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Häufig gestellte Fragen zu Insulingabe

Mehrfache Verwendung von Injektionsnadeln bei Insulinpens und Insulin-Einmalspritzen?

"Die von Diabetikern häufig verwendeten Insulin-Pens verfügen über eine Einmalnadel, die entsprechend der Gebrauchsanweisung der Hersteller nach jeder Injektion zu verwerfen ist. In der Praxis verwenden Diabetiker die Nadeln allerdings oft mehrfach. Interessant ist, dass nach einer Erhebung der Medizinprodukte-Industrie hierbei deutliche Unterschiede in Europa bestehen: Während 73% der italienischen Diabetiker die Nadel nach jeder Injektion wechseln, verwenden deutsche Diabetiker die Nadeln oft so lange, bis die Insulinkartusche leer ist.

Offizielle Stellungnahmen hierzu existieren von der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) und von Seiten der Hersteller von Pen-Nadeln. Um mit letzteren zu beginnen: Die Hersteller unterstreichen auf ihren jeweiligen Internetseiten die Tatsache, dass es sich bei Pen-Nadeln um Einmalprodukte handelt, die bei mehrmaligem Gebrauch beschädigt werden können. Abstumpfungen und Verformungen der Nadelspitze sowie ein Haftenbleiben von Gewebsresten in der Nadelspitze können die Dosiergenauigkeit bei nachfolgenden Injektionen beeinträchtigen.Aufgrund von Gewebsläsionen durch stumpfe Nadeln kann es zu Vernarbungen an der Injektionsstelle kommen. Die Folge sind nicht nur Störungen der Insulinresorption von der Injektionsstelle, sondern auf lange Sicht auch ein erhöhtes Risiko für die Entstehung einer Lipodystrophie im Injektionsbereich. Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft äußert dagegen in einer älteren Publikation keine Bedenken gegen die Verwendung von Pen-Kanülen, da das Infektionsrisiko hierdurch nicht erhöht sei (Diabetologie Informationen 1995; 2:132-133)...

Rein sachlich betrachtet ist es nicht nachvollziehbar, warum der generell für alle Injektionen geltende Standard, nämlich dass für jede Injektion eine neue, frische Kanüle zu verwenden ist, für Injektionen aus Pens nicht gelten soll. Auch wenn das Infektionsrisiko hierdurch nicht erhöht sein soll, ist das Argument der Hersteller, dass Läsionen und Gewebsreste an der Nadelspitze das Gewebe unnötig traumatisieren und Fehldosierungen verursachen, gut begründet. Bei über 90% der Penreklamationen sind (nicht erkannte) verstopfte Nadeln die Ursache (www.aktive-diabetiker.at/nadeln69.htm). Für Patienten sollte daher das gleiche gelten wie für medizinisches Personal einschließlich Altenpflegern/innen und Pflegehelfern: Nach jeder Insulinapplikation sollte die Nadel verworfen und vor einer neuen Applikation eine neue Nadel aufgesetzt werden. Sofern Patienten aus eigener Entscheidung hiervon abweichen wollen, sollten sie über die oben genannten Risiken aufgeklärt werden."

(siehe Trautmann M; Hygiene und Medizin 31(2006):239-240)

Stand: 01.06.2013

Bedarf es einer Hautdesinfektion vor der subcutanen Insulininjektion?

"Viele Diabetiker führen vor der subkutanen Insulininjektion keine alkoholische Hautdesinfektion durch.Ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht hierbei erfahrungsgemäß nicht. Es ist daher nichts dagegen einzuwenden, dass ein Diabetiker bei sich selbst auf die Hautdesinfektion verzichtet. Voraussetzung ist jedoch eine einwandfreie Körperhygiene. Am besten sollte die Insulininjektion oder das Anlegen einer Pumpennadel nach der morgendlichen Dusche erfolgen. Bei Insulininjektonen im Laufe des Tages muss ggfs. die Injektionsstelle nochmals gereinigt und getrocknet werden.

In der Arztpraxis, im Krankenhaus oder in der ambulanten Pflege müssen jedoch andere Aspekte berücksichtigt werden. Bei bettlägerigen Patienten ist die Körperhygiene weniger verläßlich durchführbar. Im Krankenhaus können nosokomiale Infektionserreger vorkommen, die beispielsweise Intensivpatienten innerhalb kürzester Zeit besiedeln. Oft handelt es sich auch um Patienten in instabiler Stoffwechselsituation oder mit anderen, zusätzlichen Erkrankungen, welche die Infektabwehr beeinträchtigen. In medizinischen Einrichtungen und in der Altenpflege sollten daher eine alkoholische Hautdesinfektion vor jeder Insulininjektion vorgenommen werden. .....

Es muss allerdings darauf geachtet werden, dass das Hautdesinfektionsmittel vollständig abgetrocknet ist, bevor die Insulininjektion vorgenommen wird, da es durch Eintrag von Alkoholresten in das Subkutangewebe bei noch nicht vollständig abgetrocknetem Desinfektionsmittel zu einer aseptischen Entzündung mit nachfolgendem Risiko einer Gewebsverhärtung kommen kann.

Gesetzliche Vorgaben zu den beiden Themenkomplexen gibt es nicht. Die Hygiene- und Infektionsverordnungen einiger Bundesländer (Bayern, Berlin, Bremen, Baden-Württemberg, Hamburg, Hessen,Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westphalen, Schleswig-Holstein) enthalten folgenden Satz: "Wer Eingriffe durchführt, die eine Verletzung der Haut vorsehen, muss vorher seine Hände reinigen und desinfizieren und die zu behandelnde Hautfläche desinfizieren." Diese Verordnungen sind geltendes Recht."

(siehe Trautmann M; Hygiene und Medizin 31(2006):239-240)

Stand: 01.06.2006

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