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Abstract zur Publikation: Bestimmung von Impfquoten und Inzidenzen von Erkrankungen anhand von Daten der Kassenärztlichen Vereinigungen

Reuß A, Feig M, Kappelmayer L, Eckmanns T, Poggensee G (2010): Bestimmung von Impfquoten und Inzidenzen von Erkrankungen anhand von Daten der Kassenärztlichen Vereinigungen.
Gesundheitswesen 72 (6): 340-346. Epub May 4. http://dx.doi.org/10.1055/s-0030-1249691.

Hintergrund: Im Rahmen des KV-Sentinels, einem gemeinsamen Projekt des Robert Koch-Instituts und der 17 Kassenärztlichen Vereinigungen, werden seit 2004 pseudonymisierte Abrechnungsdaten von den Kassenärztlichen Vereinigungen an das Robert Koch-Institut übermittelt. Ziel des Beitrages ist es zu beschreiben, mit welchen methodischen Verfahren die Daten aufbereitet werden, um Impfquoten und Inzidenzen von impfpräventablen Erkrankungen zu bestimmen. Weiterhin wird diskutiert, welche Limitationen bei der Interpretation der Daten zu beachten sind.

Methoden: Daten zu allen Impfleistungen und zu den Erkrankungen Keuchhusten, Masern, Mumps, Windpocken und Gürtelrose werden über die Abrechnungsziffern der Impfleistungen und die ICD-10 Kodes aus dem Datenbestand der Kassenärztlichen Vereinigungen abgefragt und pseudonymisiert an das Robert Koch-Institut übermittelt, wo sie einer Qualitätsprüfung unterzogen werden. Studienpopulation ist die gesetzlich krankenversicherte Bevölkerung in Deutschland (85,5% der deutschen Bevölkerung). Die Impfquoten errechnen sich durch die Anzahl der geimpften Personen bezogen auf die Anzahl der gesetzlich krankenversicherten Personen. Die Inzidenzen werden durch die Anzahl der erkrankten Personen bezogen auf 100 000 gesetzlich krankenversicherte Personen berechnet.

Ergebnisse: Alle 17 Kassenärztlichen Vereinigungen nehmen am Projekt teil. Insgesamt wurden für die Jahre 2004-2007 95 905 605 Datensätze zu Impfleistungen und 4 570 919 Datensätze zu Diagnosen übermittelt. Über 99% der Datensätze sind strukturell und inhaltlich fehlerfrei und können ausgewertet werden. Im Jahr 2007 lagen die monovalenten Impfungen gegen Influenza (39%) und Frühsommer-Meningoenzephalitis (17%) anteilig an allen Impfungen am höchsten. Von 1 893 790 Diagnosen, die in 2006 und 2007 bei der Abrechnung angegeben wurden, sind 1 415 660 (75%) aktuelle Diagnosen. Von diesen sind 70% mit der Diagnosesicherheit „gesicherte Diagnose” versehen. Am häufigsten wurden ICD-10 Kodes für Gürtelrose (57%) und Windpocken (33%) angegeben.

Schlussfolgerung: Die Abrechnungsdaten zu Impfungen ermöglichen erstmals die Bestimmung von bundesweiten Impfquoten für alle Altersgruppen der gesetzlich krankenversicherten Bevölkerung. Die Validierung der Daten zu Impfungen ist anhand vorliegender Daten aus Sentinel-Systemen bzw. aus anderen Forschungsprojekten möglich. Die vorliegenden Diagnosedaten der akuten, impfpräventablen Infektionskrankheiten müssen mit Vorsicht interpretiert werden, da es ohne externe Validierung schwierig ist abzuschätzen, ob eine Unter- oder eine Übererfassung vorliegt. Hier besteht weiterer Forschungsbedarf.

Determination of Vaccination Coverage and Disease Incidence using Statutory Health Insurance Data

Background: The KV-Sentinel, established in 2004, is a joint project of the Robert Koch Institute and the 17 associations of statutory health insurance physicians (ASHIPs) in Germany. The ASHIPs provide anonymous physicians billing data to the Robert Koch Institute. The aim of this article is to describe methodological approaches for processing these routine data to determine vaccination coverage and incidence of vaccine preventable diseases. Furthermore, we discuss limitations in interpreting these data.

Methods: The ASHIPs perform a data query of all vaccinations and of ICD-10 codes for pertussis, measles, mumps, varicella and herpes zoster and send anonymous data to the Robert Koch Institute. We perform routine tests to ensure data quality. Study population is the statutory health insured population (85.5% of the German population). Vaccination coverage is determined by the number of vaccinated persons and the number of statutory health insured persons. Incidence is calculated by the number of diseased persons per 100 000 statutory health insured persons.

Results: All 17 ASHIPs participate in the project. In total, 95 905 605 data records for vaccinations and 4 570 919 data records for pertussis, measles, mumps, varicella and herpes zoster were provided from 2004 to 2007. After performing routine tests with regard to structure and content of data, more than 99% of the data records can be analysed. In 2007, the majority of given vaccinations were monovalent vaccinations against influenza (39%) and tick-borne encephalitis (17%). In 2006 and 2007, 1 893 790 data records for diagnoses were provided. Of these, 75% were acute diagnoses and of these 70% were confirmed diagnoses. Most often, ICD-10 codes for herpes zoster (57%) and varicella (35%) were reported.

Conclusion: Nationwide vaccination coverage of statutory health insured persons by age group can be determined by using billing data. It is possible to validate billing data of vaccinations with available data from other studies. Interpretation of billing data of acute vaccine preventable diseases remains challenging because it is difficult to assess potential under- or overestimation without the possibility of external validation. Therefore, further research is needed.

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