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Zielgruppeneinstiege

Zugangsbarrieren, Zugangswege und Ressourcen

Impfpräventive Angebote für Personen mit Migrationshintergrund müssen an die gesundheitliche Ausgangslage sowie die präventiven Verhaltensweisen dieser Zielgruppe angepasst werden. Der Ansatz der interkulturellen Öffnung des Gesundheitssystems scheint auch in Bezug auf Impfungen am erfolgversprechendsten zu sein, um mögliche Barrieren zu beseitigen und vorhandene Ressourcen optimal zu nutzen.

Die Auswertungen der KIGGS Daten zeigen, dass elterliche Vorbehalte gegenüber Impfungen für Kinder mit beidseitigem Migrationshintergrund seltener angegeben werden als für Kinder ohne Migrationshintergrund. Es gibt aber Hinweise auf eine geringere Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen, die sich in einer geringeren Anzahl von Arztkontakten in Familien von Kindern mit beidseitigem Migrationshintergrund widerspiegelt.
Eine repräsentative Elternbefragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ergab, dass Eltern mit Migrationshintergrund etwas häufiger ein persönliches Informationsdefizit angeben als Eltern ohne. Dies äußerte sich auch in einem deutlich stärkeren Interesse an zusätzlicher Information bei Migranteneltern.

Auf dem Expertenworkshop "Impfprävention bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund" wurden für nach der Geburt zugewanderte Kinder und Jugendliche sowie Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund mögliche Zugangswege und Ressourcen für einen besseren Impfschutz identifiziert:

Neu zugewanderte Kinder und Jugendliche

Hemmende Faktoren bei der Inanspruchnahme von Impfungen können bei zugewanderten Kindern und Jugendlichen und bei Familien mit beidseitigem Migrationshintergrund Informationslücken hinsichtlich bestehender Präventionsangebote sowie sprachliche und kulturelle Barrieren sein.
Eine Möglichkeit, Impflücken bei neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen zu schließen, ist somit das aktive Anbieten von Impfungen bei Ankunft im Land. Dies sollte in Verbindung mit kultursensibel gestalteten Informationen zu weiteren Themen der Prävention erfolgen. Frauen und Müttern kommt dabei als Mittlerinnen für Gesundheitsthemen eine besondere Rolle zu. Sprach- und Integrationskurse sind geeignete Orte, über Gesundheitsthemen, das deutsche Gesundheitssystem sowie über Angebote von Präventionsmaßnahmen zu informieren.

Jugendliche

Als Barrieren für die Inanspruchnahme von Impfungen in der Gruppe der Jugendlichen werden neben dem nachlassenden Kontakt zum Kinderarzt auch die generell schwierige Erreichbarkeit dieser Zielgruppe für Präventionsthemen sowie die geringe Inanspruchnahme der Jugenduntersuchung 1 (J1) diskutiert. Als Ressourcen und Zugangswege für eine bessere Inanspruchnahme wurden für die Zielgruppe - unabhängig vom Migrationshintergrund - in settingbezogenen Ansätzen gesehen. Neben der Ansprache von Müttern im Setting der Familie eignen sich insbesondere Schulen und Sportvereine analog zu anderen Präventionsfeldern gut, um Jugendliche zu erreichen. Dabei sollten niedrigschwellige Interventionen (z.B. in Berufskollegs) gefördert werden. Für eine gezielte Ansprache von Jugendlichen ist es sinnvoll, das Thema Impfprävention mit Gesundheitsthemen zu kombinieren, die in dieser Altersgruppe größere direkte gesundheitliche Relevanz und dadurch höheres Aufmerksamkeitspotential haben, wie z.B. mögliche Aspekte von Tattoos oder Piercings.

Die Beteiligung an der Jugenduntersuchung (J1) ist mit 37,0% Inanspruchnahme bei Jugendlichen allgemein niedrig und insbesondere bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund gering (in Deutschland geboren: 34,4%; selbst zugewandert: 27,3%). Einen wichtigen Ansatzpunkt zur Steigerung der Impfquoten bei Jugendlichen bietet sich nach den KiGGS-Ergebnissen in einer Verbesserung der Inanspruchnahme der Jugenduntersuchung. Unabhängig vom Migrationshintergrund ist die Hepatitis B-Impfquote bei Jugendlichen, die die J1 in Anspruch genommen hatten, um 15-20 Prozentpunkte höher als bei Jugendlichen, die die J1 nicht in Anspruch genommen hatten.

Fokusgruppen im Rahmen des Forschungsprojektes

Eine Analyse der Entscheidungsprozesse, die Jugendliche vor dem Impfen durchlaufen, sowie fördernde und hemmende Faktoren bei der Inanspruchnahme von Impfungen erfolgte 2011 mittels Fokusgruppendiskussionen im Rahmen des Projektes "Impfprävention bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund" am RKI. Teilnehmer waren Jugendliche im Alter von 14 bis 16 Jahren mit türkischem, arabischem und russischem sowie ohne Migrationshintergrund. Fokusgruppen fanden auch mit Müttern mit Migrationshintergrund und niedergelassenen Ärzten statt. Eine der Kernaussagen der Jugendlichen, die getrennt nach Mädchen und Jungen sowie den verschiedenen Herkunftsgruppen diskutierten, war unabhängig vom Migrationshintergrund, dass das eigene Impfverhalten abhängig von familiärem wie auch ärztlichem Einfluss ist, der ärztliche Rat allerdings durch die geringe Anzahl von Arztkontakten nur eingeschränkt ankommt. Die niedrige Inanspruchnahme der Jugenduntersuchung (J1) sowie eine mangelnde Thematisierung von Impfungen in Schule, in Familie und Freundeskreis wurde als Impfbarriere identifiziert.

Einflussfaktoren im Impfprozess bei Jugendlichen

Mütter von Jugendlichen mit Migrationshintergrund wünschten von Seiten des Arztes klare Impfempfehlungen. Eine der Hauptbarrieren für die Inanspruchnahme von Impfungen im Jugendalter schien aus Sicht der Mütter außerdem die abnehmende Häufigkeit von Arztbesuchen durch seltenere Vorsorge- und Impftermine mit zunehmendem Alter der Kinder zu sein. Nach Einschätzung der impfenden Ärztinnen und Ärzten haben vor allem die Eltern bzw. die Mutter einen prägenden und nachhaltigen Einfluss auf das Impfverhalten von Kindern und Jugendlichen. Schulen sind außerdem Ort der Information zu Gesundheitsthemen. Unterschiede im Gesundheits- und Vorsorgeverhalten bei Patienten mit Migrationshintergrund wurden als stark abhängig über das bzw. Teilhabe am deutschen Gesundheitssystem beschrieben. Obwohl migrationsbedingte Faktoren alleine nicht ausschlaggebend für die Inanspruchnahme von Impfungen im Jugendalter zu sein scheinen, könnten Unterstützungsmaterialien für medizinisches Fachpersonal die Kommunikation mit der Elterngeneration verbessern.

Stand: 12.07.2012

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