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Impflücken schließen. Die Europäische Impfwoche beginnt

Gemeinsame Pressemitteilung des Bundesministerium für Gesundheit, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und des Robert Koch-Instituts

Impfungen gehören zu den wichtigsten und wirksamsten präventiven Maß­nah­men, die in der Medizin zur Verfügung stehen. Dennoch gibt es immer noch Impflücken in allen Altersstufen. „Wer sich impfen lässt, zeigt damit nicht nur Verantwortungsgefühl für sich selbst, sondern für die gesamte Gesellschaft. Denn wer leichtfertig eine Impfung ablehnt, gefährdet auch die, die aus gesund­heit­lichen Gründen nicht geimpft werden können", sagt Bundes­gesund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe anlässlich der 10. Europäischen Impfwoche. Die Impfwoche beginnt am 20.4.2015 und steht unter dem Motto „Impflücken schließen“. Dass impfpräventable Krankheiten wie die Masern nicht harmlos sind, das zeigt der seit Monaten anhaltende Masernausbruch in Berlin, bei dem etwa ein Viertel der Betroffenen ins Krankenhaus musste und ein Todesfall zu beklagen war. Aber nicht nur Berlin ist betroffen – auch in anderen Bundesländern wurden Masernausbrüche gemeldet.

"Wir brauchen jetzt eine Kraftanstrengung von Ärzten, Kitas, Schulen und allen anderen Verantwortlichen, um die Impflücken zu schließen“, so Bundes­gesund­heits­mi­nis­ter Gröhe. "Mit dem Präventionsgesetz wird die Beratung und Auf­klä­rung zum Impfschutz verbessert. Wir müssen alle Gesundheits-Routine­unter­su­chun­gen nutzen, um den Impfschutz zu überprüfen. Und bei der Auf­nah­me in die Kita muss künftig ein Nachweis über eine ärztliche Impf­be­ratung vorgelegt werden." Aus zahlreichen Untersuchungen ist bekannt, dass die Patienten beim Impfen dem Rat ihres Arztes oder ihrer Ärztin folgen. Daher soll der Arzt-Patienten-Kontakt verstärkt genutzt werden.

Die Schulanfänger-Impfquoten sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen bzw. konstant hoch geblieben. Wie das soeben erschienene Epidemiologische Bulletin 16/2015 zeigt, hat sich die Impfquote für die zweite Masernimpfung von 2012 auf 2013 nur geringfügig erhöht, von 92,4% auf 92,6%. Für die Elimination ist eine Impfquote von 95% für beide Masern­impfungen erforderlich. Diese Quote erreichen bisher Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, knapp darunter (maximal 1 Prozentpunkt) liegen Thüringen, Nordrhein-Westfalen und erstmals Rheinland-Pfalz. „Allerdings werden viele Kinder zu spät gegen die Masern geimpft“, darauf weist Lothar H. Wieler hin, Präsident des Robert Koch-Instituts. Nicht oder nicht ausreichend geimpfte Kinder haben ein erhöhtes Krankheitsrisiko.

Ein maßgeblicher Grund für die starke Verbreitung der Masern in Berlin und zuneh­mend auch in Sachsen und Thüringen sind die großen Impflücken bei Jugend­lichen und jungen Erwachsenen. Nach Ergebnissen der DEGS-Studie des RKI hatten unter den 18 bis 44-Jährigen nur 56,9% mindestens eine Masern­impf­dosis erhalten. „Das Erreichen des Eliminationsziels ist nur realistisch, wenn diese Impflücken so schnell wie möglich geschlossen werden. Hierfür erscheint ein aufsuchendes Impfangebot in Kombination mit einer entsprechenden Infor­ma­tions­kam­pagne das einzig erfolgversprechende Konzept“, betont Lothar H. Wieler.

Mit der Kampagne "Deutschland sucht den Impfpass" macht die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf die Überprüfung des Impfstatus und speziell auch auf die Masern-Impfung aufmerksam.

„Die Kampagne soll Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die nach 1970 geboren sind, dazu motivieren, ihren Masern-Impfschutz bei ihrer Ärztin oder ihrem Arzt überprüfen zu lassen und fehlende Impfungen schnell nachzuholen“, erklärt Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA. Neben ausführlichen, wissen­schafts­basierten Informationen zu einer Reihe von Impfungen und den Inhalten der Aktion "Deutschland sucht den Impfpass", bietet die Internetseite www.impfen-info.de der BZgA auch eine Entscheidungshilfe zur "Masern-Mumps-Röteln-Impfung", einen aktuellen Impfkalender sowie einen interaktiven Masern-Impfcheck.

Neben den Impfquoten kommt einer - international vernetzten - molekularen Surveillance eine Schlüsselrolle zu. Nur durch umfassende Genotypisierung und epidemiologische Analysen sind Infektketten, die häufig mehrere Staaten betreffen, nachvollziehbar. Gesundheitsämter oder Ärzte sollten daher von jedem Masernverdachtsfall Proben an das Nationale Referenzzentrum (NRZ) für Masern, Mumps, Röteln am Robert Koch-Institut schicken. Das NRZ ist auch regionales WHO-Referenzlabor für Masern und Röteln.

Stand: 17.04.2015

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