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Ständige Impfkommission (STIKO)

Dr. Jan Leidel, Vorsitzender der STIKODr. Jan Leidel, Vorsitzender der STIKO Quelle: privat

Sehr geehrte Damen und Herren,

sehr herzlich möchte ich Sie auf der neuen Website der Ständigen Impfkommission (STIKO) begrüßen. Die STIKO möchte durch diesen Internetauftritt die Transparenz ihres Vorgehens verbessern, die Gründe für ihre Empfehlungen und Stellungnahmen vor allem für die Fachöffentlichkeit, aber auch für interessierte Bürgerinnen und Bürger noch nachvollziehbarer und verständlicher machen und Informationen darüber geben, warum Schutzimpfungen auch heute noch so wichtig sind, auch in unserem Land, in dem manche früher gefürchteten Krankheiten gerade wegen der Impfungen selten geworden sind und viel von ihrem Schrecken verloren haben.

Folgt man den Vereinten Nationen, dann sind Schutzimpfungen neben dem Zugang zu medizinischer Grundversorgung und sauberem Wasser der wichtigste Grund für den Rückgang der Säuglingssterblichkeit, die Zunahme der Lebenserwartung und den Rückgang vieler übertragbarer Krankheiten. Tatsächlich gibt es in der Wissenschaft keinen Zweifel daran, dass Schutzimpfungen zu den sichersten und wirksamsten Vorsorgemaßnahmen gehören, über die die Medizin heute verfügt. Dabei schützen die meisten Impfungen nicht nur das geimpfte Individuum selbst. Bei genügend hoher Beteiligung können Ausbrüche impfpräventabler Krankheiten verhindert werden, weil in der Bevölkerung zu wenige empfängliche Personen vorhanden sind („Herdenimmunität“). Dann leben auch diejenigen, die nicht geimpft werden können, im Schutz der geimpften Mehrheit. Manche Krankheiten können hierdurch sogar regional eliminiert oder weltweit eradiziert werden. Gelungen ist dies z. B. mit den Pocken, der Infektionskrankheit, die über die Jahrtausende wohl die meisten Opfer gefordert hat. Dank konsequenter Impfprogramme konnte die Weltgesundheitsorganisation am 8. Mai 1980, 184 Jahre nach der ersten Pockenimpfung durch Edward Jenner, feierlich die Freiheit der Welt von Pocken verkünden. Jetzt scheint ein ähnlicher Erfolg mit der Kinderlähmung, der Polio, in absehbarer Zeit möglich zu sein. Und Europa hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2015 die oftmals unterschätzten Masern in diesem Kontinent zu eliminieren, was aber – gerade auch in unserem Land - noch große Anstrengungen aller Beteiligten erfordert.

Der überindividuelle Schutzeffekt ist auch der Grund für ein besonderes öffentliches Interesse an den Schutzimpfungen. So verpflichtet das Infektionsschutzgesetz (wie zuvor schon das Bundes-Seuchengesetz) die Bundesländer dazu, „öffentliche Impfempfehlungen“ auszusprechen. Dabei handelt es sich allerdings nicht um unverbindliche Empfehlungen im gewöhnlichen Sinne, sondern um dringende Aufforderungen an die Menschen, sich oder ihren Kindern die „öffentlich empfohlenen“ Impfungen geben zu lassen. Sie schützen damit nicht nur sich selbst, sondern auch besonders Gefährdete, die selbst nicht geimpft werden können. Gleichsam als Gegenleistung sagt der Staat zu, falls es wider Erwarten durch eine solche Impfung einmal zu einer gesundheitlichen Schädigung kommen sollte, eine Entschädigung zu leisten.

Damit die Länder möglichst einheitliche Empfehlungen auf Grundlage der besten verfügbaren wissenschaftlichen Kenntnisse aussprechen können, wurde 1972 am damaligen Bundesgesundheitsamt die „Ständige Impfkommission (STIKO)“ ins Leben gerufen und im Jahr 2000, nunmehr am Robert Koch-Institut angesiedelt, im Infektionsschutzgesetz verankert. Seitdem hat die STIKO ihre Vorgehensweise in Übereinstimmung mit internationalen wissenschaftlichen Entwicklungen ständig weiter entwickelt und den Prinzipien der Evidenzbasierten Medizin angeglichen. Im Interesse der angestrebten Transparenz hat die STIKO auch diese Standardvorgehensweise für die systematische Entwicklung von Impfempfehlungen auf diesen Seiten veröffentlicht. So soll für alle nachvollziehbar werden, dass die Empfehlungen der STIKO in einem sehr aufwändigen Verfahren nach den besten verfügbaren wissenschaftlichen Daten erarbeitet werden. Diese Transparenz und Nachvollziehbarkeit sind nach meiner Überzeugung eine wichtige Voraussetzung für das Vertrauen der impfenden Ärztinnen und Ärzte, der Eltern, der Gesundheitspolitikerinnen und –politiker sowie aller Menschen in unserem Lande, Vertrauen in die Arbeit der STIKO zum Wohle von unser aller Gesundheit.

Mit herzlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

Stand: 23.03.2012

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