Navigation und Service

Zielgruppeneinstiege

Antworten des Robert Koch-Instituts auf häufig gestellte Fragen zur Vogelgrippe

Stand: 22.2.2017

Was ist die Vogelgrippe?

Das Wort "Vogelgrippe" (aviäre Influenza) bezeichnet in erster Linie eine Erkrankung durch Influenza-A-Viren bei Vögeln. Vogel­influenza­viren oder aviäre Influenzaviren werden in der Tiermedizin in sogenannte niedrigpathogene (wenig krankmachende) und hoch­patho­gene (sehr stark krankmachende) Influenzaviren – immer bezogen auf das krankmachende Potential für Geflügel - unterteilt. Hoch­patho­gene aviäre Influenza A-Viren der Subtypen H5 und H7 können bei Nutzgeflügel, zum Beispiel Hühnern, zu schweren Schäden an den Tierbeständen führen, weil ein Großteil des infizierten Geflügels an der Krankheit verendet. Daher kommt auch der Begriff "Geflügelpest", die also eine besonders schwere Form der Vogelgrippe meint. In der Umgangssprache werden die Begriffe Geflügelpest und Vogelgrippe jedoch häufig synonym verwendet. Bei Vögeln vorkommende Influenza A-Viren können auch Erkrankungen bei Menschen hervor­rufen und werden dann auch als Vogelgrippe bezeichnet. Die Über­tra­gung von Vogelinfluenzaviren vom Tier auf den Menschen ist nicht sehr effektiv, das heißt, sie sind für den Menschen nicht sehr infektiös. Wenn eine solche Infektion jedoch stattfindet, kann es auch zu schweren Erkrankungen führen.

Stand: 21.05.2015

Was bedeuten „H“ und „N“ bei den Virusbezeichnungen?

Mit H und N werden die beiden wichtigsten Eiweiße auf der Hülle des Influenzavirus, Hämagglutinin und Neuraminidase, abgekürzt. Im Tierreich, insbesondere bei Wasservögeln, existieren unter­schied­liche Ausprägungen davon, die durchnummeriert sind. Das aktuelle, für den Menschen gefährliche Vogelgrippevirus in China beispiels­wei­se ist ein Influenza A-Virus vom Subtyp H7N9. Die in den letzten Jahrzehnten in der menschlichen Bevölkerung zirkulierenden sai­so­na­len „normalen“ Influenzaviren gehören dagegen entweder zum Subtyp H3N2 und H1N1, beides Influenza-A-Viren, oder es sind Influenza B-Viren. Bei Influenza B-Viren werden keine Subtypen unterschieden.

Stand: 21.05.2015

Welche Fälle von Vogelgrippe sind bisher bei Menschen aufgetreten?

Seit dem Jahr 2003 kam es der WHO zufolge zu mehr als 800 Erkrankungen durch hochpathogene aviäre Influenza A(H5N1)-Viren, mehr als die Hälfte der erkrankten Menschen starb. Infektionen mit Influenza A(H5N1) sind in verschiedenen Ländern Asiens, Afrikas und im Nahen Osten aufgetreten. In den vergangenen Jahren wurden die meisten Fälle in Ägypten, Vietnam, Indonesien, Kambodscha und der Volksrepublik China verzeichnet. Anfang 2014 gab es in Kanada einen aus China eingeschleppten Fall. Aktuelle Zahlen sind auf der Internetseite der Weltgesundheitsorganisation abrufbar.

Im April 2013 hat die Weltgesundheitsorganisation erstmals über Vogel­grippe-Fälle aus China berichtet, die durch ein neues, für Geflügel niedrig pathogenes Influenza A(H7N9)-Virus verursacht worden sind. Bis zum 20. Februar 2017 haben sich in China mehr als 1.200 Menschen mit A(H7N9) infiziert. Mindestens 350 Menschen sind gestorben. Einzelne Fälle wurden von China aus nach Hong Kong, Macao, Taiwan, Kanada und Malaysia importiert. Der aktuelle Stand der Erkrankungs- und Todesfälle durch Influenza A(H7N9) ist auf den Internetseiten der Weltgesundheitsorganisation abrufbar. Eine Einschätzung der H7N9-Situation mit weiteren Informationen ist auf den RKI-Internetseiten zur Vogelgrippe zu finden.

Einzelne humane Erkrankungen mit den aviären Influenzaviren A(H10N8) und A(H5N6) wurden in den vergangenen Jahren aus China berichtet.

Eine Übersicht, welche Vogelgrippeviren bereits Erkrankungen beim Menschen verursacht haben, wird unter anderem in einem Fachbeitrag aus dem Jahr 2014 und in einem Bericht der Welternährungsorganisation vom November 2014 dargestellt.

Stand: 22.02.2017

Wie stecken sich Menschen an?

Die meisten der an Influenza A(H5N1) erkrankten Personen hatten im Vorfeld engen Kontakt zu erkranktem oder verendetem Geflügel. Vermutlich müssen Säugetiere und Menschen sehr große Virusmengen aufnehmen, um sich zu infizieren. Selbst bei einer Erkrankung werden Vogelinfluenzaviren aber fast nie auf andere Menschen übertragen, sodass es bisher noch nicht zu einer fortgesetzten Mensch-zu-Mensch-Übertragung gekommen ist. Insgesamt besteht also für die Übertragung von Influenza A(H5N1)-Viren sowohl von Vögeln auf Menschen als auch von Mensch zu Mensch eine erhebliche Barriere.

Auch bei den seit Frühjahr 2013 in Asien aufgetretenen A(H7N9)-Fällen ist die Ansteckungsquelle in den überwiegenden Fällen infiziertes Geflügel oder durch Vogelkot kontaminierte Umgebung in China. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bislang nur in Einzelfällen (alternativ zu einer gemeinsamen Expositionsquelle) von den untersuchenden Behörden in Betracht gezogen (siehe auch: Zusammenfassung der wissenschaftlichen Erkenntnisse über A(H7N9) der Weltgesundheitsorganisation)

Stand: 22.02.2017

Ist die Vogelgrippe für uns in Deutschland gefährlich?

Dem Europäischen Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zufolge könnten durch den derzeitigen Anstieg an A(H7N9)-Infektionen in China möglicherweise auch einzelne Fälle nach Europa importiert werden; allerdings wird das Risiko einer Weiterverbreitung in Europa als gering eingeschätzt (siehe Risikoeinschätzung des ECDC vom 27.1.2017).

Ob sich ein bestimmtes Vogelinfluenzavirus genetisch so verändern und an den Menschen anpassen kann, dass es von Mensch zu Mensch übertragbar wird, lässt sich nicht vorhersagen. Bei den Influenzaviren A(H5N1), das Ende der Neunzigerjahre in Südostasien erstmals bei Menschen gefunden wurde, und A(H7N9), das derzeit in China Erkrankungen auslöst, ist dies bisher nicht geschehen.

Bisherige Erfahrungen mit A(H5N1) haben gezeigt, dass vor allem Menschen mit engem Kontakt zu infiziertem Nutzgeflügel gefährdet sind. Insgesamt ist das Risiko jedoch auch dann als sehr gering einzuschätzen. Dies ergibt sich schon daraus, dass weltweit mehr als hundert Millionen Vögel mit Influenza A(H5N1) infiziert wurden, beim Menschen aber nur wenige hundert A(H5N1)-Fälle bestätigt sind (siehe Frage "Welche Fälle von Vogelgrippe sind bisher bei Menschen aufgetreten?"). In Deutschland ist die Vogelgrippe A(H5N1) bisher in einigen Geflügelbetrieben, bei mehreren hundert Wildvögeln, bei einem Steinmarder und (wäh­rend des Ausbruchs auf Rügen 2006) bei drei streunenden Hauskatzen aufgetreten. Bislang gibt es keine Hinweise, dass Hauskatzen eine Rolle in der Verbreitung von A(H5N1) spielen (siehe die Übersichtsarbeit von Harder und Vahlenkamp, 2010).

Im November 2014 wurde in Deutschland erstmals das hochpathogene Influenzavirus A(H5N8) bei Geflügel nachgewiesen; später auch bei einzelnen Wildvögeln. Seit November 2016 zirkuliert das Influenzavirus A(H5N8) erneut und in viel stärkerem Ausmaß als Ende 2014 verstärkt bei Wildvögeln und Geflügel in Deutschland und anderen Ländern Europas (siehe Informationen des Friedrich-Loeffler-Instituts).

Humane Erkrankungen mit Influenza A(H5N8) sind bisher nicht beobachtet worden, können aber nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Tritt Influenza A(H5N1), A(H5N8), A(H5N2) oder ein anderes Vogelgrippevirus bei Nutzgeflügel auf, sind in erster Linie Beschäftigte in der Geflügelindustrie und Tierärzte in den Betrieben gefährdet, die sich entsprechend den Vorgaben des Arbeitsschutzes schützen müssen; für die breite Bevölkerung wird kein Risiko gesehen. Zu Wildvögeln hat man im Normalfall keinen engen Kontakt; weltweit wurde bislang nur in einem einzigen Fall der A(H5N1)-Erreger von Wildvögeln übertragen: beim Rupfen wilder Schwäne in Aserbaidschan. Bürger sollten kranke oder verendete Tiere aus hygienischen Gründen ohnehin nicht anfassen. Empfehlungen für Haustierhalter und weitere Informationen zu Vogelgrippe bei Tieren sind auf den Internetseiten des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und des Friedrich-Loeffler-Instituts abrufbar, außerdem bei aktuellen Geschehen auf den Internetseiten der Landwirtschafts- bzw. Verbraucherschutzministerien betroffener Bundesländer.

Stand: 22.02.2017

Welches Krankheitsbild weisen Menschen auf, die an aviärer Influenza (Vogelgrippe) erkranken?

Bei einer A(H5N1)-Infektion treten die ersten Symptome in der Regel zwei bis fünf, eventuell bis zu 14 Tagen nach der Infektion auf. Das klinische Bild ist gekennzeichnet durch schwere grippeähnliche Symptome wie hohes Fieber, Husten, Atemnot und Halsschmerzen. Bei mehr als der Hälfte der Fälle kommt es auch zu Durchfall, seltener auch zu Bauchschmerzen und Erbrechen. Im weiteren Verlauf der Erkrankung entwickelt sich meist eine Lungenentzündung, die zu Lungenversagen und Tod führen kann. Etwa die Hälfte aller Patienten mit einer Influenza A(H5N1)-Infektion verstarb an ihrer Erkrankung.

Die Patienten, die sich in China mit A(H7N9) infiziert haben, litten an plötzlich auftretendem hohen Fieber, Husten und weiteren Symptome eines Atemwegsinfekts. Viele entwickelten eine Lungenentzündung mit schwerer Atemnot (respiratorische Insuffizienz).

Informationen zu Krankheitsbild, Diagnostik und Meldepflicht sind im RKI-Ratgeber für Ärzte zu Erkrankungen durch zoonotische Influenzaviren zusammengefasst.

Stand: 22.02.2017

Können Vogelgrippeviren auch von Mensch zu Mensch übertragen werden?

Nach bisherigen Erfahrungen werden Vogelgrippeviren, wenn überhaupt, nicht effektiv von Mensch zu Mensch übertragen. Es gibt bei A(H5N1)-Erkrankungen einzelne Fälle, bei denen ein sehr enger Kontakt zwischen einem später erkrankten Familienmitglied und dem primär Erkrankten bestand, z.B. durch häusliche Krankenpflege. Bei einer Influenza A(H5N1)-Häufung in Indonesien im Jahr 2006, bei der acht Personen einer Familie erkrankten, kam es möglicher­weise auch erstmals zu einer Weiterübertragung des Vogelgrippe-Virus an eine dritte Person (von einer 37 Jahre alten Frau zu ihrem Neffen und von dort an dessen Vater, den Bruder der Frau, siehe Nature, 13. Juli 2006). Auch bei den A(H7N9)-Fällen in China gibt es bislang einzelne Häufungen mit wenigen Fällen, bei denen eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung nicht ausgeschlossen werden kann.

Generell gilt, dass der für das Anheften an die Wirtszellen notwendige Anteil des Virus (Hämagglutinin) nicht gut an menschliche Zellen angepasst ist. Ob sich ein bestimmtes Vogelinfluenzavirus genetisch so verändern und an den Menschen anpassen kann, dass es leicht von Mensch zu Mensch übertragbar wird, lässt sich nicht vorhersagen. Sowohl bei A(H5N1) als auch bei A(H7N9) ist dies bislang nicht passiert.

Stand: 22.02.2017

Ist schon ein Erkrankungsfall beim Menschen durch Vogelgrippeviren in Deutschland aufgetreten?

Bisher ist kein solcher Fall in Deutschland aufgetreten. Durch ein weltweites System von Überwachungsstellen und Referenzlaboratorien wird das Vorkommen von Influenzaviren beim Menschen aufmerksam beobachtet und entsprechende Informationen an die Weltgesundheitsorganisation weitergeleitet. Auch in Deutschland gibt es ein Überwachungssystem für Influenza, das in der Lage ist, das Auftreten solcher Fälle zu erkennen.

Stand: 21.05.2015

Was ist zu beachten, wenn man in Länder oder Gebiete reist, in denen es zu Vogelgrippe-Erkrankungen gekommen ist?

Das ECDC empfiehlt Reisenden in die betroffenen Gebiete Chinas, auf den Besuch von Geflügelmärkten und -farmen zu verzichten, Kontakt zu Geflügel zu vermeiden und nur ausreichend durchgegarte Lebensmittel zu sich zu nehmen. Das Auswärtige Amt bietet Informationen über die Vogelgrippe auf seinen Internetseiten an (siehe Merkblatt des Auswärtigen Amtes).

Aktuelle Informationen zum Krankheitsgeschehen weltweit sind auf den Internetseiten der WHO erhältlich erhältlich, Informationen zur Verbreitung der Tierkrankheit auf der Internetseite der Welttiergesundheitsorganisation. Deutschsprachige Informationen zur Vogelgrippe bei Tieren sind beim Friedrich-Loeffler-Institut abrufbar.

Stand: 22.02.2017

Wie lassen sich Erkrankungen beim Menschen, die durch Vogelgrippeviren hervorgerufen wurden, in Deutschland diagnostizieren?

Das Nationale Referenzzentrum für Influenza im Robert Koch-Institut hat etablierte Testverfahren, mit denen auch Vogelgrippeviren zuverlässig und innerhalb weniger Stunden nach Eingang der Probe mit einem so genannten Real-Time-PCR-Verfahren nachgewiesen werden können. Als Material zur Testung eignet sich, wie sonst bei Influenza-Erkrankungen auch, ein Rachen- oder Nasenabstrich. Ärzte, die einen Verdacht auf eine Vogelgrippe bei einem Menschen haben, müssen diesen dem örtlichen Gesundheitsamt melden (siehe Verordnung zur Anpassung der Meldepflichten nach dem Infektionsschutzgesetz an die epidemische Lage und Veröffentlichung im Deutschen Ärzteblatt, 2016). Das Robert Koch-Institut hat darüber hinaus Empfehlungen für die Meldung und das Management von Personen mit Verdacht auf Influenza A(H7N9) herausgegeben.

Informationen zu Krankheitsbild, Hygienemaßnahmen, Diagnostik und Meldepflicht sind im RKI-Ratgeber für Ärzte zu Erkrankungen durch zoonotische Influenzaviren zusammengefasst.

Stand: 22.02.2017

Kann man Erkrankungen behandeln, die durch Vogelgrippeviren hervorgerufen wurden?

Die so genannten Neuraminidasehemmer, Oseltamivir und Zanamivir, sind sowohl gegen die saisonale humane Influenza als auch gegen aviäre Influenza A(H5N1) – und A(H7N9)-Viren wirksam.

Stand: 21.05.2015

Wo kann man sich informieren, wenn die gesuchte Frage hier nicht aufgeführt ist?

Ausführliche Informationen zu Vogelgrippe beim Menschen gibt es im jährlichen Bericht zur Epidemiologie der Influenza in Deutschland des RKI (Kapitel Aviäre Influenza). Das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben auf ihren Internetseiten Faktenblätter zur aviären Influenza veröffentlicht (Faktenblatt ECDC, Faktenblatt WHO).

Zum neuen Influenza A(H7N9)-Virus stellt die WHO unter anderem Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Verfügung, das ECDC veröffentlicht unter anderem regelmäßig eine Risikoeinschätzung.

Stand: 22.02.2017

Zusatzinformationen

Gesundheitsmonitoring

In­fek­ti­ons­schutz

Forschung

Kom­mis­sio­nen

Ser­vice

Das Robert Koch-Institut ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit

© Robert Koch-Institut

Alle Rechte vorbehalten, soweit nicht ausdrücklich anders vermerkt.