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Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Diagnostik und Meldepflicht

Stand: 28.11.2012

Besteht eine Meldepflicht für FSME?

Gemäß dem Infektionsschutzgesetz wird dem Gesundheitsamt der direkte oder indirekte Nachweis von FSME-Virus, soweit er auf eine akute Infektion hinweist, namentlich gemeldet. Darüber hinaus stellt das Gesundheitsamt eigene Ermittlungen an. Das Gesundheitsamt übermittelt an die zuständige Landesbehörde nur Erkrankungs- oder Todesfälle und Erregernachweise, die der Falldefinition entsprechen. Dazu gehören klinisch-labor-diagnostisch bestätigte akute FSME-Fälle, labordiagnostisch bestätigte Fälle bei nicht erfülltem klinischem Bild (z.B. asymptomatische Infektionen) sowie labordiagnostisch bestätigte Fälle bei unbekanntem klinischem Bild (28).

Stand: 28.11.2012

Wann gilt eine FSME als klinisch-labordiagnostisch bestätigt?

Klinisch ist eine akute FSME definiert, wenn mindestens eines der beiden folgenden Kriterien gilt:

grippeähnliche Beschwerden,
Symptomatik im Zentralnervensystem (ZNS) (z.B. Meningitis, Enzephalitis, Myelitis).

Typisch ist ein Verlauf in zwei Phasen, mit einer initial grippeähnlichen Symptomatik und einer nach einem symptomfreien Intervall von 4-10 Tagen einsetzenden ZNS-Symptomatik. Jedoch kann jede dieser Phasen auch für sich allein auftreten.

Labordiagnostisch gilt der Nachweis bei positivem Befund mit mindestens einer der vier folgenden Methoden:

direkter Erregernachweis: Nukleinsäure-Nachweis (z.B. PCR) nur in Blut oder Liquor, post- mortem in Organgewebe, Achtung: nur möglich in der ersten symptomatischen Phase, ein negatives Ergebnis schließt die Krankheit nicht aus;

indirekter Erregernachweis (serologisch): IgM- und IgG-Antikörpernachweis (einmalig deutlich erhöhter Wert, z.B. ELISA, IFA, Neutralisationstest) nur in Blut oder Liquor;

deutlicher (≥ 4facher) Titeranstieg zwischen zwei aufeinanderfolgenden Proben beim IgG-Antikörpernachweis (z.B. ELISA, IFA, Neutralisationstest);

Nachweis intrathekal gebildeter FSME-spezifischer Antikörper (erhöhter Liquor/Serum-Index).

Die Bewertung von Antikörpernachweisen setzt die Kenntnis eines eventuellen zeitlichen Zusammenhangs mit einer FSME-Impfung voraus.

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Stand: 28.11.2012

Werden Antikörper gegen die unterschiedlichen FSME-Impfstämme Neudörfel bzw. K23 im diagnostischen ELISA gleichermaßen erfasst?

Die Antikörper gegen beide FSME-Impfviren werden in allen kommerziellen diagnostischen Tests erfasst. Es besteht eine ausgeprägte Kreuzreaktivität.

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Stand: 28.11.2012

Wie lange nach einer FSME-Infektion lassen sich IgG- und IgM-Antikörper nachweisen?

Die diagnostisch wichtigen IgM-Antikörper persistieren lange, können bis zu 6 Monaten regelmäßig, in Einzelfällen sogar bis zu 2 Jahren nachgewiesen werden. Die IgG-Antikörper sind für eine länger anhaltende Immunität verantwortlich.

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Stand: 28.11.2012

Sind nach einer FSME-Impfung spezifische IgG-Antikörper im Liquor nachweisbar?

Bei einer intakten Blut-Hirn-Schranke lassen sich normalerweise keine FSME-spezifischen Antikörper im Liquor nachweisen.

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Stand: 28.11.2012

Wie hoch ist die Inzidenz (Anzahl der Neuerkrankungen) in den verschiedenen FSME-Risikogebieten?

Die Inzidenz der FSME-Erkrankungen in den FSME-Risikogebieten schwankt zwischen ca. 1 Fall und 40 Fällen pro 100.000 Einwohner in 5 Jahren. Die genauen Inzidenzen werden auf der RKI-Internetseite veröffentlicht (siehe: Anlage zum Epidemiologischen Bulletin 21/2012 (PDF, 134 KB, Datei ist nicht barrierefrei)). Das Auftreten von humanen Erkrankungen reflektiert das FSME-Infektionsrisiko derzeit insgesamt noch recht gut; bei steigenden Impfquoten kann jedoch auch eine niedrige Inzidenz mit einem hohen Infektionsrisiko einhergehen. Deshalb werden auch Daten zurückliegenden Jahren in die Bewertung des regionalen Infektionsrisikos einbezogen. Zur Abschätzung des Infektionsrisikos sollten zudem vor allem auch die Dauer und die Intensität einer potentiellen Zeckenexposition individuell berücksichtigt werden.

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Stand: 28.11.2012

Wie ist die Diagnostische Bewertung von Einzelfällen in Nicht-Risikogebieten?

Die Bewertung der serologischen Diagnostik einer akuten FSME-Infektion wird durch die potenzielle Kreuzreaktivität mit Antikörpern erschwert, die gegen andere Flaviviren gerichtet sind. Zur Familie der Flaviviren gehören neben den FSME-Viren auch Dengueviren, Gelbfieberviren, WNV, und JEV, wobei Antikörper gegen die letzten drei Erreger auch durch Impfung induziert sein können. Daher ist es für die Bewertung von Einzelfällen in Nicht-Risikogebieten wichtig, dass die FSME-Diagnostik gut abgesichert ist. Dies umfasst sowohl die klinisch-labordiagnostische Bestätigung (siehe auch "Wann gilt eine FSME als klinisch-labordiagnostisch bestätigt?"), als auch die umfassende Beantwortung der Fragen zu jedem Aufenthalt (Identifikation des möglichen Infektionsortes) in bekannten Endemiegebieten (FSME, Dengue, WNV usw.), der Aufenthaltsdauer, der dortigen Tätigkeiten, Zeckenstichen, Tierkontakt, Haustieren und Fragen zur Impfanamnese (FSME, Gelbfieber, JEV, andere Impfungen). Für eine genaue Abklärung eines solchen Falles ist es ratsam, ein Expertenlaboratorium einzubeziehen; z.B. das FSME-Konsiliarlabor am Robert Koch-Institut, oder Labore am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit bzw. dem Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg.

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