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Antworten des Robert Koch-Instituts auf häufig gestellte Fragen zur Vogelgrippe

Stand: 10.01.2014

Was ist die Vogelgrippe?

Das Wort „Vogelgrippe“ (aviäre Influenza) bezeichnet in erster Linie eine Erkrankung durch Influenza A-Viren bei Vögeln. Vogel-Influenzaviren oder aviäre Influenzaviren werden in der Tiermedizin in so genannte niedrigpathogene („wenig krankmachende“) und hochpathogene („sehr stark krankmachende“) Influenzaviren unterteilt. Hochpathogene aviäre Influenza A-Viren der Subtypen H5 und H7 können bei Nutzgeflügel, zum Beispiel Hühnern, zu schweren Schäden an den Tierbeständen führen, weil ein Großteil des infizierten Geflügels an der Krankheit verendet. Daher kommt auch der Begriff „Geflügelpest“, die also eine besonders schwere Form der Vogelgrippe meint. In der Umgangssprache werden die Begriffe Geflügelpest und Vogelgrippe jedoch häufig synonym verwendet. Bei Vögeln vorkommende Influenza A-Viren können auch Erkrankungen bei Menschen hervorrufen und werden dann auch als Vogelgrippe bezeichnet. Die Übertragung von Vogel-Influenzaviren vom Tier auf den Menschen ist nicht sehr effektiv, das heißt sie sind für den Menschen nicht sehr infektiös. Wenn eine solche Infektion jedoch stattfindet, kann es auch zu schweren Erkrankungen führen.

Stand: 04.04.2013

Welche Fälle von Vogelgrippe sind bisher bei Menschen aufgetreten?

Bisher kam es zu mehr als 600 Erkrankungen durch hoch pathogene aviäre Influenza A(H5N1)- Viren, mehr als die Hälfte der erkrankten Menschen starb. Betroffene Länder sind Ägypten, Aserbaidschan, Bangladesh, Birma (Myanmar), China, Djibouti, Indonesien, Irak, Kambodscha, Laos, Nigeria, Pakistan, Thailand, Türkei, Vietnam und (mit einem einzelnen aus China eingeschleppten Fall Anfang 2014) Kanada. Aktuelle Zahlen sind auf der Internetseite der Weltgesundheitsorganisation abrufbar. Erstmals Anfang April 2013 hat die Weltgesundheitsorganisation über mehrere Vogelgrippe-Fälle aus China berichtet, die durch ein neues H7N9-Virus verursacht worden. Aktuell wird das Risiko einer internationalen Verbreitung als gering eingeschätzt, es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden. Eine Einschätzung der Situation ist auf den RKI-Internetseiten zur Vogelgrippe abrufbar. Der aktuelle Stand der Zahl der Erkrankungs- und Todesfälle durch das neue Influenzavirus A(H7N9) ist auf der Internetseite der Weltgesundheitsorganisation (WHO), abrufbar (Global Outbreak Alert & Response Network und Influenza at the Human-Animal Interface (HAI)).
Eine Übersicht, welche Vogelgrippe-Viren bereits Erkrankungen beim Menschen verursacht haben, ist zum Beispiel in einem Fachbeitrag aus dem Jahr 2012 beschrieben.

Stand: 10.01.2014

Was bedeuten „H“ und „N“ bei den Virusbezeichnungen?

Das aktuelle Vogel-Influenzavirus in China ist ein Influenza A-Virus vom Subtyp H7N9. Mit H und N werden die beiden wichtigsten Eiweiße der Virushülle (Hämagglutinin und Neuraminidase) abgekürzt. Im Tierreich, insbesondere bei Wasservögeln, existieren unterschiedliche Ausprägungen davon, die „durchnummeriert“ sind. Die in den letzten Jahrzehnten in der menschlichen Bevölkerung zirkulierenden „normalen“ Influenzaviren gehören dagegen entweder zum Subtyp H3N2 und H1N1, beides Influenza-A-Viren, oder es sind Influenza B-Viren. Bei Influenza B-Viren werden keine Subtypen unterschieden.

Stand: 04.04.2013

Wie stecken Menschen sich an?

Die meisten an der H5N1-Vogelgrippe erkrankten Personen hatten im Vorfeld engen Kontakt zu erkranktem oder verendetem Geflügel. Vermutlich müssen Säugetiere und Menschen sehr große Virusmengen aufnehmen, um sich zu infizieren. Selbst bei einer Erkrankung werden Vogel-Influenzaviren aber fast nie auf andere Menschen übertragen, so dass es bisher noch nicht zu einer fortgesetzten Mensch-zu-Mensch Übertragung gekommen ist. Insgesamt besteht also für die Übertragung von H5N1-Viren sowohl von Vögeln auf Menschen, als auch von Mensch zu Mensch eine erhebliche Barriere. Bei den im Frühjahr 2013 in Asien aufgetretenen H7N9-Viren ist die Ansteckungsquelle noch nicht bekannt (siehe auch die Informationen der Weltgesundheitsorganisation).

Stand: 04.04.2013

Ist die Vogelgrippe für uns in Deutschland gefährlich?

Das Europäische Zentrum für Krankheitsprävention und Kontrolle (ECDC) schätzt bezüglich des H7N9-Virus „das Risiko einer Verbreitung nach Europa derzeit als gering“ ein (Informationen des ECDC zu Vogelgrippe), schließt aber einzelne aus China eingeschleppte Fälle nicht aus. Ob sich ein bestimmtes Vogelinfluenzavirus genetisch so verändern und an den Menschen anpassen kann, dass es von Mensch zu Mensch übertragbar wird, lässt sich nicht vorhersagen. Bei H5N1, das Ende der Neunzigerjahre in Südostasien erstmals bei Menschen gefunden wurde, ist dies bisher nicht geschehen.

Bisherige Erfahrungen menschlicher Erkrankungen mit H5N1-Vogelgrippe haben gezeigt, dass vor allem Menschen mit engem Kontakt zu infiziertem Nutzgeflügel gefährdet sind. Insgesamt ist das Risiko jedoch auch bei Kontakt zu infiziertem Nutzgeflügel als sehr gering einzuschätzen. Dies ergibt sich schon daraus, dass weltweit mehr als hundert Millionen Geflügel mit H5N1 infiziert wurden, beim Menschen aber nur wenige hundert H5N1-Fälle bestätigt sind (siehe Frage „Wie viele Fälle von Vogelgrippe sind bisher bei Menschen aufgetreten?“). In Deutschland ist die Vogelgrippe des Tieres vom Subtyp H5N1 bisher in einigen Geflügelbetrieben, bei mehreren hundert Wildvögeln, bei einem Steinmarder und (während des Ausbruchs auf Rügen 2006) bei drei streunenden Hauskatzen aufgetreten (näheres siehe Friedrich-Loeffler-Institut).

Tritt H5N1 oder ein anderes Vogelgrippevirus bei Nutzgeflügel auf, sind in erster Linie Beschäftigte in der Geflügelindustrie und Tierärzte in den Betrieben gefährdet, die sich entsprechend schützen müssen; für die breite Bevölkerung wird kein Risiko gesehen. Zu Wildvögeln hat man im Normalfall keinen engen Kontakt. Außerdem wurde weltweit nur in einem einzigen Fall mit ungewöhnlich intensivem Kontakt, beim Rupfen von Schwänen in Aserbaidschan, der H5N1-Erreger übertragen. Bürger sollten kranke oder verendete Tiere aus hygienischen Gründen ohnehin nicht anfassen. Empfehlungen für Haustierhalter und weitere Informationen zur Vogelgrippe bei Tieren sind auf den Internetseiten des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft und des Friedrich-Loeffler-Instituts / Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit abrufbar, außerdem bei aktuellen Geschehen auf den Internetseiten der Landwirtschafts- bzw. Verbraucherschutzministerien betroffener Bundesländer. Bislang gibt es keine Hinweise, dass Hauskatzen eine Rolle in der Verbreitung von H5N1 spielen (siehe die Übersichtsarbeit von Harder und Vahlenkamp, 2010).

Stand: 26.04.2013

Welches Krankheitsbild weisen Menschen auf, die an aviärer Influenza (Vogelgrippe) erkranken?

Bei einer H5N1-Infektion treten die ersten Symptome in der Regel zwei bis fünf, eventuell bis zu 14 Tagen nach Infektion auf. Das klinische Bild ist gekennzeichnet durch schwere grippeähnliche Symptome wie hohes Fieber, Husten, Atemnot und Halsschmerzen. Mehr als die Hälfte der Fälle kommt es auch zu Durchfall, seltener auch zu Bauchschmerzen und Erbrechen. Im weiteren Verlauf der Erkrankung entwickelt sich meist eine Lungenentzündung, die zu Lungenversagen und Tod führen kann. Etwa die Hälfte aller menschlichen Fälle mit H5N1-Vogelgrippe verstarb an ihrer Erkrankung.

Bei den in China aufgetretenen Erkrankungen durch H7N9 ist der Zeitraum zwischen Infektion und ersten Symptomen noch unklar, da die Infektionsquelle noch nicht bekannt ist. Die Patienten in China hatten plötzlich auftretendes hohes Fieber, Husten und weitere Symptome eines Atemwegsinfekts. In den darauffolgenden fünf bis sieben Tagen entwickelten die Patienten eine schwere Lungenentzündung mit schwerer Atemwegsnot (respiratorische Insuffizienz).

Stand: 04.04.2013

Können Vogelgrippeviren auch von Mensch zu Mensch übertragen werden?

Nach bisherigen Erfahrungen werden Vogelgrippeviren, wenn überhaupt, nicht effektiv von Mensch zu Mensch übertragen. Es gibt bei H5N1-Erkrankungen einzelne Fälle, bei denen ein sehr enger Kontakt zwischen einem später erkrankten Familienmitglied und dem primär Erkrankten bestand, z.B. durch häusliche Krankenpflege. Auch bei den H7N9-Fällen in China gibt es bislang einzelne Fälle, bei denen eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung nicht ausgeschlossen werden kann. Bei einer H5N1-Häufung in Indonesien 2006, bei der acht Personen einer Familie erkrankten, kam es möglicherweise auch erstmals zu einer Weiterübertragung des Vogelgrippe-Virus an eine dritte Person (von einer 37 Jahre alten Frau zu ihrem Neffen und von dort an seinen Vater, den Bruder der Frau, siehe Nature, 13. Juli 2006).

Generell gilt, dass der für das Anheften an die Zellen des Wirtes notwendige Anteil des Virus nicht gut an menschliche Zellen angepasst ist. Ob sich ein bestimmtes Vogelinfluenzavirus genetisch so verändern und an den Menschen anpassen kann, dass es leicht von Mensch zu Mensch übertragbar wird, lässt sich nicht vorhersagen. Bei H5N1, das Ende der Neunzigerjahre in Südostasien erstmals bei Menschen gefunden wurde, ist dies bislang nicht passiert.

Stand: 26.04.2013

Ist schon ein Erkrankungsfall beim Menschen durch Vogelgrippeviren in Deutschland aufgetreten?

Bisher ist kein solcher Fall in Deutschland aufgetreten. Durch ein weltweites System von Überwachungsstellen und Referenzlaboratorien wird das Vorkommen von Influenzaviren beim Menschen aufmerksam beobachtet und entsprechende Informationen an die Weltgesundheitsorganisation weitergeleitet. Auch in Deutschland gibt es ein Überwachungssystem für Influenza, das in der Lage ist, das Auftreten solcher Fälle zu erkennen.

Stand: 04.04.2013

Was ist zu beachten, wenn man in Länder oder Gebiete reist, in denen es zu Vogelgrippe-Erkrankungen gekommen ist?

Generell bietet das Auswärtige Amt Informationen über relevante medizinische Risiken im Ausland auf seinen Internetseiten an. Es wird empfohlen, Geflügelmärkte in Gebieten, die von der Vogelgrippe betroffen sind, zu meiden, keine toten Vögel anfassen und auf eine gute Händehygiene zu achten (siehe Merkblatt des Auswärtigen Amtes). Aktuelle Informationen zum Krankheitsgeschehen weltweit sind auf den Internetseiten der WHO erhältlich. Informationen zur Verbreitung der Tierkrankheit sind auf der Internetseite der Welttiergesundheitsorganisation abrufbar. Deutschsprachige Informationen zur Vogelgrippe bei Tieren sind beim Friedrich-Loeffler-Institut / Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit abrufbar.

Stand: 26.04.2013

Können wir Erkrankungen beim Menschen, die durch Vogelgrippeviren hervorgerufen wurden, in Deutschland überhaupt diagnostizieren?

Ja, das Nationale Referenzzentrum für Influenza hat etablierte Testverfahren, mit denen auch Vogelgrippeviren zuverlässig und innerhalb weniger Stunden nach Eingang der Probe mit einem so genannten Real-Time-PCR-Verfahren nachgewiesen werden können. Als Material zur Testung eignet sich, wie sonst bei Influenza-Erkrankungen auch, ein Rachen- oder Nasenabstrich. Ärzte, die einen Verdacht auf eine Vogelgrippe bei einem Menschen haben, müssen diesen dem örtlichen Gesundheitsamt melden (Aviäre Influenza Meldepflichtverordnung, siehe zum Beispiel: Verordnung über die Meldepflicht bei Aviärer Influenza beim Menschen).

Stand: 04.04.2013

Kann man Erkrankungen behandeln, die durch Vogelgrippeviren hervorgerufen wurden?

Die so genannten Neuraminidasehemmer, Oseltamivir und Zanamivir, sind sowohl gegen die normale Influenza als auch gegen die H5N1-Vogelgrippe wirksam. Genotypische Analysen der Neuraminidase der neuen H7N9 Reassortante weisen darauf hin, dass das Virus empfindlich gegen die antiviralen Neuraminidasehemmer Oseltamivir und Zanamivir, aber resistent gegen den M2-Blocker Amantadin ist.

Stand: 04.04.2013

Wo kann man sich informieren, wenn die gesuchte Frage hier nicht aufgeführt ist?

Zum neuen H7N9-Virus gibt es bei der Weltgesundheitsorganisation unter anderem Antworten auf häufig gestellte Fragen und beim Europäischen Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention unter anderem eine Risikoeinschätzung.

Stand: 04.04.2013

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