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Hepatitis C

Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Infektionsschutzgesetz und Meldewesen

Stand: 25.3.2015

Wie ist die Labordiagnostik einer Hepatitis-C-Infektion gemäß den Leitlinien empfohlen?

In den klinischen Leitlinien ist das diagnostische Vorgehen folgendermaßen empfohlen:

Das HCV-"Screening" basiert auf der Bestimmung von Antikörpern gegen HCV (anti-HCV), z.B. mit einem Immunoassay. Positive (reaktive) Befunde sind zur Sicherung der Diagnose einer HCV-Infektion durch einen HCV-RNA-Nachweis zu verifizieren.

Insbesondere bei Immunkompromittierten, HIV-Infizierten und Dialyse-Patienten können anti-HCV-Antikörper fehlen, sodass unabhängig vom Ergebnis des Antikörpernachweises zusätzlich eine HCV-RNA-Bestimmung erfolgen sollte.

Bei Verdacht auf eine akute HCV-Infektion erfolgt der Nachweis direkt durch die Bestimmung der HCV-RNA.

Bestimmungen des HCV-Genotyps und der HCV-RNA-Konzentration dienen der Planung und Überwachung einer antiviralen Kombinationstherapie.

Quelle:

S3-Leitlinie (AWMF Reg.-Nr. 021/012) der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten und des Kompetenznetzes Hepatitis "Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-C-Virus (HCV) - Infektion". Z. Gastroenterol. 48: 289-351 (2010)

(Anmerkung des RKI: Die Leitlinie ist abgelaufen und wird derzeit überprüft und soll zum 30.11.2015 fertig gestellt werden. Es ist allerdings nicht zu erwarten, dass im Absatz zur Diagnostik entscheidende Änderungen vorgenommen werden.)

Stand: 25.03.2015

Wann besteht bei Hepatitis C eine Meldepflicht für Ärzte?

Gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 1 IfSG gilt eine namentliche Meldepflicht für den Krankheitsverdacht, die Erkrankung sowie den Tod an akuter Virushepatitis.

Erläuterung:

Die Meldung eines Krankheitsverdachtes an akuter Virushepatitis ist zur schnellen Aufdeckung von Infektionsquellen erforderlich. Diese können im Fall von Hepatitis B, C und/oder D insbesondere Sexualkontakte und Kontakte mit Blut von Infizierten (über Utensilien zum injizierenden Drogenkonsum, Tätowiermaterial, medizinische Praktiken, Blutprodukte) sein. Akute Fälle einer Hepatitis B, C und/oder D können auf kontaminierte Gegenstände z.B. in Täto­wier­studios oder auf symptomlos infizierte Personen, z.B. medizi­ni­sches Personal, hinweisen. In Anbetracht der langen Inkuba­tions­zeiten sind diese Infektionsquellen jedoch in Einzel­fällen nicht mehr feststellbar. Liegen mehrere Fälle vor, ist häufig bereits eine spezifische Infek­tions­diag­nostik erfolgt, sodass die wesentlichen Erkenntnisse durch die Meldung nach § 7 IfSG erzielt werden. Dies gilt auch für die meisten Einzel­fälle, die meist innerhalb kurzer Zeit labor­diagnostisch abgeklärt werden, sodass die Meldung nach § 7 unmittelbar auf eine Verdachts­meldung nach § 6 folgt.

Stand: 25.03.2015

Wie erfolgt die Arzt-Meldung von Hepatitis C gemäß § 6 IfSG?

Nach § 8 Abs. 1 Nr. 1 IfSG ist der feststellende Arzt zur Meldung gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 1 verpflichtet. In Krankenhäusern oder anderen Einrichtungen der stationären Pflege ist für die Einhaltung der Meldepflicht neben dem feststellenden Arzt auch der leitende Arzt, in Krankenhäusern mit mehreren selbständigen Abteilungen der leitende Abteilungsarzt, in Einrichtungen ohne leitenden Arzt der behandelnde Arzt verantwortlich.

Nach § 8 Abs. 1 Nr. 7 sind auch die Leiter von Pflegeeinrichtungen, Justizvollzugsanstalten, Heimen, Lagern oder ähnlichen Einrichtungen zur Meldung nach § 6 Abs. 1 Nr. 1 verpflichtet.

Nach § 9 Abs. 3 hat die namentliche Meldung nach § 6 Abs. 1 unverzüglich zu erfolgen und soll spätestens innerhalb von 24 Stunden nach erlangter Kenntnis dem für den Aufenthalt des Betroffenen zuständigen Gesundheitsamt vorliegen.

Stellt sich nach einer Verdachtsmeldung heraus, dass sich der gemeldete Verdachtsfall nicht bestätigt hat, so ist dies gemäß § 8 Abs. 5 IfSG dem Gesundheitsamt mitzuteilen. Dadurch soll das Gesundheitsamt von unnötigen Ermittlungstätigkeiten schnellstmöglich entlastet werden.

Ein Mustervorschlag des RKI für einen Meldebogen gemäß § 6 sowie die Meldebögen aller Bundesländer sind unter www.rki.de > Infektionsschutz > Infektionsschutzgesetz > Meldebögen > gemäß § 6 (Arzt) verlinkt.

Stand: 25.03.2015

Wann besteht bei Hepatitis C eine Meldepflicht für Labore?

Gemäß § 7 Abs. 1 IfSG gilt eine namentliche Meldepflicht für alle Nachweise einer Hepatitis C (HCV), soweit nicht bekannt ist, dass eine chronische Infektion vorliegt.
Abweichend von der allgemeinen gesetzlichen Regelung in § 7 Abs. 1 Nr. 1 IfSG sind erstmalig diagnostizierte Nachweise von Hepatitis-C-Virus zu melden, unabhängig davon, ob sie auf eine akute Infektion hinweisen. Hintergrund ist zum einen, dass die verfügbaren Labortests keine Differenzierung zwischen einer akuten und einer chronischen Infektion erlauben. Zum anderen verläuft die Mehrzahl der Hepatitis-C-Neuinfektionen asymptomatisch, sodass akute Infektionen in aller Regel nicht in diesem frühen Infektionsstadium diagnostiziert werden, sondern erstmals dann diagnostiziert werden, wenn sie bereits chronisch sind.

Stand: 25.03.2015

Welche Hepatitis-C-Fälle (und welche Informationen zu einem Hepatitis-C-Fall) sollen vom Gesundheitsamt über die zuständige Landesbehörde an das RKI übermittelt werden?

Gemäß Infektionsschutzgesetz sind alle Fälle von Hepatitis-C-Virus(HCV)-Infektion über die zuständige Landesbehörde an das Robert Koch-Institut zu übermitteln, bei denen eine vorhergehende Meldung bisher nicht bekannt ist. Nach der neuen Falldefinition ist der direkte Erregernachweis aus Blut maßgeblich für die Übermittlung.

Ein erstmaliger alleiniger (durch Immunoblot bestätigter) HCV-AK-Nachweis ohne Erreger-Nachweis (HCV-RNA-Nachweis, Viruslastbestimmung, HCV-Core-Antigennachweis liegen nicht vor oder sind negativ) muss nach den neuen Falldefinitionen nicht mehr übermittelt werden.

Jedoch sollen bei einem vorliegenden direkten Erregernachweis als Zusatzinformation das Ergebnis des Antikörpernachweises und Informationen zu einem vorausgegangenen negativen Antikörpernachweis innerhalb der letzten 12 Monate mitgeteilt werden.

Folgende dem Labor vorliegende Befundkonstellationen sollen übermittelt werden:

Positiver Befund mit mindestens einer der beiden folgenden Methoden:
[direkter Erregernachweis nur aus Blut:]

  • Nukleinsäurenachweis (z.B. PCR)
  • HCV-Core-Antigennachweis (z.B. Immunoassay)

Zusatzinformation:

Zur Beurteilung der Akuität oder Chronizität eines Falls sollen bei Vorliegen eines labordiagnostischen Nachweises folgende Zusatzinformationen gemeldet werden:

  • Ergebnis des Antikörpernachweises (z.B. Anti-HCV-ELISA),
  • vorausgegangener negativer Antikörpernachweis innerhalb der letzten 12 Monate.

Bei den klinischen Kriterien sind das Vorliegen erhöhter Serumtransaminasen (GOT/GPT) sowie weitere klinische Symptome einer Hepatitis (Ikterus, Oberbauchschmerzen) zu übermitteln.

Stand: 25.03.2015

Warum wurde die Falldefinition für Hepatitis C zum 1.1.2015 geändert?

Die bisherige Falldefinition, nach der der alleinige (bestätigte) Antikörpernachweis ausreichte, hat nach Einschätzung des RKI in einem unbestimmten Anteil der Fälle zur Meldung von bereits spontan ausgeheilten und eventuell auch von erfolgreich therapierten Infektionen geführt, sowie darüber hinaus zu einer unbekannten Zahl von Mehrfachmeldungen und -erfassungen.

Da aber bei ausschließlich Antikörper-positiven HCV-Infektionen kein Handlungsbedarf im Sinne von Aufklärung, Infektionsschutz, Unterbrechung von Transmissionen oder Therapie besteht, müssen diese Infektionen dem Gesundheitsamt auch nicht bekannt werden. Bei aktiven, virämischen Infektionen hingegen besteht für das Gesundheitsamt unabhängig von ihrer Chronizität oder Akuität eindeutiger Handlungsbedarf.

Die Abwägung hat zu der Entscheidung geführt, einer Falldefinition den Vorzug zu geben, die eine Annäherung an die wahre Inzidenz von Neudiagnosen erlaubt. Es ist zu erwarten, dass die neue Falldefinition zu einer geringeren Meldeinzidenz führen wird.

Eine telefonische Umfrage bei 25 Routinelaboren (Zufallsauswahl) Ende 2013 / Anfang 2014 zum Routine-Diagnostik-Ablauf bei der Hepatitis-C-Diagnostik ergab, dass in den meisten Laboren im Regelfall einem reaktiven Antikörper-Suchtest teilweise ein Bestätigungstest (Immunoblot), aber mehrheitlich eine PCR folgt. Allerdings ziehen nicht alle Antikörpernachweise in der Routinediagnostik einen Erregernachweis nach sich.

Es ist aber zu erwarten, dass aufgrund neuer Behandlungsoptionen der Hepatitis C zukünftig mehr Patienten der Diagnostik zugeführt werden, um eine Therapieentscheidung zu treffen. Die medikamentöse Heilung der bisher zurückhaltend behandelten HCV-Infektion ist nun möglich und wird zunehmend zum Einsatz kommen. Eine Entscheidung für oder gegen eine medikamentöse Behandlung erfordert zunächst eine Aussage über das Vorliegen einer Virämie.

Der HCV-Core-Antigennachweis wurde als Alternative in die Falldefinition aufgenommen, um damit die deutschen den europäischen Falldefinitionen anzupassen, wird jedoch nicht häufig in der Routinediagnostik verwendet.

Stand: 25.03.2015

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