Zum Verlauf der HIV-Epidemie in Deutschland
Für das Jahr 2011 zeigt sich auf Grundlage der Entwicklung des ersten Halbjahres und in Fortsetzung einer sich bereits 2010 andeutenden Entwicklung ein klarer Rückgang der HIV-Neudiagnosen auch in der in Deutschland größten Betroffenengruppe der Männer, die Sex mit Männern haben (MSM). Damit ist nach einer mehrjährigen Plateaubildung bei der Gesamtzahl der HIV-Neudiagnosen zwischen 2007 und 2009 jetzt bei der Zahl der Neudiagnosen eine Trendwende zu erkennen. Unter Berücksichtigung des Zeitverzugs zwischen Infektion und Diagnose und der Anteile der erst verspätet mehrere Jahre nach Infektion diagnostizierten Infizierten in den unterschiedlichen Betroffenengruppen lagen die Spitzenwerte der tatsächlichen Neuinfektionen im Zeitabschnitt der letzten Dekade wahrscheinlich bereits in den Jahren 2005–2007 und gehen seitdem zurück. In der Abbildung unten wird der auf einer neuen vom Robert Koch-Institut (RKI) verwendeten Modellierungsmethode basierende Gesamtverlauf der Inzidenz von HIV-Infektionen seit Beginn der HIV-Epidemie in Deutschland dargestellt, aufgeteilt nach der Entwicklung in den verschiedenen Betroffenengruppen (zu Details der Modellierungsmethode siehe Epid. Bulletin 46/2011).
Die Zahl der Neuinfektionen bei Personen, die intravenös Drogen konsumieren (IVD), ist nach einem initialen Spitzenwert von ca. 1300 Neuinfektionen pro Jahr in den Jahren 1986/1987 in den darauffolgenden 15 Jahren auf ca. 300 Neuinfektionen pro Jahr abgesunken. Mit leichten Schwankungen um diesen Wert herum ist diese Zahl seit ca. 10 Jahren gleichbleibend.
Seit ca. 2002 ist die Zahl der Menschen, die aus Ländern mit hoher Prävalenz von HIV (>1%) in der Allgemeinbevölkerung stammen (HPL) rückläufig. Für die Zahl der Neudiagnosen in dieser Gruppe ist jedoch weniger der Verlauf der Neuinfektionen in den Herkunftsländern ausschlaggebend, sondern wie viele Personen nach Deutschland einreisen, sich in Deutschland mit oder ohne Aufenthaltserlaubnis aufhalten und in Deutschland mit HIV diagnostiziert werden.
Bei Personen, die angeben, sich auf heterosexuellem Wege infiziert zu haben und nicht aus Hochprävalenzländern stammen, ist die Zahl der HIV-Neudiagnosen seit Ende der 1990er Jahre bis zum Jahr 2007 kontinuierlich angestiegen, bleibt aber seitdem auf gleichem Niveau. Auch die unter Berücksichtigung des Zeitverzugs zwischen Infektion und Diagnose geschätzte Zahl der Neuinfektionen steigt bis 2006 an und schwankt seitdem um das erreichte Niveau.
Bei MSM stieg die Zahl der HIV-Neudiagnosen wie auch der HIV-Neuinfektionen ab Ende der 1990er Jahre an. Der Anstieg der Neudiagnosen setzte sich dann noch bis 2009 fort, während die Zahl der Neuinfektionen wahrscheinlich schon seit 2007 wieder zurückgeht.
Abb.: Geschätzte Gesamtzahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland seit Beginn der HIV-Epidemie: 1978 bis Ende 2011 nach Infektionsjahr, RKI 2011
