Navigation und Service

Zielgruppeneinstiege

Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Borreliose

Stand: 20.08.2014

Was ist Lyme-Borreliose?

Die Lyme-Borreliose (Synonym: Borreliose, Lyme-Krankheit, Lyme Disease) ist eine Krankheit, die durch eine Infektion mit Bakterien der Art Borrelia burgdorferi (Borrelien) verursacht wird. Diese werden durch Zeckenstiche auf den Menschen übertragen. Die Krankheit kann verschiedene Organsysteme betreffen, insbesondere die Haut, das Nervensystem und die Gelenke.

Stand: 12.02.2014

Wie hoch ist das Risiko, nach einem Zeckenstich an Lyme-Borreliose zu erkranken?

Das Vorkommen von Borrelien in Zecken schwankt sowohl regional als auch kleinräumig sehr stark und kann bis zu 30% betragen. Es gibt Studien, die gezeigt haben, dass bei etwa 5% der Personen, die von einer Zecke gestochen worden sind, eine Infektion auftritt (charakterisiert durch die sogenannte Serokonversion, also das Auftreten von Antikörpern im Blut). In Deutschland tragen 5,8% der Frauen und 13,0% der Männer Antikörper und haben somit mindestens eine Infektion durchgemacht. Nur ein sehr kleiner Teil der Infizierten, rund ein Prozent, entwickeln Krankheitssymptome.

Stand: 12.02.2014

Wie lange muss eine Zecke saugen, bis ein Mensch mit Borrelien infiziert wird?

Die Borrelien befinden sich im Darm der Zecke. Die Zecke muss eine längere Zeit saugen, bevor der Erreger übertragen wird. Das Infektionsrisiko steigt nach einer Saugzeit von mehr als 12 Stunden. Entfernt man die Zecke frühzeitig, ist das Übertragungsrisiko daher nur sehr gering. Die schnellstmögliche Entfernung der Zecke durch den Gestochenen ohne Manipulation der Zecke ist von großer Bedeutung bei der Prävention der Lyme-Borreliose. Wie man die Zecke entfernt siehe: FAQ Zecken, Zeckenstich und Infektion (Stand: 09.08.2013)

Stand: 12.02.2014

Gibt es eine Schutzimpfung?

Eine Schutzimpfung gibt es bisher nicht.

Stand: 12.02.2014

Welche Symptome können bei einer Borreliose-Infektion auftreten?

Es gibt keinen typischen Krankheitsverlauf der Lyme-Borreliose. Sie kann grundsätzlich zahlreiche Symptome in verschiedenen Organen hervorrufen, die einzeln oder in unterschiedlichen Kombinationen auftreten können. Viele dieser Symptome sind unspezifisch und werden auch bei anderen Erkrankungen beobachtet. Deshalb ist es unter Umständen schwierig, eine Lyme-Borreliose zu diagnostizieren.
Ein charakteristischer Hinweis auf eine beginnende Lyme-Borreliose (Stadium I) ist die sogenannte Wanderröte (Erythema migrans). Sie tritt nach einigen Tagen (bis Wochen) bei vielen Erkrankten auf. Diese deutliche ringförmige Hautrötung ist oft im Zentrum blasser als am Rand. Der rote Ring wandert dann allmählich nach außen. Weitere allgemeine Krankheitssymptome wie Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen, Müdigkeit können hinzukommen.
Im Stadium II, das meist innerhalb von sechs Monaten nach der Infektion einsetzt, ist die akute Neuroborelliose am häufigsten. Typisch hierfür sind brennende Nervenschmerzen, die sich vor allem nachts verschlimmern, und leichte Lähmungen der Hirnnerven. Je nachdem, welche Hirnnerven betroffen sind, können verschiedenste Symptome wie Taubheitsgefühle, Seh- oder Hörstörungen auftreten. Seltener kommt es zu Lähmungen des Rumpfes und von Armen und Beinen. Zudem kann es zu einer Entzündung des Herzens kommen, die sich in Rhythmusstörungen äußern kann.
Als Spätform (Stadium III) der Erkrankung tritt Monate oder Jahre nach dem Zeckenstich am häufigsten die Lyme-Arthritis (Gelenkentzündung) und die sogenannte Acrodermatica chronica athropicans auf, eine chronische Entzündung meist an den Innenseiten der Arme und Beine und der Körperenden wie Nase, Finger und Zehen. Die Haut ist an diesen Stellen bläulich und zigarettenpapierartig. Die Gelenkentzündung betrifft überwiegend die Kniegelenke. Sehr selten ist die chronische Neuroborelliose.
Die Stadieneinteilung wird in der klinischen Klassifizierung zunehmend durch die Einteilung in Frühmanifestationen (Wanderröte und z.B. akute Neuroborreliose) und Spätmanifestationen (Arthritis, Acrodermatitis und chronische Neuroborreliose) ersetzt.

Stand: 12.02.2014

Wie aussagekräftig ist eine Blutuntersuchung auf Antikörper?

Ein negativer Antikörpertest (IgG, IgM) schließt eine Infektion nicht aus. Das menschliche Immunsystem bildet erst mit Verzögerung Antikörper gegen eine erstmalige Infektion mit Borrelien. Bei beginnenden Erkrankungen können Untersuchungen auf spezifische Antikörper gegen Borrelien negativ ausfallen. Bei der Wanderröte ist daher bei etwa 65% der Fälle der Antikörpertest negativ.
Ein positiver Test ist nicht immer auf eine akute Infektion mit Borrelien zurückzuführen. So können hohe Antikörper-Werte nach einer früheren, möglicherweise unbemerkten Infektion über viele Jahre erhalten bleiben. Studien haben gezeigt, dass zum Beispiel im Alter von 14 bis 17 Jahren 7% der Jugendlichen Antikörper gegen Borrelien im Blut haben, bei Erwachsenen sind es je nach geographischer Region und Alter bis zu 20 Prozent (siehe Epidemiologisches Bulletin 14/2012). Ein positiver Antikörpertest kann nur unter Berücksichtigung der klinischen Symptome für den einzelnen Patienten sinnvoll interpretiert werden. Verlaufskontrollen sind insbesondere bei Frühformen sinnvoll.
Weitere Informationen zur Labordiagnostik auf der Webseite des Nationalen Referenzzentrums für Borrelien:
http://www.lgl.bayern.de/gesundheit/infektionsschutz/infektionskrankheiten_a_z/borreliose/nrz_borrelien.htm

Stand: 12.02.2014

Ist man nach einer zurückliegenden Infektion mit Lyme-Borreliose-Erregern immun?

Eine durchgemachte Lyme-Borreliose stellt in der Regel keinen Schutz gegen eine erneute Infektion dar.

Stand: 12.02.2014

Ist eine bundesweite Meldepflicht sinnvoll?

Ob eine Krankheit oder ein Erregernachweis meldepflichtig ist, hängt nicht vorrangig von der Bedeutung oder Schwere der betreffenden Erkrankung ab. Eine gesetzliche Verpflichtung der Ärzte oder Laboratorien zur Meldung einer bestimmten Krankheit oder eines bestimmten Krankheitserregers setzt voraus, dass diese Meldepflicht ein geeignetes und angemessenes Mittel ist, um damit Verbesserungen für den Gesundheitsschutz zu erreichen. Meldepflichtig sind vor allem solche Krankheiten oder Erreger, die ein Handeln des Gesundheitsamtes in Bezug auf den Erkrankten erfordern, um eine Weiterverbreitung zu vermeiden. Eine Lyme-Borreliose ist aber nicht von Mensch zu Mensch übertragbar.
Meldedaten können grundsätzlich auch dazu beitragen, die Gesundheitsbehörden mit Daten zur Verbreitung zu versorgen, damit sie gezielter Maßnahmen ergreifen können, etwa eine Aufklärung der Bevölkerung oder der Fachkreise in bestimmten Regionen. Borrelieninfektionen kommen allerdings bundesweit vor. Ein wissenschaftlicher Erkenntnisgewinn durch die Analyse von Meldedaten wäre nur dann möglich, wenn detaillierte Informationen zu einzelnen Patienten und Krankheitsverläufen erhoben und übermittelt werden.
Die vorrangig erforderlichen Maßnahmen für Fortschritte in der Bekämpfung der Lyme-Borreliose sind die Standardisierung der Labordiagnostik und die Entwicklung therapeutischer Leitlinien, dafür ist eine Meldepflicht nicht erforderlich.
Die akute Lyme-Borreliose ist zunächst eine klinische Verdachtsdiagnose. Die Labordiagnostik stützt dies nur. Eine sinnvoll auswertbare Meldepflicht müsste daher primär durch eine Meldung des behandelnden Arztes an das Gesundheitsamt erfolgen. Dies ist mit einer deutlichen Belastung der Ärzteschaft verbunden, die vom Gesetzgeber gegen den Nutzen abzuwägen ist. Sollte eine Mehrheit der Bundesländer eine Meldepflicht auf Landesebene einführen, könnte eine bundesweite Meldepflicht sinnvoll werden, um die Daten nach einheitlichen Standards zu erheben und vergleichbare Zahlen zu gewinnen.

Stand: 12.02.2014

Wo gibt es weitere Informationen?

Antworten des Robert Koch-Instituts auf häufig gestellte Fragen zu Zecken sind hier abrufbar. Fachinformationen des RKI sind auf der Borreliose-Seite in der Rubrik Infektionskrankheiten A-Z zu finden, die Bürgerinformationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sind unter www.kindergesundheit-info.de abrufbar. Auch das Nationale Referenzzentrum für Borreliose bietet Informationen für Ärzte und Patienten an (http://www.lgl.bayern.de/gesundheit/infektionsschutz/infektionskrankheiten_a_z/borreliose/lyme.htm).

Stand: 12.02.2014

Wieviele Borreliose-Fälle gibt es im Jahr in Deutschland?

Es gibt unterschiedliche wissenschaftliche Studien zur Schätzung der jährlichen Zahl der Borreliosefälle. Das Robert Koch-Institut hat keine eigene Schätzung durchgeführt.
Bei einer Studie in Niedersachen in den Jahren 1987 bis 1988 wurden Einsendungen von niedergelassenen Ärzten untersucht und auf Deutschland hochgerechnet. Bei der Annahme einer homogenen geographischen Verteilung der Borreliose ergab sich dabei die Zahl 40.000 bis 80.000 jährlich Neuerkrankungen (Horst, 1993, Perimed-Spitta Medizinische Verlagsgesellschaft).
In den Neunzigerjahren wurden unter anderem in Würzburg sogenannte prospektive (auf die Zukunft gerichtete) Studien durchgeführt, dabei wurde in einzelnen Regionen über einen festgelegten Zeitraum überprüft, wieviele Borreliose-Fälle auftreten. Dabei wurde eine Zahl von 100 bis 150 Fällen/100.000 Einwohner gefunden (Huppertz, Eur J Clin Microbiol Infect Dis. 1999). Das würde auf Deutschland hochgerechnet 80.000 bis 120.000 Fälle bedeuten (siehe auch www.aerzteblatt.de/archiv/63176).
Die Studie einer Frankfurter Arbeitsgruppe hat die Abrechnungsdaten der Ärzte und Krankenhäuser bei einer großen Krankenkasse ausgewertet und auf alle zu erwartenden Abrechnungen hochgerechnet. In dieser Arbeit wurden jährlich 214.000 Fälle in Deutschland geschätzt, die Autoren erwähnen aber, dass diese Zahl aufgrund von klinischen Fehldiagnosen oder fehlerhafter Kodierung bei der Abrechnung zu hoch geschätzt sein könnte. (Müller I, Clin Dev Immunol.2012), siehe auch www.faz.net/aktuell/wissen/natur/lyme-borelliose-die-unheilvolle-sommerfracht-11760111.html).
Unabhängig von den unterschiedlichen Ergebnissen solcher Studien ist unstrittig, dass es sich bei der Borreliose um eine weit verbreitete Erkrankung handelt, die ernst zu nehmen ist. Allerdings handelt es sich bei den allermeisten Erkrankungen um vergleichsweise milde Verläufe („Wanderröte“), die mit Antibiotika gut behandelbar sind und auch behandelt werden müssen, damit keine Komplikationen auftreten. Die vorrangig erforderlichen Maßnahmen für Fortschritte in der Bekämpfung der Lyme-Borreliose - die Standardisierung der Labordiagnostik und die Entwicklung therapeutischer Leitlinien - sind unabhängig von der genauen Zahl der Neuerkrankungen pro Jahr.
Fachliche Informationen zu Borreliose und Links auf laienverständliche Materialien insbesondere der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung finden Sie unter www.rki.de/borreliose.

Stand: 20.08.2014

Zusatzinformationen

Ge­sund­heits­mo­ni­to­ring

In­fek­ti­ons­schutz

Forschung

Kom­mis­sio­nen

Ser­vice

Das Robert Koch-Institut ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit

© Robert Koch-Institut

Alle Rechte vorbehalten, soweit nicht ausdrücklich anders vermerkt.