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Antworten auf häufig gestellte Fragen zur HIV-Infektion und AIDS

Stand: 27.07.2015

Wie lange überlebt HIV außerhalb des Körpers?

HIV kann, je nach Umgebungsbedingungen, auch außerhalb des Körpers seine Infektiosität noch tagelang behalten. Für die Frage der An­ste­ckung­smöglichkeiten ist dies im Alltag aber meist wenig relevant, da in der Regel keine geeignete Eintrittspforte für das Virus mehr besteht. Dies gilt auch für Blut oder Sperma an Gegenständen. Sobald potentiell infektiöse Kör­per­flüs­sig­keit­en angetrocknet sind, besteht in der Regel keine Möglichkeit einer In­fek­ti­onsübertragung mehr. Wenn Ejakulat allerdings in Scheide, Darm oder Mund aufgenommen wird, kann darin enthaltenes Virus natürlich eine In­fek­ti­on verursachen. Auch wenn angetrocknetes Blut wieder in Lösung gebracht wird (z.B. bei Wiederverwendung einer gebrauchten Spritze) und aktiv in den Körper eingebracht (z.B. injiziert) wird, besteht ein Infektionsrisiko. Der blosse Hautkontakt, auch der flüchtige Kontakt mit verletzter Haut, erlaubt kein Eindringen des Virus in den Körper. Die Botschaft, dass HIV außerhalb des Körpers schnell "abstirbt", ist also eine der Realität nicht ganz gerecht werdende Vereinfachung eines etwas komplizierteren Sachverhaltes, zumal Viren ja keine Lebewesen mit eigenem Stoffwechsel sind. Viren "sterben" daher nicht, sondern können höchstens inaktiviert werden bzw. ihre In­fek­ti­onsfähigkeit verlieren.

Stand: 26.11.2013

Wie lange ist die Zeitdauer zwischen Infektion und Nachweisbarkeit von Antikörpern?

Die Zeitdauer zwischen Infektion und Nachweisbarkeit von Anti­körpern kann individuell variieren. Wir gehen auf Grundlage der vorliegenden Daten und Untersuchungen davon aus, dass bei Ver­wendung eines modernen Su­ch­testes der 4. Generation in aller Regel spätestens sechs Wochen nach einer Infektion das Test­er­gebnis reaktiv wird. Wird die Blutprobe gemäß der Em­pfehlungen der DVV* in einem Bestätigungstest (Immunoblot oder Nu­kle­in­säu­re­amplifikations­test (NAT)) weiter untersucht, kann damit schon zu diesem Zeitpunkt sicher festgestellt werden, ob eine HIV-Infektion vorliegt. Früher wurde als maximaler Zeitraum bis zum be­stätigten Nachweis einer HIV-Infektion ein Zeitraum von 12 Wochen an­ge­geben, da man auf die Bildung von Antikörpern für die Diag­nostik angewiesen war. Dieser Zeitraum hat sich durch die Ver­besserung der Testverfahren und insbesondere durch die Mög­lich­keit, den direkten Nachweis von Virusmaterial (p24-Antigen) im Suchtest der 4. Generation durchzuführen, von 12 auf 6 Wochen verkürzt.

Etwa 10-11 Tage liegen im Durchschnitt zwischen der Infektion mit dem Virus und dem frühest möglichen Nachweis einer messbaren Virusvermehrung im Blut mittels sensitiver NAT (z.B. PCR-Test). Der Nachweis von viralem p24-Antigen benötigt im Durchschnitt 16-18 Tage, und ca. 22 Tage vergehen in der Regel bis zur Nach­weis­bar­keit von Antikörpern. Wie schnell es vom Zeit­punkt des Eindringens des Virus in den Körper an gerechnet zu einer starken Vermehrung des Virus und zur Antikörperbildung kommt, ist von ver­schiedenen Faktoren abhängig und kann, wie bereits angemerkt, von In­di­vi­du­um zu In­di­vi­du­um unterschiedlich sein.

In Deutschland sind einige „HIV-Schnellteste“ zugelassen. Das Wort Schnell­test darf aber nicht so verstanden werden, dass eine In­fek­tion früher als mit einem normalen Test diagnostiziert werden kann. Mit Schnelltesten kann ein Testergebnis innerhalb kurzer Zeit (ca. 15 Minuten) erhalten werden. Diese Teste sind aber weniger genau als die üblichen in Labors durch­ge­führten ELISA-Suchteste (mehr falsch positive Ergebnisse) und bedürfen daher bei positivem Testergebnis einer Bestätigung im Labor. Schnellteste erkennen frische In­fek­ti­onen eher etwas später als die etwas emp­find­lich­eren Laborteste, insbesondere wenn die Teste mit Vollblut, Kapillar­blut oder Oral­flüs­sig­keit durchgeführt werden. Der Zeitraum bis eine Infektion mit einem Schnelltestergebnis sicher ausgeschlossen werden kann ist daher mit 12 Wochen länger als bei Durchführung einer optimalen Labor­diagnostik (6 Wochen).

*Nachweis einer Infektion mit Humanem Immundefizienzvirus (HIV): Serologisches Screening mit nachfolgender Bestätigungsdiagnostik durch Antikörper-basierte Testsysteme und/oder durch HIV-Nukleinsäure-Nachweis

Stellung­nahme zur HIV-Stufen­diagnostik, Bundes­gesund­heits­blatt (14.7.2015)

Stand: 27.07.2015

Welche Sensitivität und Spezifität weisen die Testsysteme zum Nachweis einer HIV-Infektion auf?

Die Spezifität eines durch Western-Blot bestätigten positiven ELISA-Er­geb­nis­ses dürfte bei 100% liegen, sofern die Beurteilung des Western-Blots korrekt erfolgt. Neben der Interpretation des Western-Blot-Er­geb­nis­ses ist eine weitere Fehlerquelle die Probenverwechslung, welche beim Einsender und beim Labor erfolgen kann. Die Wahr­schein­lich­keit einer solchen Proben­ver­wechslung dürfte deutlich höher sein als die Wahrscheinlichkeit eines gleich­zeitig falsch positiven Western-Blots und falsch positiven Elisa-Er­geb­nis­ses. Zur weiteren Erhöhung der Ergebnissicherheit sollte daher bei erstmals positivem HIV-Test aus einer zweiten Blutentnahme die Bestimmung wiederholt werden. Wenn so vor­ge­gangen wird, sind falsch positive Er­geb­nis­se nach menschlichem Ermessen auszuschließen.

Zur Sensitivität ist anzumerken, dass ein Elisa richtig positiv ausfallen kann, ohne dass im Western-Blot (bereits) alle für eine positive Befundung er­for­der­lich­en Banden nachweisbar sind. In einem solchen Falle ist das Western-Blot-Ergebnis in der Regel nicht eindeutig interpretierbar und das Un­ter­su­chungs­labor würde eine erneute Un­ter­su­chung empfehlen.

Stand: 26.11.2013

Kann ich mich, statt zu einem Arzt oder zu einem Gesundheitsamt zu gehen, auch selbst mit einem im Internet bestellten 'HIV-Heimtest' auf eine HIV-Infektion untersuchen?

HIV-Schnelltests zur Eigenanwendung, so genannte "HIV-Heimtests", werden in letzter Zeit verstärkt über das Internet angeboten. Die Anwendung dieser Tests durch den Laien und die fehlende Beratung zu dem Testergebnis birgt allerdings Risiken in sich, auf die im folgenden Informationsblatt näher ein­ge­gangen wird. Hinzu kommt, dass es für den potentiellen Käufer ins­be­son­de­re bei Angeboten aus dem Ausland nicht ersichtlich ist, ob der angebotene HIV-Test die gesetzlichen Anforderungen erfüllt, die für diese Art von Tests gelten.

Weitere Informationen

Allgemeine Information zu den Risiken eines „HIV-Heimtests“ (PDF, 171 KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Stand: 26.11.2013

Bei welcher Art von Kontakten kann HIV übertragen werden? Wie verläuft eine HIV-Infektion?

Allgemeines Informationsmaterial zu Übertragungswegen und Krankheitsverlauf können Sie über die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung oder die Deutsche AIDS-Hilfe e.V. erhalten.

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
51101 Köln
Fax: 0221/ 8992 257
E-Mail: order@bzga.de
Internet: www.bzga.de
Persönliche anonyme Telefonberatung der BZgA: 0221/ 89 20 31

Deutsche AIDS-Hilfe e.V.
Postfach 610149
10921 Berlin
Fax: 030/ 6904 1300
Internet: www.aidshilfe.de

Stand: 26.11.2013

Wie sicher ist ein negatives HIV-Testergebnis 4 - 6 - 8 - 12 Wochen nach einem möglichen Infektionsrisiko? Muss ich mich noch mal testen lassen?

Ein HIV-Test ist prinzipiell nur dann sinnvoll, wenn tatsächlich ein In­fek­ti­ons­risiko bestanden hat, d.h. in erster Linie (im Hinblick auf sexuelle Risiken) nach einem ungeschützten Anal- oder Vaginal­verkehr mit einer Person, von der nicht bekannt ist, ob sie HIV-infiziert ist oder von der bekannt ist, dass sie HIV-infiziert ist. Oralverkehr beinhaltet ein deutlich geringeres, aber nicht völlig aus­zuschließendes Übertragungsrisiko, in erster Linie wenn es zur Aufnahme von Sperma oder Vaginalsekret in den Mund kommt.

Falls eine HIV-Infektion übertragen wird, lässt sich im Durchschnitt nach 11 Tagen mit sehr empfindlichen Messmethoden erstmals Virus im Blut nach­wei­sen, kombinierte Antikörper-Antigen-Suchteste fallen nach spä­tes­tens 6 Wochen positiv aus, reine Antikörper-Suchteste und Schnellteste nach spätestens 12 Wochen.

In den meisten deutschen Diagnostiklaboren werden kombinierte Antikörper-Antigen-Suchteste eingesetzt. Mit diesen kann in der Regel nach spätestens sechs Wochen festgestellt werden, ob eine HIV-Infektion vorliegt, wenn die Blutprobe gemäß der Empfehlungen der DVV* in einer Zweistufendiagnostik untersucht worden ist.

Früher wurde als maximaler Zeitraum bis zum bestätigten Nachweis einer HIV-Infektion ein Zeitraum von 12 Wochen angegeben. Dieser Zeitraum hat sich durch die Verbesserung der Testverfahren und durch die Möglichkeit, auch den direkten Nachweis von Virusmaterial zur Bestätigung eines re­ak­tiv­en Suchtestes durchzuführen deutlich verkürzt. In der Fachliteratur publizierte Fälle, in denen der Nachweis von Infektionen erst nach längeren Zeiträumen (8-12 Wochen oder länger) möglich war, sind meist älteren Datums und die Un­ter­su­chungen erfolgten mit weniger sensitiven Testsystemen. In wenigen Einzelfällen, wenn z.B. die Antikörperbildung bei einem Menschen durch andere Erkrankungen oder Behandlungen schwer gestört ist, kann der Nach­weis von Antikörpern eventuell verzögert sein. Bei Verwendung von Such­testen der 4. Generation, die über eine Antigenkomponente verfügen, würde aber in diesen Fällen ein Nachweis über die Antigenkomponente des Tests möglich sein.

Eine Nachuntersuchung länger als 6 Wochen nach dem möglichen In­fek­ti­ons­er­eig­nis ist daher nur bei Verwendung von Schnelltesten sowie in Aus­nahme­fällen sinnvoll, z.B. aus versicherungsrechtlichen Gründen bei beruflichen Expositionen.

Bei negativem oder nicht durchgeführtem Suchtest sollte eine PCR-Un­ter­su­chung (direkter Nachweis von viraler Nukleinsäure im Blut), die bei einer Infektion meist ein bis zwei Wochen früher positiv ausfällt als der Antikörper-Suchtest, nur bei einem begründeten Verdacht auf Infektion (Pa­ti­ent mit gesicherter oder sehr wahrscheinlicher Exposition vor 1–3 Wochen und/oder Symptomatik eines akuten retroviralen Syndroms) durchgeführt werden. Die Viruslast sollte in diesen Fällen in der Regel über 100.000 Kopien/ml liegen. Das positive PCR-Ergebnis soll durch die Untersuchung einer zweiten Probe und einer serologischen Verlaufsbeobachtung bestätigt werden. Ein negatives PCR-Ergebnis zu diesem Zeitpunkt kann eine HIV-Infektion nicht aus­schlie­ßen, da das Risiko für ein falsch-negatives Ergebnis im Vergleich zu serologischen Nachweismethoden größer ist.

*Nachweis einer Infektion mit Humanem Immundefizienzvirus (HIV): Serologisches Screening mit nachfolgender Bestätigungsdiagnostik durch Antikörper-basierte Testsysteme und/oder durch HIV-Nukleinsäure-Nachweis

Stellung­nahme zur HIV-Stufen­diagnostik, Bundes­gesund­heits­blatt (14.7.2015)

Stand: 27.07.2015

Gibt es das HI-Virus und ist es für AIDS verantwortlich?

Seit vielen Jahren gibt es kleine Gruppen sog. AIDS-Kritiker, die einen Zu­sam­men­hang zwischen HIV und AIDS leugnen oder sogar die Existenz von HIV in Frage stellen. Die wissenschaftliche Aus­ei­nan­der­set­zung mit den von diesen Personengruppen vertretenen Thesen hat bereits Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre stattgefunden - mit dem Ergebnis, dass die vorgebrachten Einwände und Argumente wissenschaftlich haltlos sind.

Sie finden hier

sowie

eine Stellungnahme zu Hypothesen der sogenannten Perth-Gruppe ("HIV existiert gar nicht") (PDF, 43 KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Stand: 26.11.2013

Wie hoch ist die Übertragungswahrscheinlichkeit von HIV bei verschiedenen Sexualpraktiken?

Zur Frage der Infektionswahrscheinlichkeit bei bestimmten Risikokontakten liegen Daten unterschiedlicher Qualität vor. Am schwierigsten einzuschätzen, obgleich am häufigsten, ist das Übertragungsrisiko bei sexueller Exposition. Extrapolationen von Infektionswahrscheinlichkeiten, die in Langzeitstudien bei diskordanten Paaren oder in Seroinzidenzstudien in den USA erhoben wer­den, können nicht ohne weiteres verallgemeinert oder auf deutsche Ver­hält­nisse übertragen werden. Bei der Abschätzung von Infektionsrisiken muss mit hoher inter- und intraindividueller Heterogenität von In­fek­ti­ons­wahr­schein­lich­keiten/Kontakt gerechnet werden, da die Infektiosität HIV-positiver Personen durch Faktoren wie begleitende virale und bakterielle STDs, aber vermutlich auch durch antiretrovirale Therapien verändert werden und auch die Sus­zep­ti­bi­li­tät des exponierten Partners eine erhebliche Bandbreite aufweisen kann. Unterschiede bei den Faktoren, die die Übertragungswahrscheinlichkeit be­ein­flussen, spielen für die Dynamik der HIV-Epidemie eine größere Rolle als Unterschiede im Sexualverhalten.

Orale Übertragung von HIV

Die Übertragung von HIV durch orale Aufnahme virushaltiger Kör­per­flüs­sig­keiten (Muttermilch, Samenflüssigkeit) ist möglich, während ansonsten orale Kontakte (Küssen, Beißen, Zahnbehandlungen) oder Aerosole (Husten) kein erkennbares Übertragungsrisiko darstellen. Dieses Phänomen wird auf vi­rus­in­aktivierende Eigenschaften des Speichels, insbesondere seine Hypo­to­ni­zi­tät zurückgeführt.

Die Hypotonizität ist besonders effektiv bei der Verhinderung einer zell­ge­bund­enen Virusübertragung (10.000-fache Hemmung infizierter Zellen in vitro) und zeigt nur wenig Effekte auf zellfreies Virus (3-5- fache Hemmung in vitro). Der hypotone Speichel, der zur Lyse von Zellen führt, kann jedoch durch isotone Flüssigkeiten wie Muttermilch und Samenflüssigkeit weitgehend neutralisiert werden. Dazu sind bereits relativ kleine Flüssigkeitsmengen (ca. 0,5ml oder mehr) ausreichend. Auch eine Blutung in den Mund, bei der entsprechende Mengen Blut dem Speichel beigemischt werden, könnte so die über­tra­gungs­hemmenden Eigenschaften des Speichels neutralisieren. Bei einer diffusen Blutung in den Mund dürfte jedoch die hemmende Wirkung von Speichel auf Grund der besseren Durchmischung von Blut und Speichel größer sein als bei der oralen Aufnahme von Sperma oder Muttermilch.

Durch die Spülung mit hypotonem Speichel unterscheiden sich die oralen Schleimhäute deutlich von den genitalen Schleimhäuten und der Rek­tum­schleim­haut. Dass orale Kontakte epidemiologisch eine so geringe Rolle für die Ausbreitung von HIV spielen ist damit ein indirekter Hinweis auf eine grössere Bedeutung der zellgebundenen Virusübertragung verglichen mit der Übertragung durch zellfreies Virus. Für die Prävention ist wichtig, dass der Schutz durch die Hypotonizität des Speichels durch Aufnahme virushaltiger isotoner Flüssigkeiten ausgehebelt werden kann.

Baron S, Poast J, Richardson CJ, Nguyen D, Cloyd M (2000): Oral transmission of human immunodeficiency virus by infected seminal fluid and milk: a novel mechanism. JID 181: 498-504

Weitere Informationen

Risiken und Wege der HIV-Übertragung (Bundesgesundheitsblatt 43/2000) (PDF, 185 KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Zunahme von sexuellem Risikoverhalten und sexuell übertragbaren Infektionen bei homosexuellen Männern (Bundesgesundheitsblatt 45/2002) (PDF, 128 KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Stand: 26.11.2013

Können bei erfolgreicher antiretroviraler Therapie (ART) Kondome bei sexuellen Kontakten weggelassen werden?

Kurzantwort:
Wenn es ausschließlich um die Frage der HIV-Übertragung geht, bietet die Absenkung der HIV-Viruslast auf einen Wert unter 50 Kopien/ml einen ver­gleich­baren Schutz wie die Verwendung eines Kondoms. Aber nur das Kondom bietet auch Schutz vor einer Übertragung anderer sexuell über­trag­barer Infektionen.

Ausführliche Antwort:
Nach sorgfältiger Durchsicht der relevanten publizierten Untersuchungen nimmt das Robert Koch-Institut folgendermaßen Stellung zu der Frage, unter welchen Bedingungen Kondome weggelassen werden können:

Abgeschlossene Studien liegen bislang nur zur Übertragbarkeit von HIV bei stabiler Absenkung der Viruslast unter 50 Kopien/ml zwischen he­te­ro­se­xu­ell­en Sexualpartnern vor. Für eine Studie, die das Übertragungsrisiko innerhalb gleichgeschlechtlicher Partnerschaften von Männern untersucht, liegt ein Zwischenbericht vor. Alle vorliegenden Studien zeigen, dass die Infektiosität unter wirksamer antiretroviraler Behandlung (Viruslast im Plasma niedriger als 50 Viruskopien/ml) drastisch reduziert wird. Infektionen mit anderen sexuell übertragbaren Erregern wie Chlamydien, Gonokokken, Humanen Papilloma-Viren (HPV) und genito-anale Herpesvirusinfektionen scheinen nicht zu einem messbar höheren HIV-Übertragungsrisiko zu führen.

Die begrenzte Datenlage lässt aber noch unterschiedliche Interpretationen zu, ob und wie sich die unterschiedliche Häufigkeit von über­tra­gungs­be­güns­tig­en­den Risikofaktoren bei Heterosexuellen und Männern mit gleich­ge­schlecht­lich­en Sexualkontakten (MSM) auf das HIV-Übertragungsrisiko unter anti­re­tro­viraler Therapie auswirken. Diese Risikofaktoren sind: eine im Vergleich zu anderen genitalen Schleimhäuten höhere Empfänglichkeit der rektalen Schleim­haut für HIV, das bei MSM häufigere Vorkommen anderer sexuell über­trag­barer Infektionen an den rektalen Schleimhäuten und die häufige Ver­wen­dung von Poppers beim Analverkehr. Bislang gibt es jedoch keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass Analverkehr ohne Kondom bei MSM bei einer HIV-Viruslast unter 50 Kopien/ml eher zu einer HIV-Übertragung führt als ein Analverkehr mit einer infizierten und nicht antiretroviral behandelten Person, bei dem ein Kondom verwendet wird.

Um zu entscheiden, ob gefahrlos auf Kondome verzichtet werden kann, muss der Kontext der sexuellen Kontakte berücksichtigt werden. Der größte Un­sicher­heits­faktor bezüglich der Wirksamkeit einer Therapie zur Ver­hin­de­rung einer HIV-Übertragung ist die „Therapietreue“ des Behandelten, d.h. ob dieser die Medikamente tatsächlich regelmäßig einnimmt und der Therapieerfolg kontrolliert wird. Wenn über mehrere Tage keine Medikamenteneinnahme erfolgt, muss mit einer rasch steigenden Infektiosität gerechnet werden. Darüber hinaus wird nicht-monogam lebenden Personen unabhängig vom Vorliegen einer HIV-Diagnose oder der Höhe der Viruslast die Benutzung von Kondomen empfohlen, um das Risiko einer Übertragung weiterer sexuell übertragbarer Infektionen soweit wie möglich zu reduzieren.

Stand: 08.07.2014

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