Navigation und Service

Zielgruppeneinstiege

Hepatitis D

Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Infektionsschutzgesetz und Meldewesen

Stand: 25.3.2015

Wann besteht bei Hepatitis D eine Meldepflicht für Ärzte?

Gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 1 IfSG gilt eine namentliche Meldepflicht für den Krankheitsverdacht, die Erkrankung sowie den Tod an akuter Virushepatitis.

Erläuterung:

Die Meldung eines Krankheitsverdachtes an akuter Virushepatitis ist zur schnellen Aufdeckung von Infektionsquellen erforderlich. Diese können im Fall von Hepatitis B, C und/oder D insbesondere Sexualkontakte und Kontakte mit Blut von Infizierten (über Utensilien zum injizierenden Drogenkonsum, Täto­wier­material, medizinische Praktiken, Blutprodukte) sein. Akute Fälle einer Hepatitis B, C und/oder D können auf kontaminierte Gegenstände z.B. in Täto­wier­studios oder auf symptomlos infizierte Personen, z.B. medizi­ni­sches Personal, hin­weisen. In Anbetracht der langen Inku­ba­tions­zeiten sind diese Infektions­quellen jedoch in Einzelfällen nicht mehr feststellbar. Liegen mehrere Fälle vor, ist häufig bereits eine spezifische Infektionsdiagnostik erfolgt, sodass die wesentlichen Erkenntnisse durch die Meldung nach § 7 IfSG erzielt werden. Dies gilt auch für die meisten Einzelfälle, die meist innerhalb kurzer Zeit labordiagnostisch abgeklärt werden, sodass die Meldung nach § 7 unmittelbar auf eine Verdachtsmeldung nach § 6 folgt.

Stand: 25.03.2015

Wie erfolgt die Meldung von Hepatitis D gemäß § 6 IfSG?

Nach § 8 Abs. 1 Nr. 1 IfSG ist der feststellende Arzt zur Meldung gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 1 verpflichtet. In Krankenhäusern oder anderen Einrichtungen der stationären Pflege ist für die Einhaltung der Meldepflicht neben dem feststellenden Arzt auch der leitende Arzt, in Krankenhäusern mit mehreren selbständigen Abteilungen der leitende Abteilungsarzt, in Einrichtungen ohne leitenden Arzt der behandelnde Arzt verantwortlich.

Nach § 8 Abs. 1 Nr. 7 sind auch die Leiter von Pflegeeinrichtungen, Justizvollzugsanstalten, Heimen, Lagern oder ähnlichen Einrichtungen zur Meldung nach § 6 Abs. 1 Nr. 1 verpflichtet.

Nach § 9 Abs. 3 hat die namentliche Meldung nach § 6 Abs. 1 unverzüglich zu erfolgen und soll spätestens innerhalb von 24 Stunden nach erlangter Kenntnis dem für den Aufenthalt des Betroffenen zuständigen Gesundheitsamt vorliegen.

Stellt sich nach einer Verdachtsmeldung heraus, dass sich der gemeldete Verdachtsfall nicht bestätigt hat, so ist dies gemäß § 8 Abs. 5 IfSG dem Gesundheitsamt mitzuteilen. Dadurch soll das Gesundheitsamt von unnötigen Ermittlungstätigkeiten schnellstmöglich entlastet werden.

Ein Mustervorschlag des RKI für einen Meldebogen gemäß § 6 sowie die Meldebögen aller Bundesländer sind unter www.rki.de > Infektionsschutz > Infektionsschutzgesetz > Meldebögen > gemäß § 6 (Arzt) verlinkt.

Stand: 25.03.2015

Wann besteht bei Hepatitis D eine Meldepflicht für Labore?

Gemäß § 7 Abs. 1 IfSG gilt eine namentliche Meldepflicht für alle Nachweise einer Hepatitis D, die auf eine akute Infektion hinweisen.

Nach IfSG nicht meldepflichtig sind Labornachweise, die auf eine Hepatitis D hindeuten, wenn Informationen vorliegen, dass die Infektion bereits gemeldet wurde.

Stand: 25.03.2015

Welche Hepatitis-D-Fälle (und welche Informationen bei einem Hepatitis-D-Fall) sollen vom Gesundheitsamt über die zuständige Landesbehörde an das RKI übermittelt werden?

Gemäß § 11 Abs. 1 IfSG sind die an das Gesundheitsamt gemeldeten Nachweise von Hepatitis-D-Virus (HDV)-Infektion gemäß der nach § 4 Abs. 2 Nr. 2 veröffentlichten Falldefinitionen über die zuständige Landesbehörde an das Robert Koch-Institut zu übermitteln.

Folgende dem Labor vorliegende Befundkonstellationen einer Hepatitis-D-Infektion sind nach den aktuellen Falldefinitionen zu übermitteln:

Nachweis einer HBV-Infektion (HBs-Antigennachweis oder Nukleinsäurenachweis (z.B. PCR))
und
positiver Befund mit mindestens einer der beiden folgenden Methoden:
[direkter Erregernachweis nur aus Blut:]

  • Antigennachweis,
  • Nukleinsäurenachweis (z.B. PCR).

Zusatzinformation:

Hepatitis D tritt nur zusammen mit oder bei bestehender Hepatitis-B-Infektion auf.

Bei den klinischen Kriterien sind insbesondere auch das Vorliegen erhöhter Serumtransaminasen (GOT/GPT) sowie weitere klinische Symptome einer Hepatitis (Ikterus, Oberbauchschmerzen) zu übermitteln.

Ein der Falldefinition entsprechender Hepatitis-D-Fall ist nicht zu übermitteln, wenn dem zuständigen Gesundheitsamt die Information vorliegt, dass eine Infektion mit dem Hepatitis-D-Virus bereits zu einem früheren Zeitpunkt nachgewiesen wurde.

Stand: 25.03.2015

Warum wurde die Falldefinition für Hepatitis D zum 1.1.2015 geändert?

Die neuen Falldefinitionen wurden dahingehend geändert, dass nur noch der direkte Hepatitis-D-Erregernachweis einen Fall definiert.

Eine weitere Änderung betrifft bei Hepatitis D die Kategorien der Falldefinition, nach der die Landesbehörden und das Robert Koch-Institut Fälle in ihren Standard-Statistiken publizieren. Fälle, bei denen das klinische Bild unbekannt oder nicht erfüllt ist (Kategorien D und E der Falldefinition) entsprachen nach den alten Falldefinitionen nicht der Referenzdefinition und wurden daher in diesen Statistiken nicht veröffentlicht.

Da eine klinische Symptomatik nicht immer gegeben ist, wurde mit den neuen Falldefinitionen die Referenzdefinition um diese Fälle erweitert, sodass zukünftig die

Kategorie C: Klinisch-labordiagnostisch bestätigte Erkrankung

Kategorie D: Labordiagnostisch nachgewiesene Infektion bei nicht erfülltem klinischen Bild

und

Kategorie E: Labordiagnostisch nachgewiesene Infektion bei unbekanntem klinischen Bild

der Referenzdefinition entsprechen und diese Fälle in diese Publikationen eingeschlossen werden. Es ist zu erwarten, dass die Zahl der publizierten Hepatitis-D-Fälle nach Referenzdefinition zukünftig dadurch höher sein wird als bisher.

Stand: 25.03.2015

Zusatzinformationen

Gesundheitsmonitoring

In­fek­ti­ons­schutz

Forschung

Kom­mis­sio­nen

Ser­vice

Das Robert Koch-Institut ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit

© Robert Koch-Institut

Alle Rechte vorbehalten, soweit nicht ausdrücklich anders vermerkt.