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Häufig gestellte Fragen zu Schmuck und Piercing

1. Das Tragen von Uhren und Schmuck an Unterarmen und Händen ist in Einrichtungen des Gesundheitswesens nicht zulässig – Wie wird dieses Verbot begründet? 

Die Technische Regel Biologische Arbeitsstoffe (TRBA) 250 vom November 2003 in der zuletzt geänderten Fassung vom Juli 2006 formuliert bei 4.1.2.6: „Bei Tätigkeiten, die eine hygienische Händedesinfektion erfordern, dürfen an Händen und Unterarmen keine Schmuckstücke, Uhren und Eheringe getragen werden. Derartige Gegenstände können die Wirksamkeit der Händedesinfektion vermindern. Siehe auch Mitteilung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI) „Händehygiene“, Bundesgesundheitsblatt 43 (2000), S. 230-233“ (http://www.baua.de).

Diese zuvor zitierte Mitteilung der o.g. Kommission führt zu Beginn des Textes ebenfalls aus: „Als Voraussetzung für die Händehygiene dürfen in Arbeitsbereichen mit erhöhter Infektionsgefährdung an Händen und Unterarmen keine Schmuckstücke, einschließlich Uhren und Eheringe, getragen werden“ (http://www.rki.de).

Unsere Fragesteller richten nach Lektüre der o.a. Empfehlung folgerichtig an uns die Frage, worauf das Robert Koch-Institut bzw. die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention dieses Verbot stütze. Die Antwort findet sich in der angegebenen Literaturstelle und in der vergebenen Evidenzkategorie. Zitiert sind in dem Dokument aus dem Jahr 2000 die VBG 103 (1994). Hierbei handelt es sich um eine Verhaltensregel der Berufs­genossen­schaft als gesetzlichem Unfallversicherer und es ist die Kategorie IV (Aussage aufgrund einer rechtlichen Regelung) vergeben worden. Es handelt sich also nicht um ein Verbot, das durch eine Expertenkommission beim RKI originär formuliert und durch das Institut veröffentlicht wurde. Dazu sind beide (RKI wie Kommission) mangels einer Rechtsgrundlage (die Einschränkung von Freiheitsrechten bedarf einer gesetzlichen Grundlage; Art. 2 Abs. 2 GG) gar nicht befugt. Richtig ist daher, dass die Richtlinie für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention an der genannten Stelle eine Regel aus dem Arbeitsschutz zitiert, auf die sich die hier dargestellte Einschränkung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts (Verbot Uhren und Schmuck zu tragen) stützt (ArbSchG BioStV, TRBA 250).  (Die in der Kommissionsempfehlung aus dem Jahr 2000 noch zitierte VBG 103 ist nicht mehr gültig; sie wurde durch die eingangs erwähnte TRBA 250 abgelöst.) 

Der in der TRBA 250 zitierte Verweis auf die RKI-Empfehlung zur Händehygiene kann nicht als Bezug auf eine Verbotsnorm  gesehen werden, weil verbindliche Vorschriften, auf die sich ein solches Verbot stützen lässt, dem Arbeitsschutz zuzurechnen sind (s.o.). Vielmehr beschränkt sich der Verweis in der TRBA auf die medizinisch-fachliche Ebene und die Sachverhalte, in denen beschrieben wird, wann eine chirurgische oder hygienische Händedesinfektion geboten ist. 

Adressaten der Fragen zur Zulässigkeit des Tragens von Uhren und Schmuck im Gesundheitsdienst sind also nicht primär das Robert Koch-Institut, sondern der betriebsärztliche Dienst einer Einrichtung des Gesundheitswesens oder das Amt für Arbeitsschutz. 

Eine weitere Anmerkung: Regeln des Arbeitsschutzes äußern sich nicht zu Halsketten, Reifen an Oberarmen, Ohrringen und anderen Schmuckstücken. In der Literatur lassen sich dazu auch keine zitierfähigen Aussagen finden. Einfache rationale Überlegungen legen nahe, dass bei Tätigkeiten mit erhöhter Infektionsgefährdung (z.B. im Rahmen von Operationen, Eingriffen, der Wundversorgung) darauf verzichtet werden sollte. 

Stand: 16.06.2010

2.  Dürfen Beschäftigte im Gesundheitsdienst Piercings tragen?

Sehr kontrovers diskutiert wird die Frage, ob Beschäftigte im Gesundheitswesen Piercings, insbesondere der Lippen, der Zunge und der Augenbrauen tragen dürfen.  Anstoß wird auch genommen an großen, während der Arbeit sichtbaren Tattoos. 

Hier sind Aspekte:

a) der Infektionsprävention und
b) solche getrennt zu betrachten, die sich etwa mit „Corparate Idendity“, Image / dem Erscheinungsbild eines Krankenhauses / einer Praxis, Auftreten der Mitarbeiter u.ä. beschreiben lassen. 

Beim letztgenannten Punkt wurden häufig Hygiene und Infektionsprävention als Verbotsgründe angeführt. Tatsächlich werden diese Gründe häufig missbraucht, wenn den diskutierenden/streitenden Parteien die Argumente ausgehen und sich kein Kompromiss erzielen lässt. Von einem in den umgebenden Hautarealen reizlosen Piercing oder Tattoo gehen im Stations- oder Praxisalltag keine Infektionsgefahren aus. Ob Patienten gepiercte oder tätowierte Mitarbeiter chic finden oder sich dadurch abgestoßen fühlen, ist eine offene Frage und folgt der Weisheit, dass sich über Geschmack nicht streiten lässt. Für solche Meinungsverschiedenheiten kann nur empfohlen werden, mit der Personalvertretung im Rahmen eiern Betriebsvereinbarung eine Lösung anzustreben. 

Handrick W et al. haben in der Zeitschrift Mikrobiologie (2003)  13: 95-100 eine Übersichtsarbeit veröffentlicht, „Infektionen durch Piercings und Tattoos“, die keinen anderen Schluss zulässt, als dass Mitarbeiter, deren Haut rund um das Piercing oder im Tattoo Entzündungszeichen und damit eindeutige Hinweise auf eine Infektion zeigen, die Gesundheit der von ihnen betreuter Patienten gefährden. 

Arbeitgebern ist zu empfehlen, Regelungen zu vereinbaren, ob und wie lange ein Beschäftigter in solchen Fällen nicht arbeiten darf und dass er/sie sich verpflichtet bei der Sanierung aktiv mitzuwirken. Auch die Frage der Lohn-/Gehaltsfortzahlung, ob eine Krankschreibung erfolgt, ob Urlaub genommen oder Überstunden „abgefeiert“ werden können, kann in einer Betriebsvereinbarung geregelt werden. 

Zur Frage der Gefährdung des Trägers im Rahmen des Gesundheitswesens s. oben (Tragen von Schmuck/Arbeitsschutz).

Stand: 16.06.2010

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