Navigation und Service

Zielgruppeneinstiege

Impfungen bei Asplenie
(Entfernung der Milz oder Ausfall der Organfunktion)

Welche Impfungen sind besonders wichtig?

Patienten mit Asplenie haben ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe bei Infektionen mit bekapselten Bakterien. Sie sollten deshalb gegen Pneumokokken, Haemophilus influenzae Typ b und Meningokokken geimpft werden. Zusätzlich wird die jährliche Grippe-Impfung empfohlen, da durch eine Influenza-Infektion das Risiko von bakteriellen Sekundärinfektionen, insbesondere mit Pneumokokken, erhöht ist.

Prinzipiell können alle hier genannten Impfungen am gleichen Tag erfolgen, allerdings wurde dies für die Anwendung des Pneumokokken-Konjugatimpfstoffs nur bei Kindern <6 Jahre untersucht.

Im Falle einer geplanten Milzentfernung sollten die Impfungen möglichst bis spätestens 2 Wochen vor dem Eingriff erfolgen. Falls dies nicht möglich ist, kann bis zu 3 Tage vor dem OP-Termin geimpft werden. Falls erst nach Milzentfernung geimpft werden kann, können die Impfungen erfolgen, sobald der Patient in einem stabilen Allgemeinzustand ist. Falls eine immunsuppressive Therapie geplant ist, z.B. wegen einer malignen Grunderkrankung, sollte möglichst vorher geimpft werden, sofern ein Aufschub der immunsuppressiven Behandlung vertretbar erscheint.

Pneumokokken

Folgende Impfstoffe stehen zur Verfügung (Stand Oktober 2016):

  • ein 10-valenter Konjugatimpfstoff (PCV10, Synflorix®),
    zugelassen ab Alter 6 Wochen bis Alter 59 Monate
  • ein 13-valenter Konjugatimpfstoff (PCV13, Prevenar 13®),
    zugelassen ab Alter 6 Wochen, ohne obere Altersgrenze
  • ein 23-valenter Polysaccharidimpfstoff (PPSV23, Pneumovax®23),
    zugelassen ab Alter 2 Jahre, ohne obere Altersgrenze.

Grundsätzlich wird für Personen mit Asplenie eine sequenzielle Impfung mit einem Kon­jugat­impf­stoff (möglicher­weise bessere Immuno­genität bei dieser Indikation), gefolgt von PPSV23 (breitere Sero­typen­ab­deckung) empfohlen. Diese Em­pfehlung beruht auf immunologischen Über­legungen. Aus­sage­kräftige Studien mit klinischen End­punkten zum Be­leg einer über­legenen Schutz­wirkung durch die se­quenzielle Impf­ung fehlen bis­lang. Bei der sequenziellen Impf­ung sollte aus immuno­logischen Gründen zuerst mit PCV13 bzw. PCV10 und 6-12 Monate später mit PPSV23 geimpft werden (Mindest­abstand 2 Monate).1, 2

Das konkrete Vorgehen hängt vom Alter des Patienten ab.

Kinder <24 Monate sollen, wie alle Kinder, mit Konjugatimpfstoff (PCV10 oder PCV13) grundimmunisiert werden:
Alter <12 Monate: 3 Impfstoffdosen.
Alter 12 bis <24 Monate: 2 Impfstoffdosen.
PPSV23 ist in dieser Altersgruppe wegen unzureichender Immunogenität nicht empfohlen und auch nicht zugelassen.

Kinder ab 2 Jahren, Jugendliche und Erwachsene, die noch nicht oder bislang nur mit PCV7 gegen Pneumokokken geimpft wurden, sollen sequenziell mit 1 Dosis PCV13, gefolgt von PPSV23 nach 6-12 Monaten geimpft werden.

Ungeimpfte Kinder im Alter unter 6 Jahren können statt 1 Dosis PCV13 auch 2 Dosen PCV10 im Mindestabstand von 2 Monaten bekommen.

Personen, die bereits mit PPSV23 vorgeimpft sind, sollen frühestens 1 Jahr später mit PCV13 geimpft werden. Eine erneute Impfung mit PPSV23 soll 6 Jahre nach der letzten PPSV23-Impfung, aber frühestens 6 Monate nach der PCV13-Impfung erfolgen.

Wiederholungsimpfungen: Die Dauer des Impfschutzes ist begrenzt. Deshalb werden Wiederholungsimpfungen im Abstand von 6 Jahren empfohlen. Hierzu soll wegen der breiteren Serotypenabdeckung ausschließlich PPSV23 verwendet werden. Bei Einhaltung eines Mindestintervalls von 6 Jahren ist nicht mit einer gravierenden Abnahme der Immunogenität (sog. hyporesponsiveness) oder Verträglichkeit der Impfung zu rechnen. Zur Frage, ob mehrfache Wiederholungsimpfungen sinnvoll sind, liegen nur wenige Daten vor. Prinzipiell erscheint es plausibel, den Impfschutz ca. alle 6 Jahre aufzufrischen.

Haemophilus influenzae Typ b

Eine Impfung gegen Haemophilus influenzae Typ b (Hib) ist bei fehlender Grundimmunisierung ebenfalls indiziert. Der Einzelimpfstoff gegen Hib kann unter dem Handelsnamen Act-Hib® in jeder Apotheke bezogen werden. Bei der Patientenaufklärung sollte darauf hingewiesen werden, dass der Impfstoff eigentlich nur für das Alter 2 Monate bis 5 Jahre zugelassen ist. Für asplenische Personen ist die Hib-Impfung im Rahmen der Therapiefreiheit und zum Erreichen des notwendigen Schutzes aber auch für ältere Patienten empfohlen.

Über die Notwendigkeit von Wiederholungsimpfungen für diese Patientengruppe liegen derzeit noch wenige Daten vor. Da mit einem Konjugatimpfstoff geimpft wird, ist grundsätzlich auch von einem immunologischen Gedächtnis auszugehen. Inwieweit dieses einen lebenslangen Impfschutz induziert, kann derzeit nicht beantwortet werden.

Meningokokken

Folgende Impfstoffe stehen zur Verfügung (Stand Dezember 2015):

  • monovalenter Konjugatimpfstoff gegen Serogruppe C (NeisVac-C®, Menjugate Kit®)
  • 4-valenter Konjugatimpfstoff gegen Serogruppen ACWY (Menveo®, Nimenrix®)
  • Oberflächenprotein-basierter Impfstoff gegen Serogruppe B (Bexsero®)

Impfung gegen Meningokokken der Serogruppen ACWY
Asplenische Patienten sollten mit einem 4-valenten Meningokokken-Konjugatimpfstoff geimpft werden. Personen, die bereits mit einem der früher erhältlichen Polysaccharid-Impfstoffe geimpft wurden, sollten bei der nächsten fälligen Auffrischung (nach ca. 3 Jahren) mit 4-valentem Konjugatimpfstoff geimpft werden. Ist bereits eine Impfung mit monovalentem konjugiertem Meningokokken-C-Impfstoff erfolgt, ist eine weitere Impfung mit 4-valentem Konjugatimpfstoff empfohlen.

Asplenische Kinder sollten bereits ab dem Alter von 2 Monaten (nicht wie gesunde Kinder erst ab 12 Monaten) gegen Meningokokken geimpft werden. Da aktuell keiner der 4-valenten Konjugatimpfstoffe für Kinder <12 Monaten zugelassen ist, kann ab dem Alter von 2 Monaten zunächst mit konjugiertem Meningokokken-C-Impfstoff geimpft werden (2 Dosen im Abstand von ≥2 Monaten). Dieser Impfschutz sollte im Alter von 12 Monaten durch die Impfung mit 4-valentem Konjugatimpfstoff ergänzt werden.

Studien3-5 haben nach Impfung mit monovalenten Meningokokken-C-Konjugatimpfstoffen eine schwächere Immunogenität bei Personen mit Asplenie gezeigt. Deshalb sollte nach einer 4-valenten Meningokokken-Konjugatimpfung eine serologische Kontrolle (nach Rücksprache möglich am NRZ Meningokokken) oder eine zweite 4-valente Impfung im Abstand von ≥2 Monaten erwogen werden.

Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe B
Seit Dezember 2013 ist auch ein Impfstoff gegen Meningokokken der Serogruppe B auf dem deutschen Markt verfügbar. Seit August 2015 empfiehlt die STIKO diese Impfung auch für Personen mit Asplenie. Weil das Risiko für Aspleniker an einer invasiven Meningokokken-Infektion zu erkranken deutlich niedriger ist, als an einer Pneumokokken-Infektion zu erkranken, der Impfstoff nicht vor allen in Deutschland zirkulierenden Serogruppe-B-Stämmen schützen kann und Daten zur Qualität und Dauer der Immunantwort bei Personen mit Asplenie derzeit nicht vorliegen6, empfiehlt die STIKO, dass der behandelnde Arzt die Entscheidung über eine Impfung nach individueller Risikoabschätzung treffen sollte.

Bei Kindern im Alter von 2 bis 5 Monaten erfolgt die Grundimmunisierung mit 3 Impfstoffdosen; in allen anderen Altersgruppen mit 2 Impfstoffdosen. Bei Kindern, die in den ersten 2 Lebensjahren geimpft wurden, ist zusätzlich eine Auffrischimpfung erforderlich (detaillierte Informationen zu den zugelassenen Impfschemata finden sich in der Fachinformation).

Influenza

Die jährliche Impfung gegen Influenza im Herbst wird empfohlen, weil eine Influenza-Infektion das Risiko einer bakteriellen Sekundärinfektion, insbesondere mit Pneumokokken, erhöht. Die Impfung kann - unter Beachtung der Altersgrenzen der Zulassung - mit allen für die jeweilige Saison zugelassenen Impfstoffen erfolgen. Kinder und Jugendliche im Alter von 2 bis einschließlich 17 Jahren können mit inaktiviertem Impfstoff oder mit einem attenuierten Influenza-Lebendimpfstoff (LAIV) geimpft werden, sofern keine Kontraindikation besteht (siehe Fachinformation). Bei Kindern im Alter von 2 bis einschließlich 6 Jahren sollte LAIV bevorzugt angewendet werden.7

Was ist hinsichtlich weiterer Impfungen zu beachten?

Die Asplenie an sich stellt keine schwerwiegende Immundefizienz dar, es sei denn, diese besteht im Rahmen einer das Immunsystem beeinträchtigenden Grunderkrankung. Daher sollen bei Asplenie grundsätzlich alle empfohlenen Impfungen durchgeführt werden. Spezielle Studien zu Impfungen mit Lebendimpfstoffen bei Asplenie fehlen. Aus theoretischen Überlegungen heraus spricht nichts gegen eine Immunisierung mit Lebendimpfstoffen entsprechend den allgemeinen Impfempfehlungen.

Literatur

  1. STIKO: Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut - 2016/2017. Epidemiologisches Bulletin 34/2016 (PDF, 339 KB, Datei ist nicht barrierefrei)
  2. STIKO: Wissenschaftliche Begründung für die Aktualisierung der Empfehlungen zur Indikationsimpfung gegen Pneumokokken für Risikogruppen. Epidemiologisches Bulletin 37/2016 (PDF, 191 KB, Datei ist nicht barrierefrei)
  3. Balmer P, Falconer M, McDonald P, Andrews N, Fuller E, Riley C, et al. Immune Response to Meningococcal Serogroup C Conjugate Vaccine in Asplenic Individuals. Infect Immun. 2004;72(1):332-7.
  4. Meerveld-Eggink A, de Weerdt O, de Voer R, et al. Impaired antibody response to conjugated meningococcal serogroup C vaccine in asplenic patients. Eur J Clin Microbiol Infect Dis. 2011;30(5):611-8.
  5. Spoulou V, Tzanakaki G, Lekka S, et al. Natural and vaccine-induced immunity to Neisseria meningitidis serogroup C in asplenic patients with β-thalassemia. Vaccine 2011, 29(27):4435-8.
  6. STIKO: Wissenschaftliche Begründung für die Aktualisierung der Meningokokken-Impfempfehlung. Epidemiologisches Bulletin 37/2015 (PDF, 160 KB, Datei ist nicht barrierefrei)
  7. STIKO: Wissenschaftliche Begründung für die Änderung der Empfehlung zur Impfung gegen Influenza. Epidemiologisches Bulletin 36/37 2013 (PDF, 181 KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Stand: 21.10.2016

Zusatzinformationen

Gesundheitsmonitoring

In­fek­ti­ons­schutz

Forschung

Kom­mis­sio­nen

Ser­vice

Das Robert Koch-Institut ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit

© Robert Koch-Institut

Alle Rechte vorbehalten, soweit nicht ausdrücklich anders vermerkt.