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Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ): Asylsuchende und Infektionskrankheiten

Stand: 14.1.2016

Welche Infektionskrankheiten kommen bei Asylsuchenden vor?

Asylsuchende leiden primär unter den gleichen Infektionskrankheiten wie die ansässige Bevölkerung. Die anstrengende Reise, ein oft fehlender Impfschutz und die enge räumliche Situation in den Aufnahmeeinrichtungen können jedoch dazu führen, dass Asylsuchende empfänglicher für einige Infektionskrankheiten sind. Meistens handelt es sich um Erkältungskrankheiten und Magen-Darm-Infekte. Saisonbedingt werden z.B. Influenza-Erkrankungen häufiger diagnostiziert. Dem RKI wurden über das infektionsepidemiologische Meldewesen außerdem Fälle von Windpocken, Tuberkulose, Hepatitis (B, teilweise auch A und C), Rota- und Norovirus-Infektionen, einige Masern-, Mumps- und Salmonellen-Infektionen übermittelt. Sehr vereinzelt werden auch Fälle von seltenen schwerwiegenden importierten Krankheiten wie Läuserückfallfieber oder Typhus gemeldet. Das Robert Koch-Institut beobachtet die Lage und veröffentlicht regelmäßig Berichte über meldepflichtige Infektionskrankheiten bei Asylsuchenden in Deutschland.

Stand: 14.01.2016

Bringen Asylsuchende Infektionen mit?

Aufgrund des häufigeren Vorkommens in den Heimatländern werden manche Infektionskrankheiten bei Asylsuchenden häufiger beobachtet, zum Beispiel Tuberkulose. Mit dem Ziel, eine Weiterverbreitung zu verhindern, ist es daher gesetzlich vorgeschrieben, dass Asylsuchende ab 15 Jahre bei der Aufnahme in eine Gemeinschaftsunterkunft geröntgt werden. Auf diese Weise werden Menschen mit offener Lungentuberkulose identifiziert, isoliert und behandelt.

Die Möglichkeit, dass Asylsuchende schwerwiegende, hierzulande seltene Infektionskrankheiten nach Deutschland importieren, schätzt das RKI aktuell als gering ein. Wenn diese Erkrankungen auftreten, sind sie meist nur bei engem Kontakt übertragbar (siehe Können Asylsuchende Ebolafieber oder MERS mitbringen?).

RKI-Analysen der Meldedaten von Infektionsgeschehen der letzten Jahre in Unterkünften von Asylsuchenden deuten darauf hin, dass sich die Erkrankten in den meisten Fällen in Deutschland angesteckt haben. Das heißt, die Asylsuchenden sind eher eine gefährdete Gruppe als eine Gruppe, von der für andere eine Gefahr ausgeht.

Stand: 14.01.2016

Können Asylsuchende auch schwere Infektionskrankheiten wie Ebolafieber oder MERS mitbringen?

Aufgrund internationaler Ausbruchsgeschehen werden gelegentlich Befürchtungen in Bezug auf Ebolafieber und MERS-Coronavirus geäußert. Mit diesen Infektionskrankheiten wird bei Asylsuchenden in Deutschland derzeit nicht gerechnet. Zum einen kommen die Krankheiten in den Herkunftsländern bzw. auf der Reiseroute selbst nicht vor. Zum anderen ist ihre Inkubationszeit (die Zeitspanne zwischen Ansteckung und Erkrankungsbeginn) kürzer als die Dauer der Flucht. Diese Erkrankungen werden meist nur durch Personen übertragen, die selbst Symptome zeigen.

Stand: 14.01.2016

Besteht eine Gefahr für die Allgemeinbevölkerung?

Das Robert Koch-Institut sieht derzeit keine relevante Infektionsgefährdung der Allgemeinbevölkerung durch Asylsuchende, vor allem, wenn die Bevölkerung den grundsätzlich geltenden Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) nachkommt. Durch die Routineimpfungen wird die Bevölkerung wirksam gegen zum Teil sehr ansteckende Krankheiten wie Masern oder Keuchhusten geschützt.

Sollten unter Asylsuchenden Infektionskrankheiten auftreten, kann jedoch in Einzelfällen eine Weiterverbreitung auch außerhalb der Gruppe der Asylsuchenden stattfinden. Neben den Routineimpfungen lässt sich das Übertragungsrisiko von Krankheitserregern durch einfache Schutzmaßnahmen erheblich verringern: Dazu zählen häufiges Händewaschen, das Reinigen häufig berührter Flächen und Türklinken und Abstandhalten zu Erkrankten.

Stand: 14.01.2016

Welche Impfungen werden Asylsuchenden in Deutschland empfohlen?

Grundsätzlich sollen Asylsuchende nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission geimpft werden. Da der Impfstatus von Asylsuchenden jedoch häufig unklar ist und um möglichst frühzeitig nach Ankunft in Deutschland einen evtl. fehlenden Impfschutz nachzuholen, hat das RKI in Abstimmung mit der Ständigen Impfkommission (STIKO) und den Ländern ein Konzept entwickelt, wie in der besonderen Situation der ersten medizinischen Versorgung Impfungen möglichst effektiv umgesetzt werden können (Epid Bull 41/2015).
Das Konzept enthält auch Empfehlungen für ein Mindest-Impfangebot für ungeimpfte Asylsuchende und Asylsuchende mit unklarem Impfstatus in Situationen, in denen die STIKO-Empfehlungen nicht vollständig umgesetzt werden können. Es wird betont, dass die Nachholung fehlender Impfungen bzw. die Vervollständigung von bereits begonnenen Impfserien entsprechend STIKO-Empfehlungen zu Nachholimpfungen im weiteren Verlauf (z.B. durch niedergelassene Ärzte nach Verlegung in die Kommunen) durchgeführt werden soll. Vorrangiges Ziel dieses Vorgehens ist es, möglichst rasch einen individuellen Schutz der Asylsuchenden vor impfpräventablen Krankheiten herzustellen sowie Ausbrüche dieser Erkrankungen in den Unterkünften der Asylsuchenden zu verhindern bzw. zu begrenzen.

Stand: 05.10.2015

Haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (einschl. ehrenamtlich Beteiligter) in Einrichtungen und Unterkünften für Asylsuchende ein erhöhtes Infektionsrisiko?

Bei Helfern in engem Kontakt ist von einem etwas erhöhten Risiko auszugehen. Deshalb sollte besonders bei Helfern der Impfschutz überprüft und sichergestellt werden, bevor sie ihren Einsatz beginnen.

Stand: 05.10.2015

Welche Impfungen werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (einschl. ehrenamtlich Beteiligter) in Einrichtungen und Unterkünften für Asylsuchende empfohlen?

Grundsätzlich gilt: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (inkl. beispielsweise ehrenamtliche Helferinnen und Helfer) sollten die Standardimpfungen nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) erhalten haben. Weiterhin ist die ArbmedVV zu beachten.

Die STIKO empfiehlt unabhängig von einer Tätigkeit in Einrichtungen für Asylsuchende allen Personen die Impfungen gegen:

  • Tetanus
  • Diphtherie
  • Kinderlähmung (Polio)
  • Keuchhusten (Pertussis)
  • Masern, Mumps, Röteln (für nach 1970 Geborene)
  • Influenza (für Personen ab 60 Jahre; in der Saison)

Ferner empfiehlt die STIKO die folgenden Impfungen bei beruflicher Indikation, die für Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen (inkl. beispielsweise ehrenamtliche Helferinnen und Helfer) in den Einrichtungen gegeben ist:

  • Hepatitis A
  • Hepatitis B
  • Auffrischimpfung gegen Polio, falls letzte Impfung vor mehr als 10 Jahren
  • Influenza (in der Saison)

Stand: 05.10.2015

Was soll bei Ausbrüchen von Infektionskrankheiten in Gemeinschaftsunterkünften gemacht werden?

Sollte es in Unterkünften zu Ausbrüchen kommen, ist es Ziel, die Infektionsgefahr für weitere Bewohner der Unterkunft und die Allgemeinbevölkerung schnell zu ermitteln, das kontaminierte Infektionsvehikel bzw. die Infektionsquelle zu identifizieren und abzustellen sowie durch gezielte Kontrollmaßnahmen oder Anpassungen von Hygienemaßnahmen Folgefälle und ähnliche Ausbrüche in der Zukunft zu verhindern.

Stand: 14.01.2016

Wie soll verfahren werden, wenn in einer Gemeinschaftsunterkunft für Asylsuchende aufgrund eines Varizellen-Ausbruchs eine Impfaktion gegen Varizellen geplant ist, nachdem bereits MMR-Impfungen verabreicht worden waren?

Grundsätzlich gilt: Eine Impfung von ungeimpften Personen mit negativer Varizellen-Anamnese und Kontakt zu Risikopersonen soll innerhalb von 5 Tagen nach Exposition bzw. 3 Tagen nach Exanthembeginn beim Indexfall durchgeführt werden. Lebendimpfstoffe (Impfstoffe mit abgeschwächten, vermehrungsfähigen Erregern, wie z.B. der Masern-, Mumps-, Röteln-Kombinationsimpfstoff oder der Varizellenimpfstoff) können simultan, also gleichzeitig verabreicht werden. Werden sie nicht simultan verabreicht, ist in der Regel ein Mindestabstand von vier Wochen einzuhalten.

Wird dieser Mindestabstand unterschritten, kann die Immunantwort der zweiten Lebendimpfung beeinträchtigt und der Impferfolg gefährdet sein. Man nimmt an, dass durch die Freisetzung von Interferonen nach der ersten Lebendvirus-Impfung die Aufnahme des zweiten Lebendvirus in die Immunzellen blockiert und damit die Immunantwort gegen das zweite Virus reduziert ist. Ferner wird davon ausgegangen, dass die Masernimpfung, ähnlich wie die Masern-Wildvirusinfektion, jedoch in abgeschwächter Form, eine immunsuppressive Wirkung haben kann, indem sie die zellvermittelte Immunität hemmt (1-3).

Die Datenlage hinsichtlich der Wirksamkeit von Lebendimpfstoffen, wenn sie nicht im empfohlenen Mindestabstand gegeben werden, ist begrenzt. In einer US-amerikanischen retrospektiven Kohortenstudie konnte jedoch gezeigt werden, dass das Risiko für ein Impfversagen nach Varizellen-Impfung bei Personen, die die VZV-Impfung in einem Zeitraum von < 28 Tagen nach MMR-Impfung erhalten hatten, 3-mal höher war als bei Personen, die im Abstand > 28 Tage geimpft worden waren (4).

Im Rahmen eines konzeptionellen Vorschlages des RKI zur Umsetzung frühzeitiger Impfungen bei Asylsuchenden nach Ankunft in Deutschland wird empfohlen, grundsätzlich Kinder bis einschließlich 12 Jahren gegen Varizellen zu impfen. Ferner sollte routinemäßig allen nach 1970 geborenen Asylsuchenden, die keine dokumentierte Impfung gegen Masern vorweisen können, eine MMR-Impfung angeboten werden (siehe 5). Kommt es in einer Gemeinschaftsunterkunft für Asylsuchende zu einem Varizellen-Ausbruch, sollte die Durchführung von Riegelungsimpfungen erwogen werden, da in einer solchen Gemeinschaftsunterkunft der Kontakt zu Risikopersonen sehr wahrscheinlich und eine Abgrenzung schwierig ist.

Sind Riegelungsimpfungen im Rahmen eines Varizellen-Ausbruchs in einer Gemeinschaftsunterkunft für Asylsuchende erforderlich, kann ausnahmsweise unter individueller Risiko-Nutzen-Abwägung eine Impfung gegen Varizellen auch im Abstand von weniger als 28 Tagen nach einer zuvor verabreichten MMR-Impfung zur Prävention eines schweren Verlaufs einer Varizellenerkrankung erfolgen. Ein kürzeres Intervall als vier Wochen zwischen den beiden Lebendimpfungen ist in den Fachinformationen zwar nicht als Kontraindikation aufgeführt, jedoch ist entsprechend den Ausführungen zu den Wechselwirkungen mit einer Beeinträchtigung des Impferfolgs bei der Impfung gegen Varizellen zu rechnen.

Werden zwei Lebendimpfstoffe (MMR; VZV) in einem Abstand von weniger als 28 Tagen gegeben, sollte auf jeden Fall die zweite Impfung wiederholt werden und hierfür dann ein Abstand von mindestens 4 Wochen zur letzten Impfung mit Lebendimpfstoff eingehalten werden, um die Immunantwort zu verbessern. Diese Impfung kann, sofern für die Altersgruppe zugelassen, ggf. mit einem MMRV-Kombinationsimpfstoff erfolgen.

Aufgrund der Tatsache, dass die Varizellenimpfung weltweit selten als Routineimpfung für Kinder empfohlen wird und somit zu erwarten ist, dass viele, insbesondere höhere Altersgruppen eine natürliche Immunität aufweisen, sollten Kinder bevorzugt geimpft werden. Aufgrund der hohen Kontagiösität der Varizellen sollten neben einer Impfung innerhalb von drei Tagen nach Kontakt mit einem an Varizellen Erkrankten weitere Maßnahmen durchgeführt werden, die zum Kontaktmanagement und zur Eindämmung des Ausbruchs beitragen können, wie z.B. der Aufnahmestopp besonders gefährdeter Personengruppen (z.B. von Schwangeren) (siehe auch 6).

Verwendete Literatur:

  1. Petralli JK, Merigan TC, Wilbur JR: Action of Endogenous Interferon against Vaccinia Infection in Children. Lancet. 1965;2(7409):401-5.
  2. Petralli JK, Merigan TC, Wilbur JR: Circulating Interferon after Measles Vaccination. N Engl J Med. 1965;273:198-201.
  3. Fireman P, Friday G, Kumate J: Effect of measles vaccine on immunologic responsiveness. Pediatrics. 1969;43(2):264-72.
  4. Verstraeten T, Jumaan AO, Mullooly JP, Seward JF, Izurieta HS, DeStefano F, et al.: A retrospective cohort study of the association of varicella vaccine failure with asthma, steroid use, age at vaccination, and measles-mumps-rubella vaccination. Pediatrics. 2003;112(2):e98-103.
  5. Konzept zu Impfungen bei Asylsuchenden, Epid Bull 41/2015
  6. Management von Ausbrüchen in Gemeinschaftsunterkünften für Asylsuchende

Stand: 14.01.2016

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