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Mindestanforderungen zur Sterilitätstestung von Blutkomponenten, Votum 16 (07.1997), Bundesgesundheitsblatt 8/1997

V 16 (07.1997)

Votum des AK Blut

Bei der 23. Sitzung des Arbeitskreises Blut am 5. Juni 1997 wurde das nachfolgende Votum (V 16) verabschiedet. Bei der Erstellung dieses Votums wirkten das Paul-Ehrlich-Institut und die Bundesärztekammer mit.

Es fehlten bisher einheitliche Regelungen zu den Anforderungen bei der Sterilitätstestung von Blutkomponenten.Das von den drei genannten Institutionen erarbeitete Votum liefert die Grundlage für die Durchführung der Sterilitätstestung und definiert die grundsätzlichen Voraussetzungen, die eingehalten werden sollen. Hierfür bestand Bedarf bei den Herstellern und Anwendern von Blutkomponenten. Dieses Votum schließt somit eine seit langem bestehende Regelungslücke bei der Sicherung der Qualität von Blutkomponenten. Aus diesem Grunde ergeht das Votum als gemeinsame Stellungnahme aller drei oben genannten Institutionen.

Mindestanforderungen zur Sterilitätstestung von Blutkomponenten

Die Aufmerksamkeit für transfusionsassoziierte Infektionen durch Bakterien und Pilze ist in den letzten Jahren zurückgegangen, weil die Zahl mikrobiell bedingter Zwischenfälle seit der Einführung geschlossener Beutelsysteme wesentlich vermindert werden konnte. Exakte Daten über die aktuelle Kontaminationsrate von Blutkomponenten sind jedoch schwer zu erheben; die diesbezügliche nationale und internationale Literatur gibt Werte zwischen 0,03 % und 2 % an. Einerseits ist die Ursache für diese starken Differenzen in unterschiedlichen Hygienestandards der transfusionsmedizinischen Einrichtungen zu suchen, andererseits resultieren, bedingt durch unterschiedliches Vorgehen sowie methodische Probleme bei der Testung auf mikrobielle Kontamination, verschiedene Testergebnisse. Der Arbeitskreis Blut hat daher in Zusammenarbeit mit dem Paul-Ehrlich-Institut und der Bundesärztekammer "Mindestanforderungen zur Sterilitätstestung von Blutkomponenten" entwickelt. Dadurch ist die Voraussetzung sowohl für eine einheitliche qualitätsgerechte Kontrolle als auch für die Ermittlung der Kontaminationsrate gegeben.

Für die Erarbeitung der Methode zur Sterilitätstestung von Blutkomponenten wurden folgende Prämissen formuliert:

  1. Ausrichtung auf die speziellen Belange von Blutkomponenten.
  1. Reglementierung der unabdingbaren Forderungen bei Erhalt der Möglichkeit zur Weiterentwicklung der Methode und unter Berücksichtigung der Eigenverantwortung des Testers.
  1. Festlegung des Testumfangs in Relation zur Zahl produzierter Einheiten, welcher die Qualitätskontrolle - auch bei selten hergestellten Blutkomponenten - in ausreichendem Maße gewährleistet.
  1. Hohe Praktikabilität und Effizienz unter Berücksichtigung moderner mikrobiologischer Methoden.

Mindestanforderungen zur Sterilitätstestung (Test auf Kontamination durch Bakterien und Pilze) von Blutkomponenten (Zellkonzentrate, Gefrorenes Frischplasma, quarantänegelagert und Methylenblau/Licht-behandeltes Frischplasma)

Nr.Parameter FestlegungAnmerkungen
1.Zeitpunkt der ProbenahmeVerfallsdatum +/- 3 TagePlasma kann vor dem Einfrieren getestet werden.
2.Probenumfang

0,4 mal Wurzel aus n

der Monatsproduktion

jeder Blutkomponente

pro Betriebsstätte

Als Betriebsstätte im Sinne dieser Mindestanforderungen gilt jede

Einrichtung und jede Nebenstelle, die Aphereseprodukte und/oder Komponenten aus Vollblut herstellt.

n ist die Anzahl der hergestellten Einheiten von jeder Blutkomponente

Bei einem errechneten Wert von 2,2 sind beispielsweise 3 Präparate zu testen.

3.Probenmaterial

Beutelinhalt

Der Beutelinhalt kann in einen Satellitenbeutel überführt werden, wenn beide ein geschlossenes System bilden.

Gegebenenfalls kann auf Abfallprodukte wie

Waschlösungen, Restinhalte,

Zentrifugationsüberstände usw.

zurückgegriffen werden.

Der Beutelinhalt sollte gut durchmischt sein.

Unmittelbar nach der Gewinnung der Blutkomponente abgeschweißte Schlauchsegmente sind nicht geeignet.

Die Testung von Abfallprodukten ist beispielweise bei der Herstellung von gewaschenen und/oder gefilterten Zellkonzentraten und Babykonserven möglich.

Es wird empfohlen, den Beutel nach der Probeentnahme steril zu verschließen und für eventuelle Wiederholungsuntersuchungen kühl gelagert zu asservieren ( siehe auch 4. und 12.)

4.

Entnahmetechnik und

Verimpfung

Bezüglich der Methode werden keine Vorgaben

gemacht.

Eine geeignete Methode ist, die Probeentnahme über einen gesonderten, mit einer Kanüle versehene Schlauch vorzunehmen, welcher, beispielsweise mittels Steriler Connecting Device an den Beutel angeschweißt werden kann.

Aseptisches Arbeiten unter Laminar Flow wird angeraten. Diese Maethode führt zu einer wesentlichen Verminderung von Sekundäraninationen.

5.

Desinfektion der

Probenentnahmestelle

Es sind gut benetzende Desinfektionsmittel der

DGHM-Liste zu verwenden.

Vor Probenentnahme muß das Desinfektionsmittel

verdunstet sein.

Geeignete Desinfektionsmittel sind sporenfrei filtrierte Alkohole (wie Ethanol, 70-80 % v/v, oder Propanol, 50-60 % v/v, in Wasser) ohne rückfettende Zusätze mit einer Einwirkzeit von mindestens 1 min. Es ist zu beachten, daß Alkohole nicht sporozid wirken.

Ebenfalls geeignet ist Peressigsäure in einer Endkonzentration von 0.2 % v/v in Wasser, wobei die Einwirkzeit mindestens 1 min beträgt.

Es ist zweckmäßig, die Probenentnahmestelle vor der Desinfektion mit einer Detergentienlösung zu reinigen.

6.Flüssigmedien

Es sind mindestens zwei Medien einzusetzen,

die zum Nachweis von aeroben und anaeroben

Bakterien sowie von Pilzen geeignet sind.

Die Medien müssen einer Chargenkontrolle auf

Eignung unterzogen werden.

Geeignet sind Standardmedien wie Sojapepton-Caseinpepton-Nährmedium, Thioglycolat-Nährmedium, Sabouraud-Nährmedium, auch gehaltvollere Medien sowie gebrauchsfertige kommerzielle Nährmedien.

Die Chargenkontrolle kann z.B. nach K.H.Wallhäußer, Praxis der Sterilisation, Desinfektion und Konservierung, 5.Auflage 1995, Thieme, Stuttgart/New York, erfolgen.

Gebrauchsfertige kommerzielle Medien brauchen nicht auf Eignung gestestet zu werden, sofern der Hersteller die Qualität bescheinigt.

7.Inokulum-VoluminaGesamtvolumen mindestens 10 +/- 1 ml pro medium

a) bei Standardmedien (siehe 6.) ca. 1 : 10

b) bei gebrauchsfertigen kommerziellen Medien:

a) bei Standardmedien (siehe 6.) ca. 1 : 10

b) bei gebrauchsfertigen kommerziellen Medien

kann eine geringere Verdünnung (bis ca. 1:5)

gewählt werden, sofern die Herstellerangaben

dies erlauben.

Das Inokulum-Volumen kann in mehrere Portionen aufgeteilt werden. Bei Einsatz entsprechend höher konzentrierter selbst gefertigter bzw. selbst angesetzter Medien kann analog 7b inokuliert werden.
8.geeignete Methoden

konventionelle Flüssigkultur mit regelmäßiger

visueller Kontrolle auf Wachstum (Trübung)

Automaten mit kontinuierlicher

Wachstumskontrolle

9.Bebrütungstemperatur30 °C bis 37 °C
10.Bebrütungsdauer

konventionelle Flüssigkultur: 14 Tage, danach

in jedem Fall Aussaat auf feste Nährmedien

Automaten: 7 Tage, Aussaat auf feste

Nährmedien im Falle eines positiven

Ergebnisses

Bei zunehmender Trübung vor Ablauf dieser Zeit Bei zunehmender Trübung vor Ablauf dieser Zeit muß jedoch weitergeführt werden.
11.

feste Nährmedien für die

Aussaat

Bei Wachstum in der Flüssigkultur unter

aeroben Bedingungen:

Blutagar

Bei Wachstum in der Flüssigkultur unter

anaeroben Bedingungen:

Columbia-Blutagar, anaerobe Kultivierung

Bebrütungsdauer 48 Stunden bei 35-37 °C

Für die Aussaat können andere geeignete Optimalmedien verwendet werden.
12.Auswertung

Bei Keimwachstum in einer der angesetzten

Kulturen ist das Ergebnis der Sterilkontrolle

positiv.

Die nachgewiesenen Mikroorganismen müssen

differenziert werden.

Ist der erste Ansatz einer Sterilkontrolle positiv, sind Wiederholungsuntersuchungen ratsam. Bleiben bei der Wiederholungs-untersuchung alle Ansätze steril, wird die Sterilkontrolle als negativ bewertet. Bei erneutem Nachweis desselben Keims ist das Ergebnis der Sterilkontrolle positiv.

Wird in der Wiederholungsuntersuchung ein anderer Keim als im ersten Ansatz nachgewiesen, sollte die Sterilkontrollmethode kritisch überprüft werden, da der Verdacht auf Sekundärkontamination besteht.

Für spezielle Fragestellungen wird empfohlen, die isolierten Mikroorganismen in stabilisierter Form aufzubewahren.

Die "Mindestanforderungen zur Sterilitätstestung von Blutkomponenten" wurden von einer Untergruppe des Arbeitskreises Blut unter Einbeziehung externer Sachverständiger erarbeitet. Mitglieder: Th. Montag-Lessing (federführend), B. Baumann, R. Dörner, M. Exner, H.-P. Heinz, H. Lange, H. Trobisch, G. Walther-Wenke und E. Werner.

Für das:

Paul-Ehrlich-Institut:

  • Prof. Dr. R. Kurth - Präsident

Für die Bundesärztekammer:

  • Dr. K. Vilmar - Präsident
  • Prof. Dr. K.-D. Bachmann - Vorsitzender des Wiss. Beirates

Für den Arbeitskreis Blut:

  • Prof. Dr. R. Burger - Vorsitzender
  • Prof. Dr. R. Kroczek - Geschäftsführer

Stand: 05.06.1997

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