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Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ): Asylsuchende und Infektionskrankheiten

Stand: 27.2.2017

Welche Infektionskrankheiten kommen bei Asylsuchenden vor?

Asylsuchende leiden primär unter den gleichen Infektionskrankheiten wie die ansässige Bevölkerung. Die anstrengende Reise, ein oft fehlender Impfschutz und die enge räumliche Situation in den Aufnahmeeinrichtungen können jedoch dazu führen, dass Asylsuchende empfänglicher für einige Infektionskrankheiten sind. Meistens handelt es sich um Erkältungskrankheiten und Magen-Darm-Infekte. Saisonbedingt werden z.B. Influenza-Erkrankungen häufiger diagnostiziert. Dem RKI wurden über das infektionsepidemiologische Meldewesen außerdem Fälle von Windpocken, Tuberkulose, Hepatitis (B und C, teilweise auch A), Rota- und Norovirus-Infektionen, einige Masern-, Mumps- und Salmonellen-Infektionen und auch Malariafälle übermittelt. Sehr vereinzelt werden auch Fälle von seltenen schwerwiegenden importierten Krankheiten wie Läuserückfallfieber oder Typhus gemeldet. Das Robert Koch-Institut beobachtet die Lage und veröffentlicht regelmäßig Berichte über meldepflichtige Infektionskrankheiten bei Asylsuchenden in Deutschland.

Über Fälle von Skabies (Krätze) bei Asylsuchenden wurde berichtet. Skabies kann generell in allen Arten von Gemeinschaftsunterkünften und –einrichtungen, z.B. in Kindergärten, Schulen oder Pflegeheimen auftreten und ist bislang nicht meldepflichtig. Betroffene Einrichtungen sollten jedoch, wenn sie nicht ohnehin nach IfSG dazu verpflichtet sind, das zuständige Gesundheitsamt informieren.

Stand: 27.02.2017

Bringen Asylsuchende ansteckende Krankheiten mit?

Aufgrund des häufigeren Vorkommens in den Heimatländern werden manche Infektionskrankheiten bei Asylsuchenden häufiger beobachtet, zum Beispiel Tuberkulose. Mit dem Ziel, eine Weiterverbreitung zu verhindern, ist es daher gesetzlich vorgeschrieben, dass Asylsuchende ab 15 Jahre bei der Aufnahme in eine Gemeinschaftsunterkunft geröntgt werden. Auf diese Weise werden Menschen mit offener Lungentuberkulose identifiziert, isoliert und behandelt.

RKI-Analysen der Meldedaten von Infektionsgeschehen der letzten Jahre in Unterkünften von Asylsuchenden deuten darauf hin, dass sich die Erkrankten in den meisten Fällen in Deutschland angesteckt haben. Das heißt, die Asylsuchenden sind eher eine gefährdete Gruppe als eine Gruppe, von der für andere eine Gefahr ausgeht.

Stand: 27.02.2017

Besteht eine Gefahr für die Allgemeinbevölkerung?

Das Robert Koch-Institut sieht derzeit keine relevante Infektionsgefährdung der Allgemeinbevölkerung durch Asylsuchende, vor allem, wenn die Bevölkerung den grundsätzlich geltenden Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) nachkommt. Durch die Routineimpfungen wird die Bevölkerung wirksam gegen zum Teil sehr ansteckende Krankheiten wie Masern oder Keuchhusten geschützt.

Sollten unter Asylsuchenden Infektionskrankheiten auftreten, kann jedoch in Einzelfällen eine Weiterverbreitung auch außerhalb der Gruppe der Asylsuchenden stattfinden. Neben den Routineimpfungen lässt sich das Übertragungsrisiko von Krankheitserregern durch einfache Schutzmaßnahmen erheblich verringern: Dazu zählen häufiges Händewaschen, das Reinigen häufig berührter Flächen und Türklinken und Abstandhalten zu Erkrankten.

Stand: 14.01.2016

Welche Impfungen werden Asylsuchenden in Deutschland empfohlen?

Grundsätzlich sollen Asylsuchende nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission geimpft werden. Da der Impfstatus von Asylsuchenden jedoch häufig unklar ist und um möglichst frühzeitig nach Ankunft in Deutschland einen evtl. fehlenden Impfschutz nachzuholen, hat das RKI in Abstimmung mit der Ständigen Impfkommission (STIKO) und den Ländern ein Konzept entwickelt, wie in der besonderen Situation der ersten medizinischen Versorgung Impfungen möglichst effektiv umgesetzt werden können (Epid Bull 41/2015).

Das Konzept enthält auch Empfehlungen für ein Mindest-Impfangebot für ungeimpfte Asylsuchende und Asylsuchende mit unklarem Impfstatus in Situationen, in denen die STIKO-Empfehlungen nicht vollständig umgesetzt werden können. Es wird betont, dass die Nachholung fehlender Impfungen bzw. die Vervollständigung von bereits begonnenen Impfserien entsprechend STIKO-Empfehlungen zu Nachholimpfungen im weiteren Verlauf (z.B. durch niedergelassene Ärzte nach Verlegung in die Kommunen) durchgeführt werden soll. Vorrangiges Ziel dieses Vorgehens ist es, möglichst rasch einen individuellen Schutz der Asylsuchenden vor impfpräventablen Krankheiten herzustellen sowie Ausbrüche dieser Erkrankungen in den Unterkünften der Asylsuchenden zu verhindern bzw. zu begrenzen.

Informationen darüber, wie zu verfahren ist, wenn in einer Gemeinschaftsunterkunft für Asylsuchende aufgrund eines Windpocken-Ausbruchs eine Impfaktion gegen Windpocken geplant ist, nachdem bereits MMR-Impfungen verabreicht worden sind, gibt es hier.

Stand: 27.02.2017

Haben Mitarbeiter (einschl. Ehrenamtliche) in Einrichtungen und Unterkünften für Asylsuchende ein erhöhtes Infektionsrisiko?

Bei Helfern in engem Kontakt ist von einem etwas erhöhten Risiko auszugehen. Deshalb sollte besonders bei Helfern der Impfschutz überprüft und sichergestellt werden, bevor sie ihren Einsatz beginnen.

Stand: 05.10.2015

Welche Impfungen werden Mitarbeitern (einschl. Ehrenamtlicher) in Einrichtungen und Unterkünften für Asylsuchende empfohlen?

Grundsätzlich gilt: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, auch ehrenamtliche Helfer, sollten die Standardimpfungen nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) erhalten haben. Weiterhin ist die Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbmedVV) zu beachten.

Wie von der STIKO empfohlen sollten alle erwachsenen Personen unabhängig von der Tätigkeit in einer Einrichtung für Asylsuchende einen Impfschutz gegen folgende Erkrankungen vorweisen:

Tetanus
Diphtherie
Kinderlähmung (Polio)
Keuchhusten (Pertussis)
Masern, Mumps, Röteln (für nach 1970 Geborene)
Influenza (für Personen ab 60 Jahre; in der Saison)

Bei fehlendem bzw. nicht ausreichendem Impfschutz sollten die noch fehlenden Impfungen nachgeholt werden.
Ferner empfiehlt die STIKO die folgenden Impfungen bei beruflicher Indikation, die für Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen (inkl. beispielsweise ehrenamtliche Helferinnen und Helfer) in den Einrichtungen gegeben ist:

Hepatitis A
Hepatitis B
Auffrischimpfung gegen Polio, falls letzte Impfung vor mehr als 10 Jahren
Influenza (in der Saison)

Auch hier ist zu beachten, dass eine Impfung nur dann erfolgen muss, wenn bei den genannten Personen ein Impfschutz gar nicht oder unzureichend vorliegt. D.h. ein schon vor einigen Jahren vollständig gegen Hepatitis B geimpfter Mitarbeiter benötigt nun keine erneute Hepatitis B-Impfung.

Stand: 27.02.2017

Was soll bei Ausbrüchen von Infektionskrankheiten in Gemeinschaftsunterkünften gemacht werden?

Sollte es in Unterkünften zu Ausbrüchen kommen, ist es Ziel, die Infektionsgefahr für weitere Bewohner der Unterkunft und die Allgemeinbevölkerung schnell zu ermitteln, das kontaminierte Infektionsvehikel bzw. die Infektionsquelle zu identifizieren und abzustellen sowie durch gezielte Kontrollmaßnahmen oder Anpassungen von Hygienemaßnahmen Folgefälle und ähnliche Ausbrüche in der Zukunft zu verhindern.

Stand: 14.01.2016

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