verlaufen sind (näheres siehe in „Ergänzende Hinweise des Paul-Ehrlich-Instituts und des Robert Koch-Instituts zur Impfung gegen die Neue Influenza A (H1N1)“, Epidemiologisches Bulletin 50/2009). Ob und wie weitere Wellen dem aktuellen epidemiologischen Geschehen folgen werden, kann aufgrund der vielen Einflussfaktoren und der potenziellen Veränderung des Virus nicht vorausgesagt werden.

Stand: 09.12.2009

Wie ist das Krankheitsbild der Neuen Influenza?

Die Symptome der Neuen Grippe A/H1N1 ähneln den Symptomen der jährlichen Grippe im Winter (saisonale humane Influenza): Fieber, Husten, Halsschmerzen, Schnupfen, Muskel-, Glieder- und Kopfschmerzen und ein allgemeines Krankheitsgefühl (Frösteln, Mattigkeit) sind die häufigsten Symptome. Ein Teil der Erkrankten litt zusätzlich oder ausschließlich an Erbrechen und Durchfall. Bei einem Teil der Erkrankten trat kein Fieber auf.

Stand: 07.12.2009

Wie steckt man sich an?

Es ist davon auszugehen, dass das neue Influenzavirus H1N1 so übertragen wird wie die saisonale Influenza: überwiegend durch Tröpfchen, die zum Beispiel beim Sprechen, insbesondere aber beim Husten oder Niesen entstehen und über eine geringe Distanz auf die Schleimhäute der Atemwege von Kontaktpersonen oder in deren Augen gelangen können. Die Übertragung kann möglicherweise auch indirekt erfolgen, z.B. wenn das Virus (über kontaminierte Oberflächen oder Händeschütteln) auf die Finger und von dort in Mund, Nase oder Augen gelangen. Der Anteil der Übertragungen auf diesem indirekten Wege ist aber nicht bekannt.

Stand: 01.10.2009

Wie lange dauert es, bis Symptome auftreten?

Die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Erkrankung ("Inkubationszeit") des neuen Influenza-Virus scheint ähnlich wie bei der saisonalen Influenza zu sein. Die Inkubationszeit beträgt im Allgemeinen ein bis zwei Tage, kann aber bis vier Tage dauern. Auch die Dauer der viralen Ausscheidung ist für die saisonale und die Neue (pandemische) Influenza vermutlich ähnlich. Bei der saisonalen Influenza beträgt sie im Allgemeinen drei bis fünf Tage ab Auftreten der ersten Symptome, kann aber bis zu sieben Tagen andauern und in seltenen Fällen sogar länger sein. Eine Ausscheidung vor Symptombeginn ist möglich. Bei kleinen Kindern wird davon ausgegangen, dass sie Viren mehr und für längere Zeit als Erwachsene ausscheiden können.

Stand: 16.11.2009

Wie kann die Neue Grippe A/H1N1 diagnostiziert werden?

Während der Grippewelle, auch von Neuer Influenza, ist es allein aufgrund klinischer Merkmale und Symptome möglich, relativ zuverlässig eine Grippeerkrankung zu diagnostizieren, ohne dass zusätzliche Labortests durchgeführt werden müssen. In Einzelfällen (bei untypischen klinischen Präsentationen, schweren Verläufen und bei klinischen Hinweisen auf fehlendes Ansprechen der antiviralen Therapie) sowie zu Beginn, am Ende oder außerhalb der Grippewelle sind Laboruntersuchungen weiterhin wichtig. In diesen Fällen kann das Neue Influenzavirus (A/H1N1) mit der so genannten PCR-Methode zuverlässig nachgewiesen werden. Dabei werden charakteristische Abschnitte im Erbgut des Virus nachgewiesen. Zur Diagnose sollte ein Rachen- oder Nasenabstrich möglichst rasch nach Beginn der Erkrankung von einem Arzt entnommen und an ein Labor eingesandt werden. Eine Fotogalerie zur Influenzadiagnostik ist auf den Influenza-Seiten des Robert Koch-Instituts (www.rki.de/influenza) abrufbar. Dort sind auch Informationen für Ärzte zu finden.

Stand: 16.11.2009

Wie wird die Grippe-Aktivität in Deutschland erfasst?

Die Aktivität der Neuen Influenza wird weitgehend mit den Datenquellen erfasst, die seit vielen Jahren zur Messung der saisonalen Influenzaaktivität genutzt werden. Zum einen müssen Laboratorien (gemäß den Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes, IfSG) Influenzavirus-Nachweise an die zuständigen Gesundheitsämter melden, die sie über die Landesbehörden an das Robert Koch-Institut übermitteln. Natürlich werden dabei nicht alle Erkrankungsfälle erfasst, aber man kann trotzdem wichtige Informationen daraus gewinnen, etwa über den Anteil der Erkrankten mit Lungenentzündung (Pneumonie), eine zeitgerechte Therapie oder den Anteil von Erkrankten mit chronischen Grunderkrankungen. Auch für die Beurteilung der zeitlichen Entwicklung können die Meldedaten wichtig sein.

Die durch das Meldesystem erhobenen Daten sind nicht geeignet, um die Krankheitslast auf Bevölkerungsebene zu bestimmen. Dafür werden die Daten der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) genutzt, wie seit vielen Jahren bei der saisonalen Influenza. Die AGI ist ein Netzwerk von 800 bis 1000 Ärzten, die dem Robert Koch-Institut alle akuten Atemwegserkrankungen (akuten respiratorischen Erkrankungen. ARE, dazu zählen Rachenentzündungen, Lungenentzündungen und Bronchitis) mitteilen, außerdem die Zahl der Krankenhauseinweisungen aufgrund einer solchen Diagnose. Die Häufigkeit der Atemwegserkrankungen sind, zusammen mit den Informationen aus der virologischen Überwachung (siehe unten) ein guter Marker für die Influenzaktivität. Die ARE-Daten werden auch als so genannte Konsultationsinzidenz dargestellt, das ist die Zahl der ARE-Patienten in Arztpraxen pro 100.000 Einwohner.

Das Nationale Referenzzentrum für Influenza nimmt im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Influenza die Aufgabe der virologischen Surveillance wahr, etwa 150 Arztpraxen senden dem Referenzzentrum Rachenabstriche von Patienten mit Influenzasymptomen. Der Anteil der Proben, in denen Influenzaviren nachgewiesen werden (die so genannte Positivenrate) ist eine wichtige Information auch für Ärzte, weil sie darstellt, wie zuverlässig eine Diagnose anhand von klinischen Symptomen ist (mitten in einer Influenzawelle liegt die Positivenrate bei mehr als 50 Prozent). Andere Laboratorien tragen durch Erkennung und Isolierung von Viren ebenfalls zur Identifizierung und Charakterisierung der zirkulierenden Neuen Influenzaviren bei.

Für die Einschätzung der Situation werden alle Datenquellen zusammen bewertet und wöchentlich sowie am Ende jeder Influenzasaison auf der RKI-Internetseite der Arbeitsgemeinschaft Influenza veröffentlicht. Die Gesamtzahl der in einer Saison über das erwartete Maß hinausgehenden Arztbesuche aufgrund einer akuten Atemwegserkrankung wird nach jeder Saison geschätzt. Diese Gesamtzahl entspricht vermutlich in etwa der Zahl der arztpflichtigen Influenza-Erkrankungen der entsprechenden Saison. Die bisherigen Saisonberichte der Arbeitsgemeinschaft Influenza sind im Internet abrufbar unter www.rki.de/influenza

Stand: 21.12.2009

Wie werden Todesfälle durch Influenza erfasst?

Seit Mai 2009 sind Todesfälle an Neuer Influenza über eine vom Bundesgesundheitsministerium erlassene (und im November 2009 geänderte) Verordnung meldepflichtig. Bei Todesfällen im Verlauf einer Erkrankung durch die Neue Influenza A/H1N1 hat die akute Infektion in den meisten Fällen einen entscheidenden Einfluss auf den Verlauf. Dies gilt auch und insbesondere bei Patienten mit chronischen Grundkrankheiten, da hier Mechanismen zur Kompensation der Folgen einer Influenza-Erkrankung (zum Beispiel einer akuten Herz-Kreislaufbelastung durch hohes Fieber) geringer verfügbar sind. Das heißt, dass die Patienten in den allermeisten Fällen nicht an der Grundkrankheit, sondern den Folgen der Influenza-Erkrankung oder deren Komplikationen (z.B. Pneumonie) sterben. Da ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Influenza-Infektion und Tod nicht immer nachgewiesen werden kann, gilt aus epidemiologischer Sicht ein Todesfall, bei dem während des Krankheitsverlaufs das Virus nachgewiesen wurde, als H1N1-assozierter Todesfall und wird entsprechend auch den internationalen Stellen gemeldet. Eine Obduktion ist dafür nicht erforderlich, kann aber im Einzelfall aus anderen Gründen sinnvoll sein.

In der saisonalen Influenza musste bislang die influenzabedingte Sterblichkeit (Mortalität) durch statistische Verfahren aus der Zahl der Gesamttodesfälle oder aus der Zahl der als „Pneumonie oder Influenza“ kodierten Todesfälle geschätzt werden, weil die meisten mit Influenza in Zusammenhang stehenden Todesfälle nicht als solche erkannt werden. Die Zahl der mit Influenza in Zusammenhang stehenden Todesfälle wird – vereinfacht dargestellt – als die Differenz berechnet, die sich ergibt, wenn von der Zahl der Todesfälle, die während der Influenzawelle auftreten, die Todesfallzahl abgezogen wird, die (aus historischen Daten berechnet) aufgetreten wäre, wenn es keine Influenzawelle gegeben hätte. Das Schätz-Verfahren ist im Epidemiologischen Bulletin 35/2007 ausführlich erläutert.

Stand: 19.11.2009

Was sollte man tun, wenn man befürchtet, an der Neuen Grippe erkrankt zu sein?

Bei einer akuten Atemwegserkrankung, bei der eine Neue Grippe zugrunde liegen könnte, sollten vor allem. folgende Personengruppen eine Ärztin oder einen Arzt ansprechen: zum einen Erkrankte, bei denen eine chronische Erkrankung oder Schwangerschaft vorliegt, oder die sich an einem Ende des Altersspektrums befinden, das heißt sehr jung sind (Kleinkind, Baby) oder schon der älteren Bevölkerung (über 60 Jahre) zuzurechnen sind; zum zweiten jede Person, egal, welchen Alters oder mit welcher Grunderkrankung, mit schwerem Krankheitsgefühl oder –verlauf. Auf dem Weg zur Praxis sollte enger Kontakt zu anderen Menschen vermieden werden. Grundsätzlich sollten beim Husten oder Niesen Mund beziehungsweise Nase bedeckt sein, empfohlen wird in den Ärmel zu husten oder zu niesen. Es sollten Einmaltaschentücher verwendet werden.

Stand: 07.12.2009

Was sollten Erkrankte beachten?

Man sollte enge Kontakte zu anderen Menschen möglichst vermeiden oder mindestens zwei Meter Abstand halten. Die besonders gute Einhaltung einer persönlichen Hygiene ist wichtig, insbesondere häufiges Händewaschen. Erkrankte sollte in den Ärmel husten oder niesen, nicht in die Hand. Es sollten Einweg-Taschentücher verwendet und sorgfältig entsorgt werden, am besten in einen Mülleimer oder Behälter, damit diese nicht zur „Virenschleuder“ werden. Der Partner sollte in einem anderen Zimmer schlafen. Kinder oder chronisch Kranke sollten den Haushalt möglichst für die Zeit der Ansteckungsgefahr verlassen (siehe Frage „Wie lange dauert es, bis Symptome auftreten?“). Regelmäßiges Lüften ist sinnvoll, denn frische Luft ist wichtig für den Körper und das Immunsystem und verringert die Zahl der potentiell erregerhaltigen feinsten Tröpfchen in der Luft. Erkrankte sollten mindestens bis einen Tag nach Abklingen des Fiebers zuhause bleiben (Ausnahme: Beschäftigte mit beruflichem Kontakt zu gesundheitlich stärker gefährdeten (vulnerablen) Gruppen bleiben vorsorglich mindestens sieben Tage nach Symptombeginn zuhause) Regelmäßiges Fiebermessen hilft, um Veränderungen der Symptome frühzeitig festzustellen. Wenn die Beschwerden zunehmen, sollte der Arzt (erneut) konsultiert werden, insbesondere bei chronisch Kranken oder bei Schwangeren.

Stand: 25.11.2009

Was sollte man tun, wenn man Kontakt zu Erkrankten hatte?

Das Risiko einer Ansteckung mit dem Neuen Virus (Influenza A/H1N1) ist bei engen Kontaktpersonen größer als bei flüchtigen Begegnungen. Als enge Kontaktpersonen werden Menschen bezeichnet, die mit Erkrankten im selben Haushalt leben, die Patienten (ohne adäquaten Schutz) gepflegt haben oder Intimkontakte mit Erkrankten hatten. Gerade für Haushaltskontakte lässt sich eine Übertragung nur begrenzt vermindern, z.B. durch getrenntes Schlafen oder die räumlich/zeitlich getrennte Einnahme der Mahlzeiten. Weitere Hinweise: siehe unter www.wir-gegen-viren.de. Personen, die einer Risikogruppe angehören, sollten sich vergegenwärtigen, dass für sie ein frühzeitiger Arztbesuch lebensrettend sein kann, sollten sie sich bei einer anderen im Haushalt lebenden Person mit einer Infektion mit Neuer Influenza anstecken.

Stand: 16.11.2009

Was sollte man übers Impfen wissen?

Informationen zur Impfung gegen saisonale und pandemische Influenza sind in eigenen Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ) zu finden. Informationen zu Impfstoffen, zur Verfügbarkeit, Wirksamkeit und Nebenwirkungen sind auf den Internetseiten des Paul-Ehrlich-Instituts/Bundesamt für Sera und Impfstoffe abrufbar unter www.pei.de/schweinegrippe). Um den Ablauf der Impfungen kümmern sich die Bundesländer und die örtlichen Gesundheitsämter.

Stand: 02.11.2009

Welche Medikamente stehen zur Verfügung?

Zur ursächlichen Behandlung der Influenza stehen die Neuraminidasehemmer Oseltamivir (Tamiflu(R)) und Zanamivir (Relenza(R)) zur Verfügung; das ältere Amantadin spielt im Verschreibungsverhalten keine Rolle mehr, zudem sind Neue Influenzaviren A/H1N1 resistent gegen Amantadin. Das Universitätsklinikum Münster hat am 18.12.2009 erstmals über Resistenzen gegen Oseltamivir bei zwei Patienten in Deutschland berichtet (Pressemitteilung vom 18.12.2009). Unter den bislang mehr als 900 im Robert Koch-Institut untersuchten untersuchten neuen Viren wurden nur sporadisch Oseltamivir-Resistenzen nachgewiesen, fast alle Viren waren empfindlich gegen Neuraminidasehmmer. Über nachgewiesene Resistenzen wird im Influenza-Wochenbericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza informiert, erstmals im Bericht vom 23.12.2009. Von saisonalen H1N1-Influenzaviren ist bekannt, dass sich Oseltamivirresistenzen weit verbreiten können. Bisher hat die Weltgesundheitsorganisation weltweit von über 30 Ländern mit insgesamt über 100 Fällen einer Resistenz gegen Oseltamivir berichtet (WHO Weekly Update 78, 11.Dezember). Der Surveillance-Wochenreport des Europäischen Zentrums für Krankheitskontrolle und Prävention vom 11.12.2009 berichtet dass ein Prozent der getesteten Neuen Viren im Europäischen Influenza Surveillance-Netzwerk EISN resistent gegen Oseltamivir waren.

Bei einem Vorfall in Großbritannien im November 2009 ist nach Einschätzung der britischen Gesundheitsbehörde Health Protection Agency wahrscheinlich erstmals ein pandemisches resistentes Virus von Mensch zu Mensch übertragen worden. Das Virus ist in einer kleinen Gruppe besonders vulnerabler Personen aufgetreten, immunsupprimierte Personen, für die das Auftreten einer solchen Oseltavmirvresistenz bereits gut dokumentiert ist. Es gibt aber keine Belege, dass die resistenten Viren virulenter sind als andere Influenzavirusstämme. Die britische Behörde hält das allgemeine Risiko für die Bevölkerung daher für gering (siehe HPA-Stellungnahme vom 20.11.2009).

Eine individuelle Bevorratung mit antiviralen Arzneimitteln wird nicht empfohlen. Diese Arzneimittel sind rezeptpflichtig, da sie unter ärztlicher Kontrolle eingenommen werden müssen. Das ist zum Beispiel deshalb wichtig, weil Unterdosierungen die Entstehung von resistenten Viren begünstigen können. Zudem ist die Eigendiagnose einer Influenza unzuverlässig; die Influenza kann mit vielen anderen akuten Erkrankungen verwechselt werden. Zur Bevorratung antiviraler Arzneimittel durch öffentliche Stellen siehe Frage „Wie hat sich Deutschland auf die Pandemie vorbereitet?“).

Weitere Informationen zu den Arzneimitteln sind beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zu finden, in deren Antworten auf häufig gestellte Fragen.

Stand: 21.12.2009

Kann man sich schützen, etwa durch eine Hygienemaske?

Schützen sollten sich bei einer Pandemie in jedem Fall alle, die mit Erkrankten Kontakt haben (siehe auch RKI-Ratgeber/Merkblätter für Ärzte). Im Nationalen Pandemieplan sind darüber hinaus einige allgemeine Hygieneregeln aufgeführt, deren Beachtung das Infektionsrisiko verringern kann (Kapitel 8.2.1. Expositionsschutz der Bevölkerung):

„Zu den allgemeinen Hygieneregeln zählen unter anderem:

  • das Vermeiden von Händegeben, Anhusten, Anniesen,
  • das Vermeiden von Berührungen der Augen, Nase oder Mund,
  • die Nutzung und sichere Entsorgung von Einmaltaschentüchern,
  • Empfehlungen zu einer intensiven Raumbelüftung,
  • das gründliche Händewaschen nach Personenkontakten, der Benutzung von Sanitäreinrichtungen und vor der Nahrungsaufnahme sowie bei Kontakt mit Gegenständen oder Materialien, die mit respiratorischen Sekreten von Erkrankten kontaminiert sein können (zum Beispiel bei der Pflege von Angehörigen – Bett- oder Leibwäsche, Essgeschirr, Patienten-nahe Flächen),
  • die getrennte Behandlung von an Influenza erkrankten Personen, insbesondere von Säuglingen, Kleinkindern und Personen mit chronischen Erkrankungen,
  • die Empfehlung für fieberhaft Erkrankte, im eigenen Interesse zu Hause zu bleiben, um weitere Ansteckungen zu verhindern,
  • die Vermeidung von direkten Kontakten zu möglicherweise erkrankten Personen.

Eine Hygienemaske über Mund und Nase, wie man sie aus dem Krankenhaus kennt, verringert in erster Linie die Anzahl von Erregern, die vom Anwender in die Umgebung ausgeatmet werden. Unter der Bezeichnung "OP-Maske" oder "chirurgische Maske" gehören Hygienemasken im Operationssaal zur Standardausrüstung für dort arbeitendes Personal, um die Patienten vor der Ausscheidung von Tröpfchen durch den Träger zu schützen. In begrenztem Maße schützen Hygienemasken auch vor dem Einatmen großer Tröpfchen oder Spritzer. Über ihre Wirksamkeit während einer Pandemie liegen keine ausreichenden Daten vor. Zu berücksichtigen ist auch, dass geeignete Hygienemasken nicht dauernd getragen werden können und insofern ein 100 %iger Schutz, bei Aufrechterhaltung auch eines eingeschränkten sozialen Lebens, durch sie nicht zu erzielen ist. In jedem Falle dürfen die anderen genannten Präventionsmaßnahmen nicht im falschen Vertrauen auf einen Schutz durch das Tragen einer Maske vernachlässigt werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt in ihrem Rahmen-Pandemieplan keine Masken für die allgemeine Bevölkerung (WHO “Pandemic influenza preparedness and response” vom April 2009). Auch in den WHO-Antworten auf häufig gestellten Fragen werden Menschen, die nicht erkrankt sind, keine Masken empfohlen (FAQ).

Weitere Informationen zu persönlichen Schutzmaßnahmen sind unter www.wir-gegen-viren.de zu finden.

Stand: 23.09.2009

Was sollte der Einzelne tun?

Die Bewältigung einer Influenzapandemie benötigt die Unterstützung der gesamten Gesellschaft. Dies wird vor allem von Personen und Institutionen erwartet, die mit der Planung und/oder Umsetzung von Maßnahmen zur Vorsorge oder Schadensbegrenzung betraut sind. Dazu zählen politische und sonstige Entscheidungsträger auf Bund-/Länder- oder kommunaler Ebene ebenso wie die Mitarbeiter im Öffentlichen Gesundheitswesen, in den Krankenhäusern, der ambulanten medizinischen Versorgung, der niedergelassenen Ärzteschaft sowie die Leiter von Heimen. Aber auch Unternehmen sollten sich im Sinne der Aufrechterhaltung der Abläufe mit der Problematik auseinandersetzen.

Bürger sollten sich regelmäßig über die Situation und über Schutzmöglichkeiten informieren, insbesondere auf den Internetseiten offizieller Stellen (siehe auch die Frage "Wo kann man sich weiter informieren?"). Zu persönlichen Schutzmaßnahmen informiert die Internetseite www.wir-gegen-viren.de. Die Risikogruppen sollten der Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission folgen (siehe auch Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Impfung gegen saisonale und pandemische Influenza). Bei einer Erkrankung kann eine frühzeitig durch einen Arzt zu verordnende antivirale Therapie erwogen werden. Dies gilt auch für geimpfte Personen mit Krankheitszeichen, ggf. unterstützt durch eine ergänzende infektiologische Diagnostik.

Zu Fragen nichtmedikamentöser Prävention siehe die Frage „Kann man sich schützen, etwa durch eine Hygienemaske?“ Von einer privaten Bevorratung mit antiviralen Medikamenten wird abgeraten (siehe auch die Frage „Welche Medikamente stehen zur Verfügung?“). Allgemeine Empfehlungen zur Vorbereitung auf eine Notsituation enthält eine Broschüre des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (www.bbk.bund.de). Die Veröffentlichung „Für den Notfall vorgesorgt“ ist im Internet abrufbar.

Stand: 16.11.2009

Welche Maßnahmen empfehlen die Behörden? Muss man mit einschränkenden Maßnahmen wie z.B. Quarantäne rechnen?

Das Infektionsschutzgesetz ermöglicht den Gesundheitsbehörden der Länder, Veranstaltungen oder sonstigen Ansammlungen einer größeren Anzahl von Menschen zu verbieten oder die Quarantäne von Menschen, die krank, krankheitsverdächtig oder ansteckungsverdächtig sind, anzuordnen oder Gemeinschaftseinrichtungen wie z.B. Kindergärten oder Schulen zu schließen. Ob solche Schutzmaßnahmen erforderlich sind, beurteilt das örtliche Gesundheitsamt nach den konkreten Umständen des Einzelfalles.

In der Frühphase der Pandemie wurden möglichst viele Kontaktpersonen nachverfolgt und isoliert. Diese Strategie war notwendig und erfolgreich und hat dazu beigetragen, die Verbreitung der Neuen Grippe A/H1N1 zu verzögern. Inzwischen ist in Deutschland die Influenza-Aktivität stark erhöht. Im Einklang mit der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation und dem Vorgehen in anderen europäischen Ländern ist daher eine Strategieanpassung erfolgt. Das Ziel ist es nun, die Zahl der Erkrankungen und damit einhergehende schwere Verläufe/Todesfälle zu senken. Dies beinhaltet die Impfung für gefährdete Gruppen (siehe auch FAQ zum Impfen gegen saisonale und pandemische Influenza) und die frühzeitige Therapie insbesondere von Erkrankten mit Risikofaktoren (chronisch Kranke und Schwangere). Erkrankte sollten mindestens bis einen Tag nach Abklingen des Fiebers zuhause bleiben (Ausnahme: Beschäftigte mit beruflichem Kontakt zu gesundheitlich stärker gefährdeten (vulnerablen) Gruppen bleiben vorsorglich mindestens 7 Tage nach Symptombeginn zuhause). Eine Quarantäne von Kontaktpersonen ist somit nicht mehr vorgesehen, kann jedoch in besonderen Fällen durch das örtliche Gesundheitsamt angeordnet werden.

Stand: 19.11.2009

Ist die Schließung von Schulen und Kindergärten zu erwarten?

Grundsätzlich gibt es eine Reihe von allgemeinen Maßnahmen, deren Umsetzung die Übertragung von Influenza-Infektionen auch in Schulen verringern können. Dazu gehören:

  • Betonung der Händehygiene, „richtiges“ Husten und Niesen sowie Verwendung von Einmaltaschentüchern (z.B. bei „laufender Nase“),
  • sofortiges Fernbleiben von der Schule, wenn eine Atemwegserkrankung auftritt,
  • Möglichkeit, während der Schulzeit erkrankte Personen in einem getrennten Raum zu betreuen bis die Schülerin/der Schüler nach Hause gebracht werden kann und Minimierung von Kontakten mit anderen Menschen,
  • soweit möglich, Vermeidung von Veranstaltungen oder Situationen mit hoher Personendichte (ggf. Anpassung der Pausenorganisation),
  • häufige Raumlüftung,
  • wichtig sind außerdem die aktive Information und rasche transparente Kommunikation über Entscheidungen gegenüber Schülern, Eltern und Personal.

Das Instrument, Kindergemeinschaftseinrichtungen bei Krankheitshäufungen auch schließen zu können, gehört im Infektionsschutzgesetz (IfSG) zum gesetzlich verankerten Instrumentarium. Entscheidungen darüber sollten von der lokalen Gesamtsituation abhängig gemacht und zwischen Gesundheitsamt und der Einrichtung besprochen werden. Näheres enthält der Beitrag „Zur Schließung von Kindergemeinschaftseinrichtungen“ im Epidemiologischen Bulletin Nr. 46/2009.

Für Lehrer und andere Multiplikatoren gibt es ein 9-minütiges Informationsvideo unter www.pandemierisiko.info, außerdem sind Materialien (Broschüre, Flyer) bei wir-gegen-viren.de und bei www.bzga.de/schweinegrippe abrufbar.

Stand: 19.11.2009

Was ist eine Pandemie?

Eine Pandemie bezeichnet eine weltweite Epidemie. Eine Influenzapandemie wird durch ein neuartiges Influenzavirus verursacht, das in der Lage ist, schwere Erkrankungen hervorzurufen und sich gut von Mensch zu Mensch zu verbreiten. Da dieser neue Erreger zuvor nicht oder sehr lange nicht in der menschlichen Bevölkerung vorgekommen ist, ist das Immunsystem nicht vorbereitet und daher auch nicht geschützt. Die Influenza-Pandemien des vergangenen Jahrhunderts gingen mit Erkrankungs- und Sterberaten einher, die übliche, auch schwere, Influenzawellen übertrafen. Die Weltgesundheitsorganisation weist darauf hin, dass auch ein pandemisches Virus, das bei gesunden Menschen vergleichsweise milde Symptome verursacht, durch die hohe Zahl von Erkrankten in einem begrenzten Zeitraum die Gesundheitssysteme eines Staates überlasten könne, insbesondere in Entwicklungsländern ("Assessing the severity of an influenza pandemic" vom 11.5.2009).

Stand: 10.06.2009

Wie ist das Pandemievirus H1N1/2009 entstanden?

Für die Entstehung von Pandemieviren gibt es zwei Mechanismen: Ein nicht in der menschlichen Bevölkerung vorkommendes Virus, zum Beispiel ein Vogel-Influenzavirus, verändert sich durch genetische Veränderungen in der Art, dass es Menschen nicht nur krank machen kann, sondern auch effektiv von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Dieser Mechanismus liegt wahrscheinlich der Entstehung des Pandemievirus 1918 zugrunde. Der zweite Mechanismus: Influenzaviren verschiedener Subtypen infizieren gleichzeitig eine Zelle. Die daraus hervorgehenden Viren können Bestandteile beider Ursprungsviren enthalten. Dieser Mechanismus wird als Reassortment bezeichnet. So geht man heute davon aus, dass das H3N2-Virus der Pandemie 1968 aus einem menschlichen H2N2-Virus und einem von einem Vogel stammenden H3-Virus mit unbekanntem N-Subtyp hervorgegangen ist.

Das pandemische Virus aus dem Jahr 2009 ist wahrscheinlich durch solche Reassortments entstanden, es enthält genetische Abschnitte von Influenzaviren, die bei Vögeln, Schweinen und Menschen vorkommen. Bekannt ist, dass in den USA seit einigen Jahren unter Schweinen ähnliche H1N1-Viren zirkulierten. Diese Vorläufer-Viren enthielten Gene von Influenzaviren aus Schwein, Vogel und Mensch. Sie haben aber damals nur in einzelnen Fällen Menschen infiziert und es gab nur in Ausnahmefällen eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung. Das im April 2009 erstmals nachgewiesene neue H1N1-Virus enthielt zusätzlich noch ein Gen von Influenzaviren, das man aus Schweinen in Europa und Asien kennt und das ursprünglich auch aus einem Vogel-Influenzavirus stammt. Schweine gelten als klassische Mischgefäße, weil sie sich mit Vogel-, Mensch- und Schweine-Influenzaviren anstecken können.

Mit H und N werden die beiden Eiweiße der Virushülle Hämagglutinin und Neuraminidase abgekürzt. Es gibt 16 H und 9 N-Subtypen in verschiedenen Kombinationen. Sämtliche Subtypen kommen bei Wasservögeln vor, die das Reservoir für Influenzaviren darstellen. In der menschlichen Bevölkerung tritt die Influenza saisonal auf und wurde in den letzten Jahrzehnten von Influenza A-Viren der Subtypen H1N1 und H3N2 sowie von Typ B-Viren hervorgerufen.

Stand: 15.09.2009

Was bedeuten Mutationen bei Influenzaviren?

Als Mutationen werden Veränderungen im Erbgut bezeichnet. Bei Influenzaviren sind Mutationen nicht ungewöhnlich. Sie gehören zur Gruppe der so genannten RNA-Viren, bei denen die üblichen Kopierfehler beim Vermehren der Erbsubstanz nicht repariert werden, genetische Veränderungen können damit leichter entstehen. Vor allem das Oberflächenmolekül Hämagglutinin (H oder HA) verändert sich stetig in geringem Umfang. HA ist ein Eiweißstoff, der für die Erkennung durch das Immunsystem entscheidend ist. Bei saisonalen Influenzaviren ist eine solche Antigendrift lange bekannt, dadurch entstehen regelmäßig neue Varianten, die es erforderlich machen, den Impfstoff gegen die saisonale Influenza jeden Winter neu anzupassen.

Die Analyse des HA-Gens der Neuen Influenzaviren A H1N1 („Schweinegrippe“) zeigt, dass diese Viren inzwischen zwei großen Gruppen zugeordnet werden können; der vorhandene Impfstoff ist aber weiterhin wirksam. Der Impfstoff gegen die Neue Influenza enthält Adjuvantien, Wirkverstärker, die eine breitere Immunantwort auslösen, so dass Geimpfte nach Einschätzung des Paul-Ehrlich-Instituts auch gegen Driftvarianten geschützt sind.

Mutationen im Virusgenom müssen sich nicht notwendigerweise auf die krankmachenden Eigenschaften oder die Übertragbarkeit eines mutierten Virus auswirken. Häufig werden solche veränderten Viren sogar schlechter übertragen und stellen dann keine unmittelbare Gefahr da.
Das Hämagglutinin ist auch entscheidend für das Eindringen von Influenzaviren in die Zellen. Es muss wie ein Schlüssel auf das Gegenstück, den Rezeptor, passen, der sich auf den menschlichen Zellen befindet. Seit November 2009 gab es Berichte über Mutationen im Hämagglutinin-Gen bei Virus-Funden in einzelnen Staaten („D225G-Mutation“). Die Weltgesundheitsorganisation schätzt in ihrer "Briefing Note 17“ vom 20. November 2009, dass die Mutationen Einzelfälle sind und sich nicht verbreitet haben. Es ist nach Meinung der WHO auch offen, ob mit dieser Mutation überhaupt ein schwererer Verlauf einhergeht, da es zahlreiche tödliche Verläufe ohne diese Mutation und auch leichte Verläufe trotz dieser Mutation gegeben hat. Die Viren mit der „D225G“-Mutation waren nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation bislang empfänglich gegenüber den antiviralen Medikamenten Oseltamivir und Zanamivir, auch die verfügbaren Impfstoffe sind weiter wirksam. Zu Mutationen, die eine Widerstandsfähigkeit (Resistenz) gegen ein Medikament, verursachen können, siehe Frage „Welche Medikamente stehen zur Verfügung?“.

Die D225G-Mutation ist in Deutschland noch nicht beobachtet worden. Die Überwachung der genetischen Eigenschaften von Influenzaviren wird in Deutschland insbesondere im Nationalen Referenzzentrum für Influenza durchgeführt, das am Robert Koch-Institut angesiedelt ist. Im Influenza-Wochenbericht wird regelmäßig über darüber berichtet.

Unter besonderer Beobachtung steht das so genannte PB1-F2-Gen, das in den Neuen Viren bislang blockiert ist (durch ein „Stopp-Codon“). Man vermutet, dass das entsprechende PB1-F2-Protein an der Unterdrückung immunologischer Abwehrreaktionen durch das Virus beteiligt ist. Daher könnte die Blockade dieses Gens einer der Gründe für die meist milden Krankheitsverläufe des neuen Virus sein. Anhand der Sequenz, der Reihenfolge der Erbgutbausteine, ist zu sehen, dass bereits eine einzelne Punktmutation im PB1-F2-Gen die „Gen-Blockade“ aufheben könnte. Es ist allerdings auch vorstellbar, dass eine solche Mutation die Virulenz des Virus im Menschen nicht beeinträchtigt.

Eine Besonderheit von Influenzaviren ist das Vorliegen ihres Erbguts in einzelnen Abschnitten. Diese Erbgutsegmente können zwischen Virusstämmen ausgetauscht werden und für das Immunsystem völlig neue Kombinationen ermöglichen (Antigenshift oder Reassortment, siehe auch die Frage „Wie ist das Pandemievirus entstanden?“). Bisher sind solche Veränderungen beim pandemischen H1N1 Virus seit seiner ersten Isolation im April 2009 nicht beobachtet worden.

Stand: 16.12.2009

Wie hat sich Deutschland auf die Pandemie vorbereitet?

Deutschland hat sich seit Jahren auf eine Influenzapandemie vorbereitet. Das Robert Koch-Institut hat den gemeinsam von Bund und Ländern getragenen Nationalen Influenzapandemieplan Anfang 2005 und eine aktualisierte Fassung 2007 veröffentlicht. Der Nationale Pandemieplan enthält einen Überblick über Maßnahmen (Teil 1), Aufgaben und Handlungsempfehlungen (Teil 2) und erläutert die wissenschaftlichen Zusammenhänge der Pandemieplanung (Teil 3). Im Anhang sind grundlegende fachliche Empfehlungen und Checklisten enthalten. Der Pandemieplan wurde regelmäßig aktualisiert. Außerdem trugen Übungen, die in der Vergangenheit stattgefunden haben, dazu bei, die Abläufe für den Notfall einzuüben und Schwachstellen zu identifizieren.

Der Nationale Pandemieplan gibt einen Rahmen vor, der die Grundlage für die Pandemiepläne der Länder und die Ausführungspläne der Kommunen bildet. Mit der Erarbeitung der Influenzapandemiepläne der Länder erfolgte eine Konkretisierung der im Nationalen Influenzapandemieplan vorgesehenen Maßnahmen für das jeweilige Land. Diese stellen die Aufgaben des öffentlichen Gesundheitsdienstes dar und unterstützen die Planungen auf kommunaler Ebene. Darüber hinaus enthalten die Landespandemiepläne Informationen, Hinweise und Empfehlungen für die verantwortlichen Einrichtungen und Ebenen. Damit wird auch das Anliegen der Gesundheitsministerkonferenz unterstützt, die in einem Beschluss vom Dezember 2005 alle verantwortlichen Institutionen und Ebenen, insbesondere die Ärzteschaft, die Krankenhäuser, Rettungs- und Hilfsdienste aufgefordert hatte, Vorbereitungen in ihrem Bereich zu treffen.

Für vordringlich halten Bund und Länder insbesondere die möglichst schnelle Verfügbarkeit eines Impfstoffs. Die Bundesregierung hatte frühzeitig die Entwicklung von Prototyp-Impfstoffen gefördert. In Deutschland haben sich Impfstoffhersteller verpflichtet, eine frühestmögliche Bereitstellung eines Impfstoffs zu gewährleisten. Inzwischen haben die Impfungen begonnen, ausführliche Informationen zu pandemischen Impfstoffen sind auf der Internetseite des Paul-Ehrlich-Instituts zu finden (siehe auch Häufig gestellte Fragen des Robert Koch-Instituts zur Impfung gegen saisonale und pandemische Influenza).

Erkrankte Menschen können mit antiviralen Arzneimitteln (Neuraminidasehemmern) behandelt werden. Im Pandemieplan ist eine Bevorratungsmenge für 20% der Bevölkerung empfohlen. Dann kann bei einer mittelschweren Pandemie davon ausgegangen werden, dass Erkrankte im Pandemiefall eine Therapie mit antiviralen Arzneimitteln erhalten können. Die Länder haben antivirale Arzneimittel bevorratet, im Durchschnitt für 20% der Bevölkerung. Im Bedarfsfall können aus einer Bundesreserve antivirale Medikamente für weitere 10% der Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden.

Außerdem wurde die Surveillance, das ist die Überwachung und Bewertung des Krankheitsgeschehens, ausgebaut. Rasche und verlässliche Informationen zum Krankheitsgeschehen, zum Beispiel zur Altersverteilung der Betroffenen, sind wichtige Voraussetzung für zielgenaue Maßnahmen. Die Diagnostik des neuen Virus wurde etabliert, und es wurden serologische Testverfahren entwickelt, um eine Infektion mit dem neuen Influenza A/H1N1-Virus auch nach Abklingen der Symptome oder bei symptomfreiem Verlauf nachzuweisen (siehe Pressemitteilung vom 2.6.2009).

Die Gesundheitsbehörden des Bundes und der Länder haben Maßnahmen ergriffen, damit Betroffene schnell behandelt, weitere Ansteckungen möglichst vermieden und die Verbreitung der Welle verlangsamt werden. Zusammen mit dem Bundesministerium für Gesundheit und den Ländern hat das RKI die bestehenden Empfehlungen zum Vorgehen in solchen Situationen an die aktuelle Situation angepasst und den Gesundheitsämtern, Krankenhäusern und Ärzten zur Verfügung gestellt. Die Maßnahme-Empfehlungen, die regelmäßig überprüft werden, sind auch auf den Internetseiten des Robert Koch-Instituts abrufbar.

Außerdem sind die im Pandemieplan vorgesehenen Krisenreaktionsstrukturen lageangepasst aktiv. Zum Beispiel hat das Robert Koch-Institut gemäß den Planungen die Influenzakommission einberufen, eine bundesweite Expertengruppe, die das Institut berät. Bei der Expertengruppe handelt es sich um ein etabliertes Expertennetzwerk, das großenteils schon an der Erstellung des Nationalen Pandemieplans mitgewirkt hat.

Persönliche Hygienemaßnahmen können dazu beitragen, das Erkrankungsrisiko zu senken. Daher haben das Robert Koch-Institut und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung die Aktion „Wir gegen Viren“ gestartet. Die Aktion „Wir gegen Viren“ stellt die Verhaltensweisen vor, mit denen man sich und andere besser vor Ansteckung schützen kann. Erster Schwerpunkt der Aktion ist das Händewaschen als zentrale Hygiene-Maßnahme im Alltag. Diese und weitere persönliche Schutzmaßnahmen erläutert die im Rahmen der Aktion erstellte Broschüre „Selbstverteidigung gegen Viren - Neun Techniken, sich und andere zu schützen“ sowie die neue Internetseite www.wir-gegen-viren.de.

Die Information und Aufklärung der Öffentlichkeit und der Fachöffentlichkeit über das Infektionsgeschehen wurde intensiviert. Die Informationen auf der Internetseite des Robert Koch-Instituts werden regelmäßig aktualisiert. Es gibt auch eine Reihe von Informationsangeboten auf Orts- und Landesebene, öffentliche Stellen bieten Hotlines an (eine Hotline-Übersicht ist auf den Internetseiten des Bundesministeriums für Gesundheit abrufbar http://www.neuegrippe.bund.de/NeueGrippe/DE/Service/Kontakt/kontakt.html). Das Bundesministerium für Gesundheit hat eine kostenfreie Bürger-Hotline zum Thema Neue Grippe eingerichtet (0800 44 00 55 0).

Stand: 16.11.2009

Wo kann man sich weiter informieren?

Aktuelle und ausführliche Informationen sind am einfachsten im Internet zu finden. Zuständig für Gesundheitsschutz sind die Bundesländer, für Maßnahmen vor Ort die Gesundheitsämter. Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat eine Bürger-Hotline zum Thema Neue Grippe eingerichtet (030 – 346 465 100). Betriebszeiten dieser Hotline und Informationen zu weiteren Hotline-Anbietern sind auf den Internet-Seiten des BMG verfügbar http://www.neuegrippe.bund.de/NeueGrippe/DE/Service/Kontakt/kontakt.html. Zentrale Bürger-Plattform für Informationen aus dem Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit ist www.neuegrippe.bund.de.

Stand: 16.11.2009

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