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Impfungen bei Asplenie
(Entfernung der Milz oder Ausfall der Organfunktion)

Welche Impfungen sind besonders wichtig?

Patienten mit Asplenie haben ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe bei Infektionen mit bekapselten Bakterien. Sie sollten deshalb gegen Pneumokokken, Haemophilus influenzae Typ b und Meningokokken geimpft werden. Zusätzlich wird die jährliche Grippe-Impfung empfohlen, da durch eine Influenza-Infektion das Risiko von bakteriellen Sekundärinfektionen, insbesondere mit Pneumokokken, erhöht ist.

Prinzipiell können alle hier genannten Impfungen am gleichen Tag erfolgen, allerdings wurde dies für die Anwendung des Pneumokokken-Konjugatimpfstoffs nur bei Kindern <6 Jahre untersucht.

Im Falle einer geplanten Milzentfernung sollten die Impfungen möglichst bis spätestens 2 Wochen vor dem Eingriff erfolgen. Falls dies nicht möglich ist, kann bis zu 3 Tage vor dem OP-Termin geimpft werden. Falls erst nach Milzentfernung geimpft werden kann, können die Impfungen erfolgen, sobald der Patient in einem stabilen Allgemeinzustand ist. Falls eine immunsuppressive Therapie geplant ist, z.B. wegen einer malignen Grunderkrankung, sollte möglichst vorher geimpft werden, sofern ein Aufschub der immunsuppressiven Behandlung vertretbar erscheint.

Pneumokokken

Folgende Impfstoffe stehen zur Verfügung (Stand Dezember 2015):

  • ein 10-valenter Konjugatimpfstoff (PCV-10, Synflorix®),
    zugelassen ab Alter 6 Wochen bis Alter 59 Monate
  • ein 13-valenter Konjugatimpfstoff (PCV-13, Prevenar 13®),
    zugelassen ab Alter 6 Wochen, ohne obere Altersgrenze
  • ein 23-valenter Polysaccharidimpfstoff (PPSV-23, Pneumovax®23),
    zugelassen ab Alter 2 Jahre, ohne obere Altersgrenze.

Die Impfempfehlung hängt vom Alter des Patienten ab.

Kinder <24 Monate sollen, wie alle Kinder, mit Konjugatimpfstoff grundimmunisiert werden:
Alter <12 Monate: 3 Impfstoffdosen.
Alter 12 bis <24 Monate: 2 Impfstoffdosen.

Kinder von 2 bis <6 Jahren, die noch nicht gegen Pneumokokken grundimmunisiert wurden, erhalten 1 Dosis PCV-13 oder 2 Dosen PCV-10. Für Kinder, die bereits mit dem 7-valenten Konjugatimpfstoff geimpft wurden, wird zusätzlich 1 Dosis PCV-13 empfohlen. Eine zusätzliche Impfung mit Polysaccharidimpfstoff (PPSV-23) wird aufgrund der fraglichen Immunogenität im Kleinkindalter erst ab dem Alter von 6 Jahren empfohlen.1

Kinder ab 6 Jahren, Jugendliche und Erwachsene, die noch nicht gegen Pneumokokken grundimmunisiert oder bislang nur mit PCV-7 geimpft wurden, sollen aufgrund der breiteren Serotypenabdeckung [zusätzlich] mit PPSV-23 geimpft werden. Allerdings kann die Schutzwirkung von PPSV-23 bei Kindern bis 15 Jahre auf Basis der wenigen hierzu verfügbaren Daten derzeit nicht zuverlässig eingeschätzt werden.2 Für diese Altersgruppe und ggf. auch für Jugendliche und Erwachsene ist die sequenzielle Impfung (PCV-13 gefolgt von PPSV-23) möglicherweise sinnvoll. Aussagekräftige Studien mit klinischen Endpunkten zum Beleg einer überlegenen Schutzwirkung durch die sequenzielle Impfung fehlen jedoch bislang. Bei der sequenziellen Impfung sollte aus immunologischen Gründen zuerst mit PCV-13 und 6-12 Monate später mit PPSV-23 geimpft werden (Mindestabstand 2 Monate).3

Wiederholungsimpfungen: Nach 5 (Erwachsene) bzw. 3 Jahren (Kinder <10 Jahre) wird eine Wiederholungsimpfung empfohlen, wegen der breiteren Serotypenabdeckung bevorzugt mit PPSV-23. Auch bei Kindern ab 6 Jahren, die bereits mit PCV13 geimpft worden sind, soll eine anstehende Wiederholungsimpfung mit PPSV-23 erfolgen. Bei Einhaltung eines Mindestintervalls von 5 Jahren ist nicht mit einer gravierenden Abnahme der Immunogenität (sog. hyporesponsiveness) oder Verträglichkeit der Impfung zu rechnen.4 Zur Frage, ob mehrfache Wiederholungsimpfungen sinnvoll sind, liegen kaum Daten vor. Prinzipiell erscheint es plausibel, den Impfschutz alle 5-10 Jahre aufzufrischen.

Haemophilus influenzae Typ b

Eine Impfung gegen Haemophilus influenzae Typ b (Hib) ist bei fehlender Grundimmunisierung ebenfalls indiziert. Der Einzelimpfstoff gegen Hib kann unter dem Handelsnamen Act-Hib® in jeder Apotheke bezogen werden. Bei der Patientenaufklärung sollte darauf hingewiesen werden, dass der Impfstoff eigentlich nur für das Alter 2 Monate bis 5 Jahre zugelassen ist. Für asplenische Personen ist die Hib-Impfung im Rahmen der Therapiefreiheit und zum Erreichen des notwendigen Schutzes aber auch für ältere Patienten empfohlen.

Über die Notwendigkeit von Wiederholungsimpfungen für diese Patientengruppe liegen derzeit noch wenige Daten vor. Da mit einem Konjugatimpfstoff geimpft wird, ist grundsätzlich auch von einem immunologischen Gedächtnis auszugehen. Inwieweit dieses einen lebenslangen Impfschutz induziert, kann derzeit nicht beantwortet werden.

Meningokokken

Folgende Impfstoffe stehen zur Verfügung (Stand Dezember 2015):

  • monovalenter Konjugatimpfstoff gegen Serogruppe C (NeisVac-C®, Menjugate Kit®)
  • 4-valenter Konjugatimpfstoff gegen Serogruppen ACWY (Menveo®, Nimenrix®)
  • Oberflächenprotein-basierter Impfstoff gegen Serogruppe B (Bexsero®)

Impfung gegen Meningokokken der Serogruppen ACWY
Asplenische Patienten sollten mit einem 4-valenten Meningokokken-Konjugatimpfstoff geimpft werden. Personen, die bereits mit einem der früher erhältlichen Polysaccharid-Impfstoffe geimpft wurden, sollten bei der nächsten fälligen Auffrischung (nach ca. 3 Jahren) mit 4-valentem Konjugatimpfstoff geimpft werden. Ist bereits eine Impfung mit monovalentem konjugiertem Meningokokken-C-Impfstoff erfolgt, ist eine weitere Impfung mit 4-valentem Konjugatimpfstoff empfohlen.

Asplenische Kinder sollten bereits ab dem Alter von 2 Monaten (nicht wie gesunde Kinder erst ab 12 Monaten) gegen Meningokokken geimpft werden. Da aktuell keiner der 4-valenten Konjugatimpfstoffe für Kinder <12 Monaten zugelassen ist, kann ab dem Alter von 2 Monaten zunächst mit konjugiertem Meningokokken-C-Impfstoff geimpft werden (2 Dosen im Abstand von ≥2 Monaten). Dieser Impfschutz sollte im Alter von 12 Monaten durch die Impfung mit 4-valentem Konjugatimpfstoff ergänzt werden.

Studien5-7 haben nach Impfung mit monovalenten Meningokokken-C-Konjugatimpfstoffen eine schwächere Immunogenität bei Personen mit Asplenie gezeigt. Deshalb sollte nach einer 4-valenten Meningokokken-Konjugatimpfung eine serologische Kontrolle (nach Rücksprache möglich am NRZ Meningokokken) oder eine zweite 4-valente Impfung im Abstand von ≥2 Monaten erwogen werden.

Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe B
Seit Dezember 2013 ist auch ein Impfstoff gegen Meningokokken der Serogruppe B auf dem deutschen Markt verfügbar. Seit August 2015 empfiehlt die STIKO diese Impfung auch für Personen mit Asplenie. Weil das Risiko für Aspleniker an einer invasiven Meningokokken-Infektion zu erkranken deutlich niedriger ist, als an einer Pneumokokken-Infektion zu erkranken, der Impfstoff nicht vor allen in Deutschland zirkulierenden Serogruppe-B-Stämmen schützen kann und Daten zur Qualität und Dauer der Immunantwort bei Personen mit Asplenie derzeit nicht vorliegen8, empfiehlt die STIKO, dass der behandelnde Arzt die Entscheidung über eine Impfung nach individueller Risikoabschätzung treffen sollte.

Bei Kindern im Alter von 2 bis 5 Monaten erfolgt die Grundimmunisierung mit 3 Impfstoffdosen; in allen anderen Altersgruppen mit 2 Impfstoffdosen. Bei Kindern, die in den ersten 2 Lebensjahren geimpft wurden, ist zusätzlich eine Auffrischimpfung erforderlich (detaillierte Informationen zu den zugelassenen Impfschemata finden sich in der Fachinformation).

Influenza

Die jährliche Impfung gegen Influenza im Herbst wird empfohlen, weil eine Influenza-Infektion das Risiko einer bakteriellen Sekundärinfektion, insbesondere mit Pneumokokken, erhöht. Die Impfung kann - unter Beachtung der Altersgrenzen der Zulassung - mit allen für die jeweilige Saison zugelassenen Impfstoffen erfolgen. Kinder und Jugendliche im Alter von 2 bis einschließlich 17 Jahren können mit inaktiviertem Impfstoff oder mit einem attenuierten Influenza-Lebendimpfstoff (LAIV) geimpft werden, sofern keine Kontraindikation besteht (siehe Fachinformation). Bei Kindern im Alter von 2 bis einschließlich 6 Jahren sollte LAIV bevorzugt angewendet werden.9

Was ist hinsichtlich weiterer Impfungen zu beachten?

Die Asplenie an sich stellt keine schwerwiegende Immundefizienz dar, es sei denn, diese besteht im Rahmen einer das Immunsystem beeinträchtigenden Grunderkrankung. Daher sollen bei Asplenie grundsätzlich alle empfohlenen Impfungen durchgeführt werden. Spezielle Studien zu Impfungen mit Lebendimpfstoffen bei Asplenie fehlen. Aus theoretischen Überlegungen heraus spricht nichts gegen eine Immunisierung mit Lebendimpfstoffen entsprechend den allgemeinen Impfempfehlungen.

Literatur

  1. Stellungnahme der Ständigen Impfkommission (STIKO) zur Indikationsimpfung von gefährdeten Kindern im Alter von 2 bis 5 Jahren gegen Pneumokokken. Epidemiologisches Bulletin 33/2010 (PDF, 125 KB, Datei ist nicht barrierefrei)
  2. Ladhani S, Andrews NJ, Waight P, et al. Invasive pneumococcal disease, comorbidities, and polysaccharide vaccine use in children aged 5-15 years in England and Wales. Clin Infect Dis. 2014;58(4):517-25
  3. STIKO: Stellungnahme zur Impfung Erwachsener gegen Pneumokokken. Epidemiologisches Bulletin 07/2012 (PDF, 123 KB, Datei ist nicht barrierefrei)
  4. Caya CA, Boikos C, Desai S, Quach C. Dosing regimen of the 23-valent pneumococcal vaccination: a systematic review. Vaccine 2015;33(11):1302-12
  5. Balmer P, Falconer M, McDonald P, Andrews N, Fuller E, Riley C, et al. Immune Response to Meningococcal Serogroup C Conjugate Vaccine in Asplenic Individuals. Infect Immun. 2004;72(1):332-7.
  6. Meerveld-Eggink A, de Weerdt O, de Voer R, et al. Impaired antibody response to conjugated meningococcal serogroup C vaccine in asplenic patients. Eur J Clin Microbiol Infect Dis. 2011;30(5):611-8.
  7. Spoulou V, Tzanakaki G, Lekka S, et al. Natural and vaccine-induced immunity to Neisseria meningitidis serogroup C in asplenic patients with β-thalassemia. Vaccine 2011, 29(27):4435-8.
  8. STIKO: Wissenschaftliche Begründung für die Aktualisierung der Meningokokken-Impfempfehlung. Epidemiologisches Bulletin 37/2015 (PDF, 235 KB, Datei ist nicht barrierefrei)
  9. STIKO: Wissenschaftliche Begründung für die Änderung der Empfehlung zur Impfung gegen Influenza. Epidemiologisches Bulletin 36/37 2013 (PDF, 181 KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Stand: 18.12.2015

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