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Fieberkrampf und Impfung: häufig gestellte Fragen und Antworten

Stand: 9.2.2017

Was ist ein Fieberkrampf?

Als Fieberkrampf wird ein Krampanfall definiert, der bei einem fiebernden Kind (meist im Alter von 6 Monaten bis 5 Jahren) auftritt, ohne dass eine erregerbedingte Entzündung des Gehirns oder der Hirnhäute (intrakranielle Infektion) oder eine Stoffwechselentgleisung vorliegt bzw. ein vorher bestehendes Krampfleiden bei dem Patienten bekannt ist. Fieber ist die häufigste ernste Nebenwirkung, die nach Impfungen auftreten kann. Bei einigen Impfungen, wie z.B. nach attenuierten Lebendimpfungen (MMR-Impfstoff), ist die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Fieber etwas höher als bei den meisten Impfungen mit Totimpfstoffen. Obwohl das Fieber nach Impfungen meist nur von kurzer Dauer ist, kann es auch hier zu einem Fieberkrampf kommen. Fieberkrämpfe sind nicht lebensbedrohlich und ohne bleibende Schäden.

Stand: 09.02.2017

Welche Bedeutung haben Fieberkrämpfe nach Impfungen?

Fieberkrämpfe bei Kleinkindern sind unabhängig von Impfungen häufig. Im Alter zwischen 6 Monaten und 4 Jahren erleiden 2-5% der Kinder mindestens einen Fieberkrampf. Der Häufigkeitsgipfel wird im Alter von 18 Monaten erreicht [1]. Fieberkrämpfe nach Impfungen unterscheiden sich nicht von Fieberkrämpfen anderer Ursachen. Sie sind nicht lebensbedrohlich. Kinder, die nach Impfungen einen Fieberkrampf entwickeln, haben kein erhöhtes Risiko im späteren Leben ein Krampfleiden oder eine neurologische Entwicklungsstörung zu bekommen. Im Allgemeinen treten Fieberkrämpfe in einem Zeitraum von 72 Stunden nach der Impfung auf. Ausnahmen bilden die Impfungen mit lebend attenuierten Impfstoffen, bei denen ein assoziierter Fieberkrampf auch in einem Zeitraum von 7-14 Tagen nach der Impfung auftreten kann [2]. Insgesamt sind Fieberkrämpfe nach Impfungen seltene Ereignisse. Nach der Masern-Mumps-Röteln-Impfung sind es 25-35 Fälle/100.000 geimpfte Kinder, die einen Fieberkrampf erleiden. Bei der Bewertung des zeitlich begrenzten Risikos durch Fieber nach Impfungen muss betont werden, dass insbesondere durch die Impfung gegen Masern, Keuchhusten, Pneumokokken und Haemophilus influenzae Typ b die infektionsbedingte Häufigkeit von Fieber und vorübergehende neurologische Störungen bzw. dauerhafte neurologische Entwicklungsstörungen, die mit den Erkrankungen assoziiert sind, signifikant gesenkt worden sind [3].

Folgende Faktoren sind mit einem signifikanten Anstieg des Risikos für einen ersten Fieberkrampf assoziiert: (1) eine familiäre Disposition (Fieberkrämpfe bei Verwandten 1. Grades (Eltern) oder 2. Grades (Geschwister und Großeltern)); (2) die Entlassung des Kindes von der neonatologischen Station nach ≥28 Tagen nach Geburt, (3) eine Entwicklungsverzögerung des Kindes und (4) die Betreuung des Kindes in der Kindertagespflege. Das Geschlechterverhältnis ist nahezu ausgeglichen, wenngleich Fieberkrämpfe geringfügig häufiger bei Jungen auftreten. Bei etwa 1/3 der betroffenen Kinder treten im Verlauf der frühen Kindheit weitere Fieberkrämpfe auf. Das Wiederholungsrisiko ist erhöht wenn (1) eine familiäre Disposition besteht, (2) der erste Fieberkrampf im Alter ≥18 Monaten auftrat, (3) die Höchsttemperatur beim 1. Fieberkrampf <38,3°C betrug und (4) die Dauer des Fiebers bis zum Beginn des Fieberkrampfes kurz ist (unter 1 Stunde) [1].

Referenzen:
[1] Chung S: Febrile seizures. Korean J Pediatr 2014; 57: 384-95.
[2] Oluwabusi T, Sood SK: Update on the management of simple febrile seizures: emphasis on minimal intervention. Curr Opin Pediatr 2012; 24: 259-65.
[3] Kohl KS, Marcy SM, Blum M, et al.: Fever after immunization: current concepts and improved future scientific understanding. Clin Infect Dis 2004; 39: 389-94.

Stand: 09.02.2017

Kann man Fieberkrämpfe durch medikamentöse Prophylaxe verhindern?

Obwohl Fieberkrämpfe wiederholt auftreten können, wird eine medikamentöse Prophylaxe nicht empfohlen. Studien haben gezeigt, dass weder Paracetamol noch Ibuprofen ein Fieberkrampfrezidiv sicher verhindern können. Auch die antikonvulsive Therapie zur Prophylaxe von Fieberkrämpfen ist nicht empfohlen. Eine kontinuierliche antikonvulsive Therapie mit Phenobarbital oder Valproinsäure bzw. die intermittierende Therapie mit Diazepam kann zwar das Fieberkrampfrezidiv verringern, aber die Nebenwirkungen dieser Mittel überwiegen die relativ geringen Risiken, die mit einfachen Fieberkrämpfen einhergehen [1, 2]. Wichtig ist das Gespräch mit den Eltern, um ihnen die Ängste zu nehmen und sie dabei zu unterstützen, bei einem weiteren Fieberkrampf richtig zu reagieren.

Referenzen:
[1] Steering Committee on Quality Improvement and Management Subcommittee on Febrile Seizures; Febrile seizures: clinical practice guideline for the long-term management of the child with simple febrile seizures. Pediatrics 2008; 121: 1281-6
[2] Chung S: Febrile seizures. Korean J Pediatr 2014; 57: 384-95.

Stand: 09.02.2017

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