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Schutzimpfung gegen Pneumokokken: Häufig gestellte Fragen und Antworten

Welche Krankheiten werden durch Pneumokokken verursacht?

Pneumokokken besiedeln den Nasenrachenraum des Menschen, überwiegend ohne dabei Symptome zu verursachen. Sie können allerdings durch lokale Ausbreitung Krankheiten der oberen (Sinusitis, Otitis media) und unteren Atemwege (Pneumonie) verursachen. Besonders schwerwiegend sind sogenannte invasive Pneumokokken-Erkrankungen (invasive pneumococcal disease, IPD), die dadurch definiert sind, dass Pneumokokken in normalerweise sterilen Körperflüssigkeiten nachgewiesen werden. Zahlenmäßig überwiegen Bakteriämien (Nachweis durch Blutkultur) und Meningitiden (Nachweis im Liquor cerebrospinalis). Bakteriämien treten häufig zusammen mit einer Pneumonie auf. Wesentlich seltener werden Pneumokokken in Pleura-, Gelenk- oder Aszitespunktaten gefunden. Es wird geschätzt, dass in Deutschland jährlich über 5000 Menschen an einer Pneumokokken-Erkrankung sterben.

Stand: 19.12.2016

Wer soll sich gegen Pneumokokken impfen lassen?

Das Risiko einer schwer verlaufenden Erkrankung an Pneumokokken ist altersabhängig. Besonders gefährdet sind Kinder in den ersten beiden Lebensjahren und ältere Menschen. Auch Menschen, die an chronischen Krankheiten der Lunge oder des Herzens, an einem behandlungsbedürftigen Diabetes oder an bestimmten neurologischen Krankheiten leiden, haben ein erhöhtes Risiko und sollten sich deshalb impfen lassen. Dies gilt auch für Patienten mit einer Immundefizienz oder einer immunsuppressiven Therapie und für Personen mit z.B. einem Cochlea-Implantat oder einer Liquorfistel.

Die STIKO empfiehlt die Pneumokokken-Impfung deshalb für alle Säuglinge ab dem Alter von 2 Monaten, für alle Menschen ab dem Alter von 60 Jahren, und für Patienten mit einer der oben genannten Indikation, s. auch Tabelle 2 der STIKO-Empfehlungen.

Stand: 19.12.2016

Worin unterscheiden sich die verschiedenen Pneumokokken-Impfstoffe?

Die Immunantwort auf die Pneumokokken-Impfung richtet sich gegen die in allen verfügbaren Impfstoffen enthaltenen Polysaccharid-Antigene. Diese sind im Impfstoff entweder in reiner Form oder in chemisch an ein Protein gebundener Form („konjugiert“) enthalten. Entsprechend unterscheidet man zwischen reinen „Polysaccharidimpfstoffen“ und „Konjugatimpfstoffen“. Ein weiterer Unterschied besteht in der Zahl der Pneumokokken-Serotypen, die im Impfstoff enthalten sind.

Pneumokokken- Polysaccharidimpfstoffe (PPSV) gibt es bereits seit den 1970er Jahren. Der aktuell verfügbare Impfstoff enthält Antigene von 23 Serotypen (PPSV23, Pneumovax®, zugelassen ab dem Alter von 2 Jahren).

Pneumokokken-Konjugatimpfstoffe (PCV) wurden später entwickelt, nachdem sich gezeigt hatte, dass die PPSV bei Kindern unter 2 Jahren, einer besonders gefährdeten Altersgruppe, keine ausreichende Immunantwort auslösen. Aktuell sind in Deutschland ein Konjugatimpfstoff gegen 10 Serotypen (PCV10, Synflorix®, zugelassen bis zum Alter von 5 Jahren) und ein Konjugatimpfstoff gegen 13 Serotypen (PCV13, Prevenar 13®, zugelassen für alle Altersgruppen) erhältlich.

Stand: 19.12.2016

Wer sollte mit welchem Impfstoff geimpft werden?

Alle Säuglinge und Kinder unter 2 Jahren sollen gegen Pneumokokken geimpft werden, und zwar ausschließlich mit Konjugatimpfstoffen (PCV10 oder PCV13).

Menschen im Alter von 2 bis 60 Jahren sollen nur gegen Pneumokokken geimpft werden, wenn sie zu einer von der STIKO genannten Risikogruppen gehören. Sie sollen dann wie folgt geimpft werden:

  • Kinder im Alter von 2-15 Jahren sollen eine sogenannte sequenzielle Impfung (PCV13, gefolgt von PPSV23 nach 6-12 Monaten) erhalten.
  • Menschen ab dem Alter von 16 Jahren sollen ebenfalls sequenziell geimpft werden, sofern Sie einen Immundefekt oder eine immunsuppressive Therapie oder ein anatomisches oder Fremdkörper-assoziiertes Risiko für eine Pneumokokken-Meningitis haben.
  • Menschen ab dem Alter von 16 Jahren mit bestimmten anderen chronischen Krankheiten, die ein altersentsprechend gesundes Immunsystem haben, sollen nur mit PPSV23 geimpft werden.

Ab dem Alter von 60 Jahren sollen alle Menschen mit PPSV23 geimpft werden. Nur Patienten, die einen Immundefekt, eine immunsuppressive Therapie oder ein anatomisches oder Fremdkörper-assoziiertes Risiko für eine Pneumokokken-Meningitis haben, sollen sequenziell geimpft werden.

Eine alleinige Impfung mit PCV13 ist aus Sicht der STIKO in keinem Fall sinnvoll, da die Pneumokokken-Serotypenabdeckung deutlich geringer ist als beim PPSV23.

Stand: 19.12.2016

Wie oft soll gegen Pneumokokken geimpft werden?

Säuglinge sollen 3 Impfstoffdosen im Alter von 2, 4 und 11-14 Monaten erhalten. Frühgeborene (Geburt vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche) sollen hingegen 4 Impfstoffdosen im Alter von 2, 3, 4 und 11-14 Monaten erhalten.

Da die Schutzdauer der Pneumokokken-Impfung begrenzt ist, hält die STIKO Wiederholungsimpfungen im Abstand von mindestens 6 Jahren für Senioren und für Menschen, die zu einer der genannten Risikogruppen gehören, grundsätzlich für sinnvoll. Für Wiederholungsimpfungen wird ausschließlich PPSV23 verwendet. Vorübergehende Nebenwirkungen (Rötung, Schwellung und Schmerzen des Armes, Kopfschmerzen, Unwohlsein, Fieber) sind nach Wiederholungsimpfungen häufiger als nach der 1. Impfung. Wird das Zeitintervall von 6 Jahren unterschritten, ist mit stärkeren Nebenwirkungen zu rechnen.

Für Personen mit chronischen Grundkrankheiten ist die wiederholte Impfung durch die Zulassung des PPSV23-Impfstoffs gedeckt. Für Personen, bei denen das Alter ≥60 Jahre die einzige Indikation darstellt, ist aufgrund unklarer und in sich widersprüchlicher Formulierungen in der Fachinformation derzeit umstritten, ob die wiederholte Impfung zulassungskonform ist.

Die STIKO hat alle verfügbaren Studien zur Immunogenität und Verträglichkeit der Wiederholungsimpfung ausgewertet (1). Auf dieser Basis ist sie zu dem Schluss gekommen, dass die Vorteile der Wiederholungsimpfung (Aufrechterhaltung des Schutzes gegen lebensbedrohliche Erkrankungen) die Nachteile (verstärkte Nebenwirkungen) überwiegen.

Der Hersteller des PPSV23 beabsichtigt, eine Änderung der Fachinformation zu beantragen, um die Zweifel an der Zulassungskonformität der Wiederholungsimpfung auszuräumen.

Für gesunde Kinder wird eine Wiederholungsimpfung nach erfolgter Grundimmunisierung im Säuglingsalter nicht empfohlen, weil das Risiko für eine schwere Pneumokokkenerkrankung nach dem Alter von 2 Jahren sehr gering ist.

Literatur:
(1) Remschmidt C, Harder T, Wichmann O, Bogdan C, Falkenhorst G. Effectiveness, immunogenicity and safety of 23-valent pneumococcal polysaccharide vaccine revaccinations in the elderly: a systematic review. BMC Infect Dis. 2016 Nov 25;16(1):711.

Stand: 19.12.2016

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