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Schutzimpfung gegen Humane Papillomaviren (HPV): Häufig gestellte Fragen und Antworten

Stand: 15.9.2017

Wer sollte gegen humane Papillomaviren (HPV) geimpft werden?

Die STIKO empfiehlt zur Reduktion der Krankheitslast durch den Gebärmutterhalskrebs für alle Mädchen eine Impfung gegen humane Papillomviren.

Das empfohlene Impfalter ist 9 bis 14 Jahre. Spätestens bis zum vollendeten 18. Lebensjahr (d.h. bis zum Tag vor dem 18. Geburts­tag) sollen versäumte Impfungen gegen HPV nachgeholt werden. Die Impfserie sollte vor dem ersten Geschlechtsverkehr abgeschlossen sein. Im Alter von 9 bis 14 Jahren (Cervarix®, Gardasil 9®) ist ein 2-Dosen Impfschema mit einem Impfabstand von 5 Monaten zugelassen.

Falls der Abstand von 5 Monaten zwischen der 1. und 2. Impf­stoff­dosis unterschritten wurde, muss eine 3. Impfstoffdosis verabreicht werden. Eine Impfserie mit 3 Impfstoffdosen (0-2-6 Monate) ist auch dann notwendig, wenn das Mädchen bzw. die Frau bei der ersten HPV-Impfung 15 Jahre oder älter ist.

Stand: 15.09.2017

Unterscheidet sich die Anwendung des neunvalenten HPV-Impfstoffs (Gardasil® 9) von der Anwendung der bisher verfügbaren HPV-Impfstoffe (bi- (Cervarix®) bzw. quadrivalenter (Gardasil®) Impfstoff)?

Nein, die Verabreichung des neunvalenten HPV-Impfstoffs unterscheidet sich grundsätzlich nicht von der des quadrivalenten oder bivalenten HPV-Impfstoffs.1,2,3 Je nach Alter der zu impfenden Person, sollte der neunvalente HPV-Impfstoff wie folgt verabreicht werden:

Im Alter von 9 bis 14 Jahren kann der neunvalente HPV-Impfstoff nach einem 2-Dosen-Impfschema verabreicht werden. Die zweite Dosis sollte in einem Abstand von 5 bis 13 Monaten nach der ersten Dosis verabreicht werden. Wenn die zweite Impfstoffdosis früher als 5 Monate nach der ersten Dosis gegeben wurde, sollte noch eine dritte Impfstoffdosis verabreicht werden.

Ab dem Alter von 15 Jahren sind drei Impfstoffdosen notwendig, wobei die zweite Dosis ein bis zwei Monate nach der ersten Dosis und die dritte Dosis frühestens drei Monate nach der zweiten Dosis verabreicht werden sollte (sog. 0-2-6 Monate Impf-Schema).


Literatur:
1 Sanofi-Pasteur-MSD: Fachinformation von Gardasil® 9, April 2016.
2 Sanofi-Pasteur-MSD: Fachinformation Gardasil®, Februar 2016.
3 GlaxoSmithKline-Biologicals: Fachinformation Cervarix®, Februar 2015.

Stand: 25.04.2016

Kann eine mit dem bi- bzw. quadrivalenten HPV-Impfstoff begonnene Impfserie mit dem neunvalenten Impfstoff fortgeführt werden?

  • Ja, das ist theoretisch möglich. Jedoch sollte eine Impfserie möglichst mit dem HPV-Impfstoff vervollständigt werden, mit dem sie begonnen wurde.
  • Laut Angaben des Herstellers, der sowohl den quadrivalenten als auch den neunvalenten HPV-Impfstoff produziert, wird der quadrivalente Impfstoff nach einer gewissen Zeit vom Markt genommen werden. Wenn in dieser Situation die Impfserie mit dem quadrivalenten HPV-Impfstoff begonnen wurde, dieser jedoch nicht mehr verfügbar ist, kann die begonnene Impfserie mit dem neunvalenten Impfstoff komplettiert werden. Dann ist von einem Impfschutz gegen die HPV-Typen 6, 11, 16 und 18 auszugehen. Das Impfschema und die notwendige Anzahl Impfstoffdosen hängen vom Alter der zu impfenden Person ab.
  • Ein vollständiger Impfschutz für die zusätzlichen HR HPV-Typen 31, 33, 45, 52 und 58 kann nach momentanen Wissen nur nach zwei bzw. drei (je nach Alter) Impfstoffdosen des neunvalenten HPV-Impfstoffs erwartet werden.

Stand: 25.04.2016

Kann eine Impfserie mit dem neunvalenten HPV-Impfstoff durchgeführt werden, wenn schon eine komplette Impfserie mit dem bi- bzw. quadrivalenten Impfstoff erfolgt ist?

Ja, das ist theoretisch möglich. In einer randomisierten und Placebo-kontrollierten Immuno-genitätsstudie, in die 924 Mädchen und junge Frauen eingeschlossen waren, wurde Antikörper-Antwort und Verträglichkeit des neunvalenten HPV-Impfstoffs (n=618) im Vergleich zu Placebo (n=306) untersucht, wenn zuvor eine Impfserie mit dem quadrivalenten Impfstoff komplettiert worden war. In der Studie musste die letzte Impfstoffdosis des quadrivalenten HPV-Impfstoffs mindestens 12 Monate zuvor gegeben worden sein.1

Nach Verabreichung des neunvalenten HPV-Impfstoffs konnten hohe Antiköpertiter gegen alle neun HPV-Typen gemessen werden. Je nach HPV-Typ zeigten 67,7% bis 98,6% der Teilnehmerinnen nach einer Impfstoffdosis und 98,3 bis 99,8% nach drei Impfstoffdosen einen Antikörpertiter gegen die fünf zusätzlichen HR HPV-Typen.

In der geimpften Gruppe traten im Vergleich zur Kontrollgruppe vermehrt lokale unerwünschte Reaktionen, wie Rötung und Schwellung auf (91,1% versus 43,9%). Auch Fieber über 37,8°C trat häufiger in der geimpften Gruppe auf. Andere systemische unerwünschte Wirkungen waren in beiden Studiengruppen gleich verteilt. Insgesamt war die Impfung mit neunvalentem HPV-Impfstoff nach vollständiger Impfserie mit dem quadrivalenten Impfstoff gut verträglich.

Bei der Bewertung der vorliegenden Evidenz für eine Impfung mit neunvalentem HPV-Impfstoff nach Komplettierung einer Impfserie mit dem bi- bzw. quadrivalenten Impfstoff muss berücksichtigt werden, dass allein Daten zur Antikörper-Antwort vorliegen. Die tatsächliche klinische Wirksamkeit für die Verhinderung von Infektionen oder Vorstufen des Zervixkarzinoms durch die fünf HR HPV-Typen 31, 33, 45, 52 und 58 konnte bisher in dieser speziellen Situation noch nicht untersucht werden, d.h. der tatsächliche Nutzen einer ergänzenden Impfserie mit dem neunvalenten HPV-Impfstoff ist derzeit unklar.

Auch bezüglich der Verträglichkeit und Sicherheit einer Impfung mit dem neunvalenten HPV-Impfstoff nach Komplettierung einer Impfserie mit dem bi- bzw. quadrivalenten HPV-Impfstoff liegen bislang nur die hier vorgestellten Daten von gut 600 Frauen vor, so dass keine evidente Aussage zur Verträglichkeit und Sicherheit einer Impfung mit dem neunvalenten HPV-Impfstoff nach vollständiger Impfserie mit dem bi- oder viervalenten Impfstoff getroffen werden kann.


Literatur:
1 Garland S, Cheungd T-H, McNeille S et al.: Safety and immunogenicity of a 9-valent HPV vaccine in females 12–26 years of age who previously received the quadrivalent HPV vaccine. Vaccine 2015; 33: 6855–6864.

Stand: 25.04.2016

Bestehen Unterschiede in der Sicherheit und Wirksamkeit der verschiedenen HPV-Impfstoffe?

In einer randomisierten klinischen Studie wurden Antikörper-Antwort und Effektivität des quadrivalenten und neunvalenten HPV-Impfstoffs vergleichend bei 14.215 Mädchen bzw. Frauen im Alter von 16 bis 26 Jahren untersucht. Bezogen sowohl auf die Hochrisiko (HR) HPV-Typen 16 und 18 als auch auf die Niedrigrisiko (LR) HPV-Typen 6 und 11 konnten keine Unterschiede zwischen beiden Impfstoffen festgestellt werden. Der neunvalente Impfstoff verhindert zusätzlich Infektionen mit den HR-Typen 31, 33, 45, 52 und 58. Im Vergleich zu Mädchen bzw. Frauen, die mit dem quadrivalenten HPV-Impfstoff geimpft worden waren, wurde eine Reduktion von 97 % aller durch diese fünf zusätzlichen HR-HPV-Typen bedingten höhergradigen Veränderungen an Zervix, Vagina und Vulva beobachtet (96,7%; 95% Konfidenzintervall 80,9 bis 99,8%), wenn diese Mädchen/Frauen vor Beginn der Impfserie negativ für diese fünf HPV-Typen getestet worden waren.1

Lokale Reaktionen an der Einstichstelle der HPV-Impfung werden häufig berichtet. In der o.g. klinischen Studie wurde beobachtet, dass Mädchen bzw. Frauen, die den neunvalenten HPV-Impfstoff erhalten hatten, häufiger Schmerzen und Schwellung an der Injektionsstelle berichteten als diejenigen, die die quadrivalente Impfung erhalten hatten (90,7 % versus 84,9%). Systemische unerwünschte Reaktionen wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel und allgemeine Schwäche wurde in beiden Studiengruppen gleich häufig beobachtet (55,8% versus 54,9%). Die hier berichteten unerwünschten Wirkungen beider Impfstoffe traten vorübergehend auf. Schwere systemische unerwünschte Reaktionen wurden nur in Einzelfällen in beiden Studiengruppen beobachtet.1


Literatur:
1 Joura E, Giuliano O, Iversen C et al.: A 9-valent HPV vaccine against infection and
intraepithelial neoplasia in women. N Engl J Med 2015; 372: 711-23.

Stand: 25.04.2016

Ist eine Auffrischimpfung erforderlich?

Derzeit kann noch keine Aussage über die Notwendigkeit einer Auf­frisch­imp­fung ge­troffen werden. 60 Monate nach Imp­fung lag die Wirk­sam­keit gegen eine HPV-In­fek­tion mit einem im Impf­stoff ent­hal­te­nen Geno­typ bei einer ge­misch­ten Pro­ban­den­gruppe (nicht alle mit ab­ge­schlos­sener Grund­immu­ni­sierung) bei 95,8%.1 In einem sys­te­ma­tischen Review zur Wirk­sam­keit des bi- und des qua­dri­va­len­ten HPV-Impf­stoffs konnten zwei ran­do­mi­sierte kontrollierte Studien (RCT englisch: randomized controlled trial) iden­ti­fiziert werden, die die Effek­ti­vität der Imp­fung über einen Zeit­raum von ≥ 5 Jahren (6,5 bzw. 7 Jahre Nach­beob­achtung) unter­sucht haben.2 Diese beiden RCTs lassen die Ein­schä­tzung zu, dass eine voll­stän­dige HPV-Impf­serie eine lang­an­hal­ten­de Pro­tek­tion gegen In­fek­ti­o­nen durch die HPV-Geno­typen induziert, die durch den je­wei­ligen Impf­stoff abgedeckt werden.


Literatur:
1 Villa LL, Costa RL, Petta CA, et al.: High sustained efficacy of a prophylactic quadrivalent human papillomavirus types 6/11/16/18 L1 virus-like particle vaccine through 5 years of follow-up. Br J Cancer 2006; 95: 1459–66
2 Deleré Y, Wichmann O, Klug SJ et al.: The efficacy and duration of vaccine protection against human papillomavirus: a systematic review and meta-analysis. Dtsch Arztebl Int, 2014; 111: 584-91

Stand: 09.05.2016

Können auch Frauen, die älter als 18 Jahre sind, von einer Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) profitieren?

Für die derzeit zur Verfügung stehenden Impfstoffe wurden Studien zur Wirksamkeit bis zu einem Alter von 25 bzw. 26 Jahren durchgeführt. Die Impfstoffe sind am effektivsten, wenn noch keine HPV-Infektion erfolgt ist. Nach Aufnahme erster sexueller Kontakte findet eine rasche Durchseuchung mit HPV statt (Kjaer et al. Cancer Epidemiol Biomarkers Prev 2001; 10:101-6). Aus diesem Grund liegt der optimale Zeitpunkt für eine Grundimmunisierung gegen HPV vor dem Beginn der sexuellen Aktivität. Nach einer repräsentativen Umfrage aus dem Jahr 2005 (Jugendsexualität, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) sind 73% der 17-jährigen Mädchen sexuell aktiv.

Je nach individueller Lebensführung können auch Frauen >18 Jahre von einer HPV-Impfung profitieren. Abhängig von der Anzahl der Sexualpartner (Moscicki et al. JAMA 2001; 285:2995-3002) und dem Gebrauch von Kondomen (Winer et al. N Engl J Med 2006; 354:2645-54) kann das individuelle Risiko für das Vorliegen einer HPV-Infektion auch nach dem Beginn sexueller Aktivität sehr unterschiedlich sein.

Stand: 09.05.2016

Ist eine Testung auf das Vorliegen einer HPV-Infektion vor einer Impfung sinnvoll?

Nein, nach derzeitigem Kenntnisstand ist eine Testung vor einer Imp­fung nicht sinnvoll. Bei einem positiven Test­er­geb­nis ist eine Aus­sage zu den nach­ge­wie­senen HPV-Geno­typen er­for­derlich, da unter­schied­liche HPV-Geno­typen unter­schied­liche Risiken für die Ent­stehung von Gebär­mutter­hals­tumoren be­inhalten. Diese Dif­feren­zie­rungen sind der­zeit nur durch zu­sätz­liche Labor­tests möglich.

Auch bei einem positiven Test­er­geb­nis liegt nur in sehr seltenen Fällen eine In­fek­tion mit allen in den Impf­stof­fen ent­hal­tenen HPV-Geno­typen vor. Eine Imp­fung bei Frauen mit einer be­ste­hen­den Infek­tion mit nur einem der onko­genen HPV-Geno­typen (wie 16 oder 18) könnte theo­re­tisch sinn­voll sein, um die Infek­tion mit anderen HPV-Geno­typen zu ver­hindern. Die Effek­tivität der Imp­fung ist in diesen Fällen aber bisher nicht geprüft; das ist Gegen­stand weiterer Studien.

Stand: 09.05.2016

Können auch Jungen von einer Impfung gegen HPV profitieren?

Für Jungen bzw. junge Männer liegt derzeit keine HPV-Impf­empfehlung der Ständigen Impf­kommission (STIKO) vor. Die STIKO unter­sucht jedoch momentan die bisher vorliegende Evidenz zur HPV-Jungen­impfung, um die Einführung einer Routine-Impf­empfeh­lung neu bewerten zu können.

Studien zeigen, dass die HPV-Impfung auch bei Jungen bzw. jungen Männern wirksam ist. So wurden bei Jungen im Alter von 10 bis 15 Jahren durch eine HPV-Impfung hohe Anti­körper-Titer erreicht [1]. In rando­mi­sierten kontrollierten Studien konnte die Schutz­wirkung des quadrivalenten HPV-Impfstoffs gegen Genital­warzen und Vorstufen des Penis- und Anal­karzinoms bei Jungen und jungen Männern demonstriert werden [2, 3]. Daten aus Australien zeigen, dass die HPV-Impfung auch bezogen auf den sogenannten Herden­schutz sehr effektiv ist [4]. Dies bedeutet, dass ungeimpfte Männer und Frauen, die sexuelle Kontakte zu geimpften Personen haben, ebenfalls gegen HPV-Infektionen geschützt sind. Durch die HPV-Impfung können somit die Infektions­ketten zwischen Sexual­partnern unterbrochen werden.

Auch ohne vorliegende Empfehlung der STIKO kann der Arzt/die Ärztin im Rahmen der Zulassung Jungen gegen HPV impfen. Alle verfügbaren HPV-Impfstoffe sind auch für Jungen ab einem Alter von 9 Jahren zugelassen. Da für die HPV-Impfung bei Jungen keine öffentliche Empfehlung der Länder vorliegt (außer in Sachsen), können in einem Impf­schadens­fall keine Ansprüche an das Versorgungs­amt geltend gemacht werden. Zudem sollte vorab geklärt werden, ob die Kranken­kasse die Kosten der Impfung übernimmt.

Literatur:
1) Block et al. Pediatrics 2006;118:2135-45
2) Giuliano et al. N Engl J Med 2011;364:401-11
3) Palefsky et al. N Engl J Med 2011; 365:1576-85
4) Chow et al. The Lancet Infectious Diseases 2017;17:68-77

Stand: 05.07.2017

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