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Häufig gestellte Fragen zu Pocken

Was sind Pocken?

Die Pocken sind eine Krankheit, die durch ein Virus, das Pocken- oder Variola-Virus, verursacht wird. Zu den Frühsymptomen zählen hohes Fieber und Abgeschlagenheit. Danach entwickelt sich ein charakteristischer Ausschlag, besonders an Gesicht, Armen und Beinen.

Die erhabenen Flecken füllen sich mit klarer Flüssigkeit, später Eiter, und bilden dann eine Kruste, die allmählich austrocknet und abfällt. Die Pocken verliefen früher in bis zu 30% der Fälle tödlich. Der letzte bekannte, natürliche Fall ereignete sich 1977 in Somalia. Seitdem traten die einzigen bekannten Fälle bei einem durch einen Laborunfall verursachten Ausbruch im Jahr 1978 in Birmingham in England auf, bei dem eine Person starb.

Stand: 01.03.2004

Kommen Pocken natürlicherweise vor?

Die Pocken treten nicht mehr natürlicherweise auf, seit sie in einer langwierigen und sorgfältig geplanten Aktion komplett ausgerottet wurden. Das Hauptprinzip der Strategie bestand darin, alle Fälle und ihre Kontaktpersonen zu identifizieren und sicherzustellen, dass diese geimpft und überwacht wurden, so dass eine weitere Ausbreitung nicht mehr möglich war.

Stand: 01.03.2004

Wie kann ich die Pocken bekommen und sind sie ansteckend?

Die Pocken sind seit 1979 offiziell von der WHO als ausgerottet erklärt. Daher besteht heute kein Risiko, sich mit Pocken anzustecken. Die folgenden Angaben sind somit eher theoretisch zu betrachten.

Das Virus, das die Pocken verursacht, ist ansteckend und wird von erkrankten Personen vorrangig an Haushaltsmitglieder oder enge Kontaktpersonen verbreitet, da sie in der infektiösen Zeit üblicherweise krank und bettlägerig sind. Die Ansteckung kann mit der Atemluft durch Tröpfcheninfektion aber auch durch Kontakt mit der Haut, der Wäsche oder persönlichen Gegenständen des Patienten, die dieser nach Ausbruch der Krankheit verwendet hat, erfolgen. Die Krankheit hat eine Inkubationszeit (Zeit von der Ansteckung bis zum Auftreten erster Symptome) von 7-19 Tagen. Eine infizierte Person wird erst dann infektiös, wenn sich Schleimhautveränderungen entwickeln, was in der Regel mit Fieber einhergeht. Diese Schleimhautveränderungen sind Voraussetzung für die Übertragung durch respiratorische Tröpfchen und können bis zu 5 Tage (in der Regel 2-3 Tage) vor den typischen Hautveränderungen auftreten. Am stärksten infektiös ist der Patient in der ersten Woche nach Krankheitsbeginn, allerdings besteht eine Infektionsgefahr bis zum Abfallen der letzten Krusten.

Stand: 01.03.2004

Wurden die verbliebenen Bestände an Pocken vernichtet, nachdem die Pocken ausgerottet waren?

Nachdem die Pocken offiziell für ausgerottet erklärt waren, wurde im Dezember 1979 ein Abkommen darüber geschlossen, alle verbliebenen Bestände des Virus zu zerstören, oder in eines der beiden Sicherheitslaboratorien zu verbringen - eines in den Vereinigten Staaten und eines in der damaligen Sowjetunion. Dieser Prozess wurde in den frühen 80er Jahren abgeschlossen, seitdem hatte offiziell kein anderes Labor Zugang zu Pockenviren.

Stand: 01.03.2004

Warum wird soviel über Pocken gesprochen?

Es lässt sich nicht völlig ausschließen, dass Pockenviren an anderen Orten außer den genannten Laboren existieren und damit die theoretische Möglichkeit einer vorsätzlichen Freisetzung bestünde, um dadurch gezielt Schäden zu verursachen. Es gibt derzeit keine Hinweise, die für das Auftreten eines solchen Anschlags sprechen, aber er lässt sich auch nicht mit letzter Sicherheit ausschließen.

Stand: 01.03.2004

Sind die Pocken behandelbar?

Es gibt keine Therapieformen gegen Pocken, die in Studien getestet wurden, weil seit der Ausrottung nicht mehr mit dem Virus experimentiert werden durfte. Neuere antivirale Medikamente, die seit der Pockenausrottung für die Bekämpfung anderer Krankheiten entwickelt wurden, könnten theoretisch auch gegen Pocken wirksam sein.

Eine zeitgerechte Impfung vor Ansteckung schützt weitestgehend vor Erkrankung oder schwächt den Krankheitsverlauf zumindest ab. Bei einer Impfung, die möglichst frühzeitig nach einer Ansteckung erfolgt, ist ebenfalls von einem positiven Effekte auszugehen, der aber wahrscheinlich in der Schutzwirkung unter dem bleiben wird, was bei einer zeitgerechten Impfung vor Ansteckung erreichbar ist. Die zu diesem Thema veröffentlichte Literatur deutet auf einen nachweisbaren Effekt einer Impfung bis zum 4. oder 5. Tag nach Ansteckung hin, bei späterer Impfung wird die Datenlage zunehmend unsicherer und widersprüchlicher.

Stand: 01.03.2004

Gibt es heute überhaupt noch einen Pockenimpfstoff?

Ja, es ist ein Impfstoff gegen Pocken vorhanden, der bereits für die Ausrottung der Erkrankung verwendet wurde. Der Impfstoff beinhaltet nicht das Pocken-Virus, sondern ein verwandtes und abgeschwächtes Virus, das sogenannte Vaccinia-Virus. Die Impfung kann jedoch ernsthafte Nebenwirkungen haben. Daher wird die Impfung für die breite Öffentlichkeit seit der Pockenausrottung nicht mehr empfohlen.

Stand: 01.03.2004

Warum hat die Bundesregierung wieder Pockenimpfstoffe angeschafft?

Die Bundesregierung hat durch die Beschaffung eines nationalen Vorrats an Pockenimpfstoff für den - extrem unwahrscheinlichen - Fall einer Bedrohung durch Pockenviren Vorsorge getroffen . Derzeit gibt es keine konkreten Anhaltspunkte für eine solche Bedrohung, ein allgemeines Impfprogramm ist deshalb nicht erforderlich.

Stand: 01.03.2004

Ist der Impfstoff noch wirksam?

Der gefriergetrocknete Impfstoff wird bei - 20 °C gelagert, und ist daher jahrzehntelang haltbar. Dies wurde durch experimentelle Laboruntersuchungen wiederholt bestätigt. Mittlerweile haben einige Firmen wieder mit der Produktion von Pockenimpfstoff begonnen.

Stand: 01.03.2004

Wie viel Impfstoff ist in Deutschland verfügbar?

Die Bundesregierung hat ausreichend Pockenimpfstoff für die gesamte Bevölkerung erworben. Es handelt sich um den gleichen Impfstoff, mit dem Ende der Siebzigerjahre die Pocken ausgerottet wurden.

Stand: 01.03.2004

Was ist der sogenannte MVA-Impfstoff?

Der MVA-Impfstoff (Modifiziertes Vakziniavirus Ankara) besteht aus einem veränderten und abgeschwächten Virusstamm, der von der Bayerischen Landesimpfanstalt in den 1970er Jahren entwickelt worden ist. Wegen seiner geringen Virulenz, aber auch wegen seines unsichereren Erzielens eines Immunschutzes wurde er damals nur zur Vorimpfung bei der Erstimpfung zugelassen. Eine Bestätigung der Wirksamkeit von MVA als Vor- oder sogar als alleinigem Impfstoff existiert jedoch nicht, da die Pocken bereits ausgerottet waren, ehe epidemiologische Studien über die Effektivität dieser Impfung zum Schutz vor Pocken durchgeführt werden konnten. Auch eine geringere Nebenwirkungsrate aufgrund der bisher durchgeführten Studien kann weder belegt noch widerlegt werden.

Stand: 01.03.2004

In den USA und in GB werden Mitarbeiter von Rettungsdiensten und Notärzte zum Teil bereits jetzt geimpft. Gibt es dazu auch in Deutschland Überlegungen?

Nach unserer Kenntnis sind im zivilen Bereich in den USA auf freiwilliger Basis ca. 40.000 Angehörige ausgewählter Personengruppen (z.B. Mitarbeiter von Hochsicherheitslabors, speziellen Behandlungszentren, Krankenhäusern) geimpft worden.

In Deutschland würde mit Impfungen von bestimmten Bevölkerungsgruppen (Einsatzkräfte, medizinisches Personal, Personal für die Aufrechterhaltung des öffentlichen Lebens) begonnen werden, wenn irgendwo in der Welt ein Pockenfall aufträte.

Stand: 01.03.2004

Können sich Bürger impfen lassen, wenn sie wollen?

Der verfügbare Impfstoff ist weder von der national zuständigen Behörde, dem Paul-Ehrlich-Institut, noch von ähnlichen Einrichtungen anderer Länder zugelassen und deshalb auch zur Zeit generell über die Apotheken nicht verfügbar. Eine generelle, prophylaktische Impfung der Bevölkerung ist zur Zeit, ohne eine konkrete Bedrohung, nicht zu befürworten, da der verfügbare Impfstoff eine im Vergleich zu modernen Impfstoffen relativ hohe Komplikationsrate aufweist. So können bei einzelnen Geimpften schwere Schäden und auch Todesfälle - z.B. durch eine postvakzinale Enzephalitis - nicht ausgeschlossen werden, auch wenn dies sehr selten zu erwarten ist. Der Impfstoff wurde im Rahmen der Risikovorsorge für den Fall angeschafft, dass Pockenviren freigesetzt werden. Nur in solch einem Fall einer aktuellen Bedrohung würde die Impfung staatlicherseits empfohlen oder sogar angewiesen und würde dann in zu diesem Zweck speziell eingerichteten Impfstellen durchgeführt werden.

Stand: 01.03.2004

Sind Personen mit einer Pockenschutzimpfung aus früherer Zeit noch geschützt?

Die meisten Menschen, die gegen Pocken geimpft wurden, haben auch Jahre später wahrscheinlich noch einen gewissen Impfschutz. Diese Annahme beruht auf wissenschaftlichen Untersuchungen zum Fortbestehen der Antikörper oder von Gedächniszellen des Immunsystems gegen das Pockenvirus im Blut nach der Impfung. Ob dieser Restschutz eine Pockeninfektion selbst verhindern kann, ist unklar, er könnte aber durchaus zu einem milderen Krankheitsverlauf führen. Da man also nicht davon ausgehen kann, dass alle Personen, die vor 30 und mehr Jahren geimpft wurden, vor den Pocken zuverlässig geschützt sind, muss auch diese Personengruppe im akuten Gefährdungsfall erneut geimpft werden.

Stand: 01.03.2004

Wie würden neu auftretende Pockenfälle erkannt werden und was würde getan werden, um die Menschen dann vor Pocken zu schützen?

Das volle Krankheitsbild der Pocken ist typisch. Bei Vorliegen eines Erkrankungsfalles würden Mitarbeiter des Gesundheitsamtes jede Kontaktperson einer infizierten Person ermitteln und impfen, um weitere Erkrankungsfälle zu vermeiden. Wenn schnell und konsequent gehandelt wird, kann die Anzahl der Erkrankungen auf ein Minimum reduziert und ein möglicher Ausbruch eingegrenzt oder verhindert werden. Dies war auch der Ansatz, der letztendlich dazu führte, dass die Krankheit ausgerottet wurde. Der Schlüssel hierzu war ein effektives Früherkennungssystem und eine rasche Antwort auf einen Ausbruch.

Stand: 01.03.2004

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