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Zielgruppeneinstiege

Analyse der Eigenschaften und Trends in der Verbreitung von HIV-1-Subtypen

Ansprechpartner: Andrea Hauser, Karolin Meixenberger, Kirsten Hanke

Anhand phylogenetischer Verwandtschaftsanalysen wird HIV Typ 1 (HIV-1) in 4 Gruppen untergliedert: M, N, O, P. Die pandemisch relevante Gruppe M (major) besteht derzeit aus neun Subtypen (A-D, F-H, J und K) und über 85 zirkulierenden rekombinanten Formen (CRF). Die größte Diversität von HIV-1 Genotypen wird in Afrika beobachtet, wo die Übertragung simianer Immundefizienzviren von nicht-menschlichen Primaten in die menschliche Population stattfand. Global gesehen kommen Subtyp-C-Infektionen am häufigsten vor (Süd- und Ostafrika, Indien, China). In Nordamerika, Europa und Australien dominieren Subtyp-B-Viren, jedoch wurden in nahezu allen europäischen Ländern non-B Stämme mit teilweise steigender Prävalenz beobachtet. Auch rekombinante Viren verursachen lokale Epidemien (CRF01_AE Thailand, CRF02_AG Westafrika, CRF07_BC China, CRF03_AB Russland) und es ist zu erwarten, dass die Komplexität ihrer Genomstruktur zunimmt. Die Ausbreitung der verschiedenen Subtypen erfolgt dynamisch und ist nicht vorhersagbar.

Konsequenzen der genetischen Diversität für die Impfstoffentwicklung, die antiretrovirale Therapie, die Sicherheit der Diagnostik, und möglicherweise auch für die Pathogenität (Krankheitsprogression) sind dokumentiert. Eine wichtige Aufgabe der HIV Surveillance ist deshalb die molekulare Evolution und Ausbreitungsdynamik von HIV-1 Subtypen in Deutschland zu verfolgen. Dies erfolgt primär im Rahmen des Projektes „Molekulare Surveillance von HIV-Neudiagnosen (MolSurv_HIV). Da mit den Proben der Studie im Zuge der Inzidenzstudie (InzSurv_HIV) eine Rezenz-Testung durchgeführt wird, liegt uns zusätzlich die Information vor, ob es sich um eine in den vergangenen 5 Monaten erworbenen Infektion handelt (rezente Infektion). Dies lässt exakte Aussagen über die aktuell in Deutschland zirkulierenden HIV-Varianten zu (Abb. 1) und hilft, regionale Ausbruchsgeschehen zu erkennen.

Bei den Studienpatienten der HIV-1 Serokonverterstudie wird der HIV-Subtyp ebenfalls bestimmt. Er ist einer der Faktoren, die den Verlauf der Erkrankung beeinflussen. Solche viralen Faktoren, die im Genom des Erregers determiniert und vererbt werden, sind Gegenstand der Forschung im internationalen BEEHIVE (Bridging the Evolution and Epidemiology of HIV in Europe)-Konsortium, an dem das Fachgebiet beteiligt ist.

Anteil einzelner HIV-1-Subtypen unter den analysierten HIV-Neudiagnosen der Jahre 2013-2016. Quelle: RKIAbb. 1 Anteil einzelner HIV-1-Subtypen unter den analysierten HIV-Neudiagnosen der Jahre 2013-2016. Quelle: RKI

Stand: 01.09.2017

Ausgewählte Publikationen

  • Hauser A, Hofmann A, Hanke K, Bremer V, Bartmeyer B, Kücherer C, Bannert N (2017): National molecular surveillance of recently acquired HIV infections in Germany, 2013 to 2014.
    Euro Surveill. 22 (2): pii: 30436. Epub Jan 12. doi: 10.2807/1560-7917.ES.2017.22.2.30436. mehr

  • Touloumi G, Pantazis N, Pillay D, Paraskevis D, Chaix ML, Bucher HC, Kücherer C et al.; on behalf of the CASCADE collaboration in EuroCoord (for Germany Hamouda O) (2013): Impact of HIV-1 subtype on CD4 count at HIV seroconversion, rate of decline and viral load set point in European seroconverter cohorts.
    Clin. Infect. Dis. 56 (6): 888-897. Epub 2012 Dec 7. doi: 10.1093/cid/cis1000. mehr

  • Touloumi G, Pantazis N, Chaix ML, Bucher HC, Zangerle R, Kran AM, Thiebaut R, Masquelier B, Kücherer C et al.; for CASCADE Collaboration in EuroCoord (2013): Virologic and immunologic response to cART by HIV-1 subtype in the CASCADE Collaboration.
    PLoS One 8 (7): e71174. Epub Jul 30. doi: 10.1371/journal.pone.0071174. mehr

  • Abecasis AB, Wensing AM, Paraskevis D, Vercauteren J, Theys K, Van de Vijver DA, Albert J, Asjö B, Balotta C, Beshkov D, Camacho R, Clotet B, De Gascun C, Griskevicius A, Grossman Z, Hamouda O, Horban A, Kolupajeva T, Korn K, Kostrikis LG, Kücherer C et al. (2013): HIV-1 subtype distribution and its demographic determinants in newly diagnosed patients in Europe suggest highly compartmentalized epidemics.
    Retrovirology 10 (1): 7. doi: 10.1186/1742-4690-10-7. mehr

  • Paraskevis D, Pybus OG, Magiorkinis G, Hatzakis A, Wensing AM, van de Vijver DA, Albert J, Angarano G, Asjö B, Balotta C, Boeri E, Camacho R, Chaix ML, Coughlan S, Costagliola D, De Luca A, de Mendoza C, Derdelinckx I, Grossman Z, Hamouda O, Hoepelman IM, Horban A, Korn K, Kücherer C et al. (2009): Tracing the HIV-1 subtype B mobility in Europe: a phylogeographic approach.
    Retrovirology 6 (1): 49. Epub May 20. mehr

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