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Loeffler-Frosch-Medaille an Hans Gelderblom

Die Gesellschaft für Virologie hat dem langjährigen RKI-Wissenschaftler Dr. Hans Gelderblom die Loeffler-Frosch-Medaille verliehen. Mit dieser Medaille werden Persönlichkeiten aus dem deutschsprachigen Raum geehrt, die sich um die Virologie besonders verdient gemacht haben. Die Loeffler-Frosch-Medaille wird seit 2006 jährlich verliehen, unter den früheren Preisträgern ist auch Prof. Dr. Harald zur Hausen, der Medizinnobelpreisträger und frühere Leiter des Deutschen Krebsforschungszentrums.

In seiner Laudatio formulierte der Berliner Virologe Prof. Dr. Detlef Krüger: „Die Gesellschaft für Virologie ehrt heute mit Hans Gelderblom eine herausragende Persönlichkeit der deutschen Virologie, der seit seiner ersten Publikation im Jahre 1965 viel zum Fortschritt unseres Fachgebietes und dessen Ruf im In- und Ausland beigetragen hat. Wie kaum ein anderer Kollege hat er wissenschaftliche Kooperationen aufgebaut und mit seinem Spezialgebiet – der Elektronenmikroskopie – die Ergebnisse vieler Arbeitsgruppen befruchtet.“

Bereits als Medizinstudent konnte er 1965 seine erste Publikation als Erstautor in Nature veröffentlichen. Nach der Postdoc-Zeit im Max-Planck-Institut für Virusforschung in Tübingen ging Hans Gelderblom 1971 ins Robert Koch-Institut. Seit 1977 leitete er Arbeitsgruppen und Fachgebiete, zuletzt, von 2002 an, war er Leiter von ZBS 4 (Schnelldiagnostik biologisch relevanter Erreger, Bildgebende Verfahren) bis zu seinem altersbedingten Ausscheiden 2004.

Hans Gelderblom hat die morphologische Erregerdiagnostik für eine Reihe von Viren vorangebracht und systematisch optimiert, er führte zahlreiche Ringversuche sowie nationale und internationale Workshops durch und gab sein Wissen auch an zahlreiche Doktoranden und Diplomanden weiter. Von 1997 bis 2004 fungierte er als Konsiliarlabor für elektronenmikroskopische Erregerdiagnostik. Er trieb die Einbindung der Elektronenmikroskopie in funktionelle Untersuchungen der Virologie entscheidend voran. Als in den Achtzigerjahren HIV aufkam, hat Hans Gelderblom seine Erfahrungen zur Entwicklung des richtungweisenden HIV-Strukturmodells genutzt. Seine „Virology“-Arbeit von 1987 zur Feinstruktur von HIV und eine Nature-Arbeit von 1982 über ein kleines porcines DNA-Virus wurden mehrere hundert Mal zitiert. Ingesamt stehen über 270 Veröffentlichungen in seiner Publikationsliste.

Friedrich Loeffler (Namensgeber für das Friedrich-Loeffler-Institut / Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit) und Paul Frosch formulierten 1898 erstmals das Virus-Konzept. Der Erreger der Maul- und Klauenseuche (MKS) hatte sich in den Versuchen mit bakterienfreien Filtraten als infektionstüchtig erwiesen. Der Erreger war aber – trotz seiner Infektiosität im Tier – auf den für Bakterien geeigneten Kulturplatten nicht anzüchtbar. Er ließ sich mit den damaligen Zentrifugen nicht sedimentieren und war im Lichtmikroskop nicht zu finden. Damit müsste die MKS-Ursache ein vermehrungsfähiger Erreger sein, der deutlich kleiner ist als ein Bakterium, schlossen Loeffler und Frosch, beides Schüler von Robert Koch. Sie postulierten auch, dass die „Erreger anderer Infektionskrankheiten des Menschen und der Tiere, so der Pocken, der Kuhpocken, des Scharlachs, der Masern […] zur Gruppe dieser allerkleinsten Organismen gehören“. Erst mit der Einführung von Zellkultur, Ultrazentrifuge und Elektronenmikroskop wurde die neue, bis dato nur „negativ“ charakterisierte Klasse von Erregern charakterisiert und von den Bakterien abgegrenzt.

Stand: 10.04.2012

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