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Schutzimpfung gegen Meningokokken: Häufig gestellte Fragen und Antworten

Stand: 5.7.2017

Wer sollte gegen Meningokokken geimpft sein?

Von der Ständigen Impfkommission (STIKO) wird die Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe C für alle Kinder im 2. Lebensjahr mit einem Meningokokken-C-Konjugatimpfstoff empfohlen. Bei Vorliegen eines erhöhten Risikos für Meningokokken-Erkrankungen (s.u.) sollten Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einem Meningokokken ACWY-Konjugatimpfstoff sowie mit einem Meningokokken-B-Impfstoff geimpft werden. Da für Säuglinge derzeit kein ACWY-Konjugatimpfstoff zugelassen ist, sollten diese bei Vorliegen einer gesundheitlichen Gefährdung mit einem Meningokokken-C-Konjugatimpfstoff geimpft werden, gefolgt im zweiten Lebensjahr mit einem ACWY-Konjugatimpfstoff. Zu den Erkrankungen bzw. Therapien mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung gehören z.B. angeborene oder erworbene Immundefekte mit T- und/oder B-zellulärer Restfunktion (z.B. Komplement-/Properdindefekte, Eculizumab-Therapie, Hypogammaglobulinämie, Asplenie). Auch gefährdetes Laborpersonal sowie Pilgerreisende oder Reisende in endemische/hyperendemische Länder mit engem Kontakt zur einheimischen Bevölkerung sowie Schüler/Studenten vor Langzeit-Aufenthalten in Ländern mit empfohlener allgemeiner Impfung für Jugendliche oder selektiver Impfung für Schüler/Studenten sollten gegen Meningokokken geimpft sein.

Für Personal im Gesundheitswesen ist die Meningokokken-Impfung nicht routinemäßig empfohlen, da bei ihnen lediglich ein leicht erhöhtes Risiko gegenüber der Allgemeinbevölkerung beobachtet wurde. Bei einer Exposition mit respiratorischen Sekreten betroffener Patienten – insbesondere durch Mund-zu-Mund-Beatmung oder wenn ohne Atemschutz intubiert oder tracheal abgesaugt wurde – sollte medizinisches Personal unabhängig von einer stattgehabten Impfung eine Chemoprophylaxe erhalten (siehe RKI-Ratgeber für Ärzte zu Meningokokken-Erkrankungen).

Stand: 07.11.2016

Sollten auch Kinder, die älter als 2 Jahre sind, gegen Meningokokken der Serogruppe C geimpft werden?

Die STIKO empfiehlt seit Juli 2006 die Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe C für alle Kinder im 2. Lebensjahr zum frühestmöglichen Zeitpunkt. Im Epidemiologischen Bulletin 30/2006 weist die STIKO darauf hin, dass „unabhängig von den in Tabelle 1 genannten Terminen …, wann immer eine Arztkonsultation erfolgt, die Impfdokumentation überprüft und fehlende Impfungen nachgeholt werden“ sollten (S. 237).

Der Impfkalender definiert den optimalen Zeitpunkt der Impfung. Für Impfungen, die zu diesem Zeitpunkt nicht verabreicht werden konnten, gilt bis auf wenige genau definierte Ausnahmen* die oben aufgeführte Regel der STIKO, dass Impfungen zu jedem möglichen Zeitpunkt nachgeholt werden sollten. Für Meningokokken wird im Epidemiologischen Bulletin 31/2006 (S. 265) auf die Notwendigkeit des Nachholens der Impfung ausdrücklich hingewiesen:

“Zum Erreichen eines individuellen Schutzes wird von der STIKO das Nachholen nicht erfolgter Impfungen jenseits des 2. Lebensjahres entsprechend den allgemeinen Regeln der STIKO - frühzeitiges Schließen von Impflücken - empfohlen.“

Insofern empfiehlt die STIKO das Nachholen der Impfung gegen Meningokokken C jenseits des vollendeten 23. Lebensmonats für alle Kinder und Jugendliche (vollendete 17 Jahre).

Die Begründung der Impfempfehlung der STIKO bezieht sich auf die Erfahrungen aus Ländern, in denen mit einer Impfdosis im 2. Lebensjahr und einer Nachholimpfung bei bisher nicht geimpften Kindern und Jugendlichen eine hohe Effektivität erreicht werden konnte.

*Impfung mit Pneumokokken-Konjugatimpfstoff (generelle Impfempfehlung nur für das 1. und 2. Lebensjahr (dann nur noch Risikogruppen) und gegen Haemophilus influenzae Typ b (ab einem Alter von 5 Jahren ist eine Impfung nur in Ausnahmefällen indiziert)

Stand: 14.11.2012

Warum wird die Impfung gegen Meningokokken B bislang nicht als Routineimpfung von der STIKO empfohlen?

Um eine Impfempfehlung auszusprechen, benötigt die STIKO umfang­reiche Daten zur impf­präventablen Krankheit und zur jeweiligen Impfung. Da zum jetzigen Zeitpunkt die Evidenz­lage zur Impfung noch nicht ausreichend ist und eine niedrige Meningokokken B (MenB)-Krankheitslast in Deutschland vorliegt, hat die STIKO entschieden, mit der Evidenzbewertung für eine mögliche Routine­impf­empfehlung zu warten.

Zum aktuellen Zeitpunkt liegen zwar erste Daten zur Impfstoff­wirksamkeit aus England vor [1]. Diese berücksichtigen jedoch erst Daten nach den ersten beiden Impfdosen im Alter von 2 und 4 Monaten; Daten nach der vollständigen Grundimmunisierung stehen noch aus. Darüber hinaus können noch keine Aussagen zur länger­fristigen Impf­wirksamkeit gemacht werden und auch die Übertragbarkeit der Effektivitäts­schätzungen auf Deutschland ist nur eingeschränkt möglich. So wird die Abdeckung der MenB-Stämme durch den Impfstoff bei Säuglingen in Deutschland niedriger als in England eingeschätzt.

Außerdem ist noch nicht bekannt, ob die Impfung auch vor einer Besiedlung mit MenB schützt. Dies könnte zu einem Herden­schutz führen und würde z.B. für eine Impfung Jugendlicher sprechen. Diese Alters­gruppe weist die höchste Besiedlungs­rate auf und spielt somit eine Schlüsselrolle bei der Verbreitung der Erreger.

Sobald robustere Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit der Impfung vorliegen, wird die STIKO die Einführung einer MenB-Impfempfehlung neu bewerten.

Bisher empfiehlt die STIKO die Impfung gegen MenB lediglich Personen mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko (die wissenschaftliche Begründung wurde im Epid Bull 37/2015 veröffentlicht). Dies sind vor allem Personen mit bestimmten Immun­defekten, insbesondere Komplement­defekten, Personen mit Asplenie oder Personen, die eine Therapie mit Eculizumab (Soliris®) erhalten.

Literatur
1. Parikh SR, et al.: Effectiveness and impact of a reduced infant schedule of 4CMenB vaccine against group B meningococcal disease in England: a national observational cohort study. The Lancet, 2016. 388(10061): p. 2775–2782

Stand: 05.07.2017

Wie hoch ist das Risiko, in Deutschland eine MenB-Erkrankung zu bekommen oder daran zu sterben?

Das Risiko für eine MenB-Erkrankung war in den Jahren 2013 bis 2016 mit weniger als 3 Erkrankungen (Erkr.)/1 Million Einwohner (Einw.) pro Jahr sehr niedrig. Das höchste Risiko haben Säuglinge mit rund 46 Erkr./1 Million Säuglinge pro Jahr und Kleinkinder mit rund 16 Erkrankungen/1 Million Kleinkinder pro Jahr. Die zweithöchste Inzidenz liegt bei Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahren mit rund 8 Erkr./1 Million Jugendliche pro Jahr. Personen die mit vielen verschiedenen Menschen in Kontakt kommen, z.B. durch häufiges Reisen, die passivem Zigarettenrauch ausgesetzt sind oder die auf sehr engem Raum leben, haben möglicherweise ein etwas erhöhtes Erkrankungsrisiko.
An MenB-Erkrankungen starben in Deutschland im Zeitraum 2013 bis 2016 jährlich rund 8% der Erkrankten. Das sind ca. 15 Personen pro Jahr, davon 7 Kinder unter 5 Jahren.

Stand: 05.07.2017

Falls Eltern ihr Kind gegen Meningokokken B impfen lassen möchten, was sollten sie beachten?

Weil die Krankheitslast durch Meningokokken B in den ersten beiden Lebensjahren am höchsten ist, ist es sinnvoll, die Impfung gegen MenB so früh wie möglich zu verabreichen, d.h. bei Säuglingen ab dem Alter von 2 Monaten. Bei Verabreichung der MenB-Impfung zusammen mit dem Sechsfach- und dem Pneumo­kokken-Impf­stoff ist zu beachten, dass häufiger Neben­wirkungen, insbesondere Fieber, auftreten können. Das Fieber­risiko kann aber durch die prophylaktische Gabe von Para­ce­ta­mol gesenkt werden, ohne dass die Bildung von Anti­körpern beeinträchtigt wird. Wenn die Impfungen nicht simultan verabreicht werden, sollte darauf geachtet werden, die einzelnen Impfungen nicht später als empfohlen durch­zuführen.
Das Impfschema richtet sich nach den Hersteller­angaben. Bei Kindern im Alter von 2 bis 5 Monaten sind 3 Impfstoff­dosen zur Grund­immunisierung und in allen anderen Alters­gruppen 2 Impfstoff­dosen vom Hersteller empfohlen. Bei Kindern, die in den ersten 2 Lebens­jahren geimpft wurden, ist zusätzlich eine Booster­impfung erforderlich.

Stand: 05.07.2017

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