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Welttuberkulosetag 2017: Gemeinsam gegen Tuberkulose

Pressemitteilung des Robert Koch-Instituts

Die Zahl der Tuberkulosefälle in Deutschland ist 2016 weitgehend unverändert gegenüber 2015, damit aber auf ähnlich hohem Niveau wie zuletzt vor etwa zehn Jahren. "Eine hohe Aufmerksamkeit für diese Krankheit ist daher unverändert wichtig", betont Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts anlässlich des bevorstehenden Welttuberkulosetags am 24. März. Im Jahr 2016 wurden dem RKI 5.915 Erkrankungen übermittelt, 2015 waren es 5.852. Das aktuelle Epidemiologische Bulletin widmet sich den Herausforderungen einer modernen Tuberkulosekontrolle in mehreren Beiträgen. Eine ausführliche Bewertung der Tuberkulosesituation für das Jahr 2015 enthält der Ende 2016 vom RKI veröffentlichte Jahresbericht.

"Für die kontinuierliche Überwachung von Infektionskrankheiten sind neue Ansätze wie eine systematische molekulare Untersuchung des Erbguts der Erreger zukünftig unverzichtbar", betont Lothar H. Wieler. Auch bei Tuberkulose liefern Erregergenom-Daten wichtige Informationen zur epidemiologischen Aufklärung des Übertragungsgeschehens und können damit zur Unterbrechung des Transmissionsgeschehens beitragen. Im Epidemiologischen Bulletin berichten RKI-Wissenschaftler über Anforderungen und Perspektiven einer Integration von "Genomsequenzdaten" der Erreger in die Tuberkuloseüberwachung.

Eine aktive Fallsuche ist essentiell, um Erkrankungsfälle und Neuinfektionen zu finden und eine Verbreitung zu vermeiden. Das Gesundheitsamt ermittelt enge Kontaktpersonen von Patienten mit infektiöser Lungentuberkulose und veranlasst bei Bedarf eine weitergehende Untersuchung oder präventive Therapie. Zudem ist es gesetzlich vorgeschrieben, bestimmte Bevölkerungsgruppen, darunter Asylsuchende, bei Aufnahme in eine

Gemeinschaftseinrichtung zu untersuchen. Ein negativer Befund schließt jedoch eine spätere Erkrankung an Tuberkulose nicht aus. Das frühzeitige Erkennen der Tuberkulose bei Patienten, die sich wegen Krankheitszeichen in ärztliche Behandlung begeben, ist daher eine wichtige Säule der Tuberkulosekontrolle. Ärzte sollten daher immer eine Tuberkulose in Betracht ziehen bei Personen mit entsprechenden Symptomen oder besonderen Risiken für eine Erkrankung. Zu den Risikogruppen zählen zum Beispiel Obdachlose oder Personen aus Regionen mit hoher Tuberkuloserate.

Tuberkulose ist gut behandelbar und heilbar. Das Deutsche Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose stellt im Epidemiologischen Bulletin die neuen Leitlinien zu Diagnostik, Therapie und Prävention der Tuberkulose im Erwachsenenalter vor. Erstmals werden in Kürze auch eigene Leitlinien für Kinder und Jugendliche verfügbar sein. Die Leitlinien wurden gemeinsam mit vielen medizinischen Fachgesellschaften erarbeitet.

Für eine sachgerechte Therapie ist es wichtig, das Resistenzprofil der Bakterien zu kennen. Umfassende Resistenztestungen werden im Nationalen Referenzzentrum für Mykobakterien im Forschungszentrum Borstel und in Speziallaboren durchgeführt. Der Anteil multiresistenter Stämme in Deutschland ist entsprechend dem RKI-Jahresbericht 2015 gegenüber 2014 leicht gestiegen, auf jetzt 3,3% (125 Fälle). Am häufigsten werden multiresistente Erreger bei Patienten gefunden, die in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion geboren sind. In dieser Gruppe wird bei jedem vierten Tuberkulosepatienten eine Multiresistenz registriert.

Austausch und überregionale Vernetzung ermöglichen es den Akteuren, vorhandene Expertise zu nutzen und die Tuberkulosekontrolle gemeinsam weiterzuentwickeln. Zum nunmehr vierten Mal laden das Robert Koch-Institut, das Deutsche Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose und das Forschungszentrum Borstel gemeinsam zur Tagung "Tuberkulose aktuell" nach Berlin ein. Die Tagung am 20. März wird wieder durch das Bundesministerium für Gesundheit unterstützt. Mehr als 400 erwartete Teilnehmende, fast doppelt so viele wie im Vorjahr, belegen die hohe und benötigte Aufmerksamkeit für Tuberkulose.

Weitere Informationen: www.rki.de/tuberkulose

Stand: 16.03.2017

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