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Abstract zur Publikation: Verlauf der HIV-Epidemie in Deutschland

Hamouda O, Marcus U, Voss L, Kollan C (2007): Verlauf der HIV-Epidemie in Deutschland.
Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 50 (4): 399-411.

Zwischen dem Zeitpunkt der Infektion und dem Zeitpunkt der Diagnose der HIV-Infektion vergeht in aller Regel ein individuell unterschiedlich langer Zeitraum von oftmals mehreren Jahren. Die Meldedaten über HIV-Neudiagnosen erlauben daher keinen direkten Rückschluss auf den Infektionszeitpunkt. Die tatsächliche Zahl der HIV-Neuinfektionen (HIV-Inzidenz) und der zurückliegende Verlauf der HIV-Epidemie in Deutschland können bis zum Zeitraum der frühen 1990er-Jahre mit Hilfe von Rückrechnungsmodellen beschrieben werden. Zur Beschreibung des aktuellen Verlaufes der HIV-Epidemie muss man sich unter Berücksichtigung anderer Datenquellen überwiegend auf die Meldungen der HIV-Neudiagnosen stützen. Auf dieser Grundlage kann davon ausgegangen werden, dass die Zahl der jährlichen HIV-Neuinfektionen in Deutschland ihren Höhepunkt in den frühen 1980er-Jahren erreicht hat und seit Anfang der 1990er-Jahre relativ stabil zwischen 2000 und 2500 pro Jahr lag. Größte Betroffenengruppe sind nach wie vor Männer, die Sex mit Männern haben, gefolgt von heterosexuell Infizierten und Migranten aus Hochprävalenzregionen. I.v.-Drogengebraucher haben zahlenmäßig über die Jahre abgenommen und belegen den vierten Rang. Aktuell gibt es Anzeichen dafür, dass eine Zunahme von Risikoverhalten sowie die Zunahme anderer sexuell übertragbarer Infektionen in Verbindung mit Veränderungen in Bezug auf den Zeitpunkt des Therapiebeginns zu einem Anstieg der HIV-Neuinfektionen geführt haben. Zur frühzeitigen Erfassung einer Änderung des Risikoverhaltens wäre eine Verbesserung der epidemiologischen Erfassung weiterer sexuell übertragbarer Infektionen in Verbindung mit Erhebungen zum Verhalten im Sinne einer „Second Generation Surveillance“ wünschenswert.

Epidemiology of HIV infections in Germany

The course of the HIV epidemic in Germany can be modelled by back calculation until the beginning of the nineties. The recent course of the epidemic can only be derived from surveillance data of newly diagnosed HIV infections in conjunction with other data sources. Based on these surveillance data HIV incidence in Germany can be estimated to have been stable with 2000 to 2500 new infections per year since the early nineties, after having peaked in the early eighties. The most affected group are men who have sex with men followed by persons infected by heterosexual contact and migrants from high prevalence countries. The number of intravenous drug users has declined over the years and is now in fourth place. There are indications that increased risk behaviour and rising numbers of other sexually transmitted infections together with a change towards later initiation of antiretroviral therapy has led to an increase in new HIV infections in Germany in recent years. An improvement of the epidemiological surveillance for “indicator” STIs in combination with the assessment of risk behaviours in high risk groups would be desirable steps towards a second generation surveillance in Germany.

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