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Hepatitis B

Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Infektionsschutzgesetz und Meldewesen

Stand: 25.3.2015

Wie ist die Labordiagnostik einer Hepatitis-B-Infektion gemäß den Leitlinien empfohlen?

In den klinischen Leitlinien ist das diagnostische Vorgehen folgendermaßen empfohlen: Die virologisch-serologische Diagnostik bei Verdacht auf eine akute Hepatitis B sollte den Nachweis von HBsAg, Anti-HBc (gesamt), falls positiv auch Anti-HBc-IgM, umfassen sowie bei Bedarf HBeAg und Anti-HBe. In seltenen Fällen (HBsAg-negative akute Hepatitis B) führt erst die Bestimmung der HBV-DNA (quantitativ) zur korrekten Diagnose.

Stufenschema 1: Serologische Diagnostik bei V. a. akute HBV-Infektion

Initial: HBsAg und Anti-HBc
  • falls beide positiv:
    HBeAg, Anti-HBe; Anti-HBc IgM;
    bei schwerem Verlauf: Anti-HDV und HBV-DNA quantitativ
  • falls HBsAg isoliert positiv:
    HBsAg-Bestätigungstest (Ausschluss einer falsch positiven Reaktion)

    • falls bestätigt positiv: HBeAg, HBV-DNA;
      nach 2 – 4 Wochen Kontrolle: HBsAg, Anti-HBc und Anti-HBc IgM
  • falls nur Anti-HBc positiv: Anti-HBs

    • falls Anti-HBs positiv:
      durchgemachte HBV-Infektion mit klinischer Ausheilung
    • falls Anti-HBs negativ oder ALT erhöht:
      Anti-HBc-IgM; HBV-DNA quantitativ
      (DD: akute HBV-Infektion/ HBV-Escape-Variante/"Anti-HBc only");

Die Diagnostik bei Verdacht auf eine chronische Hepatitis B erfordert sinnvoll aufeinander abgestimmte Schritte. Zu diesen gehören der Nachweis von HBsAg und Anti-HBc (gesamt), HBV-DNA (quantitativ) und HBeAg/Anti-HBe.

Stufenschema 2: Serologische Diagnostik bei V. a. chronische HBV-Infektion

Initial: HBsAg und Anti-HBc
  • falls beide positiv:
    HBeAg, Anti-HBe; Anti-HBc IgM (bei DD: akute Hepatitis B);
    Anti-HDV und HBV-DNA quantitativ
  • falls HBsAg isoliert positiv:
    HBsAg-Bestätigungstest (Ausschluss einer falsch positiven Reaktion)

    • falls bestätigt positiv: 
      HBeAg, HBV-DNA; (DD: akute/okkulte HBV-Infektion);
      nach 2 – 4Wochen Kontrolle Anti-HBc
  • falls nur Anti-HBc positiv: Anti-HBs

    • falls negativ: Anti-HBc bestätigen,
    • wenn bestätigt: "Anti-HBc only"-Status,
      bei klinischen Symptomen oder Frage der Infektiosität: HBV-DNA quantitativ
    • wenn HBV-DNA positiv: okkulte HBV-Infektion

Quelle:

S3-Leitlinie (AWMF Reg.-Nr. 021/011) der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten und des Kompetenznetzes Hepatitis "Aktualisierung der S3-Leitlinie zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virusinfektion". Z. Gastroenterol. 49: 871–930 (2011)

Stand: 25.03.2015

Wann besteht bei Hepatitis B eine Meldepflicht für Ärzte?

Gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 1 IfSG gilt eine namentliche Meldepflicht für den Krankheitsverdacht, die Erkrankung sowie den Tod an akuter Virushepatitis.

Erläuterung:

Die Meldung eines Krankheitsverdachtes an akuter Virushepatitis ist zur schnellen Aufdeckung von Infektionsquellen erforderlich. Diese können im Fall von Hepatitis B, C und/oder D insbesondere Sexualkontakte und Kontakte mit Blut von Infizierten (über Utensilien zum injizierenden Drogenkonsum, Tätowiermaterial, medizinische Praktiken, Blutprodukte) sein. Akute Fälle einer Hepatitis B, C und/oder D können auf kontaminierte Gegenstände z.B. in Tätowierstudios oder auf symptomlos infizierte Personen, z.B. medizinisches Personal, hinweisen. In Anbetracht der langen Inkubationszeiten sind diese Infektionsquellen jedoch in Einzelfällen nicht mehr feststellbar. Liegen mehrere Fälle vor, ist häufig bereits eine spezifische Infektionsdiagnostik erfolgt, sodass die wesentlichen Erkenntnisse durch die Meldung nach § 7 IfSG erzielt werden. Dies gilt auch für die meisten Einzelfälle, die meist innerhalb kurzer Zeit labordiagnostisch abgeklärt werden, sodass die Meldung nach § 7 unmittelbar auf eine Verdachtsmeldung nach § 6 folgt.

Stand: 25.03.2015

Wie erfolgt die Arzt-Meldung von Hepatitis B gemäß § 6 IfSG?

Nach § 8 Abs. 1 Nr. 1 IfSG ist der feststellende Arzt zur Meldung gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 1 verpflichtet. In Krankenhäusern oder anderen Einrichtungen der stationären Pflege ist für die Einhaltung der Meldepflicht neben dem feststellenden Arzt auch der leitende Arzt, in Krankenhäusern mit mehreren selbständigen Abteilungen der leitende Abteilungsarzt, in Einrichtungen ohne leitenden Arzt der behandelnde Arzt verantwortlich.
Nach § 8 Abs. 1 Nr. 7 sind auch die Leiter von Pflegeeinrichtungen, Justizvollzugsanstalten, Heimen, Lagern oder ähnlichen Einrichtungen zur Meldung nach § 6 Abs. 1 Nr. 1 verpflichtet.
Nach § 9 Abs. 3 hat die namentliche Meldung nach § 6 Abs. 1 unverzüglich zu erfolgen und soll spätestens innerhalb von 24 Stunden nach erlangter Kenntnis dem für den Aufenthalt des Betroffenen zuständigen Gesundheitsamt vorliegen.
Stellt sich nach einer Verdachtsmeldung heraus, dass sich der gemeldete Verdachtsfall nicht bestätigt hat, so ist dies gemäß § 8 Abs. 5 IfSG dem Gesundheitsamt mitzuteilen. Dadurch soll das Gesundheitsamt von unnötigen Ermittlungstätigkeiten schnellstmöglich entlastet werden.
Ein Mustervorschlag des RKI für einen Meldebogen gemäß § 6 sowie die Meldebögen aller Bundesländer sind unter www.rki.de > Infektionsschutz > Infektionsschutzgesetz > Meldebögen > gemäß § 6 (Arzt) verlinkt.

Stand: 25.03.2015

Wann besteht bei Hepatitis B eine Meldepflicht für Labore?

Gemäß § 7 Abs. 1 IfSG gilt eine namentliche Meldepflicht für alle Nachweise einer Hepatitis B, die auf eine akute Infektion hinweisen.
Darunter können auch direkte Erregernachweise einer Hepatitis-B-Infektion fallen, bei denen eine Einschätzung der Akuität oder Chronizität allein durch die Laborparameter nicht möglich ist.
Nach IfSG nicht meldepflichtig sind Labornachweise, die auf eine Hepatitis B hindeuten, wenn Informationen vorliegen, dass die Infektion bereits gemeldet wurde.

Stand: 25.03.2015

Welche Hepatitis-B-Fälle (und welche Informationen zu einem Hepatitis-B-Fall) sollen vom Gesundheitsamt über die zuständige Landesbehörde an das Robert Koch-Institut übermittelt werden?

Gemäß § 11 Abs. 1 IfSG sind die an das Gesundheitsamt gemeldeten Nachweise von Hepatitis-B-Virus gemäß der nach § 4 Abs. 2 Nr. 2 veröffentlichten Falldefinitionen über die zuständige Landesbehörde an das Robert Koch-Institut zu übermitteln.

Folgende dem Labor vorliegende Befundkonstellationen einer Hepatitis-B-Infektion sind nach den aktuellen Falldefinitionen zu übermitteln:

Positiver Befund mit mindestens einer der beiden folgenden Methoden:
[direkter Erregernachweis aus Blut:]

  • Nukleinsäurenachweis (z.B. PCR),
  • HBs-Antigennachweis (z.B. ELISA), bestätigt durch mindestens eine der drei folgenden Methoden:

    • Zusatztest (z.B. HBsAg-NT),
    • Anti-HBc-Gesamt-Antikörpernachweis (indirekter (serologischer) Nachweis),
    • HBe-Antigennachweis.

Der direkte Erregernachweis (Nukleinsäurenachweis oder durch Zusatztest bestätigtes HBsAg) weist auf eine replizierende Hepatitis-B-Infektion hin. Zur Beurteilung der Akuität oder Chronizität eines Falls sind folgende Zusatzinformationen nötig, die bei Vorliegen eines labordiagnostischen Nachweises die Meldung ergänzen sollen:

Zusatzinformation:

  • Anti-HBc-IgM Antikörpernachweis (z.B. ELISA),
  • vorausgegangener negativer HBV-DNA- oder HBsAg-Status innerhalb der letzten 6 Monate.

Die Bewertung von Antigen- und Antikörpernachweisen setzt die Kenntnis eines eventuellen zeitlichen Zusammenhangs mit einer Hepatitis-B-Impfung voraus. Beispielsweise kann eine innerhalb der letzten 4 Wochen erfolgte Hepatitis-B-Impfung einen falsch-positiven HBsAg-NT verursachen.

Bei den klinischen Kriterien sind das Vorliegen erhöhter Serumtransaminasen (GOT/GPT) sowie weitere klinische Symptome einer Hepatitis (Ikterus, Oberbauchschmerzen) zu übermitteln.

Ein der Falldefinition entsprechender Hepatitis-B-Fall ist nicht zu übermitteln, wenn dem zuständigen Gesundheitsamt die Information vorliegt, dass eine Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus bereits zu einem früheren Zeitpunkt nachgewiesen wurde.

Stand: 25.03.2015

Warum wurde die Falldefinition für Hepatitis B zum 1.1.2015 geändert?

Die neuen Falldefinitionen wurden dahingehend geändert, dass nur noch der direkte Hepatitis-B-Erregernachweis einen Fall definiert.

Durch die Aufnahme der Möglichkeit, einen HBs-Antigennachweis durch das Vorliegen von HBe-Antigen zu bestätigen, erfolgte außerdem eine Anpassung an die empfohlene Diagnostik nach Stufenschema (siehe "Wie ist die Labordiagnostik einer Hepatitis-B-Infektion gemäß den Leitlinien empfohlen?").

Der Anti-HBc-IgM-Antikörpernachweis, der nach den bisherigen Falldefinitionen als alleiniger serologischer Marker ausreichte, um die labordiagnostischen Kriterien der Falldefinition zu erfüllen, wurde aus folgenden Gründen in die Zusatzinfomationen aufgenommen: Der Anti-HBc-IgM-Antikörpernachweis als Hinweis auf eine akute HBV-Infektion ist weder bei jeder akuten HBV-Infektion nachweisbar noch spezifisch für eine akute HBV-Infektion. Er kann auch bei bestimmten Formen chronischer Infektionen nachweisbar sein und wurde deshalb als alleiniges Kriterium zur Erfüllung der Falldefinition entfernt. Er soll aber als Zusatzinformation angegeben werden, falls er nachgewiesen wurde.

Eine weitere Änderung betrifft bei Hepatitis B die Kategorien der Falldefinition, nach der die Landesbehörden und das Robert Koch-Institut Fälle in ihren Standard-Statistiken publizieren. Fälle, bei denen das klinische Bild unbekannt oder nicht erfüllt ist (Kategorien D und E der Falldefinition) entsprachen nach den alten Falldefinitionen nicht der Referenzdefinition und wurden daher in diesen Statistiken nicht veröffentlicht.

Da eine klinische Symptomatik nicht immer vorliegt, wurde mit den neuen Falldefinitionen die Referenzdefinition um diese Fälle erweitert, sodass zukünftig die

  • Kategorie C: Klinisch-labordiagnostisch bestätigte Erkrankung
  • Kategorie D: Labordiagnostisch nachgewiesene Infektion bei nicht erfülltem klinischen Bild

und

  • Kategorie E: Labordiagnostisch nachgewiesene Infektion bei unbekanntem klinischen Bild

der Referenzdefinition entsprechen und diese Fälle in diese Standard-Publikationen eingeschlossen werden. Damit erfolgte eine Anpassung an die europäischen Falldefinitionen. Es ist zu erwarten, dass die Zahl der publizierten Hepatitis-B-Fälle nach Referenzdefinition zukünftig dadurch deutlich höher sein wird als bisher.

Ein weiterer Grund für diese Änderung war die Tatsache, dass zu erwarten ist, dass aufgrund der seit 1995 empfohlenen generellen Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche die geimpften Kohorten in Deutschland nachwachsen. Das zeigen bereits die Vergleiche der bevölkerungsbezogenen Gesundheitssurveys von 1998-2001 und 2008-2011 (siehe Basispublikation im Bundesgesundheitsblatt Mai/Juni 2013) sowie die Schuleingangsuntersuchungen (siehe unter www.rki.de > Infektionsschutz > Impfen > Impfquoten > Schulanfänger).

Es ist zu erwarten, dass dadurch die Zahl der Hepatitis-B-Fälle in Deutschland zukünftig weiter abnimmt. Umso wichtiger wird es sein, allen aktiven, d.h. infektiösen und damit übertragbaren, Hepatitis-B-Infektionen nachzugehen, unabhängig von der Ausprägung ihrer Symptomatik und ihrer Akuität oder Chronizität.

Stand: 25.03.2015

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