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Saisonale Influenzaimpfung: Häufig gestellte Fragen und Antworten

Stand: 10.10.2016

Für wen wird die Impfung gegen die saisonale Influenza empfohlen?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Influenzaimpfung

  • für alle Personen ab 60 Jahre,
  • für alle Schwangeren ab dem 2. Trimenon, bei erhöhter gesund­heit­licher Gefährdung infolge eines Grund­leidens ab 1. Trimenon (siehe “Warum wird die saisonale Influenzaimpfung auch für Schwangere empfohlen?“),
  • für Personen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens (wie z.B. chronische Krankheiten der Atmungs­organe, Herz- oder Kreis­lauf­krank­heiten, Leber- oder Nierenkrankheiten, Diabetes oder andere Stoff­wechsel­krank­heiten, chronische neurologische Grundkrankheiten wie z.B. Multiple Sklerose mit durch Infektionen getriggerten Schüben, angeborene oder erworbene Immundefizienz oder HIV) sowie
  • für Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen
  • Personen, die als mögliche Infektionsquelle im selben Haushalt lebende oder von ihnen betreute Risikopersonen gefährden können. Als Risikopersonen gelten hierbei Personengruppen mit Grundkrankheiten, bei denen es Hinweise auf eine deutlich reduzierter Wirksamkeit der Influenza-Impfung gibt, wie z.B. Personen mit dialysepflichtiger Niereninsuffizienz oder Personen mit angeborener oder erworbener Immundefizienz bzw. -suppression.


Außerdem sollten im Rahmen eines erhöhten beruflichen Risikos

  • Personen mit erhöhter Gefährdung (z.B. medizinisches Personal) und
  • Personen in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr
  • Personen, die als mögliche Infektionsquelle für von ihnen betreute Risikopersonen fungieren können

geimpft werden.

Ebenso geimpft werden sollten Personen mit direktem Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln (die Impfung schützt zwar nicht vor der Vogelgrippe, aber es werden damit problematische Doppelinfektionen vermieden).

Stand: 10.10.2016

Warum wird die saisonale Influenzaimpfung auch für Schwangere empfohlen?

Aktualisierte Daten zur saisonalen Influenza sowie während der Influenza­pandemie 2009 gewonnene Erfahrungen zeigen, dass Schwangere bei einer Influenza­infektion ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe haben. Daher empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) seit 2010 die saisonale Influenza­impfung für alle Frauen, die während der Influenzasaison schwanger sind. Das erhöhte Komplikationsrisiko von Schwangeren hängt mit ver­schie­denen physiologischen und immunologischen Veränderungen zusammen, die während einer Schwangerschaft im Körper ablaufen. Diese Veränderungen können schwangere Frauen für virale Erreger wie das Influenzavirus empfänglicher machen und schwere Krank­heits­ver­läufe begünstigen. Neugeborene profitieren von der Impfung ihrer Mütter dadurch, dass über die Plazenta Antikörper von der Mutter an das Kind weitergegeben werden, die dem Neugeborenen einen gewissen Schutz in den ersten Monaten nach der Geburt verleihen. Bei der Impfung von Schwangeren spielt auch die Über­le­gung eine Rolle, das Neugeborene vor einer Infektion durch die Mutter zu schützen, da Influenzaimpfstoffe nicht für Kinder unter 6 Monaten zugelassen sind.

Da es sich bei den in Deutschland zugelassenen Influenzaimpfstoffen für Erwachsene um Totimpfstoffe handelt, ist eine Impfung grund­sätz­lich in jedem Stadium der Schwangerschaft unbedenklich. Für gesunde Schwangere empfiehlt die STIKO die Impfung dennoch erst ab dem 2. Schwangerschaftsdrittel. Damit soll verhindert werden, dass die im 1. Schwangerschaftsdrittel häufiger auftretenden Spontanaborte fälschlicherweise mit der Impfung in Verbindung gebracht werden und so im Einzelfall für die Betroffenen zu einer besonderen psychischen Belastung werden. Schwangere Frauen, bei denen auch aufgrund einer chronischen Grunderkrankung eine zu­sätzliche Indikation zur Influenzaimpfung besteht, sollten unab­hängig vom Schwangerschaftsstadium geimpft werden. Die Sicherheit der Impfstoffe wurde sowohl für Schwangere als auch für Ungeborene bestätigt. Es wurde in Studien keine erhöhte Zahl von schweren Reaktionen auf Grund einer Impfung festgestellt. Weder war die Anzahl der Frühgeburten oder Kaiserschnitte erhöht, noch gab es Unterschiede im Gesundheitszustand der Säuglinge nach der Geburt.

Stand: 07.09.2012

Warum sollten Personen mit Grundkrankheiten gegen Influenza geimpft werden?

Personen mit Grundkrankheiten haben ein erhöhtes Risiko, schwere oder tödliche Krankheitsverläufe einer Influenzainfektion zu ent­wickeln. Besonders gefährdet sind dabei Personen, die eine Überempfindlichkeit der Atemwege oder eine eingeschränkte Lungenfunktion haben (z.B. Personen mit Asthma, chronischer Bronchitis, chronisch obstruktiver Lungenerkrankung), Personen mit einer chronischen Herz-Kreislauf-, Leber- oder Nierenkrankheit, Personen mit Diabetes oder einer anderen Stoffwechselkrankheit, Personen mit einer neurologischen oder neuromuskulären Grund­krank­heit oder einem eingeschränkten Immunsystem durch eine zugrundeliegende Erkrankung oder Medikamenteneinnahme (beispielsweise hochdosiertes Kortison, Chemotherapie bei Krebs­er­kran­kungen). Personen ab einem Alter von 6 Monaten mit solchen chronischen Grundkrankheiten sollten daher gegen Influenza geimpft werden.

Stand: 07.09.2012

Warum ist die Impfung des medizinischen Personals gegen Influenza wichtig?

Medizinisches Personal stellt eine mögliche Infektions­quelle für die von ihm betreuten Patienten dar. Dabei handelt es sich oft um Patienten, die wegen bestehender Grund­er­kran­kungen ein erhöhtes Risiko haben, eine schwere, even­tuell töd­liche Verlaufs­form der Influenza zu entwickeln. Die Impfung des medizi­nischen Personals folgt daher dem ethischen Gebot, Patienten nicht zu schaden. Gleich­zeitig dient die Impfung dem persön­lichen Schutz des medizi­nischen Personals, das mit Influenza­kranken in Kontakt kommen könnte. Aktuelle Zahlen aus der be­völkerungs­basierten Studie GEDA 2013s zeigen, dass nur etwa 40% des Gesund­heits­personals in der Saison 2013/2014 gegen Influenza geimpft waren.

Stand: 10.10.2016

Sollten Asylsuchende in Gemeinschaftseinrichtungen gegen Influenza geimpft werden?

In Erstaufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften sollte erwogen werden, allen Bewohnern – Erwachsenen und Kindern – eine Impfung gegen saisonale Influenza anzubieten, nicht nur Risiko­gruppen. Zum einen erscheint die Identi­fi­zierung von Risiko­gruppen auf­grund von Sprach­barrieren schwierig; zum anderen besteht in Erst­auf­nahme­ein­rich­tungen bzw. Gemeinschafts­unterkünften für Asyl­suchende auf­grund des engen Zusammen­lebens ein im Ver­gleich zur ein­hei­mi­schen Bevölkerung erhöhtes Risiko für Influenza­ausbrüche, die dann auch nur schwer kontrolliert werden können. Entsprechend den STIKO-Emp­feh­lungen sollten Kinder von 6 Monaten bis 17 Jahren mit einem Tot­impf­stoff geimpft werden, bei Kindern im Alter von 2 bis 6 Jahren kann alternativ der Influenza-Lebend­impf­stoff (als Nasen­spray) verwendet werden. Basierend auf aktuell vor­lie­gen­den Daten zur Impf­stoff­effek­tivität kommt die STIKO zum Schluss, dass bei Kindern im Alter von 2-6 Jahren eine Über­legen­heit des Influenza-Lebendimpfstoff gegenüber dem Tot­impf­stoff der­zeit nicht mehr belegt ist und beide Impf­stoffe gleich­wertig an­ge­wendet werden können. Die Empfehlung, 2- bis 6-jährige Kinder nicht mehr präferen­tiell mit Lebend­impf­stoff zu impfen, ist zunächst auf die kommende Influenza­saison 2016/17 beschränkt (siehe Stellung­nahme im Epid Bull 39/2016). Säuglinge und Klein­kinder zwischen 6 Monaten und 2 Jahren und Erwachsene (inklusive Schwangere) dürfen nur mit einem Tot­impf­stoff geimpft werden.

Stand: 10.10.2016

Wie viele Menschen lassen sich gegen die saisonale Influenza impfen?

In Deutschland werden Impfungen nicht zentral zum Beispiel in Form eines Impf­registers dokumentiert. Zur Bestimmung von Impf­quoten gegen die saisonale Influenza werden deshalb Daten aus telefonischen Befragungen, Abrechnungs­daten und Haus­halts­be­fragungen heran­ge­zogen. Aktuelle Daten aus einer 2014 durch­ge­führten bundes­weiten Studie zeigen, dass sich in den Saisons 2012/13 und 2013/14 insgesamt 30% bzw. 27% der erwachsenen Bevölkerung impfen ließen. Während je nach Saison 50% (2012/13) bzw. 49% (2013/14) der Personen ab 60 Jahre geimpft waren, fiel die Impf­quote bei Personen mit chronischen Erkrankungen geringer aus. Von ihnen ließen sich 2012/13 nur 42% und 2013/14 nur 40% impfen (Bödeker B et al. in BMC Public Health 2015).

Nach den Ergebnissen aus GEDA 2013s – einer regelmäßige telefonische Befragung des RKI, bei der Personen ab 18 Jahren unter anderem zum Impf­ver­halten befragt werden – waren 40% des medizinischen Personals in der Saison 2009/10 gegen saisonale Influenza geimpft (un­ver­öffent­lichte Daten). Andere Studien weisen darauf hin, dass Impf­quoten bei ambulant tätigen Ärzten höher sind als bei Kranken­haus­ärzten und anderem medizinischen Personal. Für die Saison 2006/07 gaben 73% der nieder­ge­lassenen Ärzte an, geimpft zu sein (Wortberg S et al. im Bundesgesundheitsblatt 2009). Nach einer in 2010 durch­ge­führten Studie unter nieder­ge­lassenen Ärzten führten 61% an, sich regel­mäßig gegen saisonale Influenza impfen zu lassen (Boehmer M et al. im Gesund­heits­wesen 2014).

Der Anteil geimpfter Schwangerer wurde in einer durch das Bundes­ministerium für Gesundheit geförderten Studie untersucht. Demnach waren in der Saison 2012/13 23% der schwangeren Frauen gegen die saisonale Influenza geimpft (Bödeker B, et al. in Vaccine 2014; 32:4131-4139).

Insgesamt sind die Impfquoten in den empfohlenen Ziel­gruppen in Deutschland weiter­hin als zu niedrig einzustufen. Dies gilt im besonderen Maße für medizinisches Personal und Schwangere. Ziel­vor­gaben der Europäischen Union, die eine Impf­quote von 75% bei älteren Personen bis 2014/15 vorsehen, werden von Deutschland bisher nicht annähernd erreicht.

Stand: 10.10.2016

Warum wird gesunden Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen unter 60 Jahren nicht ausdrücklich eine Impfung gegen Influenza empfohlen?

Die saisonale Influenzaimpfung wird von der Ständigen Impf­kommis­sion (STIKO) für gesunde Kinder, Jugend­liche und Erwachsene unter 60 Jahren nicht explizit empfohlen (außer in der Schwanger­schaft und bei beruflicher Indikation). Eine Erkrankung an Influenza in diesen Bevölkerungs­gruppen verläuft in der Regel ohne schwer­wiegende Komplikationen. Die STIKO-Empfehlungen der Influenza­impfung für bestimmte Personen­gruppen (siehe „Für wen wird die Impfung gegen die saisonale Influenza empfohlen?“) bedeutet jedoch nicht, dass die STIKO von einer Influenza­impfung anderer Personen aus­drücklich ab­rät. Jeder, der sich impfen lassen möchte, sollte dies mit seinem Arzt besprechen. Auch bieten viele Arbeitgeber ihren Angestellten die Influenza­impfung an, um Grippe­er­krankungen und dem damit ver­bundenen Arbeits­ausfall vorzubeugen.

Es sei an dieser Stelle nochmals betont, dass Personen mit bestimmten chronischen Krankheiten (siehe „Warum sollten Personen mit Grundkrankheiten gegen Influenza geimpft werden?") im Falle einer Influenza­erkrankung ein erhöhtes Komplikations­risiko haben und sich deshalb unabhängig vom Lebens­alter unbedingt gegen Influenza impfen lassen sollten.

Stand: 27.08.2013

Wie wird die Zusammensetzung des Influenza-Impfstoffs bestimmt?

Es gibt viele verschiedene Subtypen von Influenza­viren. Die saisonale Influenza wird derzeit von A/H1N1-, A/H3N2- und Typ-B-Viren verursacht. Von diesen wiederum zirkulieren weltweit viele verschiedene Varianten. Der saisonale Influenza-Impf­stoff enthält Bestand­teile der Virus-Varianten, die für die kommende Saison erwartet werden. Referenz­labo­ra­torien auf der ganzen Welt – in Deutschland das am Robert Koch-Institut angesiedelte Nationale Referenzzentrum für Influenza – untersuchen daher kontinuierlich die zirkulierenden Influenza­viren und übermitteln ihre Ergebnisse an die Welt­ge­sund­heits­orga­ni­sa­tion (WHO). Auf Grundlage dieser Daten legt die WHO die Zusammen­setzung für den Impf­stoff jedes Jahr aufs Neue fest, für Impf­stoffe mit drei Kompo­nenten (derzeit H1N1, H3N2, B) und für Impf­stoffe mit vier Kompo­nenten (der neben H1N1 und H3N2 zwei B-Varianten enthält, siehe auch die Frage „Sollte ein Drei- oder Vierfachimpfstoff verwendet werden?“). Für die Nord­halb­kugel geschieht das in der Regel im Februar, Monate vor der kommenden Grippe­saison, damit die Hersteller genug Zeit haben, ausreichend Impf­stoff bis zum Beginn der Impf­saison im Herbst zu produzieren.

Grippe­viren sind jedoch sehr wandelbar. Ihr Erbgut verändert sich ständig. Es ist möglich, dass sich in der Zwischen­zeit andere Influenza­varianten durchgesetzt haben und eine oder mehrere der empfohlenen Impf­stämme nicht oder nicht gut passen. Die Schutzwirkung des Impf­stoffs kann sich auch im Laufe einer Grippe­saison verändern, wenn sich zirkulierende Viren oder die Anteile der einzelnen Virus(sub)typen im Verlauf der Saison ändern.

Stand: 28.10.2015

Wie ist der diesjährige Influenza-Impfstoff zusammengesetzt?

Aufgrund der in der Saison 2015/16 unzureichenden Über­ein­stim­mung der Impf­stoff­komponente mit den haupt­säch­lich zirku­lie­renden Viren empfiehlt die WHO für die Saison 2016/17 eine gegen­über der Saison 2015/16 veränderte Zusammen­setzung des Impf­stoffes. Tri­va­lente Influenza­impfstoffe sollen Anti­gene folgender Influenza­viren enthalten:

  • A/California/07/2009 (H1N1) pdm 09-ähnlicher Stamm
  • A/Hong Kong/4801/2014 (H3N2)-ähnlicher Stamm
  • B/Brisbane/60/2008-ähnlicher Stamm (Victoria-Linie)

Für quadrivalente Impfstoffe werden die Antigene der oben genannten Viren sowie eine Variante von B/Phuket/3073/2013 (Yamagata-Linie) empfohlen.

Bis zur Saison 2012/13 gab es ausschließlich trivalente saisonale Influenza­impfstoffe, die Be­stand­teile von zwei Sub­typen des Influenza A-Virus und eines B-Virus enthalten. Seit der Saison 2013/14 sind auch tetra­valente Impf­stoffe mit einer zweiten B-Virus-Variante in Deutsch­land ver­füg­bar (siehe "Sollte ein Drei- oder Vierfachimpfstoff verwendet werden?").

In Deutschland sind Influenza­impf­stoffe zahl­reicher Her­steller er­hält­lich. Alle Impf­stoffe enthalten die von der WHO fest­ge­legten Anti­gene. Bis auf wenige Aus­nahmen ent­halten die Impf­stoffe keine Wirk­ver­stärker (Adjuvanzien) (siehe "Sollten ältere Menschen grund­sätzlich einen adjuvantierten saisonalen Impfstoff gegen Influenza erhalten?"). Informationen des Paul-Ehrlich-Instituts, dem Bundes­institut für Impfstoffe und bio­medi­zi­nische Arznei­mittel (PEI) zu Grippe­impf­stoffen sind ab­rufbar unter www.pei.de/influenza-impfstoffe.

Stand: 10.10.2016

Sollte ein Drei- oder Vierfachimpfstoff verwendet werden?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt für bestimmte Gruppen die jähr­liche Influenza-Impfung mit einem Impf­stoff mit aktueller, von der Welt­gesund­heits­organisation (WHO) empfohlener Antigen­kombination. Drei­fach- (trivalente) Impf­stoffe bein­halten Antigene von zwei A-Stämmen (derzeit sind das A/H1N1 und A/H3N2) und eines B-Stamms. Vier­fach- (tetravalente) Impfstoffe enthalten noch einen weiteren B-Stamm (siehe „Wie wird die Zusammen­setzung des Influenza-Impfstoffs bestimmt?“ und „Wie ist der diesjährige Impfstoff zusammen­gesetzt?“). Die STIKO empfiehlt keine präferen­tielle Ver­wendung einer bestimmten Impf­stoff­klasse oder eines bestimmten Impf­stoff-Produkts. Die STIKO setzt die Empfehlung zur bevorzugten Anwendung des lebend-attenuierten Influenza-Impf­stoffs bei Kindern im Alter von 2-6 Jahren für die kommende Saison 2016/17 aus. Basierend auf den aktuell vor­liegenden Daten zur Impf­stoff­effek­tivität in der ver­gangenen Saison 2015/16 kommt die STIKO zum Schluss, dass bei Kindern im Alter von 2-6 Jahren eine Über­legen­heit des Influenza-Lebend­impf­stoff gegen­über dem Tot­impf­stoff der­zeit nicht belegt ist und beide Impf­stoffe gleichwertig angewendet werden können (siehe Stellung­nahme im Epid Bull 39/2016).

Während einer Influenza­saison zirkulieren üblicher­weise mehrere verschiedene Influenza-Stämme. Aufgrund von ständigen Verän­de­run­gen der Influenza­viren muss die Antigen­kombination der Impf­stoffe jedes Jahr neu fest­gelegt werden. Dabei werden diejenigen Virus-Stämme berück­sichtigt, die für die Mehr­zahl der Influenza-Infek­tionen in der vergangenen Saison verant­wortlich waren. Eine genaue Vorher­sage darüber, welche Influenza-Stämme in welchem Verhältnis zueinander zirkulieren, ist jedoch nicht möglich. In Saisons, in denen zwei B-Stämme zu gleichen Anteilen zirkulieren, oder in denen derjenige B-Stamm dominant zirkuliert, der nicht im trivalenten Impf­stoff enthalten ist, erscheint es plausibel, dass der tetravalente Impf­stoff gegenüber den B-Stämmen einen breiteren Schutz bietet. Dies ist jedoch nicht in jeder Saison der Fall.

Die Anteile der Virustypen bzw. -subtypen an den zirku­lierenden Influenza­viren in den vergangenen Saisons sind im Epidemiologischen Bulletin 3/2015 dargestellt, siehe Tabelle 1.

Stand: 10.10.2016

Kann ich auf die Influenzaimpfung verzichten, wenn ich letzte Saison eine Impfung bekommen habe?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) rät grundsätzlich, dass alle Personen, für die eine Influenzaimpfung empfohlen wird, sich jedes Jahr im Herbst impfen lassen sollten. In der Regel wird die Antigen-Zusammensetzung der Impfstoffe jährlich an die veränderten Eigen­schaften der zirkulierenden Influenzaviren angepasst. Deshalb bieten nur die Impfstoffe für die jeweils aktuelle Saison den bestmöglichen Schutz. Aber auch für Jahre, in denen sich die Impf­stoff­zu­sam­men­set­zung im Vergleich zum Vorjahr nicht geändert hat, empfiehlt die STIKO die erneute Impfung. Grund ist, dass der Impfschutz nachlässt, je länger die Impfung zurückliegt und viele Geimpfte nach Ablauf eines Jahres vermutlich nicht mehr ausreichend geschützt sind.

Stand: 27.08.2013

Kann man trotz einer Influenzaimpfung Viren auf andere Menschen übertragen und diese somit anstecken?

Bei den in Deutschland verwendeten Influenzaimpfstoffen handelt es sich um Totimpfstoffe. Eine Ausnahme bildet der für Kinder und Jugendliche zugelassene Lebendimpfstoff, der abgeschwächte Viren enthält (siehe „Was ist bei dem Lebendimpfstoff zu beachten?“). Durch die Impfung mit einem Totimpfstoff wird weder die Krankheit hervorgerufen, noch können Impfviren an Dritte weitergegeben werden. Bei der Impfung mit einem Lebendvirusimpfstoff sind entsprechend den Hinweisen in der Fachinformation gewisse Vorsichtsmaßnahmen zu berücksichtigen. Hier besteht in einem Zeitraum von ein bis zwei Wochen nach Impfung die Gefahr der Virus-Übertragung auf stark immungeschwächte Personen (z.B. sollte der/die Geimpfte engen Kontakt zu Personen meiden, die sich nach einer Knochenmarktransplantation noch in Isolation befinden).

Unabhängig von der Art des Impfstoffes ist es jedoch nicht auszuschließen, dass es auch bei geimpften Personen zu Infektionen mit dem Influenzavirus kommen kann. Häufig verlaufen solche Infektionen dann mit milderen Krankheitssymptomen oder völlig unbemerkt. In diesen Fällen können Influenzaviren ausgeschieden und auf Kontaktpersonen übertragen werden.

Stand: 02.09.2014

Kann es trotz Influenzaimpfung zu einer Influenza-Erkrankung kommen?

Die Influenzaimpfung bietet keinen 100%igen Schutz, deshalb kann es auch bei Geimpften zu einer Erkrankung an Influenza kommen. Allerdings kann jeder sein persönliches Risiko, an einer Influenza zu erkranken, durch die Impfung erheblich verringern. Bei Geimpften verläuft eine Erkrankung in der Regel auch milder, ohne Kom­pli­ka­tionen. Deshalb empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung insbesondere für Menschen, die im Falle einer Influenza­er­krankung besonders anfällig für schwerwiegende, möglicherweise lebensbedrohliche Komplikationen sind (siehe „Für wen wird die Impfung gegen die saisonale Influenza empfohlen?“).

Die Schutzwirkung (Effektivität) der Influenzaimpfung ist geringer als bei vielen anderen von der STIKO empfohlenen Impfungen [1]. Dies hat unter anderem mit den sich ständig ändernden Eigenschaften des Influenzavirus zu tun, liegt aber auch daran, dass vor allem ältere Menschen gegen Influenza geimpft werden, deren Immunsystem generell weniger gut auf Impfungen anspricht (siehe „Wovon hängt die Wirksamkeit der Influenzaimpfung ab?“ und „Warum kann die Wirksamkeit der Influenzaimpfung von Saison zu Saison variieren?“). Weitere Möglichkeiten, sich zusätzlich zur Impfung gegen eine Influenzainfektion zu schützen, finden sich in den Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Influenza (siehe "Was kann man außer der Influenzaimpfung noch tun, um eine Grippeerkrankung zu vermeiden?").

Zu einer Erkrankung an Influenza nach einer Impfung kann es darüber hinaus dann kommen, wenn (1) die Infektion kurz vor der Impfung stattgefunden hat (wenn also in der Inkubationszeit geimpft wurde) oder wenn (2) eine Infektion in den ersten 10 bis 14 Tagen nach der Impfung erfolgte (bevor der Impfschutz vollständig ausgebildet werden konnte).

Bei entsprechenden Symptomen sollte trotz erfolgter Impfung an Influenza gedacht werden. Bei bestimmten Patientengruppen mit erhöhtem Risiko für schwere Verläufe (vorliegende Grund­er­kran­kungen, höheres Alter) oder bei schweren Krankheitsverläufen sollte frühzeitig eine antivirale Behandlung in Betracht gezogen werden. Oft werden aber auch Atemwegsinfekte, die durch andere Erreger ver­ur­sacht werden, fälschlicherweise für Impfversager gehalten. Die Influ­enza­imp­fung erfolgt im Allgemeinen im Herbst, also der Jahreszeit, in der Atemwegsinfekte aufgrund anderer Erreger häufig vorkommen. Gegen diese Erreger vermag die Grippeimpfung nicht zu schützen. Das Auftreten einer fieberhaften Erkältung aufgrund anderer Erreger stellt also trotz der verwirrenden Bezeichnung „grippaler Infekt“ kein Versagen der Influenzaimpfung dar. Zudem kann die Impfung selbst leichte fieberhafte Reaktionen hervorrufen (siehe „Welche Neben­wir­kun­gen sind nach der Influenzaimpfung zu erwarten?“), die eine Reaktion des Immunsystems darstellen und nicht mit einer Atemwegs- oder Grippeinfektion verwechselt werden sollten.

[1] Osterholm MT, Kelley NS, Sommer A, Belongia EA. Efficacy and effectiveness of influenza vaccines: a systematic review and meta-analysis. Lancet Infect Dis 2012; 12(1):36-44.

Stand: 18.08.2015

Wovon hängt die Wirksamkeit der Influenzaimpfung ab?

Kein Impfstoff bietet einen 100% zuverlässigen Schutz. Die Schutz­wirkung (Effektivität) der Influenza­impfung hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die Zusammen­setzung des Impf­stoffes wird jährlich aktualisiert (siehe „Wie wird die Zusammen­setzung des Influenza-Impfstoffs bestimmt?“). Es ist trotzdem möglich, dass die in der folgenden Saison haupt­sächlich auftretenden Influenza­viren nicht gut mit den im Impf­stoff enthaltenden Virus­stämmen überein­stimmen (sogenanntes „mismatch“, siehe „Warum kann die Wirksamkeit der Influ­en­za­imp­fung von Saison zu Saison variieren?“). Bei einer sehr guten Überein­stimmung der zirkulierenden Influenza­viren mit dem Impf­stoff wurde bei jungen Erwachsenen eine Schutz­wirkung bis zu 80% beobachtet. Ältere Menschen haben oft eine reduzierte Immun­antwort, so dass die Impfung bei ihnen weniger zu­ver­lässig wirkt. Dennoch können auch ältere Menschen ihr persönliches Risiko, an einer Influenza zu erkranken, durch die Impfung in etwa halbieren. Dies bedeutet bei einer Wirk­samkeit von 41 bis 63% bei älteren Erwachsenen (Manzoli L et al. in Human Vaccines & Immuno­therapeutics 2012): Wenn im Laufe einer Influenza­saison von 100 ungeimpften älteren Erwachsenen 10 an Grippe erkranken, erkranken von 100 geimpften älteren Erwachsenen nur etwa 4 bis 6.

Weitere Möglichkeiten, sich zusätzlich zur Impfung gegen eine Influenza­infektion zu schützen, finden sich bei der Frage „Was kann man außer der Influenza­impfung noch tun, um eine Grippe­erkrankung zu vermeiden?“.

Grunderkrankungen, die mit einer Schwächung des Immun­systems einher­gehen, sowie die Einnahme bestimmter Medi­kamente, die das Immun­system unter­drücken, können die Schutz­wirkung der Impfung vermindern (siehe „Was ist bei der Impfung von Personen, die eine Chemo­therapie erhalten, zu beachten?“). Letztlich hängen Angaben zur Schutz­wirkung einer Impfung immer auch von dem in einer Studie unter­suchten klinischen Endpunkt ab. So kann zum Beispiel trotz eines nur mäßigen Schutzes gegen Influenza­erkrankungen insgesamt dennoch ein guter Schutz gegen eine schwere Erkrankung bestehen, die eine Kranken­haus­be­handlung erfordern würde.

Stand: 10.10.2016

Warum kann die Wirksamkeit der Influenzaimpfung von Saison zu Saison variieren?

Influenzaviren haben die Eigenschaft, dass sich ihr Erbgut ständig verändert. Um diese Veränderungen zu beobachten, untersuchen Referenzlaboratorien weltweit – in Deutschland das am RKI an­ge­sie­delte Nationale Referenzzentrum für Influenza - kontinuierlich die zir­ku­lie­ren­den Influenzaviren (H1N1-, H3N2-, Typ B-Viren) und über­mitteln ihre Ergebnisse an die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Auf Grundlage dieser Daten empfiehlt die WHO für die Nord­halb­kugel bereits am Jahresanfang die Zusammensetzung des Grip­pe­impf­stoffs für die kommende Influenzasaison. Andernfalls haben die Hersteller nicht genügend Zeit, ausreichend Impfstoff bis zum Beginn der Impf­saison im Herbst zu produzieren. Es ist jedoch möglich, dass in der Grippesaison eine oder mehrere der em­pfoh­le­nen Impfstämme nicht passen, weil sich in der Zwischenzeit auf­grund weiterer Ver­än­de­run­gen andere Influenzavarianten durch­ge­setzt haben. Die Schutz­wir­kung des Impfstoffs kann sich auch im Laufe einer Grippesaison verändern, wenn sich zirkulierende Viren oder die Anteile der ein­zel­nen Virus(sub)typen im Verlauf der Saison ändern.

Stand: 18.08.2015

Welche Nebenwirkungen sind nach der Influenzaimpfung zu erwarten?

Der saisonale Influenzaimpfstoff ist in der Regel gut verträglich. In Folge der natürlichen Auseinandersetzung des Organismus mit dem Impfstoff kann es bei der Impfung mit dem Totimpfstoff – wie bei anderen Impfungen auch – vorübergehend zu Lokalreaktionen (leichte Schmerzen, Rötung und Schwellung an der Impfstelle) kommen. Der Lebendimpfstoff aus abgeschwächten Influenzaviren kann eine verstopfte oder laufende Nase auslösen. Unabhängig vom Impfstoff treten gelegentlich vorübergehend Allgemeinsymptome wie bei einer Erkältung auf (Fieber, Frösteln oder Schwitzen, Müdigkeit, Kopf-, Muskel- oder Gliederschmerzen). In der Regel klingen diese Beschwerden innerhalb von ein bis zwei Tagen folgenlos wieder ab. Bei einer schweren Allergie gegen Hühnereiweiß sollte allerdings mit den üblichen Influenzaimpfstoffen nicht geimpft werden; der Lebendimpfstoff sollte nicht bei Immundefizienz sowie nicht bei schwerem Asthma verabreicht werden. Siehe auch die Frage "Wer darf nicht gegen Influenza geimpft werden?".

Stand: 02.09.2014

Wann ist der richtige Impfzeitpunkt?

Die jährliche Influenzawelle hat in Deutschland in den vergangenen Jahren meist nach der Jahres­wende begonnen (mit Ausnahme der Pandemie 2009). Nach der Impfung dauert es 10 bis 14 Tage, bis der Impf­schutz vollständig aufgebaut ist. Um recht­zeitig geschützt zu sein, wird deshalb empfohlen, sich bereits in den Monaten Oktober oder November impfen zu lassen. Selbst zu Beginn und im Verlauf der Grippe­welle kann es noch sinnvoll sein, eine versäumte Impfung nach­zu­holen. Schließlich ist nie genau vorher­zu­sagen, wie lange eine Influenza­welle andauern wird. In einigen Saisons wurde zum Beispiel nach einer Influenza A-Welle noch eine nachfolgende Influenza B-Welle beobachtet.

Wer zu einer der Zielgruppen gehört, für die die Ständige Impf­kommis­sion) die Influenza­impfung empfiehlt, sollte sich jedes Jahr impfen lassen. Zum einen wird die Impf­stoff­zusammen­setzung an die jeweils erwarteten Influenza­virus­typen angepasst, zum anderen hält die Schutz­wirkung der Impfung vermutlich nur eine Saison an.

Stand: 07.09.2012

Kann ich mich gegen Influenza impfen lassen, wenn ich gerade einen Infekt durchmache?

Ein leichter Infekt mit Fieber unter 38,5 °C stellt in der Regel keine Kontraindikation für eine Influenzaimpfung dar. Bei schweren akuten Erkrankungen soll die Impfung verschoben werden (siehe „Wer darf nicht gegen Influenza geimpft werden?“).

Stand: 07.09.2012

Wer darf nicht gegen Influenza geimpft werden?

Wer an einer fieberhaften Erkrankung (≥38,5 °C) oder schwereren akuten Infektion leidet, sollte zu diesem Zeit­punkt nicht geimpft werden. Die Impfung sollte aber sobald wie möglich nach­ge­holt werden. Bei Personen mit einer schweren Allergie gegen Hühner­ei­weiß oder gegen einen anderen Bestand­teil des Impf­stoffs sollte die Möglich­keit einer Impfung gegen Influenza mit dem behandelnden Arzt besprochen werden (siehe "Was ist bei der Influenzaimpfung von Personen mit einer Hühnereiweiß-Allergie zu beachten?"). Kinder und Jugend­liche, die an einer klinischen Immun­schwäche oder an schwerem Asthma leiden oder eine Salicylat-Therapie erhalten, dürfen nicht mit dem Influenza-Lebend­impf­stoff geimpft werden. Für weitere Informa­tionen und die genaue Zusammen­setzung der Influenza­impf­stoffe ist die jeweilige Fachinformation zu beachten.

Stand: 10.10.2016

Was ist bei der Influenzaimpfung bei Kindern zu beachten?

Die Impfung gegen Influenza mit einem saisonalen Impf­stoff wird von der Ständigen Impf­kommis­sion (STIKO) für Kinder mit erhöhter gesund­heit­licher Gefährdung infolge eines Grund­leidens ab einem Alter von 6 Monaten empfohlen. In der Regel ist für Kinder im Alter von 6 bis <36 Monaten die halbe Erwachsenen­dosis, ab einem Alter von 36 Monaten die volle Erwachsenen­dosis indiziert. Kinder bis zu einem gewissen Alter (nach den Fach­infor­ma­tionen der meisten Influenza­impf­stoffe bis 9 Jahre), die zum ersten Mal im Leben gegen Influenza geimpft werden, erhalten zwei Impfungen im Abstand von vier Wochen. Die präferen­tielle Empfehlung der STIKO, Kinder im Alter von 2 bis 6 Jahren, bei denen eine Influenza­impfung indiziert ist, bevorzugt mit dem Lebend­impfstoff zu impfen, ist für die kommende Saison 2016/17 ausgesetzt . Basierend auf den aktuell vorliegenden Daten zur Impf­stoff­effek­tivität kommt die STIKO zum Schluss, dass bei Kindern im Alter von 2-6 Jahren eine Überlegenheit des Influenza-Lebend­impf­stoff gegenüber dem Tot­impf­stoff derzeit nicht belegt ist und beide Impf­stoffe gleichwertig angewendet werden können (siehe „Was ist bei dem Influenza-Lebend­impfstoff zu beachten?“).

Stand: 10.10.2016

Was ist bei der Influenzaimpfung von Personen mit einer Hühnereiweiß-Allergie zu beachten?

Influenzaimpfstoffe werden üblicher­weise unter Verwendung von Hühner­eiern her­ge­stellt, so dass trotz Auf­reini­gung Spuren von Hühner­ei­weiß im Impf­stoff enthalten sein können. Hühner­ei­weiß­freie (in Zell­kulturen her­ge­stellte) Influenza­impf­stoffe werden im Gegen­satz zu früheren Saisons in der Saison 2016/17 nicht angeboten.

Personen, die nur mit leichten Symptomen auf den Konsum von Hühner­ei­weiß reagieren, können mit allen zu­ge­lassenen Influenza-Impf­stoffen geimpft werden. Laut Empfehlung des CDC in den USA sind keine besonderen Über­wachungs­maß­nahmen erforderlich (1).

Klinisch schwerwiegende Allergien (z.B. Anaphylaxie) gegenüber Hühner­ei­weiß sind selten. Bei Personen, bei denen eine ärztlich diag­nos­ti­zierte schwere Allergie gegen Hühner­ei­weiß vor­liegt, ist die Indi­ka­tion zur Impfung mit Hühner­ei-basier­ten Influenza­impf­stoffen streng zu stellen. Diese Personen sollten in einem Setting geimpft werden, in dem eine klinische Über­wachung nach der Impfung und die Be­hand­lung einer ggf. auftretenden ana­phy­lak­tischen Reaktion möglich sind.

Eine Vielzahl von klinischen Studien weisen allerdings darauf hin, dass auch bei Personen mit Hühner­ei­weiß­allergie schwer­wiegende aller­gische Reaktionen auf eine Influenza­impfung selten sind, bzw. nicht häufiger auftreten als bei Personen ohne Hühner­ei­weiß­allergie (2, 3).

  1. Centers for Disease Control and Prevention. Flu Vaccine and People with Egg Allergies. http://www.cdc.gov/flu/protect/vaccine/egg-allergies.htm.
  2. Kelso JM. Administering influenza vaccine to egg-allergic persons. Expert Rev Vaccines. 2014 Aug;13(8):1049-57.
  3. Turner PJ et al. Safety of live attenuated influenza vaccine in young people with egg allergy: multicentre prospective cohort study. BMJ. 2015 Dec 8;351:h6291.

Stand: 10.10.2016

Was ist bei der Impfung gegen Influenza von Personen mit eingeschränktem Immunsystem zu beachten?

Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung gegen Influenza unter anderem für Personen mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten auf Grund des erhöhten Risikos für schwere Krankheitsverläufe. Aufgrund der Immunschwäche kann es jedoch zu einer eingeschränkten oder fehlenden Immunantwort nach der Impfung kommen. Zu beachten ist, dass der Lebendimpfstoff bei eingeschränkter Immunfunktion aufgrund von Erkrankungen oder infolge einer immunsupressiven Therapie kontraindiziert ist (siehe „Was ist bei dem Influenza-Lebendimpfstoff zu beachten?“). Umfassende Hinweise zu Schutzimpfungen für Patienten mit Immundefizienz finden sich hier (PDF, 127 KB, Datei ist nicht barrierefrei).

Stand: 27.08.2013

Was muss bei der Impfung von Personen mit Autoimmunerkrankungen beachtet werden?

Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung gegen Influenza für Personen mit bestimmten Grunderkrankungen. Dazu zählen auch Autoimmunerkrankungen (wie z.B. mit Multipler Sklerose, systemi­schem Lupus erythematodes oder rheumatoider Arthritis). Viele solcher Autoimmunerkrankungen verlaufen in Krankheitsschüben. In zahlreichen Studien wurde kein Zusammenhang zwischen einer saiso­nalen Influenzaimpfung und dem Auftreten von Krank­heits­schüben gefunden (vgl. für Multiple Sklerose [1,2], rheumatoide Arthritis [3], systemischen Lupus erythematodes [4,5]). Trotzdem kann nicht mit absoluter Sicherheit ausgeschlossen werden, dass eine Impfung als unspezifischer Trigger einen Krankheitsschub auslösen kann. Die Möglichkeit, einen Schub auszulösen, ist jedoch auch bei einer natürlichen Infektion mit dem Influenza-Virus gegeben und wahr­schein­lich höher als nach Impfung. Eine Impfung sollte vom behandelnden Arzt mit dem Patienten individuell besprochen und abgewogen werden.

[1] Miller AE, Morgante LA, Buchwald LY, et al. A multicenter, randomized, double-blind, placebo controlled trial of influenza immunization in multiple sclerosis. Neurology 1997; 48:312-314.

[2] Confavreux C, Suissa S, Saddier P, et al. Vaccines in Multiple Sclerosis Study Group. N Engl J Med 2001; 344:319-326.

[3] Chalmers A, Scheifele D, Patterson, et al. Immunization of patients with rheumatoid arthritis against influenza: a study of vaccine safety and immunogenicity. J Rheumatol 1994; 21:1203-1206.

[4] Aron-Maor A, Shoenfeld Y. Vaccination and systemic lupus erythematosus: the bidirectional dilemmas. Lupus 2001; 10:237-240.

[5] Abu-Shakra M, Zalmanson S, Neumann L, et al. Influenza virus vaccination of patients with systemic lupus erythematosus: effects on disease activity. J Rheumatol 2000; 27:1681-1685.

Stand: 27.08.2013

Was ist bei der Impfung von Personen, die eine Chemotherapie erhalten, zu beachten?

Personen mit bestimmten Grundleiden, dazu gehören auch Personen mit Krebserkrankungen, weisen ein erhöhtes Risiko eines schweren oder tödlichen Verlaufes einer Infektion mit Influenza auf. Die Stän­dige Impfkommission (STIKO) empfiehlt daher die Impfung gegen Influenza für diese Personengruppe. Eine Chemotherapie, die oftmals Bestand­teil der Krebstherapie ist, kann eine akute, schwere Immun­sup­pres­sion verursachen. Aufgrund dieser kann es zu einer ein­ge­schränk­ten oder fehlenden Immunantwort nach der Impfung kommen. Das Ausmaß der Immunsuppression variiert jedoch, je nachdem welche Medikamente und Dosen für die Therapie eingesetzt werden und wie lange die Therapie dauert. Maßgeblich für eine ausreichende Immunantwort nach einer Impfung ist mehreren Studien zufolge der Zeitpunkt der Impfung im zeitlichen Bezug zur Chemo­the­ra­pie. Einige Studien lassen darauf schließen, dass die Influenzaimpfung eine stärkere Immunantwort (gemessen als Antikörpertiter) bewirkt, wenn die Impfung zwischen zwei Chemo­the­ra­pie­zyk­len und nicht während eines Zyklus verabreicht wird [1]. Schwache Immunantworten scheinen auch mit dem Erhalt einer Chemotherapie bis zu sieben Tage vor der Impfung assoziiert zu sein [1].

Allgemeingültige Empfehlungen zum Impfzeitpunkt bei Personen mit Malignomen unter Chemo­therapie existieren nicht. Zwei Review-Artikel empfehlen eine Impfung dieser Personengruppe gegen saisonale Influenza mindestens zwei Wochen vor dem Beginn einer Chemo­therapie oder zwischen zwei Chemotherapiezyklen [1-3]. Die STIKO empfiehlt für die Impfung mit Totimpfstoffen – dazu zählt auch die Impfung gegen Influenza im Erwachsenenalter –, dass diese wenn möglich erst drei Monate nach einer Chemotherapie erfolgen sollte (vgl. Hinweise zu Impfungen für Patienten mit Immundefizienz). Bei der Impfung mit Lebendimpfstoffen sollte vor der Impfung der den Immundefekt behandelnde Arzt konsultiert werden.

[1] Kunisaki KM, Janoff EN. Influenza in immunosuppressed populations: a review of infection frequency, morbidity, mortality, and vaccine responses. Lancet Infect Dis 2009; 9(8):493-504.

[2] Melcher L. Recommendations for Influenza and Pneumococcal Vaccinations in People Receiving Chemotherapy. Clin Oncol 2005; 17(1):12-15.

[3] Arrowood JR, Hayney MS. Immunization recommendations for adults with cancer. Ann Pharmacother 2002; 36:1219-1229.

Stand: 07.09.2012

Können sich auch stillende Mütter gegen Influenza impfen lassen?

Das Stillen eines Säuglings stellt für eine Influenzaimpfung, wie auch für alle anderen Impfungen, keine Kontraindikation dar. Stillende Mütter können sich dementsprechend gegen Influenza impfen lassen. Bei der Impfung von Stillenden spielt – neben dem Schutz der Mutter – auch die Überlegung eine Rolle, den Säugling vor einer möglichen Infektion durch die Mutter zu schützen, da Influenza­impf­stoffe erst für Kinder ab dem vollendeten 6. Lebensmonat zugelassen sind.

Stand: 07.09.2012

Sollten ältere Menschen grundsätzlich einen adjuvantierten saisonalen Impfstoff gegen Influenza erhalten?

Ältere Menschen haben oft eine reduzierte Immunantwort, so dass die saisonale Influenzaimpfung weniger wirksam sein kann als bei jün­ge­ren Erwachsenen. In den letzten Jahren wurden deshalb so genannte adju­van­tierte (wirkverstärkte) saisonale Influenzaimpfstoffe entwickelt. Als Wirkungsverstärker werden Emulsionen (z.B. MF59, AS03) oder Virosomen eingesetzt. Adju­van­tierte Impfstoffe nehmen für sich in Anspruch, bei älteren Menschen einen besseren Schutz zu ge­währ­leis­ten. Dies beruht im Wesentlichen auf Studien zur Anti­kör­per­bil­dung (Immunogenität). Ob adjuvantierte Impfstoffe aufgrund der stärkeren Antikörperbildung auch zuverlässiger gegen eine Er­kran­kung an Influenza schützen als nicht-adjuvantierte Impfstoffe, ist noch nicht geklärt. Bei adjuvantierten Impfstoffen können v.a. lokale Neben­wir­kun­gen an der Injektionsstelle (Schmerz, Rötung, Schwel­lung) in erhöhtem Maße auftreten und sollten vom Arzt mit den Patienten im Vorfeld besprochen werden.

Stand: 02.09.2014

Sollte man sich zusätzlich zur Influenzaimpfung gegen Pneumokokken impfen lassen?

Personen, für die sowohl die Pneumo­kokken- als auch die saisonale Influenza­impfung empfohlen wird, sollten beide Impfungen erhalten, auch weil es im Rahmen von Influenza-Erkran­kungen gehäuft zu Sekundär­infektionen mit Pneumo­kokken kommen kann. Die Ständige Impf­kommission (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen Pneumo­kokken für alle Säuglinge und Klein­kinder bis zum vollendeten 2. Lebens­jahr mit einem Pneumo­kokken-Konjugat­impf­stoff. Zudem wird die Impfung für Personen ab 60 Jahre mit einem Pneumo­kokken-Poly­saccharid­impf­stoff (PPSV23) empfohlen. Für Kinder (ab dem vollendeten 2. Lebens­jahr), Jugend­liche und Erwachsene mit erhöhter gesund­heit­licher Gefähr­dung infolge bestimmter Grund­krank­heiten wird die Pneumo­kokken­impfung eben­falls empfohlen. Den genauen Wort­laut der STIKO-Empfehlung sowie weitere Informa­tionen zur Pneumo­kokken­impfung finden Sie hier und in Tabelle 2 der aktuellen STIKO-Empfehlungen.

Stand: 10.10.2016

Was ist bei dem Influenza-Lebendimpfstoff zu beachten?

Seit der Influenzasaison 2012/2013 steht in Deutschland ein Lebend­impf­stoff (Fluenz®) zur Verfügung, der für Kinder im Alter von 2 bis ein­schließ­lich 17 Jahren zugelassen ist und als Nasen­spray verabreicht wird. Die Impf­stoff­zusammen­setzung ent­spricht den Vorgaben der Welt­gesund­heits­organisation (WHO) und enthält alle vier Antigene (siehe „Wie ist der Influenza-Impfstoff zusammen­ge­setzt?“).

Die STIKO hat 2013 erstmals empfohlen, Kinder im Alter von 2 bis 6 Jahren, bei denen eine Influenza­impfung indiziert ist und keine Kontra­indikation vorliegt, bevorzugt mit dem Lebend­impfstoff zu impfen, da der Lebend­impfstoff laut Studien eine bessere Schutz­wirkung vor einer labor­bestätigten Influenza bietet als die Tot­impf­stoffe [1-3]. Daten aus den letzten Influenza­saisons weisen jedoch jetzt darauf hin, dass der Lebend­impf­stoff gegen das derzeit zirkulierende A/H1N1pdm2009 eine geringe Wirk­sam­keit besitzt. Eine plausible wissen­schaft­liche Erklärung für die reduzierte Wirk­sam­keit gibt es derzeit nicht.

Auf Basis dieser erst seit Kurzem verfügbaren Evidenz kommt die STIKO zu dem Schluss, dass bei Kindern im Alter von 2-6 Jahren eine Über­legen­heit des Lebend­impf­stoffs gegenüber den Tot­impf­stoffen ist derzeit nicht belegt ist und der Lebend­impf­stoff und die Tot­impf­stoffe in der kommenden Saison 2016/17 gleich­wertig angewendet werden können (siehe STIKO-Stellung­nahme im Epid Bull 39/2016). Die Empfehlung, 2-6-jährige Kinder nicht mehr präferentiell mit Lebend­impf­stoff zu impfen, ist zunächst auf die kommende Influenza­saison 2016/2017 beschränkt.

Es sei noch einmal darauf verwiesen, dass die STIKO-Empfehlung zur Impfung gegen Influenza im Kindes- und Jugendalter lediglich Kinder und Jugendliche mit bestehenden Grund­er­kran­kungen betrifft (siehe „Für wen wird die Impfung gegen die saisonale Influenza em­pfoh­len?“). Wesent­liche Grund­leiden (Immun­schwäche) stellen laut Fach­information jedoch eine Kontra­indikation dar, beziehungs­weise es wird vor der Anwendung von Fluenz® gewarnt (schweres Asthma). Impf­stoff­spezifische Informa­tionen können den Seiten des Paul-Ehrlich-Instituts (www.pei.de) sowie der Fach­information entnommen werden. Die Produkt­information kann auch hier eingesehen werden.

[1] Belshe RB, Edwards KM, Vesikari T, et al. Live Attenuated versus Inactivated Inlfuenza Vaccine in Infants and Young Children. N Engl J Med 2007; 356:685-696.

[2] Ashkenazi S, Vertruyen A, Aristegui J, et al. Superior Relative Efficacy of Live Attenuated Influenza Vaccine Compared With Inactivated Influenza Vaccine in Young Children With Recurrent Respiratory Tract Infections. Pediatr Infect Dis 2006; 25:870-879.

[3] Fleming DM, Crovari P, Wahn U, et al. Comparison of the Efficacy and Safety of Live Attenuated Cold-Adapted Influenza Vaccine, Trivalent, With Trivalent Inactivated Influenza Virus Vaccine in Children and Adolescents with Asthma. Pediatr Infect Dis 2006; 25:860-869.

[4] Ambrose CS, Levin MJ, Belshe RB. The relative efficacy of trivalent live attenuated and inactivated influenza vaccines in children and adults. Influenza Other Respi Viruses 2011; 2:67-75.

Stand: 10.10.2016

Muss die Influenzaimpfung innerhalb einer Influenzasaison aufgefrischt werden?

Die Ständige Impfkommission empfiehlt die einmalige jährliche Impfung gegen Influenza. Um einen rechtzeitigen und aus­rei­chen­den Schutz gegen die Grippe aufbauen zu können, sollte eine Impfung bereits in den Monaten Oktober oder November durchgeführt werden (siehe „Wann ist der richtige Impfzeitpunkt?“). Die eigentliche Grippewelle tritt in Deutsch­land meist erst zwischen Anfang Januar und Ende März auf. Die Dauer der Immunität nach Influenzaimpfung beträgt laut Fach­in­for­ma­tionen im Allgemeinen 6 bis 12 Monate. Innerhalb einer Saison ist also keine Auffrischimpfung notwendig. Bei Kindern sollte abhängig vom Alter und von den in der Vergangenheit bereits erfolgten Influenzaimpfungen bei der erstmaligen Impfung eine zweite Impfung verabreicht werden (siehe „Was ist bei der Influenzaimpfung bei Kindern zu beachten?“).

Stand: 07.09.2012

Wo kann man weitere Informationen zur Influenza erhalten?

Auf der Internetseite des RKI ist eine Sammlung weiterer Antworten auf allgemeine Fragen zur Influenza www.rki.de > Infektions­krank­heiten A-Z > Influenza abrufbar. Einen Überblick über die In­for­ma­tionen des RKI für Fachkreise finden Sie auf der Internetseite des RKI www.rki.de/influenza. Bürger-Informationen zur Influenza und zur Impfung sind auf der Informations-Plattform der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter www.impfen-info.de/grippe verfügbar.

Stand: 18.08.2015

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