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Antworten auf häufig gestellte Fragen zur FSME-Impfung

Stand: 28.11.2012

Wer sollte sich impfen lassen?

In Deutschland ist eine unabhängige Expertenkommission (Die Ständige Impfkommission STIKO) für die Erstellung der Impfempfehlungen zuständig. Bezüglich der FSME empfiehlt die STIKO eine Grundimmunisierung oder entsprechende Auffrischungsimpfung mit einem für Kinder bzw. Erwachsene zugelassenen Impfstoff nach Angaben der Hersteller für Personen, die in FSME-Risikogebieten [(2); www.rki.de/fsme-karte] Zecken exponiert sind und Personen, die durch FSME beruflich gefährdet sind wie zum Beispiel Forstarbeiter, in der Landwirtschaft arbeitende Personen, sowie Laborpersonal (13).

Des Weiteren gilt eine Impfempfehlung bei möglicher Zeckenexposition für Reisen in FSME-Risikogebiete auch außerhalb Deutschlands (siehe auch "Wo bekommt man Informationen zur FSME-Situation im Ausland?") (14) (15). Daher ist eine reisemedizinische Beratung wichtig. Tropeninstitute, darauf spezialisierte niedergelassene Ärzten und teilweise die Gesundheitsämter stehen als kompetente Anbieter zur Verfügung. Das Auswärtige Amt bietet Länder- und Reiseinformationen an, insbesondere Merkblätter des Gesundheitsdienstes. Derzeit besteht für zahlreiche Europäische Länder ein sehr unterschiedliches Infektionsrisiko, wobei auch in diesen Ländern das jeweilige Risiko lokal sehr unterschiedlich sein kann. Für folgende Länder bzw. begrenzte Regionen in diesen Ländern ist ein hohes FSME Risiko bekannt: Finnland, Schweden, Litauen, Lettland, Estland, Dänemark, Polen, Weißrussland, Russland, Österreich, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Norditalien, Ungarn, Rumänien (Siebenbürgen). Für folgenden Länder ist ein mittleres bis geringes Risiko bekannt: Norwegen, Schweiz, Bulgarien, Ukraine. Auch für Reisen außerhalb Europas nach Asien besteht ein bekanntes, zum Teil hohes Infektionsrisiko für eine FSME bei Zeckenexposition: Russland (Sibirien), Mongolei, Nord-China, Nord-Japan. Derzeit sind diese Risikogebiete in einigen Karten von Impfstoffherstellern mehr oder weniger gut dargestellt. Da FSME Infektionen in diesen Ländern zum Teil nicht erfasst oder dokumentiert werden, ist eine genaue Risikoabschätzung nicht möglich. Auch kann es in diesen Ländern zu FSME-Infektionen durch Rohmilch und Rohmilchprodukte (Käse, Quark, etc.) von Kühen, Ziegen, Schafen etc. kommen (14).

Für weiterführende Informationen lesen Sie zum Beispiel auch:
"Welche Krankheiten können Deutschland durch Zecken übertragen werden?"
"Wie kann ich mich vor Zeckenstichen schützen?"
"Welche Anti-Zeckenmittel bieten einen wirksamen Schutz?"
"Ist eine Impfung gegen FSME bei Kindern sinnvoll und ab welchem Alter empfohlen?"
"Wann kann man von einem effizienten/vollständigen Impfschutz gegen FSME ausgehen (Impfschemata)?"

Stand: 28.11.2012

Wo bekommt man Informationen zur FSME-Situation im Ausland?

Impfempfehlung gelten bei möglicher Zeckenexposition für Reisen in FSME-Risikogebiete auch außerhalb Deutschlands [siehe auch 8, 9]. Daher ist eine reisemedizinische Beratung wichtig. Tropeninstitute, darauf spezialisierte niedergelassene Ärzten und teilweise die Gesundheitsämter stehen als kompetente Anbieter zur Verfügung. Das Auswärtige Amt bietet Länder- und Reiseinformationen an, in denen auch über Impfungen informiert wird (http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/Uebersicht_Navi.html). Die ausländischen Gesundheitsbehörden können ebenfalls Informationen zur FSME-Situation im Reisegebiet geben. Sie finden auf unserer Internetseite unter „Reiseassoziierte Infektionskrankheiten“ Informationen reisemedizinisch erfahrener Anbieter zu Risikogebieten im Ausland (siehe auch "Wer sollte sich impfen lassen?").

Stand: 28.11.2012

Wann kann man von einem effizienten/vollständigen Impfschutz gegen FSME ausgehen (Impfschemata)?

In der Regel sind drei Impfungen notwendig, um den vollen Impfschutz zu erreichen. Nach der ersten Impfung findet entsprechend dem klassischen Schema die zweite etwa ein bis drei Monate später statt. Die dritte Impfung ist dann fünf bis zwölf bzw. neun bis zwölf Monate nach der zweiten Impfung fällig. Der Impfschutz hält dann mindestens drei Jahre. Nach vollständiger Impfung kann bei 99% der Geimpften mit einem vollständigen Schutz vor FSME gerechnet werden. Bereits nach zwei Impfungen besteht bei 98% ein Schutz, der allerdings nur etwa ein Jahr anhält. Derzeit werden von den Herstellern verschiedene Impfschemata angeboten, unter anderem auch sog. Schnellschemata, die kurzfristig angewendet werden können, z.B. bei anstehender Reise in ein Risikogebiet:

Impfschema:
FSME-Immun® Baxter

Standardimpfung

Schnellimpfung
1. Impfdosis = Tag Null
2. Impfdosis1-3 Monate später14 Tage später
3. Impfdosis5-12 Monate später
4. Impfdosis (1.Booster) 3 Jahre später
Auffrischungsimpfungen alle:3 Jahre (≥60 Jahre) - 5 Jahre (< 60 Jahre)
Impfschema:
Encepur® Novartis

Standardimpfung

Schnellimpfung
1. Impfdosis = Tag Null
2. Impfdosis1-3 Monate später7 Tage später
3. Impfdosis9-12 Monate später21 Tage später
4. Impfdosis3 Jahre später12-18 Monate später
Auffrischungsimpfungen alle:3 Jahre (≥50 Jahre) - 5 Jahre (< 50 Jahre)

Für weiterführende Informationen lesen Sie zum Beispiel auch:
"Welche Krankheiten können in Deutschland durch Zecken übertragen werden?"
"Wie kann ich mich vor Zeckenstichen schützen?"
"Wer sollte sich impfen lassen?"

Stand: 28.11.2012

Kann man bei der Impfung gegen FSME vom angegebenen Impfschema abweichen – gilt auch für das FSME-Impfschema „Jede Impfung zählt“?

Es ist nicht ratsam, von den empfohlenen Impfschemata abzuweichen, da nur hierfür der Impfschutz in klinischen Studien belegt wurde. Die dritte Impfung gegen FSME im Standardimpfschema ist immunologisch gesehen bereits eine Wiederholungsimpfung, und deshalb ist ein relativ großer Abstand (fünf bis zwölf Monate zu den ersten beiden Impfungen) sinnvoll. Es existiert jedoch auch ein so genanntes Schnellimmunisierungsschema, bei dem eine Auffrischungsimpfung (als 4. Dosis) dann allerdings bereits nach 12–18 Monaten erfolgen sollte.

Bindend für die korrekte Anwendung von Impfstoffen sind die Fachinformationen (FI). Die Impfintervalle, die dort angegeben sind, wurden in Studien geprüft, der Aufbau eines sicheren Impfschutzes ist in diesem Rahmen belegt.

In Postmarketing Studien hat sich eine langjährige Boosterfähigkeit nach erfolgter FSME-Grundimmunisierung gezeigt, so dass nach einer vollendeten Grund­immu­ni­sierung eine einzige Impfdosis zur Auffrischung ausreicht, selbst wenn der empfohlene Abstand zur letzten Impfdosis überschritten wird. Nach dem 3-Dosen Schnellimmunisierungsschema (allerdings mit Encepur) wurde z.B. bei der 4. Boosterimpfung in einer kleineren Studie auch noch 11 Jahre nach der dritten Impfdosis eine gute Immunantwort beobachtet. Ferner wurde in einer Studie auch noch 5 bzw. 6 Jahre nach einer FSME-Auffrischimpfung mit Encepur® bei einem hohen Anteil der Teilnehmer protektive Antikörper-Konzen­tra­tionen gemessen, allerdings war dieser Anteil bei Personen < 60 Jahren (94% bzw. 94%) deutlich höher als bei Personen ab einem Alter von 60 Jahren (89% bzw. 86%). Eine andere Studie bei jüngeren Erwachsenen im Alter von 19 bis 51 Jahren fand 5 Jahre nach der Grundimmunisierung und ersten Auf­frischungs­im­pfung mit Encepur® noch bei 99% der Teilnehmer protektive Antikörper-Kon­zen­tra­tionen. In einer ähnlichen Studie bei Kindern lag dieser Anteil sogar bei 100%.

Zum Vorgehen bei unvollständiger Grundimmunisierung gibt es hingegen keine größeren systematischen Untersuchungen, daher liegen auch keine vergleichbar zuverlässigen Angaben vor. Die Hersteller geben - außerhalb ihrer FI - jeweils unterschiedliche Hinweise zum Vorgehen bei irregulären Impfabständen an (Infor­mationen hierzu finden Sie bitte auf den Internetseiten der Hersteller). Neuere Studien zeigen jedoch, dass wohl auch bei FSME "jede Impfung zählt". Im Rah­men einer bislang noch nicht veröffentlichten Anwendungsbeobachtung (AWB) mit FSME-Immun Erwachsene® konnte gezeigt werden, dass selbst nach nur einer einzigen, ersten Teilimmunisierung im Rahmen der Grund­immuni­sierung auch noch Jahre später durch einen einzelnen Booster anschließend hohe Konzentrationen an schützenden Antikörpern erzeugt werden können (siehe Überblick unter: Impftermin vergessen - was tun? Praxistipps rund um die FSME-Impfung). Dies bedeutet jedoch nicht, dass bei Überschreitung empfoh­lener Impfintervalle auch ein Schutz anhält; sondern nur, dass bei auch nach längeren als den empfohlenen Intervallen ein Schutz durch Verabreichung der ausstehenden Impfung erreicht wird. Das heißt zum Beispiel, wenn mehr als 12 Monate zwischen der zweiten und dritten Impfung der Grundimmunisierung liegen, auch nach dieser Zeit die Gabe einer dritten Impfung zu einem ausreichend Impfschutz bis zur nächst angezeigten Auffrischungsimpfung führt. (16) (17-21)

Für weiterführende Informationen lesen Sie zum Beispiel auch:
"Welche Krankheiten können in Deutschland durch Zecken übertragen werden?"
"Wie kann ich mich vor Zeckenstichen schützen?"
"Wer sollte sich impfen lassen"
"Wann kann man von einem effizienten/vollständigen Impfschutz gegen FSME ausgehen (Impfschemata)?"

Stand: 28.11.2012

Soll im Rahmen der FSME-Impfung eine serologische Kontrolle der Antikörper zum Nachweis des Impfschutzes erfolgen?

Eine Kontrolle der durch die Impfung induzierten Antikörper wird vor allem für immunsupprimierte Personen sowie älteren Personen nach der 2. Teilimpfung empfohlen, zur Entscheidung, ob ggf. eine zusätzliche Dosis notwendig ist (siehe hierzu auch die Fachinformationen). Zur Entscheidung, ob eine Auffrischimpfung notwendig ist, sind serologische Kontrollen in der Regel nicht empfohlen. Die Indikation für eine FSME-Auffrischungsimpfung bei einer gesunden Person sollte aus den in den Fachinformationen empfohlenen Impfabständen abgeleitet werden.

Für weiterführende Informationen lesen Sie zum Beispiel auch:
"Welche Krankheiten können in Deutschland durch Zecken übertragen werden?"
"Wie kann ich mich vor Zeckenstichen schützen?"
"Wann kann man von einem effizienten/vollständigen Impfschutz gegen FSME ausgehen (Impfschemata)?"
"Kann man bei der Impfung gegen FSME vom angegebenen Impfschema abweichen – gilt auch für das FSME-Impfschema „Jede Impfung zählt“?"

Stand: 28.11.2012

Ist eine Impfung gegen FSME für eine ungeimpfte Person nach einem Zeckenstich zur Prophylaxe sinnvoll?

Eine sofort begonnene FSME-Impfung kann eine Infektion mit größter Wahrscheinlichkeit nicht verhindern, zum einen, weil ein sicherer Schutz erst nach 2 Teilimpfungen erreicht wird und zum anderen, weil schützende Antikörper erst 7-14 Tage nach der Impfung gebildet werden. Die Infektionsgefahr in FSME-Risikogebieten ist bei der geringen Infektionsrate der Zecken nicht sehr hoch, lässt sich aber auch nicht vorhersagen. Je schneller die Zecke entdeckt und entfernt wird, umso geringer ist das Risiko einer Borrelioseinfektion. Die Übertragung von FSME-Viren erfolgt dagegen schon innerhalb kurzer Zeit nach dem Stich. Eine FSME-Impfung nach dem Zeckenstich ist trotzdem indiziert, wenn ein weiteres Infektionsrisiko besteht. Es wird jedoch empfohlen, nach einem Zeckenstich ca. vier Wochen mit der FSME-Impfung zu warten, da die nach einer eventuellen Infektion gebildeten Antikörper nicht von denen unterschieden werden können, die nach der Impfung gebildet werden. Dies wäre ungünstig für die Antikörper-Diagnostik bei einem FSME-Verdacht. Eine Prophylaxe durch eine passive Impfung mit FSME-Immunglobulinen steht nicht zur Verfügung, da entsprechende Präparate seit 2003 in Deutschland nicht mehr zugelassen sind. Lesen Sie auch: „STIKO antwortet auf häufig gestellte Fragen (FAQ)“: STIKO Zur Impfung nach Zeckenstich, Epid Bull 15/07.

Für weiterführende Informationen lesen Sie zum Beispiel auch:
"Welche Krankheiten können in Deutschland durch Zecken übertragen werden?"
"Wie kann ich mich vor Zeckenstichen schützen?"
"Welche Anti-Zeckenmittel bieten einen wirksamen Schutz?"
"Wer sollte sich impfen lassen"

Stand: 28.11.2012

Ist eine passive Impfung gegen FSME für eine ungeimpfte Person nach einem Zeckenstich möglich?

Eine passive Impfung gegen FSME ist seit 2003 in Deutschland nicht mehr verfügbar. Ein eindeutiger Nutzen dieser Impfung wurde nie bewiesen. In Einzelfällen wurden schwere FSME-Krankheitsverläufe nach Verabreichung dieser passiven Impfung vor allem bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen berichtet.

Für weiterführende Informationen lesen Sie zum Beispiel auch:
"Welche Krankheiten können in Deutschland durch Zecken übertragen werden?"
"Wie kann ich mich vor Zeckenstichen schützen?"
"Welche Anti-Zeckenmittel bieten einen wirksamen Schutz?"
"Wer sollte sich impfen lassen"

Stand: 28.11.2012

Gibt es einen definierten Antikörper-Schutztiter (nach abgeschlossener FSME-Grundimmunisierung) zum Nachweis eines Impfschutzes?

In klinischen Studien mit FSME-IMMUN 0,5 ml ist die Seropositivität als ein ELISA-Titer von 126 VIE U/ml oder ein NT-Titer von ≥10 definiert. Dies wurde ca. 1 Monat nach abgeschlossener Grundimmunisierung als ausreichende Immunantwort gewertet. Bisher ist jedoch kein Antikörper-Schwellenwert definiert, ab dem nach längeren Zeitintervallen nach der Grundimmunisierung oder nach einer Auffrischungsimpfung ein sicherer Impfschutz vorliegt. Ebenso ist nicht bekannt, ab welchem Titer kein Impfschutz mehr vorhanden ist. Demzufolge kann bei einem positiven Nachweis von FSME-Antikörpern nicht sicher auf einen bestehenden Impfschutz der Person zurückgeschlossen werden. Die Indikation für eine FSME-Auffrischungsimpfung bei einer gesunden Person sollte daher im Regelfall aus den Fachinformationen zu den Impfabständen abgeleitet werden. Dass dieses Vorgehen auch wirksam ist, zeigen Schätzungen zur Impfeffektivität anhand Österreichsicher Daten: Diese lag bei 99% für Personen, die nach Empfehlungen der Fachinformationen geimpft waren und noch bei 95% bei Personen mit Abweichungen vom empfohlenen Impfschema (22).

Für weiterführende Informationen lesen Sie zum Beispiel auch:
"Wann kann man von einem effizienten/vollständigen Impfschutz gegen FSME ausgehen (Impfschemata)?"

Stand: 28.11.2012

Darf man sich während der Schwangerschaft oder in der Stillzeit gegen FSME impfen lassen?

Da es sich bei dem FSME-Impfstoff um inaktiviertes FSME-Virus handelt, ist grundsätzlich eine indizierte Impfung auch während der Schwangerschaft möglich, solang nicht andere Gründe dagegen sprechen. Dabei sollte auch das spezielle individuelle Expositionsrisiko berücksichtigt werden, zum Beispiel vermehrt Spaziergänge in freier Natur mit dem Säugling. Eine Impfung ist zudem kein Grund für das Aufschieben einer geplanten Schwangerschaft. Im ersten Drittel der Schwangerschaft sollten allerdings grundsätzlich nur dringend notwendige Impfungen durchgeführt werden, um zu verhindern, dass die in der Frühschwangerschaft häufigen Fehlgeburten oder sehr selten auftretende Fehlbildungen fälschlicherweise mit der Impfung in Zusammenhang gebracht werden und so im Einzelfall für die Betroffenen zu einer besonderen psychischen Belastung werden.

Für weiterführende Informationen lesen Sie zum Beispiel auch:
"Welche Krankheiten können Deutschland durch Zecken übertragen werden?"
"Wie kann ich mich vor Zeckenstichen schützen?"
"Welche Anti-Zeckenmittel bieten einen wirksamen Schutz?"
"Wer sollte sich impfen lassen?"
"Ist eine Impfung gegen FSME bei Kindern sinnvoll und ab welchem Alter empfohlen?"

Stand: 28.11.2012

Ist eine Impfung gegen FSME bei Kindern sinnvoll und ab welchem Alter empfohlen?

Bei Kindern verlaufen die Erkrankungen im Allgemeinen leichter als bei Erwachsenen, vorwiegend als Meningitis (Hirnhautentzündung), seltener als Enzephalitis (Gehirnentzündung). In einer Auswertung prospektiv erhobener Daten von insg. 1001 FSME-Patienten aus Baden-Württemberg wurden bei Kindern in ca. 25% der Verlauf als schwerwiegend eingestuft, bei Erwachsenen dagegen bei 50%. Überdies wurde, im Vergleich zu Erwachsenen mit 30-40% der Fälle, bei Kindern deutlich seltener (ca. 2%) über neurologische Folgeschäden berichtet (23). Im Einzelfall kann nicht vorhergesagt werden, ob eine Infektion blande oder schwerer verläuft (10).

Bei Kindern ist die Gefahr besonders groß von einer Zecke gestochen zu werden, da diese sich viel im Freien aufhalten wollen und dort spielen/aktiv sind. Da die Impfung den einzigen wirksamen Schutz vor einer FSME-Erkrankung darstellt, sollten die Risiken sorgfältig abgewogen werden. Auch wenn Fieber (über 38°C) nach der Impfung bei circa 15% der ein- bis zweijährigen Kinder und bei 5% der Drei- bis Elfjährigen auftreten kann, gibt es keine wirkliche alternative Präventionsmaßnahme. Eine spezifische Behandlung gibt es im Falle einer Erkrankung nicht. Daher sollte sich die Impfindikation bei Kindern ähnlich wie bei Impfungen für Erwachsene nach dem Expositionsrisiko richten, dies gilt auch für Kinder unter 3 Jahren. Im Übrigen gelten für den Kinder-Impfstoff wie für den Erwachsenen-Impfstoff die in Tabelle 2 der Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) dargelegten Grundsätze einer Indikationsimpfung einschließlich der in der Tabelle enthaltenen Hinweise zu Risikogebieten und zur Saisonalität der Erkrankung.

Für weiterführende Informationen lesen Sie zum Beispiel auch:
"Welche Krankheiten können Deutschland durch Zecken übertragen werden?"
"Wie kann ich mich vor Zeckenstichen schützen?"
"Warum ist das Absuchen auf Zecken so wichtig?"
"Welche Anti-Zeckenmittel bieten einen wirksamen Schutz?"
"Wer sollte sich impfen lassen"

Stand: 28.11.2012

Ist ein Wechsel zwischen den FSME-Impfstoffen der beiden verschiedenen Hersteller möglich?

Die FSME-Impfstoffe beider Hersteller (FSME-Immun® und Encepur®) werden als gleichwertig und austauschbar angesehen. In Untersuchungen hat sich herausgestellt, dass im Bedarfsfall ein Wechsel zwischen den Impfstoffen ohne Einbuße der Wirksamkeit möglich ist. Wenn möglich, empfiehlt es sich aber in der Grundimmunisierung beim FSME-Impfstoff des gleichen Herstellers zu bleiben. Für weitere Informationen können folgende Publikationen herangezogen werden (17, 24, 25) (26).

Für weiterführende Informationen lesen Sie zum Beispiel auch:
"Welche Krankheiten können Deutschland durch Zecken übertragen werden?"
"Wie kann ich mich vor Zeckenstichen schützen?"

Stand: 28.11.2012

Helfen die hier erhältlichen FSME-Impfstoffe auch gegen die in Russland zirkulierenden Stämme?

Sollte man sich nach einer FSME-Erkrankung trotzdem impfen lassen oder hat man dadurch einen lebenslangen Schutz?

Wenn es sich um eine bestätigte FSME-Erkrankung (klarer Antikörper-Titeranstieg, eindeutiger Nachweis von IgG- und IgM-Antikörpern, oder klar positiver Neutralisationstest, Nachweis von FSME-mittels PCR in der akuten Phase oder Virusnachweis mittels Virusanzucht) handelt, ist von einem langjährigen Immunschutz auszugehen. Darüber, wie lange der Immunschutz nach Erkrankung ohne erneuten Kontakt mit dem Erreger (Reexposition) anhält, liegen nur wenige Erfahrungen vor. Daher sollte der Immunschutz nach drei bis fünf Jahren bei Fortbestehen eines Expositionsrisikos durch eine Auffrischungsimpfung wieder aufgefrischt werden (13).

Für weiterführende Informationen lesen Sie zum Beispiel auch:
"Welche Krankheiten können Deutschland durch Zecken übertragen werden?"
"Wie kann ich mich vor Zeckenstichen schützen?"
"Wer sollte sich impfen lassen?"
"Wo bekommt man Informationen zur FSME-Situation im Ausland?"

Stand: 28.11.2012

Wie hoch ist das potentielle FSME-Infektionsrisiko ohne Impfung? In meinem Land ist keine FSME-Impfung erhältlich und ich möchte in Deutschland Urlaub machen.

Die FSME ist nicht in allen Gebieten in Deutschland verbreitet, so dass es davon abhängt, wohin man verreist. Die aktuelle Karte der FSME-Risikogebiete finden sie auf der RKI-Homepage: [(2); www.rki.de/fsme-karte]. Zusätzlich veröffentlicht das RKI die Inzidenz der FSME in den einzelnen Landkreisen als elektronischer Anhang zur Veröffentlichung der akutellen FSME-Karte im Epidemiologischen Bulletin. Ein potentielles Infektionsrisiko ist von vielen Variablen abhängig. Falls ein längerer Deutschlandaufenthalt in einem Risikogebiet mit Freilandaktivitäten geplant ist und im jeweiligen Heimatland keine FSME-Impfung erhältlich ist, kann eine Schnellimpfung kurz nach der Einreise noch sinnvoll sein.

Für weiterführende Informationen lesen Sie zum Beispiel auch:
"Welche Krankheiten können in Deutschland durch Zecken übertragen werden?"
"Wie kann ich mich vor Zeckenstichen schützen?"
"Welche Anti-Zeckenmittel bieten einen wirksamen Schutz?"
"Wer sollte sich impfen lassen?"

Stand: 28.11.2012

Schützt die FSME-Impfung gegen das in der Türkei bzw. dem Balkan durch Zecken übertragbare Krim-Kongo-Fieber (CCHF)?

Die FSME-Impfung schützt nicht gegen das Krim-Kongo-Fieber, da es sich um einen gänzlich anderen viralen Erreger handelt.

Für weiterführende Informationen lesen Sie zum Beispiel auch:
"Wie kann ich mich vor Zeckenstichen schützen?"
"Wer sollte sich impfen lassen?"

Stand: 28.11.2012

Welche Nebenwirkungen sind bei einer Impfung gegen FSME zu erwarten?

Die Häufigkeit der zu erwartenden Nebenwirkungen werden in den Fachinformationen der Impfstoffe beschrieben (abrufbar auf der PEI-Homepage unter http://www.pei.de/DE/arzneimittel/impfstoff-impfstoffe-fuer-den-menschen/fsme-fruehsommer-meningoenzephalitis/fsme-fruehsommer-meningoenzephalitis-node.html). Diese werden im Fall neuer Erkenntnisse regelmäßig aktualisiert. In einem Cochrane-Review aus dem Jahr 2009 (27) wurden in verschiedenen Studien beobachtete Nebenwirkungen zusammengefasst.

Innerhalb der ersten 1–4 Tage können häufig Allgemeinsymptome wie Temperaturerhöhung, Kopfschmerzen, Mattigkeit, Unwohlsein oder Magen-Darm-Beschwerden auftreten. Sehr selten werden Missempfindungen wie Taubheitsgefühl und Kribbeln beobachtet. Häufig treten vorübergehende Arthralgien und Myalgien auf; bei Manifestation im Nackenbereich können sie mit meningitischen Zeichen verwechselt werden. Die Symptome werden vor allem nach der ersten Impfung beobachtet, nach weiteren Impfungen werden sie seltener. In der Regel sind diese genannten Lokal- und Allgemeinreaktionen vorübergehender Natur und klingen rasch und folgenlos wieder ab. Am häufigsten mit bis zu 45% traten in verschiedenen Studien Schmerzen und Rötung an der Einstichstelle auf. Fieber trat bei ca. 5-6% der Fälle auf; vor allem jedoch nach der 1. Teilimpfung. Bei Kindern <3 Jahren ist das Risiko von Fieberreaktionen etwas höher (ca. 15%); daher empfiehlt die STIKO für diese zusammen mit den Eltern eine besonders sorgfältige Indikationsstellung. Es wurden keine schwerwiegenden oder lebensbedrohlichen Nebenwirkungen in verschiedenen Zulassungsstudien oder in der post-marketing Surveillance beschrieben (27).

Bei Verdacht auf das Vorliegen einer Impfkomplikation ist diese dem Impfarzt, der hierfür zuständigen Zulassungsbehörde (Paul-Ehrlich-Institut) und dem jeweiligen Impfstoffhersteller zu melden (siehe auch Hinweise auf den Seiten des PEI zur Meldung von Verdachtsfällen unerwünschter Arzneimittelwirkungen und Impfkomplikationen: http://www.pei.de/DE/infos/fachkreise/meldeformulare-fach/meldeformulare-fach-node.html). Im Einzelfall muss dann geklärt werden, ob hier ein kausaler Zusammenhang mit der Impfung oder ein zufälliges zeitliches Zusammentreffen zu der aufgetretenen Erkrankung vorliegt.

Für weiterführende Informationen lesen Sie zum Beispiel auch:
"Welche Krankheiten können in Deutschland durch Zecken übertragen werden?"
"Wie kann ich mich vor Zeckenstichen schützen?"

Stand: 28.11.2012

Ist eine FSME-Impfung bei Patienten mit Immunsuppression, z.B. unter Cortisonbehandlung oder bei Dialyse-Patienten möglich?

Da Cortison eine immunsupprimierende Wirkung hat, muss mit einer verringerten bzw. sogar ausbleibenden Immunantwort gerechnet werden. Eine Anti­kör­per­unter­su­chung auf Antikörper gegen FSME nach der Impfung wird von den Impf­stoff­her­stellern nach der 2. Teilimpfung empfohlen, um den Impferfolg zu kontrollieren. Dies gilt auch für Dialysepatienten, Transplantationsempfänger, AIDS- und Karzinompatienten sowie alle weiteren Patienten mit immunologischen Vor­er­kran­kungen. Im Fall einer bevorstehenden Organtransplantation, wäre eine FSME-Impfung noch vor der Transplantation sinnvoll, um eine bessere Impf­reak­tion zu erhalten. Prinzipiell ist aber zu beurteilen, ob der Patient gesund genug ist, um geimpft zu werden. Es sollte immer eine Schadens-/Nutzen­ab­wägung vorgenommen werden. Einzelfallsituationen und eventuell damit verbundene Änderungen der Anwendungsempfehlungen des Impfstoffes können gegebenen Falls direkt bei den Impfherstellern als sogenannte „Off-Label-Empfehlungen“ erfragt werden.

Stand: 28.11.2012

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