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Welttuberkulosetag: Tuberkulosebekämpfung intensivieren!

Pressemitteilung des Robert Koch-Instituts

Die Weltgesundheitsorganisation strebt die Eliminierung der Tuberkulose an. Allerdings ist in Deutschland die Zahl der Tuberkulosen seit einigen Jahren nicht mehr rückläufig, sondern stagniert. "Daher ist eine In­ten­si­vie­rung der Tuberku­lo­se­be­kämp­fung erforderlich, um weitere Fortschritte erzielen zu können", daran erinnert Prof. Dr. Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts, anläss­lich einer Tuberkulosetagung am 16. März 2015. Die in diesem Jahr vom For­schungs­zentrum Borstel (mit dem dort an­ge­sie­del­ten Nationalen Re­fe­renz­zen­trum für Mykobakterien, NRZ) organisierte Tagung wird gemeinsam mit dem Robert Koch-Institut und dem Deutschen Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuber­ku­lose durchgeführt (siehe auch Pressemitteilung des Forschungszentrums Borstel vom 13.3.2015).

Am 24. März wird jährlich der Welttuberkulosetag begangen, im Gedenken an den Vortrag Robert Kochs über die Ursache der Tuberkulose am 24. März 1882. Anlässlich des Welttuberkulosetags erscheint auch eine Dop­pel­aus­gabe des Epidemiologischen Bulletins, die aktuelle Herausforderungen in der Tuber­ku­lo­se­kon­trolle beleuchtet: Mit dem Jahr 2015 beginnt ein neuer strategischer Abschnitt in der Bekämpfung der Tuberkulose: die „End TB-Stra­tegie“ der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­tion (WHO). Für Nie­drig­in­zi­denz­län­der mit weniger als 10 Tu­ber­ku­lo­se­fäl­len pro 100.000 Einwohner gibt es einen eigenen Rahmenplan. In diesen Nie­drig­in­zi­denz­län­dern, zu denen auch Deutschland gehört, soll bis 2035 eine "Präe­li­mi­na­tion" mit weniger als 1 Erkrankung pro 100.000 Einwohner erreicht sein, bis 2050 die Elimination mit weniger als 1 Erkrankung pro 1 Million Einwohner. Hierfür wäre in Deutsch­land ein jährlicher Rückgang der Tuberkulose-Inzidenz von mehr als 10% erforderlich.

Allerdings stagnieren in Deutschland die Erkrankungszahlen. Dem RKI wurden im Jahr 2013 insgesamt 4.318 Tuberkulosen übermittelt (5,3 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner), geringfügig mehr als 2012 (4.217 Fälle, Inzidenz 5,2) und vergleichbar mit dem Jahr 2011 (4.307 Fälle, Inzidenz 5,3). Der Anteil der mul­ti­re­sis­ten­ten Tuberkulosen ist 2013 auf 3,4% (102 Fälle) gestiegen (2012: 2,1%). Eine vergleichbare Fallzahl wurde zuletzt im Jahr 2005 registriert (106 Fälle, 2,7%), während in den vergangenen 5 Jahren jeweils zwischen 50 und 64 Fälle erfasst wurden.

Basis für eine erfolgreiche Tuberkulose-Kontrolle ist eine umfassende Sur­veil­lance, die zeitliche Entwicklungen, mögliche Einflussfaktoren und besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen aufzeigt. Für die Sur­veil­lance gewinnen molekularbiologische Verfahren für die Erkennung von Aus­bruchs­ge­sche­hen und die Aufklärung von Infektionsketten an Bedeutung. Mit der Erfassung und Übermittlung der Meldedaten und der Durchführung von Um­ge­bungs­un­ter­su­chun­gen zur raschen Unterbrechung von Infektionsketten leisten die Gesund­heits­äm­ter einen wesentlichen Beitrag zur Tuber­ku­lo­se­kon­trolle. "Dafür müssen sie ausreichend personell und finanziell aus­ge­stat­tet sein", unterstreicht Lothar H. Wieler. Auch die enge Zusammenarbeit zwischen stationären und ambulanten medizinischen Einrichtungen und Gesundheitsämtern sowie Informations- und Unterstützungsangebote für Patienten sind von zentraler Bedeutung.

Die Betreuung und medizinische Versorgung von Tuberkulosepatienten gestaltet sich zunehmend aufwändig. Gründe hierfür sind vor allem komplexe Medikamentenresistenzen, die einer langen und sorgfältig durchgeführten Antibiotikatherapie bedürfen, Begleiterkrankungen wie HIV und Hepatitis sowie oftmals schwierige soziale Rahmenbedingungen.

Stand: 13.03.2015

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