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Robert Koch

Wissenschaftliche Arbeiten

Robert Koch, der neben dem Franzosen Louis Pasteur als Vater der Bakteriologie gilt, erhielt im Jahre 1905 „in Anerkennung seiner Untersuchungen und Entdeckungen im Bereich der Tuberkulose“ den Nobelpreis für Medizin.

Robert Koch wurde am 11. Dezember 1843 als drittes von insgesamt dreizehn Kindern einer Bergmannfamilie in Clausthal (heute Clausthal-Zellerfeld, Harz) geboren. Nach dem Abitur in Clausthal studierte er in Göttingen zunächst ein Semester Physik, dann Medizin. Am 16. Januar 1866 wurde er promoviert, und am 12. März 1866 bestand er das Staatsexamen in Hannover. Nach mehreren Stationen als Krankenhausarzt trat er eine Stelle als Kreisphysikus in Wollstein (Provinz Posen, heute Wolsztyn, Polen) an und begründete mit seinen experimentellen Arbeiten zu Milzbrand seine wissenschaftliche Laufbahn.

Koch schuf entscheidende methodische Grundlagen der bakteriologischen Forschung. Dazu zählen etwa die Entwicklung fester Nährböden zur Züchtung von Bakterien sowie die Einführung der Mikrofotografie, die wesentlich zur Verbreitung der Bakteriologie in der medizinischen Wissenschaft beitrug. Als Kreisphysikus entdeckte er 1876 die Milzbrandsporen, die Ruheform des Erregers, und erklärte so die bis dahin unverstandene Infektionskette und die hohe Widerstandsfähigkeit des Bakteriums gegenüber Umweltfaktoren. Damit hatte Robert Koch als erster den Zusammenhang eines Mikroorganismus als Ursache einer Infektionskrankheit nachgewiesen. Entscheidend waren die Präzision der angewandten Methoden und der logische Aufbau der Beweisketten unter erstaunlich einfachen Bedingungen in einem nur dürftig ausgestatteten Labor in seinem Wohnhaus.

Von Wollstein wurde Robert Koch 1880 an das Kaiserliche Gesundheitsamt in Berlin berufen. Hier baute er mit weiteren Arbeiten die bakteriologische Methodik aus, die für die Erforschung von Seuchen ebenso nützlich war wie für die Entwicklung von gezielten Maßnahmen, etwa Desinfektionsverfahren. Kochs internationalen wissenschaftlichen Ruhm begründete sein Vortrag über die „Ätiologie der Tuberkulose” am 24. März 1882, nachdem er den Nachweis des Erregers dieser als Volksseuche bezeichneten Krankheit erbracht hatte. Um den Krankheitserreger, der viele besondere Eigenschaften hat, durch die er sich der Isolierung entziehen kann, auffinden zu können, waren spezielle Nährböden, neue Kulturbedingungen und die Entwicklung spezifischer Färbetechniken notwendig gewesen. Kurze Zeit darauf gelang Robert Koch während einer Choleraepidemie in Indien im Jahre 1884 der Nachweis des Bakteriums Vibrio cholerae, Erreger dieser Infektionskrankheit.

Zu Lebzeiten wurde Robert Koch als Entdecker des Cholera-Erregers gefeiert. Der Ruhm gebührt ihm jedoch nicht ganz allein. Denn bereits im Jahr 1854 hatte der italienische Anatom Filippo Pacini das Bakterium isoliert. Da zu dieser Zeit noch die Miasma-Theorie vorherrschte, wurden seine Arbeiten nicht anerkannt. Robert Koch kannte die Erkenntnisse Pacinis nicht und machte seine Entdeckung unabhängig von seinem Forscher-Kollegen. Seinem Ruhm und Bekanntheitsgrad ist es zu verdanken, dass die abermalige Entdeckung des Cholera-Erregers nicht unbeachtet blieb.

Tuberkulose und Cholera blieben bedeutende Forschungsthemen. Das Ziel war, Infektionskrankheiten zu verhüten und Epidemien durch gezielte Maßnahmen einzudämmen. Für die damalige Volkskrankheit Tuberkulose richteten sich die Bemühungen auf eine Impfung. Kochs Absicht, ein Therapeutikum oder gar eine Impfung gegen Tuberkulose zu finden, erfüllte sich mit der Einführung von „Tuberkulin 1890“ nicht. Wenn sich auch dieser Substanzenkomplex - eine Mischung aus Bestandteilen abgetöteter Tuberkelbazillen - als Heilmittel nicht bewährte, wurde er doch schnell ein Diagnostikum zum Nachweis der Tuberkuloseerkrankung. Mit dieser Entwicklung wurde gleichsam eine neue Forschungsrichtung, die Immunitätsforschung, vorgezeichnet und Grundlagen geschaffen, Krankheitserreger im Organismus durch deren Stoffwechselprodukte nachzuweisen. Die Koch´schen Erkenntnisse der Zusammenhänge von Erreger und Krankheit wurden erstmals bei der Cholera-Epidemie in Hamburg 1892 gezielt umgesetzt, indem der Erreger durch Filtration des Trinkwassers entfernt und damit die Zahl von Neuerkrankungen drastisch reduziert werden konnte.

Im Jahre 1885 gründete die Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität das Hygienische Institut und berief Robert Koch als ersten Ordentlichen Professor für Hygiene zu dessen Direktor. Hier wurde die neue medizinische Fachwissenschaft der Bakteriologie ausgebaut. Die Forschungsarbeiten konzentrierten sich vor allem auf die Tuberkulose. Die Zahl der Mitarbeiter und Schüler Robert Kochs mehrte sich; sein Institut – die „Koch´sche Schule“ – wurde zum Zentrum der an der Bakteriologie interessierten Ärzte aus der ganzen Welt. Die wissenschaftlichen Leistungen Robert Kochs und die zunehmende Bedeutung der Bakteriologie zum Ende des 19. Jahrhunderts veranlassten die Preußische Regierung, die Einrichtung eines eigenständigen Instituts für die Erforschung von Infektionskrankheiten zu planen.

Am 1. Juli 1891 wurde das „Königlich Preußische Institut für Infektionskrankheiten” in unmittelbarer Nähe der Charité eröffnet. Neun Jahre später folgte aufgrund gestiegener Mitarbeiterzahlen und Erweiterung der Forschungsarbeiten die Verlegung in einen Neubau, den Robert Koch selbst mitgeplant hatte, am Nordufer in Berlin Wedding, und noch heute trägt diese Einrichtung den Namen des Gründers. Internationale Kooperationen und Kontakte prägten Kochs persönlichen Arbeitsstil und die Atmosphäre in den Abteilungen.

Seit 1896 war Robert Koch jährlich mehrere Monate auf Expedition überwiegend in Afrika zur Erforschung von Tropenkrankheiten. Die Forschungsfelder umfassten zunächst Tierseuchen im südlichen Afrika, darunter Rinderpest, Texas- und Küs­ten­fieber und später die Tropenkrankheiten des Menschen, deren Über­tra­gungs­wege noch unbekannt waren, vor allem Malaria und der Schlafkrankheit. Für die Jahre 1906/1907 wurde eine Kommission unter Leitung von Robert Koch nach Afri­ka entsandt, um Therapiemöglichkeiten gegen die Schlafkrankheit zu un­ter­su­chen. Zunächst konnte Koch durch den systematischen Einsatz einer che­misch­en Arsenverbindung, genannt Atoxyl, Erfolge bei der Behandlung der Schlaf­krank­heit erzielen. Nach längerem Gebrauch des Mittels zeigte sich, dass die Pa­ra­sit­en nur vorübergehend verschwanden. Koch verdoppelte die Dosis - obwohl er um die Risiken des Mittels wusste. Bei vielen Patienten kam es zu Schmerzen und Koliken, manche erblindeten sogar. Trotzdem blieb Koch vom prinzipiellen Nutzen des Atoxyls überzeugt. Nach seiner Rückkehr aus Afrika schlug er vor, spezielle Isolier- und Behandlungslager für Schlafkranke zu errichten und die Substanz dort konsequent zur Eindämmung der Seuche zu nutzen. Diese Strategie pro­pa­gier­ten auch britische Tropenmediziner. Kochs letzte Forschungsreise war seine unrühmlichste Expedition.

Während eines Kuraufenthaltes nach einem schweren Herzanfall, den er Anfang April 1910 in Berlin erlitten hatte, starb Robert Koch am 27. Mai 1910 in Baden-Baden. Dort wurde er auf eigenen Wunsch eingeäschert. Die Urne mit seiner Asche wurde in dem ihm zu Ehren zum Ende des gleichen Jahres errichteten Mausoleum in seinem Institut in Berlin beigesetzt.

Lebenslauf

Studium und Privates
11.12.1843geboren in Clausthal / Harz
02.04.1862Abitur
1862 – 1866Studium der Physik und Medizin in Göttingen
16.01.1866Promotion in Göttingen;
danach kurzer Studienaufenthalt in Berlin unter anderem bei Virchow
12.03.1866Approbation in Hannover
16.07.1867Hochzeit mit Emmy Fraatz
06.09.1868Geburt der Tochter Gertrud
1870/71Deutsch-Französischer Krieg, Lazarett-Dienst
16.03.1872Physikat-Prüfung in Berlin
02.06.1893Scheidung von Emmy Koch
13.09.1893Hochzeit mit Hedwig Freiberg
01.10.1904Ausscheiden als Direktor des Instituts auf eigenen Wunsch
10.12.1905Nobelpreisverleihung in Stockholm / Schweden
27.05.1910Tod in Baden-Baden
30.05.1910Einäscherung in Baden-Baden
10.12.1910Offizielle Einweihung des neu errichteten Mausoleum im Robert Koch-Institut
Tätigkeiten
1866Famulatur am Allgemeinen Krankenhaus in Hamburg
1866Arzt in der „Erziehungs- und Pflege-Anstalt für Geistesschwache Kinder”
in Langenhagen bei Hannover
1868Arzt in Niemegk / Potsdam
1869Arzt in Ragkwitz / Posen
1872Ernennung zum Kreisphysikus im Kreis Bomst, Provinz Posen Wohnort: Wollstein
1880 – 1885Regierungsrat am Kaiserlichen Gesundheitsamt in Berlin
1885 – 1891Erster Professor für Hygiene in Berlin, Friedrich-Wilhelms-Universität
1891 – 1904Direktor des Königlich Preußischen Instituts für Infektionskrankheiten
1880 – 1910Ordentliches Mitglied des Kaiserlichen Gesundheitsamtes

Expeditionen und Kongresse

Die Aufzählung der Expeditionen, die Koch zur Erforschung verschiedener Infektionskrankheiten durchführte, und die wichtigsten Kongresse, an denen er teilnahm, zeigen die Vielfältigkeit und die Mobilität des Forschers in einer Zeit eher mühseligen Reisens.

Expeditionen und Kongresse
1883 – 1884Cholera in Ägypten und Indien
1885Internationale Sanitätskonferenz / Rom
1896 – 1897Rinderpest in Südafrika
1897Pest in Indien
1897 – 1898Pest, Malaria, Texasfieber und Tsetsekrankheit in Ostafrika
1898Malaria in Italien
1899Malaria und Chinin in Italien
1899 – 1900Malaria in Batavia (Jakarta) und Neu-Guinea
1901Internationaler Tuberkulose-Kongress in London
1901 – 1902Malaria in Italien und Istrien (Brioni-Inseln)
1903 – 1904Küstenfieber und Pferdesterbe in Britisch-Südafrika
1904 – 1905Tsetse-Fliegen und Trypanosomen in Ostafrika (private Expedition)
1906 – 1907Schlafkrankheit in Ostafrika
1908Internationale Konferenz über Schlafkrankheit in London
1908Internationaler Tuberkulose-Kongress in Washington D.C.

Stand: 31.08.2015

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