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Häufig gestellte Fragen zur Rück­stellungs­frist für MSM von der Blutspende

Stand: 21.08.2017

Wer legt fest, wer Blut spenden darf?

In Richtlinien ist festgelegt, wer Blut spenden darf. Diese Richtlinien werden von der Bundesärztekammer und dem Paul-Ehrlich-Institut herausgegeben und regelmäßig aktualisiert (Richtlinien zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Hämotherapie)). Die Basis für die Erstellung von Richtlinien für die Herstellung von Blutprodukten ist §12 des Transfusionsgesetzes. Außerdem müssen europäische Vorgaben zur Spenderauswahl berücksichtigt werden, die zwingend in Deutschland umgesetzt werden müssen. Darüber hinaus besteht für jeden Blutspendedienst die Möglichkeit, weitergehende Auswahlkriterien für seinen Bereich festlegen.

Stand: 09.07.2013

Wieso besteht ein Infektionsrisiko für Patienten, obwohl jede Spende getestet wird?

Jede Blutspende wird mindestens auf Infektionsmarker für die viralen HIV-, Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Infektionen und die bakterielle Syphilis-Infektion getestet. Die verwendeten Tests auf Antikörper sind heute äußerst zuverlässig, aber es besteht ein in der Natur der Sache liegender schwacher Punkt: Das sogenannte diagnostische Fenster. Dieser Begriff steht für den Zeitraum nach einer Ansteckung, die der Körper benötigt, um Abwehrstoffe (Antikörper) gegen diese Viren zu bilden, die in den Tests nachgewiesen werden können, als indirekter Beleg einer Infektion. Seit einigen Jahren wird in Deutschland zusätzlich direkt auf HIV und Hepatitis-C-Viren getestet (mittels sogenannter PCR). Aber auch dieser Test kann die Fensterphase nur weiter verkürzen, nicht aber vollständig beseitigen. Die Länge des diagnostischen Fensters kann, abhängig vom Test und vom Erreger, bis zu acht Wochen lang sein. Es bleibt also ein Restrisiko durch frisch Infizierte, die selbst von diesen hochempfindlichen Tests nicht erfasst werden können.

Ein weiteres Risiko besteht, wenn Erreger sich verändern (mutieren) und in der Folge durch die Standardtests nicht mehr nachgewiesen werden können. Dies ist in den letzten Jahren bei HIV-infizierten Blutspendern vorgekommen, so dass der direkte Virusnachweis nicht gelang.

Stand: 09.07.2013

Warum werden MSM erst 12 Monate nach ihrem letzten Sex zur Blutspende zugelassen?

Zahlreiche schwer­wiegende Infektions­krankheiten können durch Sexual­kontakte übertragen werden. Dazu gehören nicht nur HIV-, HCV- und HBV-Infektionen sowie Syphilis, auf die jede Blutspende getestet wird, sondern beispiels­weise auch Zikavirus- und Hepatitis-A-Infektionen oder Gonorrhö. Bei einigen dieser sexuell übertragbaren Erkrankungen können die Erreger über einen längeren Zeitraum unerkannt im Blut zirkulieren, ohne dass man sich schon krank fühlt. Bei einer Blutspende in dieser Erkrankungs­phase besteht die Gefahr, dass der Erreger auf den Empfänger der Spende übertragen wird.

Aus diesem Grund werden alle Personen, deren sexuelles Verhalten ein erhöhtes Risiko für Infektionen mit sich bringt, von der Blutspende zurück­gestellt. Dies betrifft nicht nur MSM sondern auch hetero­sexuelle Personen mit häufig wechselnden Partnern, Sex­arbeite­rinnen und Sexarbeiter und Trans­sexuelle mit sexuellem Risiko­verhalten.

Stand: 21.08.2017

Warum gelten MSM als "Personen, deren Sexual­verhalten ein gegen­über der Allgemein­bevölkerung deutlich erhöhtes Übertragungs­risiko für durch Blut über­trag­bare schwere Infektions­krankheiten birgt"?

Epidemio­lo­gische Daten des Robert Koch-Instituts zeigen, dass Sex unter Männern mit einem besonders hohen Übertragungs­risiko für verschiedene Infektionen einhergeht. So entfallen mehr als zwei Drittel der jährlichen Neu­in­fek­tionen mit HIV auf die Gruppe der MSM. Auch bei Syphilis­erkrankungen mit bekanntem Infektions­weg wurden 85% aller Erkran­kungen auf Sex unter Männern zurückgeführt. Aus der Diskrepanz zwischen der Infektions­häufigkeit bei MSM und dem Anteil von MSM an der Bevölkerung (ca. 3-5%) resultiert das gegen­über der Allgemein­bevölkerung deutlich erhöhte Infektions­risiko.

Stand: 21.08.2017

Warum gilt die 12-monatige Rück­stell­frist auch für MSM, die ausschließlich safer sex haben oder in einer festen Partner­schaft leben?

Kondome sind unbestritten ein geeignetes Mittel, sich vor sexuell übertragbaren Krankheiten zu schützen, sofern sie sachgerecht und wirklich bei jedem Sexualkontakt verwendet werden. Zum einen kann bei der eingehenden Befragung im Rahmen der Blutspende nicht mit Sicherheit nachvollzogen werden, ob Kondome bei jedem Sexualverkehr tatsächlich und wirksam angewendet wurden. Zudem stellt der Kondomgebrauch wegen möglicher Anwendungsfehler und eines möglichen Materialversagens nicht hinreichend sicher, dass die Qualitätskriterien für ein Arzneimittel aus Blut immer erfüllt werden.

Auch in einer festen Beziehung ist nicht auszuschließen, dass beide Partner tatsächlich treu sind. Der Partner setzt sich bei Sexualverkehr außerhalb der Partnerschaft einem erhöhten Infektionsrisiko aus und stellt damit auch für den treuen Partner ein Infektionsrisiko dar.

Stand: 21.08.2017

Welche Rückstellungsfrist gilt für Heterosexuelle?

Auch hetero­sexuelle Personen, die durch ihr Sexual­verhalten ein erhöhtes Risiko haben, sich mit gefährlichen Erregern zu infizieren, dürfen entsprechend der Hämo­therapie­richtlinien erst 12 Monate nach ihrem letzten Sex spenden. Dies betrifft z.B. Hetero­sexuelle mit häufig wechselnden Partnern.

Stand: 21.08.2017

Warum wird nicht jeder potenzielle Spender nach seinen individuellen Risiken (Anzahl Partner, Kondomgebrauch, Sexualpraktiken) befragt?

Das individuelle Verhalten jedes Einzelnen – und hier insbesondere das Sexual- oder Partnerschaftsverhalten oder sexuelle Praktiken im Rahmen einer Spenderbefragung detailliert zu erfragen – ist für die Spendeeinrichtungen nicht durchführbar. Zum einen fehlt im Rahmen der Spende die Zeit, diese sehr persönlichen Fakten zu erfragen und zu bewerten und zum anderen kann im Rahmen einer Spende kein vertrauensvolles Arzt-Patienten-Verhältnis aufgebaut werden, in dem derartig private Dinge verlässlich erörtert werden können. Auch zeigen Pilotstudien mit neuen Spenderfragebögen, dass die Bereitschaft von Spendern, detailliert über ihr Sexualleben Auskunft zu geben, nicht gegeben ist.

Stand: 09.07.2013

Dürfen MSM auch in anderen Ländern erst 12 Monate nach ihrem letzten Sex spenden?

In vielen Ländern gilt noch immer ein lebens­langer Ausschluss für MSM von der Blutspende. In den letzten Jahren haben einige Länder den generellen Ausschluss aufgehoben. Beispielsweise dürfen MSM in Groß­britannien, Australien, Kanada, USA, Neuseeland, Frankreich und den Niederlanden Blut spenden, wenn ihr letzter Sexualkontakt zu einem anderen Mann mehr als 1-5 Jahre zurückliegt. In einigen Ländern wie z.B. Spanien und Italien hat man sich entschieden, Spender nach individueller Risiko­beurteilung durch das ärztliche Personal zur Spende zuzu­lassen. MSM mit wech­seln­den Partnern sind auch hier immer von der Spende ausge­schlossen.

Stand: 21.08.2017

Warum stellt das Zulassungs­kriterium für MSM zur Spende keine Diskrimi­nierung dar?

Spenderauswahl­kriterien dienen der Sicherheit von Spendern und Empfängern. Um die Spender­auswahl bei mehr als sieben Millionen geleisteten Spenden im Jahr handhaben zu können, sind in den Richtlinien Personen­gruppen benannt, für die besondere Rückstell­fristen gelten. Entscheidend ist dabei das erhöhte Risiko für eine Infektions­übertragung bei der Blutspende, das diese Gruppe darstellt. Bei der Gruppe der MSM ist dies nicht auf die sexuelle Orientierung ausgerichtet, sondern auf das Verhalten, von dem das Risiko ausgeht (Sex unter Männern). Dieses ist nachweislich mit einem erhöhten Infektions­risiko für sexuell übertragbare Infektionen einschließlich HIV assoziiert. Daher ist die Rückstell­frist durch Daten gut begründbar und dient der Sicherheit der Patienten, die auf Blut angewiesen sind. Eine Diskriminierung liegt nicht vor.

Stand: 21.08.2017

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