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Kontraindikationen zur Durchführung von Impfungen: Häufig gestellte Fragen und Antworten

Stellen Autoimmunerkrankungen (z.B. Myasthenia gravis, Hashimoto Thyreoiditis) Kontraindikationen gegen Impfungen dar?

Autoimmunerkrankungen stellen keine Kontraindikation für Schutzimpfungen dar. Da jedoch Infektionen die Erkrankungen theoretisch auch negativ beeinflussen könnten, wird empfohlen, Impfungen für Patienten mit Autoimmunerkrankungen nach einer sorgfältiger Nutzen-Risikoabwägung zu verabreichen. In der Regel wird diese Risiko – Nutzenabwägung zugunsten einer Impfung ausfallen. Mögliche immunsuppremierende Therapien müssen im Rahmen einer solchen Risikoabwägung berücksichtigt werden. Ausführliche Hinweise für die Impfung von Immunsupprimierten finden sich im Epidemiologischen Bulletin Nr. 39 / 2005.

Stand: 14.12.2012

Sind Impfungen, die nicht von der STIKO empfohlen werden, kontraindiziert?

Neben den von der STIKO empfohlenen Impfungen sind auf der Basis der existierenden Impfstoff-Zulassungen weitere "Impfindikationen" möglich, auf die in den Empfehlungen der STIKO nicht eingegangen wird, die aber für den Einzelnen seiner individuellen (gesundheitlichen) Situation entsprechend sinnvoll sein können.

Es liegt in der Verantwortung des Arztes, seine Patienten auf diese weiteren Schutzmöglichkeiten hinzuweisen. Insofern hindert auch eine fehlende STIKO Empfehlung den Arzt nicht an einer begründeten Impfung. Wenn die individuell gestellte Impfindikation jedoch nicht Bestandteil einer für Deutschland gültigen Zulassung und der Fachinformation des entsprechenden Impfstoffes ist, erfolgt die Anwendung außerhalb der zugelassenen Indikation. Das hat im Schadensfall Folgen für Haftung und Entschädigung und bedingt besondere Dokumentations- und Aufklärungspflichten des impfenden Arztes.

Versorgungsansprüche wegen eines Impfschadens gemäß § 60 IfSG werden nur bei den von den Landesgesundheitsbehörden öffentlich empfohlenen Impfungen gewährt.

Stand: 14.12.2012

Bestehen grundsätzlich Kontraindikationen gegen Impfungen?

Akute behandlungsbedürftige Erkrankungen (Ausnahme: postexpositionelle Impfung) stellen eine Kontraindikation für Impfungen dar. Unerwünschte Arzneimittelreaktionen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung sind bis zur Klärung der Ursache ebenfalls eine Kontraindikation gegen eine nochmalige Impfung mit dem gleichen Impfstoff. Allergien gegen Bestandteile des Impfstoffs können ebenso Impfhindernisse darstellen. Während einer Schwangerschaft sind nur dringend indizierte Impfungen durchzuführen. Für Patienten mit Immundefizienz ist vor Impfung mit einem Lebendimpfstoff der behandelnde Arzt zu konsultieren.

Stand: 14.12.2012

Sollten Impfungen trotz bestehender anderer Erkrankungen durchgeführt werden?

Häufig unterbleiben indizierte Impfungen, weil bestimmte Umstände irrtümlicherweise als Kontraindikationen angesehen werden. Aus Befragungen und Studien ist bekannt, dass einer der Hauptgründe für niedrige Durchimpfungsraten diese auch von Ärzten häufig falsch verstandenen und unsachgemäß angewendeten Kontraindikationen sind. Es ist deshalb besonders in diesem Zusammenhang nochmals darauf hinzuweisen, dass banale Infekte, auch wenn sie mit subfebrilen Temperaturen (≤ 38,5 °C) einhergehen, keine Kontraindikation gegen eine Impfung darstellen.

Weitere falsche Kontraindikationen sind z.B.:

  • Ein möglicher Kontakt des Impflings zu Personen mit ansteckenden Krankheiten,
  • Krampfanfälle in der Familie,
  • Fieberkrämpfe in der Anamnese des Impflings (da fieberhafte Impfreaktionen einen Krampfanfall provozieren können, ist zu erwägen, Kindern mit Krampfneigung Antipyretika zu verabreichen: z.B. bei Totimpfstoffen zum Zeitpunkt der Impfung und jeweils 4 und 8 Stunden nach der Impfung sowie bei der MMR-Impfung zwischen dem 7. und 12. Tag im Falle einer Temperaturerhöhung),
  • Ekzem,
  • Dermatosen,
  • lokalisierte Hautinfektionen,
  • Behandlung mit Antibiotika oder mit niedrigen Dosen von Kortikosteroiden oder lokal angewendeten steroidhaltigen Präparaten,
  • Schwangerschaft der Mutter des Impflings,
  • angeborene oder erworbene Immundefekte bei Impfung mit Totimpfstoffen,
  • Neugeborenen-Ikterus,
  • Frühgeburtlichkeit: Frühgeborene sollten unabhängig von ihrem Geburtsgewicht entsprechend dem empfohlenen Impfalter geimpft werden,
  • chronische Erkrankungen sowie
  • nicht progrediente Erkrankungen des ZNS.

Indizierte Impfungen sollen insbesondere bei Personen mit chronischen Erkrankungen durchgeführt werden, da diese Personen durch schwere Verläufe und Komplikationen impfpräventabler Krankheiten besonders gefährdet sind. Personen mit chronischen Erkrankungen sollen über den Nutzen der Impfung im Vergleich zum Risiko der Krankheit aufgeklärt werden. Es liegen keine gesicherten Erkenntnisse darüber vor, dass eventuell zeitgleich mit der Impfung auftretende Krankheitsschübe ursächlich durch eine Impfung bedingt sein können.

Stand: 14.12.2012

Ist es ratsam, in der Inkubationsphase einer impfpräventablen Erkrankung zu impfen?

Die Impfung in der Inkubationsphase einer impfpräventablen Krankheit gilt im Hinblick auf mögliche Impf- und Erkrankungskomplikationen als sicher. Negative Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf werden bei der Gabe von Impfstoffkomponenten und gleichzeitiger Ansteckung nicht beobachtet. Eine rechtzeitige postexpositionelle Impfung kann bei bestimmten Infektionen den Ausbruch der Erkrankung sogar verhindern oder abmildern. Postexpositionelle Impfungen können außerdem dazu genutzt werden, bestehende Impflücken zu schließen.

Stand: 14.12.2012

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