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Freund und Mitstreiter - Shibasaburo Kitasato und Robert Koch

„Die Japaner … sind so liebenswürdig und herzlich in ihren Beweisen von Gastfreundschaft“, schreibt Robert Koch im Sommer 1908 aus Japan. Der Medizin-Nobelpreisträger war zusammen mit seiner Frau Hedwig nach Japan gereist, um Shibasaburo Kitasato zu besuchen, seinen Schüler und Freund, den er fünfzehn Jahre nicht gesehen hatte.

Koch und Kitasato sitzen auf einem Sofa, hinter ihnen stehen japanische Institutsmitarbeiter. © Archiv der Humboldt-Universität zu BerlinRobert Koch besuchte Shibasaburo Kitasato 1908 in Japan. Quelle: Archiv der Humboldt-Universität zu Berlin

Kitasato hatte von 1886 bis 1892 in Berlin bei Robert Koch gearbeitet und große Erfolge im Kampf gegen den Wundstarrkrampf erzielt: Dem Mediziner aus Japan gelang es als erstem, den Tetanus-Erreger (Clostridium tetani) in Reinkultur anzuzüchten, und er entwickelte gemeinsam mit dem späteren Nobelpreisträger Emil von Behring die Serumtherapie zur Behandlung von Patienten. Das dabei aufgebaute Prinzip der passiven Immunisierung wird bis heute angewendet. Während eines Pestausbruchs in Hongkong isolierte Kitasato fast zeitgleich mit dem Bakteriologen Yersin den Pesterreger. Viele Entdeckungen Kitasatos ebneten Wege für die moderne Immunologie.

Kitasato arbeitete bei Koch zunächst an der damaligen Friedrich-Wilhelms-Universität. Staatliche Auslandsstipendien wurden damals in Japan nur für drei Jahre gewährt. Kitasato beantragte Ende 1887 beim Japanischen Innenministerium eine Verlängerung seines Aufenthaltes. Mori Ogai, der zur gleichen Zeit bei Koch forschte, setzte sich bei den japanischen Vorgesetzten für die Bewilligung ein. Auf deutscher Seite unterstrich Koch die Notwendigkeit, indem er Kitasato zur Beförderung vorschlug. Kitasato war der erste Japaner und Ausländer, der zum Königlich Preußischen Professor ernannt wurde. Im Jahre 1891 ging Kitasato mit in das neu gegründete „Preußische Institut für Infektionskrankheiten“, zu dessen Direktor Koch berufen wurde und das später nach ihm benannt worden ist.

Als Kitasato 1892 nach Japan zurückkehrte, hielt er engen Kontakt zu den deutschen Kollegen. Immer wieder lud Kitasato Koch nach Japan ein. 1908 ließ sich der Besuch dann realisieren. Nach seiner Ankunft am 12. Juni blieb Robert Koch mehr als zwei Monate in Japan. Kitasato organisierte Reisen, Empfänge und Besichtigungen, und war fast immer an der Seite Kochs. Dabei traf Koch auch Mori Ogai wieder.

Kochs Gesundheit war schon vor der Reise nach Japan angegriffen, auf der Reise in das Kansai-Gebiet wurde er krank. Kitasato war besorgt und bat ein Zimmermädchen, das Robert und Hedwig Koch sehr schätzten, das Ehepaar nach Deutschland zu begleiten. Kitasato schloss mit dem Zimmermädchen, Hana, zunächst einen Vertrag über drei Jahre zur Betreuung und Pflege seines geschätzten Lehrers.

Nach Kochs Tod am 27. Mai 1910 in Baden Baden hielt Hedwig Koch über Kitasato den Kontakt zu Japan. Sie kehrte 1912 zu einer Zeremonie am Gedenkstein nach Japan zurück. Während des Ersten Weltkrieges waren Besuchsreisen nicht möglich, später die Mittel knapp. In dieser Zeit unterstützte Kitasato Hedwig finanziell und erhielt dafür ein Porträt Kochs, das noch heute neben dem Bild Kitasatos im Kitasato-Institut hängt. Seinem einstigen Lehrer hielt Kitasato immer die Treue. So initiierte er für den 50. Jahrestag der Entdeckung des Tuberkel-Bazillus 1932 eine Sammlung unter japanischen Medizinern, um die Robert-Koch-Stiftung zu unterstützen. Den Jahrestag erlebte Kitasato nicht mehr, er starb 1931 in Tokyo.

Das Kitasato-Institut und das Robert Koch-Institut folgen der Tradition ihrer Begründer. Sie betreiben moderne Grundlagenforschung in den Biowissenschaften, erforschen die Ursachen von Krankheiten sowie Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten, um einen Beitrag für die Verbesserung der Gesundheitssituation zu bewirken. Wissenschaftler-Delegationen des Kitasato-Instituts und des Robert Koch-Instituts besuchen einander regelmäßig.

Das Robert Koch-Institut zeigte auch die Ausstellung „Robert Koch in Japan 1908 - 2008“, in der Kitasato eine wichtige Rolle spielt. Die Japanologin Beate Wonde von der Mori-Ogai-Gedenkstätte an der Humboldt-Universität in Berlin hatte die Ausstellung konzipiert und umgesetzt, dort war sie 2008 als erstes zu sehen.

Am 16. Oktober 1908 schreibt Koch aus den USA an Kitasato: „Am liebsten möchte ich gleich wieder zurückfahren nach Japan. Aber bei meinem Alter werde ich wohl darauf verzichten müssen Japan wiederzusehen.“

Stand: 14.08.2012

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