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Hinweise für Einsender zur Typisierung von Staphylokokken- und Enterokokkenstämmen

Die vom Nationalen Referenzzentrum (NRZ) für Staphylokokken und Enterokokken durchgeführten Typisierungsuntersuchungen dienen unter anderem der Aufklärung von Infektketten und Lebensmittelinfektionen. Eine Infektkette ist dann zu vermuten, wenn in einer bestimmten Pflegeeinheit (z.B. Station, Arztpraxis) mehr als zwei Infektionen im gleichen Zeitraum aufgetreten sind. In diesem Zusammenhang bitten wir, die folgenden Anweisungen zu beachten.

Auswahl von Isolaten zur Typisierung

  • Die Typisierung ist eine epidemiologische Methode. Einzeltypisierungen haben nur geringen Aussagewert. Es sollten daher immer mehrere Stämme unter Berücksichtigung möglicher epidemiologischer Zusammenhänge eingesandt werden. Eine epidemiologische Einschätzung vor dem Einsenden ist daher sehr nützlich.
  • Bei Vorliegen des Verdachts auf eine Lebensmittelintoxikation sollten vor einer weiteren Untersuchung der ggf. in diesem Zusammenhang anfallenden Isolate die folgenden Kriterien erfüllt sein: Inkubationszeit: 2-6 Stunden, Keimzahl pro Gramm bzw. Milliliter des Lebensmittels > 105 (nicht bei erhitzten Lebensmitteln).
  • Die Bestimmung des Enterotoxinbildungsvermögens gibt einen Hinweis auf Staphylococcus aureus (S. aureus) als Verursacher. Für die Bestätigung des Intoxikationsweges durch Typisierung müssen sowohl Isolate aus dem angeschuldigten Lebensmittel als auch aus Stuhl/Erbrochenem untersucht werden.

Probenentnahme und -versand

  • Die Isolation von Staphylokokken bzw. Enterokokken aus Primärproben erfolgt im Labor des Einsenders.
  • Die Entscheidung über die Notwendigkeit von weiteren Untersuchungen im Patientenumfeld (Umgebungsuntersuchungen, Personalscreenings) sollte erst nach der Typisierung dieser Stämme in Absprache mit dem NRZ erfolgen.
  • Isolierte Staphylokokken-/Enterokokkenreinkulturen könen bis zum Versand im Kühlschrank bei 2 bis 8 °C aufbewahrt werden. Eine längerfristige Lagerung sollte bei -8 °C erfolgen.
  • Einsendungen an das NRZ müssen gemäß den Bestimmungen zum Versand von medizinischem Untersuchungsmaterial in dreifacher Verpackung erfolgen. Zweckmäßigerweise sollten Isolate als Tupfer in geeignetem Transportmedium versandt werden. Ein gekühlter Versand ist nicht erforderlich, sofern die üblichen Transportzeiten nicht deutlich überschritten werden. Unsachgemäß verpackte Einsendungen stellen eine Gefährdung für die transportierenden oder annehmenden Mitarbeiter dar und können daher zurückgewiesen werden.
  • Jedes eingesandte Isolat muss mit einer Isolat-Nummer (Labor-Nummer Einsender) gekennzeichnet und von einem, diesem Isolat eindeutig zuordnenbaren ausgefüllten Einsendeschein begleitet sein.

Hinweise zu durchgeführten Untersuchungen

Im NRZ werden routinemäßig folgende Untersuchungen für jedes eingesandte Isolat durchgeführt:

  • phänotypische Untersuchungen: Speziesidentifikation, Empfindlichkeitsprüfung
  • genotypische Untersuchungen: Deoxyribonucleic acid (DNA)-Präparation, spa-Typisierung
  • PCR auf vanA/vanB und auf Epidemiemarker (esp, hyl, IS16 - nur bei Enterococcus faecium)

Bei begründeter klinischer Fragestellung (z.B. Toxic Schock Syndrom, Dermatitis exfoliativa, Lebensmittelintoxikation, community acquired Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (caMRSA)-Infektion, schwer verlaufende invasive Infek­tionen) werden zusätzliche Untersuchungen (z.B. Nachweis wichtiger Patho­geni­täts­deter­minanten oder des Toxin-Bil­dungs­vermögens) durchgeführt. Deren Notwendigkeit wird aus den Angaben im Einsendeschein für Staphylokokken - ggf. nach Rücksprache mit dem Einsender - abgeleitet.

Die Durchführung der phänotypischen Untersuchungen erfordert eine Bearbeitungszeit von ca. 3 bis 5, die der genotypischen Untersuchungen von 10 bis 14 Tagen. Ein abschließender schriftlicher Befund wird daher im Allge­meinen nach ca. 14 Tagen erstellt. Bei begründeter klinischer Fragestellung (z.B. Nachweis wichtiger Pathogenitätsdeterminanten oder des Toxin-Bildungsvermögens) kann ein vorläufiger Befund zu einzelnen Untersuchungsergebnissen angefordert werden.

  • Hinweise zur Einführung der spa-Typisierung als Routinemethode

    Zum 01. Mai 2006 haben wir für die Typisierung von Staphylococcus aureus die spa-Typisierung als Typisierverfahren für alle Einsendungen eingeführt. Die Befundmitteilung beinhaltet neben dem spa-Typ den Resis­tenz­phäno­typ, ggf. nachzuweisende Resistenz- und Virulenz-assoziierte Gene sowie mittels Latex-Agglutinationstest nachgewiesene Superantigene. Im Falle des Auftretens von spa-Typen, für die bisher keine bekannte Assoziation mit bestimmten klonalen Linien besteht, erfolgt eine BURP-Cluster-Analyse und die Mitteilung der Zuordnung. Weitere Informationen entnehmen Sie bitte dem Anschreiben zur Einführung der spa-Typisierung sowie der kurzen Einführung in die spa-Typisierung. Hier finden Sie auch eine Tabelle zum Abgleich der häufigsten spa-Typen mit den korrespondierenden klonalen Gruppen und Multi-Locus-Sequenz-Typisierungs(MLST)-Typen.

  • Hinweise zur Anforderung von Referenzisolaten

    Die Abgabe von Referenzstämmen durch das NRZ darf nur an solche Laboratorien erfolgen, die nach §52 Infektionsschutzgesetz (IfSG) eine Erlaubnis zum Arbeiten mit Krankheitserregern besitzen (Ausnahmen: staatliche human- oder veterinärmedizinische Untersuchungseinrichtungen). Der Nachweis erfolgt mit Hilfe des Formblattes "Anforderung von Krankheitserregern aus dem Robert Koch-Institut".

Stand: 10.05.2016

Ausgewählte Publikationen

  • Lasch P, Fleige C, Stämmler M, Layer F, Nübel U, Witte W, Werner G (2014): Insufficient discriminatory power of MALDI-TOF mass spectrometry for typing of Enterococcus faecium and Staphylococcus aureus isolates.
    J. Microbiol. Methods 100 (1): 58-69. Epub Mar 7. doi: 10.1016/j.mimet.2014.02.015. mehr

  • Werner G, Coque TM, Franz CM, et al. (2013): Antibiotic resistant enterococci - Tales of a drug resistance gene trafficker.
    Int. J. Med. Microbiol. 303 (6-7): 360-379. Epub Mar 8. doi: 10.1016/j.ijmm.2013.03.001. mehr

  • Werner G, Fleige C, Feßler AT, Timke M, Kostrzewa M, Zischka M, et al. (2012): Improved identification including MALDI-TOF mass spectrometry analysis of group D streptococci from bovine mastitis and subsequent molecular characterization of corresponding Enterococcus faecalis and Enterococcus faecium isolates.
    Vet. Microbiol. 160 (1-2): 162-169. Epub May 22. DOI: 10.1016/j.vetmic.2012.05.019. mehr

  • Klare I, Fleige C, Geringer U, Witte W, Werner G (2012): Performance of three chromogenic VRE screening agars, two Etest® vancomycin protocols, and different microdilution methods in detecting vanB genotype Enterococcus faecium with varying vancomycin MICs.
    Diagn. Microbiol. Infect Dis. 74 (2): 171-176. Epub Aug 15. DOI: 10.1016/j.diagmicrobio.2012.06.020. mehr

  • Laverde Gomez JA, van Schaik W, Freitas AR, Coque TM, Weaver KE, Francia MV, Witte W, Werner G (2011): A multiresistance megaplasmid pLG1 bearing a hy(lEfm) genomic island in hospital Enterococcus faecium isolates.
    Int. J. Med. Microbiol. 301 (2): 165-175. Epub 2010 Oct 15. doi:10.1016/j.ijmm.2010.08.015. mehr

  • Laverde-Gomez JA, Hendrickx A, Willems R, Top J, Sava I, Hübner J, Witte W, Werner G (2011): Intra- and inter-species genomic transfer of the Enterococcus faecalis pathogenicity island.
    PLoS One 6 (4): e0016720. mehr

  • Werner G, Serr A, Schütt S, Schneider C, Klare I, Witte W, Wendt C (2011): Comparison of direct cultivation on a selective solid medium, polymerase chain reaction from an enrichment broth, and the BD GeneOhm™ VanR Assay for identification of vancomycin-resistant enterococci in screening specimens.
    Diagn. Microbiol. Infect. Dis. 70 (4): 512-521. Epub Jul 20. doi:10.1016/j.diagmicrobio.2011.04.004. mehr

  • Werner G, Freitas AR, Coque TM, Sollid JE, Lester C, Hammerum AM, Garcia-Migura L, Jensen LB, Francia MV, Witte W, et al. (2011): Host range of enterococcal vanA plasmids among Gram-positive, intestinal bacteria.
    J. Antimicrob. Chemother. 66 (2): 273-282. Epub 2010 Dec 3. doi: 10.1093/jac/dkq455. mehr

  • Kuch A, Willems RJ, Werner G, Coque TM, Hammerum AM, Sundsfjord A, Klare I, et al. (2012): Insight into antimicrobial susceptibility and population structure of contemporary human Enterococcus faecalis isolates from Europe.
    J. Antimicrob. Chemother. 67 (3): 551-558. Epub 2011 Dec 29. doi: 10.1093/jac/dkr544. mehr

  • Werner G, Fleige C, Geringer U, van Schaik W, Klare I, Witte W (2011): IS element IS16 as a molecular screening tool to identify hospital-associated strains of Enterococcus faecium.
    BMC Infect. Dis. 11: 80. doi:10.1186/1471-2334-11-80. mehr

  • Werner G, Klare I, Fleige C, Geringer U, Witte W, Just HM, Ziegler R (2012): Vancomycin-resistant vanB-type Enterococcus faecium isolates expressing varying levels of vancomycin resistance and being highly prevalent among neonatal patients in a single ICU.
    Antimicrob. Resist. Infect. Control 1 (1): 12. Epub May 30. doi: 10.1186/2047-2994-1-21. mehr

  • Klare I, Witte W, Wendt C, Werner G (2012): Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE) – Aktuelle Daten und Trends zur Resistenzentwicklung.
    Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 55 (11): 1387–1400. mehr

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