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Welche Bedeutung hat die Ausrufung einer „Gesundheitlichen Notlage mit internationaler Tragweite“ durch die WHO am 5. Mai 2014 für die Polio-Impfempfehlungen in Deutschland?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat angesichts der internationalen Ausbreitung der Poliomyelitis am 5. Mai 2014 eine "Public Health Emergency of International Concern“ PHEIC, zu Deutsch „Gesundheitliche Notlage mit internationaler Tragweite“ erklärt.

Als Polio-infizierte Länder gelten laut WHO aktuell Pakistan, Afghanistan, Nigeria, Kamerun, Syrien, Israel, Irak, Äquatorial Guinea, Äthiopien und Somalia. Um einen möglichen Export von Polio-Wildviren aus diesen Ländern zu verhindern, hat die WHO die dringende Empfehlung ausgesprochen, dass Personen vor Ausreise aus einem dieser Länder gegen Polio geimpft werden sollten. Dies betrifft Einheimische und Personen, die sich mehr als 4 Wochen in einem dieser Länder aufgehalten haben, sofern ihre letzte Polio-Impfung mehr als 12 Monate zurückliegt.

Für poliofreie Länder wie Deutschland ist die Ausrufung der PHEIC mit keinen spezifischen Empfehlungen der WHO verbunden. Falls die WHO-Em­pfeh­lun­gen in den betroffenen Ländern konsequent umgesetzt werden, würde dies allerdings bedeuten, dass Reisende, die sich länger als 4 Wochen in einem der genannten Länder aufgehalten haben, bei Abreise zu einer Polio-Impfung (vermutlich überwiegend mit einem oralen Lebendimpfstoff, OPV) verpflichtet werden könnten, sofern sie in den letzten 12 Monaten keine Polio-Impfung bekommen haben.

Von daher sollte Reisenden, die einen längeren Aufenthalt in einem der genannten Länder planen, die Situation erklärt und eine Impfung mit inaktiviertem Polio-Impfstoff (IPV) vor Abreise angeboten und in einem internationalen Impfpass dokumentiert werden, sofern ihre letzte Polio-Impfung am Ende des Aufenthalts mehr als 12 Monate zurückliegen wird. Dies weicht von der bestehenden STIKO-Empfehlung ab, der zufolge eine Auffrischimpfung vor Reisen in Polio-Endemiegebiete erst 10 Jahre nach der letzten Impfung empfohlen wird.

Die Empfehlung der WHO galt ab dem 5. Mai 2014 zunächst zeitlich befristet für 3 Monate und wurde am 3. August 2014 um weitere 3 Monate verlängert. Über eventuelle weitere Verlängerungen der PHEIC wird die WHO alle 3 Monate nach erneuter Situations­beurteilung entscheiden, siehe http://www.who.int/ihr/ihr_ec_2014/en/. Da es sich um eine zeitlich befristete Empfehlung handelt, ist eine Änderung der STIKO-Empfehlungen derzeit nicht beabsichtigt.

Stand: 20.10.2014

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