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EU-Projekt EuroBioTox

Logo of the EuroBioTox project

Am 01.06.2017 startete das EU-Projekt EuroBioTox (European programme for the establishment of validated procedures for the detection and identification of biological toxins), das im Rahmen des Sicherheitsforschungsprogrammes der EU unter Horizon 2020 mit insgesamt 9,5 Millionen Euro finanziert wird, davon 1,5 Millionen Euro ko-finanziert durch das Schweizer Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation. Das Projekt wird von ZBS3 koordiniert und integriert insgesamt 57 Institutionen aus 23 Ländern aus dem Gesundheits-, Sicherheits- oder Lebensmittelsektor, um Qualitätssicherungsmaßnahmen im Bereich biologischer Toxine zu entwickeln. Praktisch alle namhaften europäischen Institutionen, die sich unter verschiedenen Aspekten mit biologischen Toxinen befassen, sowie die CDC, USA, und die Public Health Agency, Canada, arbeiten in EuroBioTox zusammen.

Biologische Toxine stehen von ihren Eigenschaften her zwischen klassischen biologischen und chemischen Agenzien: sie werden von lebenden Organismen produziert, sind aber selbst nicht vermehrungsfähig und weisen z.T. Eigenschaften chemischer Noxen auf. Sie sind natürlicherweise als Auslöser von Lebensmittelintoxikationen bekannt, z.B. C. botulinum als Produzent der Botulinum-Neurotoxine, die das schwerwiegende neurologische Krankheitsbild Botulismus induzieren oder S. aureus und die Staphylokokken-Enterotoxine, die ca. 4% aller Lebensmittelintoxikationen in Europa auslösen.

Biologische Toxine sind aber insbesondere durch ihre Relevanz im Bereich Bioterrorismus in den Fokus gerückt: So zeigten die Rizin-Briefe an politische Entscheidungsträger in den USA 2003 und 2013, dass dieses Pflanzentoxin auch für Laien zugänglich und für kriminelle Handlungen einsetzbar ist. In diesem Zusammenhang zeigte das ebenfalls von ZBS3 koordinierte EU-Projekt EQuATox (2012–2014), dass es Lücken in der Vorbereitung auf mögliche Lagen mit biologischen Toxinen gibt (nähere Informationen zu EQuATox finden sich in der Spezialausgabe der Zeitschrift "toxins" vom 8.12.2015 und in dem Review-Artikel "Biological toxins of potential bioterrorism risk: Current status of detection and identification technology" in der Fachzeitschrift "Trends in Analytical Chemistry", Links siehe unten). Diese durchaus kritischen Befunde dienten als Ausgangspunkt für das aktuelle Projekt.

Folgende Ziele werden im EuroBioTox-Projekt in den nächsten fünf Jahren adressiert:

  • Evaluation moderner immunologischer, spektrometrischer und funktioneller Nachweisverfahren für biologische Toxine
  • Evaluation von Tierversuchsersatzmethoden für ausgewählte biologische Toxine
  • Aufbau von umfassenden Qualitätssicherungsmaßnahmen zur Detektion biologischer Toxine durch

    • Herstellung und Zertifizierung von Toxin-Referenzmaterialien
    • Bereitstellung von Reagenzien und Methoden zur internationalen Verwendung
    • Entwicklung eines mehrstufigen Mechanismus unabhängiger Leistungstests
    • Bereitstellung von experimentellen Trainingsprogrammen
    • Entwicklung von Standard Operating Procedures
  • Koordination von Expertenlaboren, industriellen Partnern und Anwendern (first responder), um technisch ausgereifte Systeme in die Praxis zu bringen

Das EuroBioTox-Projekt wird es den beteiligten nationalen und internationalen Partnern erlauben, bereits identifizierte technische Lücken zu schließen und sich auf B-Lagen mit biologischen Toxinen adäquat vorzubereiten. In diesem Zusammenhang leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Krisenvorbereitung, denn es trägt dazu bei, eine intentionale Ausbringung von biologischen Toxinen zeitnah zu erkennen und damit die Gesundheit europäischer Bürger zu schützen.

Stand: 14.07.2017

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