15. Juni 2017

RKI-Newsletter zu aktuellen Infektionsschutzthemen

Sehr geehrte Damen und Herren,

an dieser Stelle informieren wir Sie über Neuigkeiten zu aktuellen Infektionsschutzthemen des Robert Koch-Instituts.

Workshop-Bericht: Drei Jahre bundesweite Keuchhusten-Meldepflicht

Bordetella pertussis. Elektronenmikroskopie.

Seit März 2013 gibt es eine bundesweite Meldepflicht für Keuchhusten, zuvor war Keuchhusten in den fünf östlichen Bundesländern seit längerem meldepflichtig gewesen. Im Epidemiologischen Bulletin 21/2017 ist ein Bericht über einen Erfahrungsaustausch zwischen Öffentlichem Gesundheitsdienst, Ärzteschaft und Laboren erschienen. Der Workshop-Bericht geht auch auf Impfquoten, Diagnostik und Epidemiologie ein. Die Meldedaten spiegeln eine hohe Krankheitslast durch Keuchhusten in Deutschland wider, ähnlich wie in anderen westlichen Ländern.

Die Umsetzung der Meldepflicht muss, vor allem in den westlichen Bundesländern, weiter verbessert werden. Ein hoher Anteil von Laboren führt die Keuchhusten-Diagnostik nicht nach internationalen Empfehlungen durch. Dies erschwert die Bewertung von Labormeldungen an den Gesundheitsämtern und führt u. U. zu Verzögerungen bei der Einleitung von Kontrollmaßnahmen. Ärzte können dies nachhaltig beeinflussen, indem sie gezielt nur die empfohlenen diagnostischen Tests anordnen. Bei einem hohen Anteil der übermittelten Keuchhusten-Fälle fehlen Angaben zum klinischen Bild. Daher sollten meldende Ärzte so vollständig wie möglich die relevanten Symptome angeben, um den Ermittlungsaufwand für Gesundheitsämter so gering wie möglich zu halten. Auch bei anderen Meldetatbeständen, insbesondere beim Impfstatus, ist der Anteil von fehlenden Angaben noch zu hoch.

Weitere Informationen finden Sie hier:
http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2017/Ausgaben/21_17.pdf?__blob=publicationFile
http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Pertussis.html

Schnelle Diagnostik zur Unterscheidung von Masern-Wildvirus und -Impfvirus

Masernvirus

Besteht ein Masern-Verdacht, muss der Patient isoliert werden, bis das Ergebnis der Laboruntersuchung vorliegt. Darüber hinaus müssen ungeschützte Kontaktpersonen möglichst schnell gefunden und über die Möglichkeit der Postexpositionsprophylaxe informiert werden. Bei ca. 5% der gegen Masern Geimpften tritt nach 8-12 Tagen eine Impfreaktion auf, die klinisch nur schwer von einem echten Masern-Fall zu unterscheiden ist. Aufgrund der hohen Kontagiosität und des kurzen Zeitfensters für Maßnahmen ist es wichtig, schnell zwischen Impfreaktion und Masern-Erkrankung durch ein Wildvirus differenzieren zu können. Nun steht eine neue (PCR-)Methode zur Verfügung, die das Impfvirus spezifisch und schnell nachweist.

Das am Robert Koch-Institut angesiedelte Nationale Referenzzentrum (NRZ) für Masern, Mumps, Röteln hat einen umfassenden Beitrag zur Validierung dieser Differenzierungs-PCR geleistet und berichtet im Epidemiologischen Bulletin 22/2017 über die neuen Möglichkeiten. Wie bei allen im NRZ durchgeführten PCR-Verfahren zum Nachweis des Virusgenoms wird auch für die Differenzierungs-PCR Rachenabstrich oder Urin eingesetzt, Serum ist dafür ungeeignet. Es sollte möglichst bei allen Masern-Fällen der Virusgenomnachweis per PCR erfolgen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert als Kriterium für eine gute Surveillance in allen Ländern der europäischen WHO-Region, dass 80% der gemeldeten Masern-Fälle durch einen adäquaten Laborbefund bestätigt werden.

Weitere Informationen finden Sie hier:
http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2017/Ausgaben/22_17.pdf?__blob=publicationFile
http://www.rki.de/nrz-mmr
http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Masern.html

Häufung fieberhafter Rhabdomyolysen bei Geflüchteten aus Westafrika

Das GeoSentinel Netzwerk hat am 23. Mai 2017 über ProMED-mail auf eine Häufung bisher ungeklärter schwerer fieberhafter Rhabdomyolysen (Auflösung quergestreifter Muskelfasern) bei Geflüchteten in Italien hingewiesen, die aus Westafrika – hauptsächlich Nigeria – stammen.

In mehreren Städten Italiens wurden bisher 48 Fälle beobachtet (Zeitraum insgesamt unbekannt). Es handelt sich vornehmlich um junge Männer (im Durchschnitt 22 Jahre alt). Alle Patienten litten an Fieber und an sehr starken Muskelschmerzen, so dass es ihnen nicht mehr möglich war, zu stehen oder zu gehen. Kreatin-Kinase, Aspartat-Aminotransferase und Lactatdehydrogenase lagen jeweils nicht im Normbereich. Bei 16 bisher getesteten Fällen wird davon ausgegangen, dass es sich um ein infektiöses Krankheitsgeschehen handelt (Epstein-Barr-Virus-DNA, Coxsackievirus-spezifisches IgM oder Zytomegalievirus-spezifisches IgM wurden detektiert). Das schwere klinische Bild ist jedoch nicht sicher mit einer Infektion zu vereinbaren.

Sabatini et al. beschrieben im Jahr 2015 vier Fälle von Geflüchteten mit entsprechendem Krankheitsbild. Diese wurden supportiv behandelt (Rehydrierung und Schmerzmittel) und sind innerhalb einer Woche nach Erkrankungsbeginn genesen. Die Autoren vermuten, dass entweder normalerweise leicht verlaufende virale Infektionen durch die auf der Flucht herrschenden Bedingungen (wie lang andauernde Fehlernährung, Deydrierung, Enge) schwerer verlaufen oder ein bisher unbekanntes Virus ursächlich ist. Darüber hinaus wird momentan noch über prädisponierende Ursachen wie z. B. genetische Faktoren spekuliert, aber auch eine Kombination von auf der Flucht herrschenden Bedingungen und toxischen Ursachen (Drogen, Medikamente, Fisch etc.). Mechanische Ursachen werden hingegen als Auslöser für die beschriebenen fieberhaften Rhabdomyolysen als unwahrscheinlich betrachtet.

Eine differentialdiagnostische Abklärung auftretender Fälle z. B. durch infektiologische oder tropenmedizinische Abteilungen erscheint sinnvoll.

Weitere Informationen finden Sie hier:
http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2017/Ausgaben/22_17.pdf?__blob=publicationFile
http://www.promedmail.org/post/5057585
http://www.sciedu.ca/journal/index.php/crim/article/view/8270/5127

Aktuelle Daten zum Gesundheitsverhalten in Deutschland und Europa erschienen: Ausgabe 2/2017 des Journal of Health Monitoring ist online

Journal of Health Monitoring

In der aktuellen Ausgabe der neuen Fachzeitschrift Journal of Health Monitoring des Robert Koch-Instituts werden aktuelle Daten zum Gesundheitsverhalten in Deutschland und Europa präsentiert. Themen der Beiträge sind u. a. Adipositas, Alkoholkonsum, Rauchen, Obst- und Gemüseverzehr sowie körperliche Aktivität.

In der Rubrik „Concepts & Methods“ geht es darum, wie regionale sozioökonomische Ungleichheiten in der Gesundheit sichtbar gemacht und erklärt werden können. Ein zweiter Beitrag beschreibt das methodische Vorgehen beim Aufbau eines Monitorings von adipositasrelevanten Einflussfaktoren im Kindesalter.

Weitere Informationen finden Sie hier:
www.rki.de/journalhealthmonitoring
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