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Start des Forschungsprojekts zur Geschichte des Robert Koch-Instituts im Nationalsozialismus

Gemeinsame Pressemitteilung des Instituts für Geschichte der Medizin der Charité/Universitätsmedizin Berlin und des Robert Koch-Instituts

Am Institut für Geschichte der Medizin der Charité Universitätsmedizin Berlin wird seit Anfang Mai 2006 in einem neuen Forschungsvorhaben die Rolle des Robert Koch-Instituts (RKI) im nationalsozialistischen System erforscht. Das Robert Koch-Institut hatte das Vorhaben initiiert und finanziert es. Ziel des Projektes ist es, das wissenschaftliche, politische und wissenschaftspolitische Handeln der Wissenschaftler im RKI in der Zeit des Nationalsozialismus so vollständig wie möglich und ohne institutionelle Befangenheit zu erforschen. Dazu wurde unter dem Vorsitz der Berliner Professoren Volker Hess, Medizingeschichte Charité, und Rüdiger vom Bruch, Wissenschaftsgeschichte (HU), eine „Historische Kommission zur Aufarbeitung der Geschichte des Robert Koch-Instituts im Nationalsozialismus“ eingerichtet, die mit international renommierten Historikerinnen und Historikern besetzt ist. Dieses aktive und beratende Gremium wird die wissenschaftliche Unabhängigkeit und Qualität des auf zwei Jahre angelegten Forschungsprogramms gewährleisten.

In den vergangenen Jahren gab es einige große Projekte zur Aufarbeitung der Rolle großer Unternehmen und Institutionen in der NS-Zeit, unter anderem bei der Max-Planck-Gesellschaft und ihrer Institute. Auch die nationalsozialistische Gesundheits- und Bevölkerungspolitik ist seit einigen Jahren Gegenstand intensiver historischer Forschung. Zwar stand das Robert Koch-Institut in keiner der neueren Forschungsarbeiten im Mittelpunkt, doch wurde es immer wieder thematisiert, da es als Teil des damaligen Reichsgesundheitsamtes integraler Bestandteil der staatlichen Gesundheitsverwaltung war. Einzelne Mitarbeiter des Robert Koch-Instituts waren an inhumanen Menschenversuchen in Konzentrationslagern beteiligt.

Die Arbeitsgruppe am Institut für Geschichte der Medizin der Charité Universitätsmedizin Berlin, die im Mai 2006 ihre Arbeit aufgenommen hat, besteht aus der Historikerin Dr. phil. Annette Hinz-Wessels und der Medizinhistorikerin Dr. med. Marion Hulverscheidt. Beide weisen aufgrund ihrer Vorarbeiten zur Geschichte und Wissenschaftsgeschichte des Nationalsozialismus eine herausragende Expertise auf.

Das auf zwei Jahre angelegte Forschungsprogramm sieht auch zwei wissenschaftliche Fachtagungen sowie eine allgemein verständliche Darstellung der Geschichte des RKI im Nationalsozialismus und einen wissenschaftlichen Aufsatzband vor. Das Projekt ist Beispiel einer "neuen Wissenschaftsgeschichte", die durch den Blick auf die Institution die dort betriebenen Forschungen, deren Erkenntnisse und die beteiligten Akteure betrachtet, kritisch wertet und in den historischen Kontext einordnet. Dabei wird die einzelne Person stärker durch ihr wissenschaftliches Schaffen als durch biographische Details charakterisiert.

Zur Diskussion über NS-Verbrechen hat das Robert Koch-Institut bereits 1999 einen Beitrag geleistet. Das Institut hatte die Ausstellung „Verfolgte Ärzte im Nationalsozialismus“ mehrere Jahre in einem ehemaligen Kasernengelände an der General-Pape-Straße in Berlin gezeigt, das in dieser Zeit vom RKI genutzt wurde und in dem ein Gefängnis der SA entdeckt worden war. Zur Ausstellung wurde auch eine Dokumentation erarbeitet und 1999 veröffentlicht.

Stand: 12.05.2006

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